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Berufsbegleitende Ausbildung

13.11.2009   Judith Körber

Berufsbegleitende Erzieher/innenausbildung am Ita Wegman Berufskolleg
Judith Körber
Die Möglichkeit, die Erzieher/innenausbildung berufsbegleitend zu absolvieren, ist noch so gut wie unbekannt, da es nur sehr wenige Schulen gibt, welche diese Form anbieten. Auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sind oft erstaunt und auch manchmal irritiert, wenn sie hören, dass am Ita Wegman Berufskolleg in Wuppertal berufsbegleitend ausgebildet wird. Studierende und Mitarbeiter aus dem Kinder- und Jugendhilfebereich berichten von ihren Erfahrungen mit der berufsbegleitenden Erzieher/innenausbildung.

In der Arbeit im Kindergarten „Pusteblume e.V." findet Stefan Schemberger seinen Berufswunsch des Erziehers bestätigt. „Ich finde es einfach toll, sich mit Kindern zu beschäftigen. Ich bringe auch Erfahrungen als Student von der Uni mit. Beinahe wäre ich Lehrer für die Sek.II geworden, bis ich gemerkt habe, dass der Lehrerberuf doch nicht das Richtige für mich ist", erläutert Stefan, während er von der Arbeit im Kindergarten schwärmt. Seit Sommer 2009 ist er Studierender am Ita Wegman Berufskolleg und lässt sich hier berufsbegleitend zum staatlich anerkannten Erzieher ausbilden. Berufsbegleitend heißt, dass er an zwei Tagen in der Woche an der schulischen Ausbildung teilnimmt, in der er fachliche Grundlagen vertiefen sowie seine Persönlichkeit durch professionelle Kompetenzen schulen wird. An weiteren drei Tagen in der Woche bewältigt er als auszubildender Mitarbeiter in der Praxis den Kindergartenalltag mit all dessen Herausforderungen.

Stefans Anleiterin Natascha Bruck sowie die anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind begeistert von der Möglichkeit, auf Stefans Arbeitskraft während seiner Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher nicht verzichten zu müssen und darüber hinaus noch von den schulischen Inhalten und Erfahrungen, die Stefan mit in die Praxis bringt, profitieren zu können.
„Wir sehen in der Form der berufsbegleitenden Ausbildung ausschließlich Vorteile", bestätigt die Leiterin. "Es macht sich für den Arbeitsalltag durchaus positiv bemerkbar, dass die Auszubildenden über den gesamten Zeitraum von drei Jahren in der Praxis stehen und so bereits von Anfang an in die Arbeitsprozesse und ins Team mit hineinwachsen. Die Auszubildenden werden von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, aber auch von Kindern und Eltern ganz anders wahrgenommen als andere Auszubildende, die im Rahmen einer Vollzeitausbildung ein achtwöchiges Praktikum absolvieren. Innerhalb von acht Wochen gibt es kaum eine Chance, im Arbeitsprozess in die Tiefe zu gehen und eine Einrichtung kennen zu lernen."

Nicole Schulte arbeitete als gelernte Kinderpflegerin in einem Düsseldorfer Kindergarten, bevor sie die berufsbegleitende Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin am Ita Wegman Berufskolleg begann. Die Praktikantinnen, die sie in dieser Zeit erlebte, waren alle entweder Kurzzeitpraktikantinnen oder Auszubildende im Anerkennungsjahr. „Viele Erzieherinnen, mit denen ich als Kinderpflegerin zusammen gearbeitet habe, hatten im Anerkennungsjahr noch sehr wenig Praxiserfahrung und taten sich häufig schwer damit, ein Gefühl für Situationen und deren Handlungsbedarf zu entwickeln, obwohl sie ja bereits im dritten Ausbildungsjahr waren.
Meine Vorstellung ist, dass sich die theoretischen sowie die praktischen Fähigkeiten in etwa die Waage halten", erläutert Nicole ihre Sichtweise.

An den Tagen, an denen Nicole nicht am Ita Wegman Berufskolleg ist, arbeitet sie im Offenen Ganztag einer Wuppertaler Grundschule. Besonders toll findet sie bei diesem Ausbildungskonzept, dass sie in ihrer Arbeit sowohl von den Kindern als auch von Kolleg/innen sowie Eltern als vollwertige Mitarbeiterin angesehen und dementsprechend angesprochen wird. Außerdem profitiert sie davon, dass sie Entwicklungen über längere Zeiträume kontinuierlich mitvollziehen kann und voll ins Team integriert ist. Die beiden Schultage, an denen sie nicht an ihrer Arbeitsstelle sein kann, empfindet sie nicht als störende Unterbrechung, da auch andere Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten und nicht alle an fünf Tagen in der Woche vor Ort sind.

Diese Situation stellt sich für Liss Kleinert, die auch im Sommer die Ausbildung zur Erzieherin am Ita Wegman Berufskolleg berufsbegleitend begonnen hat, nicht ganz so unkompliziert dar. "Da ich zweimal in der Woche nicht im Kindergarten bin, benötigen wir eine Ersatzkraft für diese zwei Tage. Diese ist für die Kinder dann eine dritte Person, auf die sie sich einstellen müssen. Es sind Kinder unter zwei Jahren, die den Arbeitsrhythmus der Erzieherinnen nicht immer so ohne Weiteres erkennen können", gibt sie zu bedenken.

Aber Liss hatte Glück. Ihr wurde die Stelle im Kindergarten angeboten. Daraufhin entschloss sie sich, eine entsprechende Ausbildung zu beginnen. Die Mitarbeiter in ihrem Kindergarten waren sofort einverstanden und unterstüzen sie. Liss' Arbeitsplatz ist in Bad Sassendorf. An den zwei Schultagen fährt sie jeweils zwei Stunden mit dem Zug hin und zurück, um die Ausbildung berufsbegleitend absolvieren zu können. Sie wünscht sich, dass es eine solche Möglichkeit auch mehr in ihrer Nähe gäbe.

Auch Jessica Drewniak ist überzeugt vom Konzept der berufsbegleitenden Erzieherinnenausbildung. „In unserem Kindergarten finden alle Mitarbeiterinnen die praxisintegrierte Ausbildung sehr positiv. Meine Praktikantinnenkolleginnen machen alle die Vollzeitausbildung und sind immer sehr neugierig, wie ich meine berufsbegleitende Ausbildung mache. Da es kaum Schulen gibt, die die berufsbegleitende Erzieher/innenausbildung anbieten, gibt es vielleicht aber doch viele Menschen, für die dieses Konzept sehr interessant wäre, die aber gar nicht wissen, dass es diese Möglichkeit gibt."

Es ist auch nicht ganz einfach, auf dem Arbeitsmarkt im Kinder- und Jugendhilfebereich Ausbildungsplätze innerhalb dieses Konzeptes zu finden. Interessierte Menschen melden sich am Ita Wegman Berufskolleg und können die Ausbildung nicht beginnen, weil sie keinen Ausbildungsplatz in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe bekommen haben.

Jessica glaubt, dass die Vorbehalte seitens der Einrichtungen damit zusammen hängen könnten, dass Einrichtungen oft nicht in der Lage sind, Auszubildende über drei Jahre zu bezahlen. Auch wenn es aus Sicht der Auszubildenden erstrebenswert ist, für ihre Arbeitskraft entlohnt zu werden, so sind doch auch viele Menschen bereit, für wenig oder sogar gar kein Geld zu arbeiten, um sich zu qualifizieren.

Der andere naheliegende Grund dafür, dass Einrichtungsleiter/innen skeptisch reagieren, wenn sich jemand für die berufsbegleitende Erzieher/innenausbildung interessiert, könnte sein, dass die berufsbegleitende Ausbildungsform noch zu unbekannt ist, da es sich ja hier tatsächlich um Pionierarbeit auf dem Ausbildungsmarkt handelt. Was noch unbekannt ist, ist fremd und macht skeptisch. Wenn man jahrzehntelange Erfahrungen mit einem anderen Modell hat, ist es manchmal nicht einfach, sich vorzustellen, dass es auch anders gehen kann.

Am Ita Wegman Berufskolleg absolvieren einige Studierende die berufsbegleitende Erzieher/innenausbildung, die das Glück hatten, in den Einrichtungen, in denen sie jetzt ihren Ausbildungsplatz haben, auch schon vorher gearbeitet zu haben und ihre Potenziale und Kompetenzen unter Beweis stellen konnten. So erfahren sie viel Unterstützung von seiten ihrer Teams und Einrichtungsleitungen, welche froh darüber sind, dass sich diese Menschen zur Professionalisierung entschieden haben, ihnen aber als Mitarbeiter/innen erhalten bleiben.

So müssen sie zwar über drei Jahre an zwei Tagen auf ihre Mitarbeiter/innen verzichten, bleiben aber gleichzeitig im intensiven Austausch und genießen das gemeinsame Wachsen mit- und aneinander.

Das gemeinsame Fazit aller Gesprächspartner/innen besteht in der Feststellung, dass es sich hier um ein ideales Ausbildungskonzept handelt. Theorie und Praxis können zeitnah optimal miteinander verzahnt werden, Kontinuität in den Arbeitsprozessen wird gewährleistet sowie vertiefende Reflexion über längere Zeiträume ermöglicht. Die Idee der berufsbegleitenden Erzieher/innenausbildung sollte viel mehr publik gemacht werden.

Zur Website:www.fachschule-wuppertal.de

Anmerkung der Redaktion: Zugangsvoraussetzungen für diese Ausbildung sind:

  • Für BewerberInnen mit Sekundarabschluss I (Fachoberschulreife) eine
    abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung oder 5jährige Berufstätigkeit.
  • Für BewerberInnen mit Hochschulreife (Fachabitur oder Abitur) eine
    einschlägige berufliche Vorerfahrung.
  • Ein persönliches Vorstellungsgespräch.
  • Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses.
  • Nachweis über eine Anstellung in einer Einrichtung der Kinder- und
    Jugendarbeit (mindestens 19,5 Wochenstunden; spätestens bei
    Ausbildungsbeginn vorliegend).

 

 


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47
Ihre Frage
HBalluseck am 11.01.2012, 21:03 Uhr
Hallo,

in mehreren Bundesländern wird derzeit überlegt, ob man nicht doch - obgleich es längere Zeit verboten war - Kinderpflegerinnen und SozialassistentInnen in Kita einstellt, vor allem dann, wenn sie eine Weiterbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin machen wollen. Der Grund ist der zunehmende Personalmangel.

Für Mecklenburg-Vorpommern wurde 2010 eine Verwaltungsvorschrift herausgegeben, nach der Kinderpflegerinnen als Assistenzkräfte eingestellt werden können (http://www.kita-portal-mv.de/documents/vv_Einsatz_paedg._Personal_in_Kindertageseinrichtungen.pdf).
Ich kann also nicht einsehen, warum Sie in Mecklenburg-Vorpommern keine Stelle bekommen sollten. Vielleicht müssten Sie bei Trägern (z.B. AWO, Diakonie u.a.) fragen, wo ein Bedarf an Fachkräften besteht, um eine Stelle zu finden - bei jeder Kita können Sie ja nicht nachfragen.

Alles Gute und freundliche Grüße
Hilde von Balluseck
Freundliche Grüße
Hilde von Balluseck
46
berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin
Claudia am 10.01.2012, 19:42 Uhr
Hallo!
Vielleicht bekomme ich hier eine passende Antwort auf meine Frage.
Ich kann den berufsbegleitenden Erzieher im Februar anfangen (in Mecklenburg-Vorpommern) und einmal in der Woche muss ich zur Berufsschule. Ich bin staatlich anerkannte Kinderpflegerin und arbeite in Schleswig-Holstein in einer Kita. Da ich hier als Kip kein Job finde.
Hier meine Frage...
Würde es rechtlich gesehen gehen, wenn ich die Ausbildung anfange und hier als Kip oder als Erz während der Ausbildung arbeite. Wäre es möglich oder lässt das Gesetz es nicht zu?!?!

LG
45
NRW
HBalluseck am 09.01.2012, 07:57 Uhr
Hallo Anja,

in NRW war man in diesen Fragen zeitweise sehr streng. Aber es gibt einen Fachkräftemangel (siehe unser neues Editorial) und von daher müsste eigentliche eine Einstellung als Ergänzungskraft möglich sein. Sie können zwei Dinge tun: Fragen Sie bei einem Träger von Kindertageseinrichtungen (AWO, Diakonie, Caritas oder andere), ob Sie dort eine Chance haben. Falls nicht, würde ich mich noch an das zuständige Ministerium wenden, um zu fragen, ob Sie Ihre Kompetenzen in einer Kita einbringen können.

Was die Ausbildung zur Erzieherin angeht, so überlegen Sie vielleicht nochmal, ob Sie zu einem späteren Zeitpunkt den Anforderungen besser gerecht werden können. Es wäre doch schade, wenn das bisher Geleistete nicht anerkannt wird. vielleicht könnten Sie mit Ihrer Schule zu einem Arrangement dergestalt kommen, dass Sie später wieder einsteigen?

Alles Gute und freundliche Grüße
Hilde von Balluseck
44
gesetzliche Bestimmung
Anja Weinreder am 08.01.2012, 21:45 Uhr
Hallo, bin Kinderpflegerin, befinde mich in Ausbildung zur Erzieherin und merke, dass ich durch meine familiäre und gesundheitliche Situation nicht in der Lage sein werde die Ausbildung zu beenden. Darf man in Nrw als Kinderpflegerin teilzeit in einer Kita arbeiten. (als Ergänzungskraft)? Muss man unbedingt Erzieherin werden um in einer Kita arbeiten zu dürfen? Mit freundlichen gruss Anja.
43
Ihre Frage
HBalluseck am 02.01.2012, 07:27 Uhr
Hallo,

ob Sie eine Ausbildung zur Erzieherin machen können, hängt in erster Linide von Ihrem Schulabschluss ab. In allen Bundesländern ist der MSA das Minimum. Es kann nun allerdings sein, dass in Ihrem Bundesland die Vorschriften dahingehend gelockert wurden, dass die Praxis der Tagespflege mit anerkannt wird. Dazu müssten Sie sich beim zuständigen Ministerium oder bei einer Fachschule in Ihrer Region erkundigen.

Alles Gute und freundliche Grüße
Hilde von Balluseck
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