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Carola Kammerlander

Als Erzieherin oder Erzieher "Karriere" machen

23.12.2015 Kommentare (1)

 Im Erzieherinnen- und Erzieherberuf böten sich kaum Entwicklungschancen, heißt es vielfach. Ob das zutrifft, hängt jedoch auch vom Träger ab: Das Konzept-e-Netzwerk - ein Träger-Zusammenschluss mit insgesamt rund 40 Kindertagesstätten vor allem im süddeutschen Raum - entwickelte unterschiedliche „Karriere“-Optionen für seine Beschäftigten. Im Interview erläutert die pädagogische Geschäftsführerin Carola Kammerlander die Laufbahn-Möglichkeiten und berichtet von Erfahrungen.

Was verstehen Sie bei Konzept-e unter dem Begriff „Karriere“, Frau Kammerlander?

Carola Kammerlander: Unter Karriere verstehen wir jede Form der beruflichen Weiterentwicklung, die sich in einem Zuwachs an Wissen, Kompetenzen oder Verantwortung zeigt. Das heißt: Karriere ist nicht notwendigerweise der Aufstieg entlang einer Hierarchie. Dies bedeutet nämlich in der Regel eine Übernahme von Führungsverantwortung. Außerdem weicht die praktische Arbeit in leitenden Positionen zunehmend theoretischen bzw. organisatorischen Aufgabenstellungen. Vielen Erzieherinnen und Erziehern entspricht eine solche Tätigkeit aber überhaupt nicht. Sie haben diesen Beruf zumeist gewählt, weil ihre Stärke in der praktischen pädagogischen Arbeit mit den Kindern liegt. Die Träger im Konzept-e-Netzwerk bieten daher weitere Karrierepfade an, die das berücksichtigen.

Wie sehen diese unterschiedlichen Möglichkeiten zur Laufbahngestaltung aus?

 Carola Kammerlander: Bei uns gibt es natürlich den klassischen Aufstieg in der Hierarchie. Es besteht die Möglichkeit, eine Teamleitungsfunktion zu übernehmen und anschließend weiter in den pädagogischen Leitungskreis aufzusteigen. Diese Strukturen sollte ich hier kurz erklären, denn sie sind anders als bei den meisten anderen Trägern: Eine Teamleitungsfunktion entspricht einer Kita-Leitung. Unsere Teamleiterinnen und Teamleiter führen jedoch jeweils zwei Häuser und sind den dort arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern disziplinarisch vorgesetzt. Die Leitung mehrerer Einrichtungen hat den Vorteil, dass die Teamleitungen einen weiten, übergreifenden Blick behalten. Gleichzeitig unterstützt er eine Führung nach dem sogenannten AKV-Prinzip. AKV steht für Aufgaben, Kompetenzen, Verantwortung. Das heißt konkret: In unseren Teams übernehmen Erzieherinnen und Erzieher teilweise Aufgaben, die andernorts klassische Leitungsaufgaben sind. Dazu vermitteln wir die nötigen Kompetenzen und übertragen ihnen die Verantwortung für ihren Aufgabenbereich.

Erfahrene Teamleiterinnen und Teamleiter haben die Möglichkeit, Mentorin oder Mentor zu werden. Dann geben sie die Leitung einer Kita ab und übernehmen stattdessen die Betreuung und Einarbeitung neuer Teamleitungskräfte. Sie unterstützen jeweils drei bis vier Mentees über einen Zeitraum von einem Jahr. Mentorinnen und Mentoren sind in dieser Funktion in den pädagogischen Leitungskreis eingebunden und nehmen an dessen Sitzungen teil. Die Übernahme der Mentoringaufgabe stellt einen weiteren Karriereschritt dar.

Der pädagogische Leitungskreis setzt sich aus Akademikerinnen und Akademikern zusammen, die konzeptionelle Fragestellungen sowie übergeordnete Aufgaben bearbeiten und die Teamleitungen führen. Beschäftigte, die in den pädagogischen Leitungskreis aufsteigen möchten, haben diesen Ziel in der Regel bereits im Blick, wenn sie bei Konzept-e anfangen. Wer direkt nach dem Studium der Kindheitspädagogik einsteigt, sammelt jedoch zunächst Erfahrungen als Mitglied eines Kita-Teams und als Teamleitung.

Was bieten Sie Kräften an, die keine Führungsverantwortung anstreben, die aber trotzdem neue Herausforderungen suchen?

Carola Kammerlander: Bei uns gibt es die Möglichkeit, Spezialistin oder Spezialist für ein bestimmtes Thema zu werden.Viele Beschäftigte bringen bereits ein Spezialwissen mit. Sie sind zum Beispiel Theaterpädagoginnen und -pädagogen oder haben vorher einen handwerklichen Beruf ausgeübt. Andere kommen durch unsere Fortbildungsangebote mit Themen in Berührung, für die sie sich begeistern und in denen sie in der Folge eine besondere Expertise erwerben. Sie entwickeln sich dann – in Absprache mit mir – zum Experten oder zur Expertin zum Beispiel für Raumgestaltung, Naturpädagogik oder Sprachförderung. Ihr Fachwissen stellen sie den anderen Einrichtungen im Netzwerk zur Verfügung, indem sie zu ihrem Themenfeld beraten, häuserübergreifende Qualitätswerkstätten gestalten oder Fortbildungen im Rahmen der trägereigenen element-i-Akademie geben. Für unsere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind sie übrigens ebenfalls gefragte Ansprechpersonen, wenn es um ihr jeweiliges Thema geht.

Welche Möglichkeiten haben Kita-Beschäftigte im Konzept-e-Netzwerk, die sich thematisch weniger fokussieren möchten?

Carola Kammerlander: Wir finden es wichtig, dass sich Erzieherinnen und Erzieher möglichst vielseitig interessieren und bilden.Dazu finden sie bei uns ein umfangreiches Fortbildungsprogramm und die Möglichkeit, sich in Projekten zu engagieren.Wir veranstalten jährlich den sogenannten element-i-Kongress für alle rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In jedem Jahr steht ein anderes aktuelles pädagogisches Thema im Fokus. Unsere Fortbildungsangebote in der element-i-Akademie ermöglichen es den Erzieherinnen und Erziehern, sich darüber hinaus unter anderem auch Wissensgebiete zu erschließen, die auf den ersten Blick wenig mit dem Kita-Alltag zu tun haben. Es geht zum Beispiel um Soziale Medien, Kunst oder Gewaltprävention. Unsere Beschäftigten sollen die Möglichkeit haben, sich auf breiter Basis mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zu beschäftigen. Das bringt sie persönlich weiter. Und es wirkt sich indirekt auch beruflich positiv aus. Der jährliche bundesweite Zukunftskongress für Bildung und Betreuung „Invest in Future“, den das Konzept-e-Netzwerk zusammen mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) veranstaltet, steht unseren Beschäftigten ebenfalls offen. Er erschließt neben pädagogischen Fragestellungen auch gesellschaftliche und bildungspolitische Zusammenhänge.

Sie sprachen auch von Projektarbeit. Was hat es damit auf sich?

Carola Kammerlander: Einmal im Jahr haben unsere Kita-Teams die Möglichkeit, am Konzept-e-internen element-i-Award teilzunehmen. Er wird jeweils passend zum Thema unseres element-i-Kongresses ausgelobt und während der Veranstaltung vergeben. Interessierte Erzieherinnen und Erzieher können ein entsprechendes Projekt alleine oder im Team umsetzen, sich damit um den Award bewerben und im Idealfall 2.500 Euro für ihre Einrichtung gewinnen. Außerdem gibt es immer wieder trägerweit relevante Themen, für die projektbezogen Unterstützung benötigt wird. Ein Beispiel ist das Projekt „eMANNzipation – Kita sucht Mann“, das das Konzept-e-Netzwerk im Rahmen des Bundesprogramms „MEHR Männer in Kitas“ über einen Zeitraum von drei Jahren umsetzte.

Was hat Sie dazu bewogen, diese Laufbahnangebote auszuarbeiten und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Carola Kammerlander: Wir wünschen uns für unsere Kindertageseinrichtungen Erzieherinnen und Erzieher, die engagiert, begeistert, weltoffen und wissbegierig sind. Dadurch sind sie ideale Partnerinnen und Partner für die Kinder und unterstützen die Mädchen und Jungen bei der Entdeckung der Welt. Die andere Seite der Medaille: Wer geistig rege und an Weiterentwicklung interessiert ist, benötigt immer wieder neue Themen und Herausforderungen – sonst erlischt der Elan und die Beschäftigten suchen sich nicht selten ein neues Arbeitsfeld. Um das zu vermeiden, haben wir Rahmenbedingungen geschaffen, die viel Anregungen über den Arbeitsalltag hinaus geben, die Möglichkeiten eröffnen, eigene Stärken zu entdecken und auszubauen sowie neues Wissen und Können im Beruf fruchtbar zu machen. So gelingt es uns, gute Leute für Konzept-e zu gewinnen und unsere Beschäftigten zu halten.

In Metropolen wie München, Stuttgart und Karlsruhe spüren wir den aktuellen Mangel an Kita-Fachkräftemangel deutlich. Auch das ist ein Grund, warum wir uns als Träger etwas einfallen lassen müssen, um – auch bei Jugendlichen in der Berufsfindungsphase oder Menschen, die einen Berufswechsel in Betracht ziehen – attraktiv zu sein. Wir merken zum Beispiel, dass wir insbesondere bei lebens- und berufserfahrenen Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern mit unserem Konzept punkten können. Ihre Motivation den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers zu ergreifen, lautet häufig: "Ich möchte etwas Sinnvolles tun und meine Persönlichkeit einbringen und entwickeln." Menschen, die dieses Ziel antreibt, schätzen die Möglichkeiten, die Konzept-e ihnen dafür eröffnet.

Frau Kammerlander, wie bedanken uns für das interessante Gespräch.

Foto oben: Carola Kammerlander, Quelle: Konzept-e/Luca Branciforti

www.konzept-e.de

 

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Kommentare (1)

  • Angelika Mauel:
    04.01.2016 um 12:02 Uhr

    Guten Tag Frau Kammerlander!


    Für mich ist eine berufliche Karriere, die deutliche Gehaltssteigerungen von vornherein ausschließt, keine Karriere.

    "Karrierepfade?" Da darf man sich fragen, ob diese eventuell gar in ein "Karrieretal" münden oder Erzieherinnen in einem "Karriereteich" versumpfen sollen, während es ansonsten immer noch üblich ist, von einer "Karriereleiter" zu sprechen und den Karrieristen überdurchschnittlich hohe Gehälter oder Honorare zu zahlen.

    "Die Leitung mehrerer Einrichtungen hat den Vorteil, dass die Teamleitungen einen weiten, übergreifenden Blick behalten."
    Das mag sein, aber mein Eindruck geht in einen ganz andere Richtung. Ich sehe die Gefahr, dass diese übergeordneten Leitungen, die weniger in den Häusern präsent sind, für die sie Entscheidungen treffen, die bewährten flachen Hierarchien der Vergangenheit zerstören. Sobald eine Erzieherin, die bei einem großen Träger, der über viele Kitas verfügt, aufmuckt, muss sie doch damit rechnen, dass sie kurze Zeit später in eine andere Kita des Trägers versetzt wird, denn kündigen könnte man ihr nicht. "Disziplinierende Personalentscheidungen" aber bringen den straff geplanten Familienalltag mancher Mutter derart durcheinander, dass sie es sich als Erzieherin überlegt, ob sie im eigenen Interesse diskret schweigt oder im Interesse der Kinder der Einrichtung mal die Klappe aufmacht.


    Freundliche Grüße

    Angelika Mauel



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