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Kritik an der Bildungspolitik

17.06.2010   Gwendolyn Stilling

Eine der wenigen positiven Entwicklungen sehen die VerfasserInnen des Bildungsberichts im Krippenausbau. Ansonsten enthält der Bericht eine harsche Kritik. Wir zitieren aus der Pressemeldung des Partitätischen von heute:

"Als unrühmlichen Beleg für das Scheitern deutscher Bildungspolitik bezeichnet der Paritätische Wohlfahrtsverband den heute vorgelegten Bildungsbericht des Bundesbildungsministeriums, nach dem jeder sechste junge Deutsche und jeder dritte 20- bis 30-Jährige mit Migrationshintergrund keinen Berufsabschluss hat. Das bestehende Bildungssystem fördere die soziale Ausgrenzung, reproduziere und zementiere soziale Ungleichheiten, kritisiert der Verband. Der Paritätische fordert neben einer schulischen Bildungsgarantie, mehr und besser verzahnte sozialpädagogische Unterstützungsleistungen für Jugendliche sowie eine Ausbildungsplatzoffensive.

'Wir stehen vor einem bildungspolitischen Scherbenhaufen, der das Ergebnis jahrzehntelanger Untätigkeit ist', kritisiert Verbandsvorsitzender Eberhard Jüttner. Es könne nicht sein, dass die Politik jeden sechsten Jugendlichen abschreibe und ohne Berufsabschluss in Langzeitarbeitslosigkeit und Armut entlasse. 'Eine solche Talentverschwendung können wir uns weder volkswirtschaftlich noch moralisch erlauben. Deutschland ist dabei, seine Zukunft zu verspielen', so Jüttner.

 Der Verband fordert grundlegende Strukturreformen. 'Zehn Jahre nach PISA lassen sich noch immer keine echten bildungspolitischen Fortschritte erkennen. Ohne Mut zu echten Reformen wird es nicht gelingen, unser Bildungssystem fit für die Zukunft zu machen', mahnt Jüttner. Der Paritätische fordert neben einer schulischen Bildungsgarantie den Ausbau sozialpädagogischer Unterstützungsleistungen. Durch eine weitreichende Vernetzung zwischen Schulen und außerschulischen Partnern wie Migrantenorganisationen, Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit sei sicherzustellen, dass kein junger Mensch beim Übergang von Schule in Ausbildung auf der Strecke bliebe. Wo Ausbildungsplätze fehlten, müsse der Staat im Zweifel außerbetriebliche Ausbildungsangebote ausbauen.

Besondere Anstrengungen müssten der Bildungsbeteiligung junger Migrantinnen und Migranten gewidmet werden. Nach einem aktuellen Bericht des Verbandes werden Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem strukturell diskriminiert. Am gravierendsten sei danach das Missverhältnis bei denen, die ganz ohne Abschluss die Schule verlassen: Dies sind sechs Prozent der deutschen, aber 15 Prozent der ausländischen Schülerinnen und Schüler. Der Bericht „Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten“ ist im Internet zu finden unter www.abindiezukunft.de."


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