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Lieber stottern als schweigen!

12.10.2010

Am 22. Oktober ist der Welttag des Stotterns

800.000 Menschen in Deutschland stottern. Die Sprechbehinderung tritt in allen Kulturen und Schichten auf, überall auf der Welt wird und wurde gestottert, schon Moses soll beim Sprechen ins Stolpern geraten sein. Ursache des Stotterns ist eine Störung im Sprechablauf, eine Fehlfunktion in der Zusammenarbeit der linken und rechten Gehirnhälfte, die wahrscheinlich genetisch bedingt ist. Dennoch wird das Ringen mit den Worten häufig mit mangelnder Intelligenz, extremer Schüchternheit oder psychischen Störungen verbunden – Vorurteile, die nicht wenige Betroffene verstummen lassen. „Stotternde redet! Ihr bewegt viel!“ lautet deshalb in diesem Jahr das Motto für den 22. Oktober, den Welttag des Stotterns.

Behandelt werden kann die Sprechbehinderung inzwischen gut. „Eine seriöse Stottertherapie kann bei Kindern und Erwachsenen nachhaltige Erfolge erzielen“, stellt Dr. Matthias Kremer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (BVSS) klar. Doch die eigene Angst vor dem fehlerhaften Sprechen und vor der Reaktion der Mitmenschen auf das ‚Anders sein‘ führt zu weiteren Einschränkungen. „Um sich vor schiefen Blicken zu schützen bestellt jemand beim Bäcker lieber vier statt der benötigten zwei Brötchen, weil er ‚vier‘ besser aussprechen kann“, erklärt Kremer eine der häufigsten Strategien, die Betroffene entwickeln. Andere vermeiden das Sprechen, wo immer es geht, und geraten so unweigerlich ins soziale Abseits. Unsicherheit besteht jedoch nicht nur auf Seiten der Stotternden. Auch Zuhörer irritiert der Kampf mit den Worten und lässt sie mit der Frage zurück, wie sie sich am besten verhalten sollen.

Die Stotterer-Selbsthilfe übernimmt hier Verantwortung, betreibt Aufklärungsarbeit und will Hemmschwellen abbauen. „Im Gespräch mit einem Stotternden gelten die gleichen Regeln, wie für jedes gute Gespräch“, meint Kremer und fasst drei wesentliche Punkte zusammen: „Unverkrampften Blickkontakt halten, Zeit zum Aussprechen geben und jeden seine Sätze selbst zu Ende bringen lassen. Auch wer stottert weiß genau was er sagen will – er kann es nur nicht flüssig aussprechen“. Das oft als Hilfe gemeinte Vervollständigen von Wörtern und Sätzen ist deshalb kontraproduktiv. Es wirkt wie eine Bevormundung und das Gefühl, nicht respektiert zu werden, kann die Stottersymptomatik sogar verstärken. Ausführliche Informationen über die Sprechbehinderung Stottern erhalten Interessierte über die zentrale Informations- und Beratungsstelle der Stotterer-Selbsthilfe in Köln (www.bvss.de). „Stottern ist keine sichtbare Behinderung. Betroffene haben daher eine Art Wissensmonopol und können durch einen selbstbewussten, offenen Umgang sich und ihren Mitmenschen helfen“, motiviert Kremer zur mehr Offenheit.

Hintergrund

Die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (BVSS) ist die Interessenvertretung stotternder Menschen in Deutschland und die einzige Organisation, die umfassend und unabhängig über Stottern informiert und berät. Sie unterstützt die Arbeit der lokalen Stotterer-Selbsthilfegruppen und fördert mit ihrer bundesweiten Projektarbeit unter anderem die therapeutische Versorgungslage. Der 22. Oktober wurde erstmalig 1998 gemeinsam von den weltweiten Stotterer-Organisationen und Fachverbänden zum „Welttag des Stotterns“ (Stuttering Awareness Day) ausgerufen. Nationale Verbände, Selbsthilfegruppen und Einzelpersonen sind aufgerufen, an diesem Tag Stottern besonders aktiv öffentlich zu machen.

Quelle: Pressemitteilung der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. vom 05.10.2010

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