Gruppe von erwartungsfrohen Kindern
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Persona Dolls - Mit Kindern über Vielfalt sprechen

12.05.2011   Serap Skcan-Azun

So lautet die Beilage der Fachzeitschrift Welt des Kindes, Heft 3, die wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion übernommen haben. Die Autorin erklärt, wie in der Kita mit Puppen vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung gestaltet werden kann.
 
Persona Dolls (1) sind Puppen mit Persönlichkeit. Sie haben einen Namen, eine Familie, ein Zuhause und sprechen bestimmte Sprachen. Sie haben ein Lieblingsgericht und mögen manches Essen überhaupt nicht, sie machen manches gerne und kriegen manches nicht gut hin. Sie sind etwa 80 Zentimeter groß und haben genau wie die Kinder, die in Deutschland aufwachsen, unterschiedliche Haut-, Haar- und Augenfarben. Sie haben unterschiedliche Körperformen und benutzen mal ihre Beine, mal einen Rollstuhl und mal eine Gehhilfe, um sich zu bewegen. Sie leben in Familien, die genauso vielfältig sind wie die Familien der Kinder in den Kindertageseinrichtungen oder Grundschulen. Sie wachsen mit einem Vater und einer Mutter auf, leben bei alleinerziehenden Eltern, in Adoptiv- oder P?egefamilien. Persona Dolls repräsentieren die Vielfalt der Lebenswirklichkeiten von Kindern und bringen Kinder mit ihnen in Begegnung.

Persona Dolls kommen zu Besuch

Persona Dolls besuchen Kinder ab vier Jahren in Kindertageseinrichtungen oder Grundschulen und laden sie regelmäßig zu einem Gespräch ein. Der Besuch wird vorher von der Pädagogin angekündigt. Die Kinder sitzen im Kreis und warten mit großer Spannung auf sie. Wenn die Puppe hereinkommt, werden sie sofort magisch von ihr angezogen. Die meisten Kinder wollen sie gleich anfassen und stellen allerhand Fragen: »Ist das eine Puppe oder ein Kind?«, »Sind die Schuhe echt?«, »Darf ich seine Jacke ausziehen?«, »Er sieht ja aus wie ich, stimmt’s?«, »Er hat ja einen ganz dicken Bauch! Isst er zu viele Kekse?«, »Von wo hast du ihn gebracht?« und so weiter. Währenddessen sitzt die Puppe auf dem Schoß der Pädagogin. Diese lässt die Kinder eine Weile ihre Neugierde ausleben und erö? net dann das Gespräch:

»Erinnert ihr euch, ich habe euch gesagt, dass Sebastian heute zu Besuch kommt. Er möchte euch gerne kennenlernen und etwas von sich erzählen. Aber vorher gehe ich mit ihm herum, damit ihr ihn persönlich begrüßen und ihm euren Namen sagen könnt. Wer mag, kann ihm auch gerne die Hand schütteln.« Persona Dolls werden wie echte Kinder in die Kindergruppe eingeführt. Daher soll behutsam und respektvoll mit der Puppe umgegangen werden.

Persona Dolls sind keine Handpuppen

Anders als bei Handpuppen spricht die Pädagogin nicht aus dem Mund der Puppe. Wenn die Persona Doll den Kindern etwas erzählen oder sie etwas fragen will, beugt sich die Pädagogin zu der Puppe hinab und hört, was diese ihr ins Ohr sagt. Mit unverstellter Stimme wiederholt sie für die Kinder, was ihr die Persona Doll mitgeteilt hat: »Sebastian erzählt gerade, dass er fünf Jahre alt ist. Und seine Schwester Clara ist elf Jahre alt. Er fragt, ob ihr wisst, wer von den beiden älter ist?«

Manche Kinder sind anfangs unsicher, ob es sich um eine Puppe oder um ein »echtes« Kind handelt. Einige fragen, warum die Puppe nur zu der Pädagogin spricht und nicht zu ihnen. Sie erklärt: »Stimmt! Sebastian ist eine Puppe. Aber wir spielen, dass er ein Kind ist.« Damit geben sich die Kinder zufrieden, denn sie sind es gewohnt, zu spielen, und lassen sich darauf ein. Es sind eher die Erwachsenen, die Schwierigkeiten haben, dieses So-tunals-ob zu akzeptieren. Für die Pädagogin, die die Persona Doll einsetzt, ist es jedoch eine große Erleichterung, in ihrer Rolle zu bleiben, ihre Geschichte zu fokussieren und das Gespräch zu führen. Und für die Kinder lassen sich manche Dinge »von Kind zu Kind«, auf gleicher Augenhöhe, leichter bereden.

Wird die Puppe erst einmal vorgestellt, akzeptieren die Kinder sie schnell als Freundin oder Freund. Häu?g erzählt die Persona Doll von ihren schönen, lustigen und aufregenden Erlebnissen wie zum Beispiel, dass sie am liebsten mit der Mama im Lieferwagen mitfährt, um Sachen für den Zeitungsladen einzukaufen; dass sie am liebsten Nudeln mit Tomatensoße isst; dass es bei ihr zu Hause einen Hausaltar mit einer Buddha-Statue gibt oder wie sie es zusammen mit ihren Freunden gescha?t hat, aus Eierschachteln eine große Höhle zu bauen. Manche Erfahrungen teilen die Kinder, manche sind neu für sie. Sie berichten der Persona Doll und den anderen Kindern im Gesprächskreis, welche Erfahrungen sie machen, was sie dazu wissen, denken und fühlen. Sie stellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest.

Sobald sie miteinander vertraut sind, erzählt die Persona Doll auch von Erlebnissen, die mit Ausgrenzung, Hänseleien und Ungerechtigkeit zu tun haben: Wie fühlt sich die Persona Doll, wenn sie nicht mitspielen darf, weil sie im Rollstuhl sitzt? Oder weil sie ein Mädchen beziehungsweise ein Junge ist? Oder wenn fremde Erwachsene ungefragt immer wieder ihre Haare anfassen und dann auch noch Schokokeks zu ihr sagen? Haben die Kinder ähnliche Erfahrungen gemacht? Kennen sie das auch? Wie haben sie sich dabei gefühlt? Gemeinsam überlegen die Kinder, wie sie der Persona Doll helfen können. Wem kann die Puppe erzählen, was ihr passiert ist? Wer kann helfen? Wie kann man das sagen? Angeregt durch die Pädagogin üben die Kinder, wie und mit welchen Worten sie sich in solchen Situationen wehren können.

Kompetente Gesprächspartner

Die Persona Dolls stimulieren die Sprechfreude der Kinder und unterstützen sie auch in ihren sprachlichen Bildungsprozessen. Die Pädagogin ist dabei wichtige Gesprächsführerin. Sie sorgt dafür, dass alle Kinder zu Wort kommen. Ihre Redeanteile sollen überwiegen. So stellt die Pädagogin den Kindern o?ene Fragen, das heißt Fragen, die nicht nur mit Ja oder Nein zu beantworten sind: »Manche Kinder haben Geschwister, manche keine. Wie ist es bei euch?« Sie gibt den Kindern genügend Zeit, über ihre Antworten

Fortbildungsangebot zu Persona Dolls

Das Projekt Kinderwelten (2) hat die Methode Persona Dolls für Deutschland weiterentwickelt und bietet dazu Fortbildungen für Erzieherinnen, Fachberaterinnen und Grundschullehrerinnen an. Die Fort bil dungen umfassen Seminartage zur Vermittlung der notwendigen Grundkenntnisse sowie Re?exions- und Trainingstage, an denen Videomitschnitte vom Einsatz der Persona Dolls in den Kindergruppen der Teilnehmerinnen analysiert und ausgewertet werden. Dabei re?ektieren die Beteiligten im kollegialen Austausch die Biogra?en und Geschichten, ihren jeweiligen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Kinder und die Gesprächsführung. So erwerben sie grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit der Methode, die sie in der Praxis ausbauen können. nachzudenken. Wie wir Erwachsenen brauchen sie Zeit, über ihre Ideen nachzudenken. Besonders über das, was sie selbst noch nicht erlebt haben.

Die Pädagogin sorgt dafür, dass kein Kind von anderen Kindern ausgelacht, beschämt oder ausgegrenzt wird: »Es ist nicht in Ordnung, dass Verena nicht zum Geburtstag eingeladen wird, weil ihre Mama kein Geld für ein Geschenk hat!« Merkmale von Menschen werden von der Gesprächsführerin sachlich korrekt und respektvoll beschrieben. Abwertende oder verletzende Aussagen vermeidet sie und lässt sie nicht zu. Sachkenntnis und Sensibilität sind hier nötig, denn auch über Sprache werden Vorstellungen davon gefestigt, was »normal« ist und wer dazugehört. Ein Beispiel: Spricht man von »richtigen« und »intakten«   Familien oder davon, dass es in einer Familie »nur« eine Mutter und keinen Vater gibt, wird Kindern unterschwellig vermittelt, dass bei ihnen oder in anderen Familien eventuell etwas »nicht stimmt«.

Die Pädagogin reagiert wertschätzend auf die Aussagen und Ideen der Kinder (»Das ist eine sehr gute Idee, Beyza!«) und fasst zusammen, was gesagt wurde. Auf diese Weise erleben sich die Kinder im Gespräch mit der Persona Doll und ihrer Pädagogin als kompetente Gesprächspartner. Sie alle werden gehört, ihre Meinung zählt, ihre Vorschläge sind wertvoll! So fassen auch schüchterne Kinder und Kinder, die in der Gruppe eher am Rande stehen, Mut, von sich zu erzählen.

Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung

Mit Persona Dolls leistet die vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung einen wesentlichen Beitrag zu einer demokratischen Kultur des Aufwachsens. Die Methode der Persona Dolls hat ihren Ursprung in den USA und wird unter anderem in Ländern wie Australien, England, Dänemark und den Niederlanden angewandt. Das Projekt Kinderwelten2 hat diese Methode im Jahr 2001 für Deutschland adaptiert und weiterentwickelt. Sie wird im Rahmen des Projektansatzes »Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung« umgesetzt und ist daher nicht im Handel erhältlich.

Pädagoginnen, die für diese anspruchsvolle Methode vom Projekt ausgebildet werden, setzen die Persona Dolls zu bestimmten Vielfaltsaspekten wie zum Beispiel Armut, Übergewicht, Religionen, Körperbehinderung, P?egefamilien, Gender, Hautfarben, Regenbogenfamilien, Mehrsprachigkeit ein und entwickeln das individuelle Aussehen, die Biogra?en und Geschichten der Puppen entlang der vier Ziele der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung:

Ziel 1: Ich-Identität und Bezugsgruppen-Identität stärken

Persona Dolls sind eine reizvolle Einladung, von sich zu sprechen. Sie initiieren Gespräche über äußere Merkmale wie Geschlecht, Hautfarbe, Augenfarbe, Haare oder Kleidung. Auch Merkmale der Persönlichkeit wie Alter, Familie, Familiengewohnheiten, soziale Lebensverhältnisse, Freunde, Religion oder Wohnort werden besprochen. Die Kinder eignen sich sachlich korrektes Wissen über ihre Besonderheiten und ihren Hintergrund an. Sie erleben im Gespräch Anerkennung und Wertschätzung für sich und ihre primäre Bezugsgruppe, die Familie.

Ein Beispiel:

Max ist fünf Jahre alt. Er hat blonde, lockige Haare, blaue Augen und helleHaut. Sein Papa heißt Markus und seine Mama Karin. Beide sind im gleichen Dorf in Deutschland aufgewachsen. Max ist in einer Großstadt geboren. Mitdem Zug ist es nicht weit zum Geburtsort seiner Eltern. Max’ Familienspracheist Deutsch.Zusammen wohnen sie in einer Wohnung, die ganz unten in einemMehrfamilienhaus ist. Am Eingang undin der Wohnung gibt es keine Treppen,so dass Max mit seinem Rollstuhl überall hingelangen und ganz allein hinein-oder herausfahren kann. Wie ist es in eurer Wohnung, müsstihr Treppen steigen, um reinzukommen?Max hat kein Hochbett, weil er nichtklettern kann. Wo schlaft ihr zu Hause?Max hat eine Mondlampe in seinerSchlafhöhle, weil er Angst im Dunkelnhat. Habt ihr auch manchmal ein bisschen Angst? Wovor habt ihr Angst?Max geht regelmäßig zu seinem Arzt Dr. Fischer.Wer von euch war schon mal beim Arzt?[Auszug aus Azun u.a. (2009), S. 12 – 13]

Ziel 2: Erfahrungen mit Vielfalt ermöglichen

Persona Dolls ermöglichen die Begegnung mit der Vielfalt an äußeren Merkmalen, persönlichen Eigenschaften, Familienkulturen, Ritualen und Traditionen. Die Puppen dienen auch als Türö?ner, um Themen ins Gespräch zu bringen, über die vorher eher nicht gesprochen wurde. Wichtig dabei ist das didaktische Prinzip, zuerst an den Gemeinsamkeiten anzusetzen, bevor Unterschiede thematisiert werden. So erleben die Kinder im Austausch, dass Menschen vieles gemeinsam haben. Und wenn man Unterschiede versteht, sind sie weniger beängstigend. Ein erweiterter Wortschatz zur Benennung von Unterschieden hilft Kindern, Unbehagen und Irritationen zu meistern. So lernen sie, sich mit Unterschieden wohlzufühlen und kompetenter damit umzugehen. Dies ermöglicht ihnen, Empathie und Respekt für die Vielfalt zu entwickeln und einseitige Vorstellungen zu überdenken: »Nein, die Irma spricht nicht komisch, sie spricht eine Sprache, die du nicht verstehst. Polnisch heißt diese Sprache.«

Ein Beispiel:

Mwazilinda ist fünf Jahre alt. Sie hatschwarze, lockige Haare und hellbrauneAugen. Ihre dunkelbraune Hautfarbe hatsie von ihren Eltern. Ihr Name stammt aus dem Land, aus dem ihre Eltern kommen. Das Land heißt Sambia und liegt im südlichen Afrika. Mwazilindas Namen spricht man soaus: Muasilinda. Die Betonung legt man auf die letzte Silbe. Der Name bedeutet die Erwartete. Mwazilindas Eltern haben sich sehr auf sie gefreut und konnten es kaum erwarten, dass sie auf die Welt kommt.

Welche Hautfarbe habt ihr? Beschreibt eure Hautfarbe: Meine Hautfarbe ist wie … Findet etwas aus der Natur, das die gleiche Farbe hat wie eure Haut. Ist eure Hautfarbe am ganzen Körper gleich? Wer in der Kindergruppe hat eine ähnliche Hautfarbe wie du?

Was denkt ihr, woher ihr eure Hautfarbe habt? Was denkt ihr, welche Hautfarben die meisten Menschen auf der Welt haben? Was denkt ihr, wo Menschen, die eine dunkelbraune Hautfarbe haben, leben und zu Hause sind? [Auszug aus Azun u.a. (2009), S. 13]

Ziel 3: Kritisches Denken über Vorurteile und Diskriminierung anregen

Die Erlebnisse der Persona Dolls regen die Kinder an, darüber nachzudenken, was fair und was unfair ist. Sie beschäftigen sich mit den Auswirkungen von unfairem Verhalten und setzen sich mit moralischen Grundwerten auseinander, die für alle gelten. Dabei erweitern sie ihren Wortschatz, um unfaires Verhalten ansprechen und Gefühle benennen zu können.

In dieser Auseinandersetzung sind die Kinder kognitiv, emotional, sozial und sprachlich gefordert. Sie erfahren, dass jedes Kind das Recht auf Schutz vor Ausgrenzung und Hänseleien hat. Sie erleben Anerkennung für ihren Gerechtigkeitssinn und für ihre Fähigkeit, Problemlöse-Strategien zu entwickeln.

Ein Beispiel:

Verena ist fünf Jahre alt. Sie hat ganz helle Haut, graue Augen und halblanges blondes Haar. Ihre Familiensprache ist Deutsch, und Verena sagt »Mama« zu ihrer Mutter.
Mit ihrer Mama und dem Kater Mikesch wohnt Verena in einem Mietshaus in Berlin. Das Haus hat vier Stockwerke, ihre Wohnung ist ganz unten. Die Menschen draußen auf dem Bürgersteig können zu Verena durchs Fenster hineingucken. Darum hat sie meist den Vorhang zugezogen.
Verenas Mama hat einen Mini-Job, aber Verena weiß nicht so genau, was das ist. Verenas Schuhe und Kleider kommen aus dem Kleiderlager.
Verena wohnt in einer Wohnung, die ganz unten im Haus ist, weil man da nicht so viel Miete zahlen muss. Weißt du, was Miete ist?
Verena würde gern weiter oben im Haus wohnen und einen Balkon haben. Kannst du verstehen, warum? Habt ihr euch schon mal etwas gewünscht, das ihr nicht bekommen konntet? Gab es etwas, was euch getröstet hat?Wie könnte man Verena trösten?
(2009), S. 24 – 27]

Ziel 4: Sich Diskriminierung und Vorurteilen widersetzen

Die Persona Dolls ermutigen die Kinder, sich aktiv und gemeinsam mit anderen gegen einseitige und diskriminierende Äußerungen, Verhaltensweisen und Abbildungen zur Wehr zu setzen, die gegen sie selbst oder andere gerichtet sind. Die Kinder erfahren, dass sie unfaire und diskriminierende Äußerungen und Handlungen öffentlich machen dürfen und sollen. Über die Geschichten der Puppen erleben sie modellhaft, wie Erwachsene und Kinder sich für die Rechte anderer einsetzen und soziale Verantwortung übernehmen können.

Wichtige Schlüsselkompetenzen wie Konfliktfähigkeit, das Übernehmen von Verantwortung und Zivilcourage machen sie zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten in ihren weiteren Bildungsprozessen.

Ein Beispiel:

Sebastian ist sechs Jahre alt. Er hat kurze blonde Haare und große braune Augen, Sommersprossen auf der Nase und eine helle Haut. Sebastian geht in die erste Klasse. Er hat eine große Schwester, die auf die gleiche Schule geht wie er. Sie heißt Clara und ist elf Jahre alt. Beide teilen sich ein Zimmer.
Nach der Schule geht Sebastian zu seinen Großeltern, die um die Ecke wohnen. Clara bleibt oft länger in der Schule, weil sie in einer Hip-Hop-Gruppe tanzt. Neulich haben Sebastians Eltern ihn zum Karate-Unterricht angemeldet. Sie haben gesagt, dass er zu dick ist und Sport machen soll.
 
Manchmal wird Sebastian von anderen Kindern auf dem Schulhof geärgert. Sie sagen »Fettsack« zu ihm und schubsen ihn. Was meint ihr, wie er sich dann fühlt? Wie findet ihr das?
Was kann er dagegen tun? Wer kann ihm helfen?
Sebastian wird immer als letzter in die Mannschaft gewählt. Kennt ihr das auch? Wie fühlt ihr euch dann? Wem kann Sebastian sagen, dass ihn das traurig macht? Was kann man dagegen tun? Wer kann ihm helfen? Wie kann man Mannschaften so wählen, dass es allen Kindern gutgeht?
[Auszug aus Azun u.a. (2009), S. 13 – 14]

Anmerkungen

1 Der Begriff Persona Dolls© ist vom Projekt Kinderwelten geschützt. Der besseren Lesbarkeit wegen wird im Text auf das Copyright-Zeichen verzichtet.

2 Kinderwelten ist ein bundesweites Verbreitungsprojekt und arbeitet mit Kitas, Grundschulen und Fach(hoch)schulen für Sozialpädagogik daran, die Qualität in pädagogischen Einrichtungen so zu verändern, dass Respekt für Vielfalt und das Nichtakzeptieren von Diskriminierung deutlich werden. Kinderwelten ist ein Projekt des Instituts für den Situationsansatz/Internationale Akademie gGmbH an der Freien Universität in Berlin. www.ina-fu.org www.kinderwelten.net

Literatur

Azun u. a. (2009): Serap Azun, Ute Enßlin, Barbara Henkys, Anke Krause, Petra Wagner (Hrsg.): „Mit Kindern ins Gespräch kommen. Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung mit Persona Dolls©“ (Praxisheft);zu beziehen über koordination@kinderwelten.net gegen eine Schutzgebühr (Enthält u. a. Biografien und Geschichten zu verschiedenen Vielfaltsaspekten wie Armut, Übergewicht, Religionen, Körperbehinderung, Pflegefamilien, Gender, Hautfarben, Regenbogenfamilien, Mehrsprachigkeit.)

Projekt Kinderwelten, INA gGmbH an der FU Berlin (Hrsg.) (2008): „Mit Kindern ins Gespräch kommen. Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen“; ein Film von Roswitha Weck (DVD); Konzept: Serap Azun, Barbara Henkys, Anke Krause; ebenfalls zu beziehen gegen eine Schutzgebühr über koordination@kinder­welten.net (Darauf finden Sie zahlreiche Beispiele für den Einsatz der Persona Dolls in Kindergruppen)

Serap Skcan-Azun

Dipl.-Pädagogin, bis 2010 Koordinatorin im Projekt Kinderwelten. Ihre neueste Veröffentlichung: »Das Familienspiel. Alle Familien sind gleich – jede Familie ist besonders«, ein mehrsprachiges Spiel für Klein und Groß, erhältlich unter www.verlagdasnetz.de

 

 

 

 

 

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