Junge guckt in ein Goldfischglas
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Forschung zu Lese-/Rechtschreib- und Rechenschwäche

20.11.2011

Das erste internationale Symposium des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsschwerpunkts „Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten“ führte am Samstag in München international und national führende Wissenschaftler auf dem Gebiet der Lernstörungen zusammen. Organisiert wurde das Symposium mit Referenten aus Europa, den USA und Kanada von der am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und am Klinikum der Universität München verantworteten Koordinierungsstelle des Forschungsschwerpunkts. Unter Beteiligung von 14 Forschungsinstituten in Deutschland wurde in zwölf Projekten umfassendes empirisches Wissen zu individueller, ursachenbezogener Diagnostik und evidenzbasierter Förderung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörungen aufgebaut. Auf dem Symposium diskutierten die Forscher mit den internationalen Experten ihre neuesten Erkenntnisse.

Im Vorfeld betonten Professor Dr. Marcus Hasselhorn vom DIPF und Professor Dr. Gerd Schulte-Körne vom Klinikum der Universität München als Leiter der Koordinierungsstelle die Dringlichkeit der Forschungsaktivitäten. „Lese-Rechtschreib- und Rechenstörungen beeinträchtigen die schulische und psychische Entwicklung vieler Kinder und Jugendlicher in Deutschland nachhaltig. Die Kinder verlassen häufig ohne Abschluss die Schule, obwohl sie genauso intelligent sind wie ihre Klassenkameraden“, erläuterte Professor Schulte-Körne. Professor Hasselhorn ergänzte: „Bedenkt man, dass fast jedes zehnte Schulkind in Deutschland die Kriterien für eine entsprechende Diagnose erfüllt, so kann man erahnen, von welch weitreichender Bedeutung die bessere Diagnostik und Förderung in diesem Bereich für den durchschnittlichen schulischen Erfolg zukünftiger Generationen ist.“ Bislang fehlt es aber an Förderkonzepten, deren Wirksamkeit überprüft ist. Diese Lücke will die BMBF-Initiative schließen.

Der Schwerpunkt fördert seit 2010 empirische Forschungsvorhaben in folgenden Bereichen:

  • Erforschung von Ursachen schulischer Entwicklungsstörungen mit dem Ziel eines Transfers in die diagnostische Praxis und der Förderung Betroffener. Neben neuropsychologischen Tests kommen auch neurophysiologische Methoden wie EEG zum Einsatz
  • Empirische Validierung vorhandener Methoden der Diagnostik sowie Erforschung und Entwicklung ursachenbezogener Diagnosemöglichkeiten
  • Erforschung, Entwicklung und Evaluation ursachenbezogener und evidenzbasierter Fördermaßnahmen, die mit methodisch kontrolliertem Versuchsdesign überprüft werden
  • Wissenschaftliche Analyse und Entwicklung von Interventionsstudien zur Implementierung und Realisierung entsprechender Fördermaßnahmen in Bildungsinstitutionen
  • Forschungsvorhaben zur empirischen Überprüfung weiterer Auffälligkeiten, beispielsweise in den Bereichen Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit, Emotion oder Motivation
  • Empirische Überprüfung von Lernmethoden und Untersuchungen zur Auswirkung von Unterrichtsmethoden auf die Integration von Schülerinnen und Schülern mit Lernstörungen

Das Koordinationsteam von DIPF und Klinikum der Universität München unterstützt die weitreichende Vernetzung der Projekte untereinander und mit internationalen Expertinnen und Experten – etwa im Rahmen der jährlich organisierten internationalen Symposien und Treffen der Projektleitungen. Zudem veranstaltet die Koordinierungsstelle zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses regelmäßig Jungforschertreffen mit Workshops für Doktorandinnen und Doktoranden. Projektübergreifende Ergebnisse werden für die allgemeine Öffentlichkeit aufbereitet. Für das Erreichen der wissenschaftlichen Öffentlichkeit werden Publikationen in begutachteten Fachzeitschriften sowie Beiträge auf Fachkongressen koordiniert. Der Transfer der Erkenntnisse in die Praxis wird über den kontinuierlichen Austausch mit praxisnahen Institutionen gefördert. Weiterhin informiert eine Broschüre Bildungspraxis und -administration zum Ende der Laufzeit des Forschungsschwerpunkts im Jahr 2013 über die Ergebnisse der einzelnen Projekte. Eine zentrale Datenbank archiviert alle relevanten Daten.

Kurzinformationen zu den einzelnen Projekten des Schwerpunkts und den Ansprechpartnern:www.esf-koordinierung.de

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Pädagogische Forschung

 

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