Das Bildungspaket ist ein Flop - jedenfalls in Berlin
13.12.2011 Hilde von Balluseck
Von den rund 200.000 Kindern und Jugendlichen, die in Berlin Anspruch auf Leistungen des Bildungspakets hätten, haben bis Ende Oktober nicht einmal die Hälfte einen Antrag gestellt. Diese Informationen entnehmen wir einem Artikel des Tagesspiegel von heute. Warum das so ist? Selbst wenn man nicht arm ist und vielleicht Hemmungen gegenüber Antragstellungen hat, selbst dann ist der bürokratische Aufwand verrückt: Für jede Maßnahme - also Schulessen, Nachhilfe, Klassenfahrtunterstützung und und und - muss pro Kind ein extra Antrag gestellt werden. Zuständig für deren Bearbeitung sind aber unterschiedliche Institutionen. Anträge auf Zuschüsse zu BVG-Tickets oder Klassenfahrten werden beim Job Center bearbeitet, das Schulessen vom Caterer, und die eintägigen Schulausflüge und Nachhilfe in der Schule. Die Schule wiederum muss prüfen, ob das Kind antragsberechtigt ist. Dazu braucht es einen Berlinpass, der natürlich auch nicht nach Hause geschickt wird, sondern nur auf Antrag erteilt wird. Und die Schulen haben einen unbezahlten Mehraufwand zu leisten. Die Stimme eines Lehrers: "Im Verhältnis zu den Summen, die bewilligt werden, ist das schlicht Wahnsinn" (Tagesspiegel vom 13.12., S. 14).
Kommentar
Wie ist es möglich, dass das Ministerium von Frau von der Leyen bei der Konstruktion des Bildungspaket so versagt hat? Nun, es fehlt zum einen an Erfahrung. Kein Ministerialbeamter und schon gar nicht die Ministerin selbst, hat Erfahrungen damit, wie es ist, arm zu sein, wie demütigend es ist, ständig Anträge stellen zu müssen, und wie apathisch man nach mehreren Jahren Erfolglosigkeit wird. Keiner von ihnen kennt ein Leben ohne Anerkennung, das Erwerbslose und Arme führen müssen. Der zweite Grund ist der Mangel an Vorstellungskraft. Wir können nicht erwarten, dass EntcheidungsträgerInnen Armut aus eigener Erfahrung kennen gelernt haben - obgleich dies durchaus zu überlegen wäre. Aber wir können erwarten, dass sie sich in die Situation von Menschen in Abhängigkeit von öffentlichen Leistungen hineinversetzen und nicht nur die degradierenden Horrorstories über die abzockenden Hartz-IV-EmpfängerInnen konsumieren.
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