Besser für Jungen und Mädchen: Koedukation
26.09.2011 Hilde von Balluseck
Die Diskussion um reine Jungen- oder Mädchenklasssen bzw. -Schulen hat bei uns neuen Auftrieb erfahren, nachdem das katholische Mädchengymnasium Marienschule in Limburg an der Lahn eine reine Jungenklasse eingeführt hat. In den siebziger Jahren hatte es - von feministischer Seite! - Forschungsergebnisse gegeben, nach denen Mädchen in reinen Mädchenklassen sich besser im naturwissenschaftlichen Bereih entwickeln. Das mag so lange Gültigkeit gehabt haben, als Jungen und Mädchen von Eltern und Lehrkräften unterschiedliche Begabungen zugeschrieben wurden und mathematisches/naturwissenschaftliches/technisches Interesse als unweiblich galt. Dagegen hat die Politik bei uns erfolgreich interveniert, so dass zumindest die Schulen beiden Geschlechtern gleiche Chancen einzuräumen versuchen.
Im heutigen Tagesspiegel werden nun neue Forschungsergebnisse zum gemeinsamen Lernen von Jungen und Mädchen präsentiert. In ihrem Artikel "Gemeinsam geht's besser" weist Adelheid Müller-Lissner auf einen aktuellen Artikel in der Zeitschrift Science und auf Ergebnisse der deutschen Wissenschaftlerin Marianne Horstkemper (Uni Postdam) hin. Demnach sind bei einem Vergleich unterschiedlicher Forschungsansätze und -ergebnisse keine Vorteile für getrenntgeschlechtliches Lernen auszumachen. Wenn es in Eliteschulen bei getrenntgeschlechtlichem Unterricht zu besserem Lernen beider Geschlechter kommt, dann hat dies nicht mit Geschlechtsunterschieden, sondern mit der von vornherein privilegierten Herkunft der Kinder zu tun, die zusätzlich noch von zu Hause (und vermutlich auch in den teuren Schulen) mehr gefördert werden. Dass Jungen und Mädchen unterschiedlich lernen, so die ForscherInnen, sei ein Märchen und verfestige nur die Geschlechterstereotypen. Getrenntes Lernen sei nur "in homöopathischen Dosen" sinnvoll, z.B. wenn die SchülerInnen dies bei bestimmten Aufgaben wünschen.
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