Gruppe von erwartungsfrohen Kindern
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Pro und Contra Schließzeiten

18.07.2010   Petra Fretschen/Simone Amend

Den folgenden Beitrag übernehmen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von Welt des Kindes. In Heft 4/2010 ist er erschienen.

Sollen Kindertageseinrichtungen ganzjährig geöffnet sein? Was spricht dafür, während der Ferien zu schließen, und was dagegen?

„Wir bieten Kindern und Eltern Kontinuität.“

Petra Fretschen, Leiterin der Städtischen Kindertageseinrichtung „Traumland“ in Willich.

Seit 2006 ist unsere städtische Kita "Traumland" zusätzlich ein zertifiziertes Familienzentrum. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, in allen Lebenslagen für Familien Ansprechpartner und Unterstützer zu sein. Unsere viergruppige Einrichtung bietet Betreuungszeiten von 25 und 35 Wochenstunden an.

Wir sind zehn Mitarbeiterinnen mittleren Alters und durch unsere Partnergruppenarbeit sehr flexibel „gestrickt“. Unsere Flexibilität und das hohe Maß an Teamgeist, Engagement und Freude an unserer Tätigkeit ermöglicht es uns, eine ganzjährige Öffnung anzubieten.

Die in unserer Kita geförderten und betreuten Kinder werden immer jünger. Aufgrund ihres Alters steht der Beziehungsaufbau zwischen den Erzieherinnen und den Kindern zunächst an erster Stelle. Im Anschluss an die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell eröffnet sich den kleinen Menschen bei uns langsam aber sicher der „Horizont“ des gesamten Kindergartens. Personen, Räume – nicht unerheblich auch für junge Kinder –, vertraute Geräusche und Gerüche und die ersten Freundschaften geben den Kindern die erforderliche Sicherheit, um sich ohne Mama und Papa stundenweise zurechtzufinden.

„Traumland“ ist zuverlässig für seine Familien da. Mit der Zeit kann auch eine Bezugsperson in Urlaub gehen, ohne dass die jungen Kinder ihren Halt verlieren. Bei durchgehender Öffnung bleibt den Kindern ein Wechsel in eine fremde Einrichtung und Umgebung erspart. Es geht uns darum, Kinder- und Elternbedarfe zu erkennen und darauf einzugehen.

Ein weiterer Vorteil der ganzjährigen Öffnung unserer Kindertageseinrichtung: Die Eltern und auch die Kolleginnen müssen nicht in der teuersten Zeit des Jahres in Urlaub gehen.

„Aufgrund unserer Personalsituation müssen wir schließen.“

Simone Amend, Leiterin der Katholischen Kindertagesstätte „Haus für Kinder“ Mariä Geburt, Höchberg.

In den letzten Jahren haben wir unsere Schließzeiten minimiert, dennoch schließen wir im Sommer nach wie vor für drei und an Weihnachten für zwei Wochen. Da wir ein großes Team (zwischen 12 und 16 Mitarbeitern) sind und bis zu 140 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und zehn Jahren betreuen, ist es für uns notwendig, in dieser Zeit zu schließen. Schon jetzt haben wir oft Personalprobleme wegen Überstundenausgleich, Urlaub, Fortbildung und Krankheit.

Bei weniger Schließtagen wären Waldtage und andere Ausflüge undenkbar, Aktionswochen oder Kleingruppenarbeit schlicht unmöglich. Verfügungszeiten, die benötigt werden, um die pädagogische Planung und Reflexion zu sichern und eine persönliche Elternarbeit zu gewährleisten, würden ebenfalls wegfallen. Somit wären eine kreative Bildungsarbeit und eine individuelle Begleitung der Kinder nicht möglich.

Eine weitere Verringerung der Schließzeiten wäre nur mit externem Personal zu leisten. Dies ist jedoch nicht finanzierbar beziehungsweise müsste als massive Erhöhung auf die Elternbeiträge umgelegt werden.

Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass es allen - Kindern, Eltern und Kolleginnen - gut tut, eine feste Erholungspause zu haben. Es bleibt keine Arbeit liegen, die dann zwischendurch wieder aufgearbeitet werden muss. Die Pause ist notwendig, damit jeder Kraft und Energie tanken kann für einen abwechslungsreichen Bildungsalltag mit den Kindern und Familien.

Für Eltern, die eine Ferienbetreuung ihrer Kinder benötigen, treffen wir Absprachen mit den anderen Kindertageseinrichtungen vor Ort. Meist können die Kinder dort gegen einen geringen Tagessatz betreut werden.


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