Qualifizierung in der Kindertagespflege
03.08.2011
Das Deutsche Jugendinstitut hat eine Expertise zum Thema „Modelle der Theorie-Praxis-Verzahnung in der Grundqualifizierung von Kindertagespflege-personen“ ausgeschrieben, hier der Text:
1. Ausgangssituation
Das DJI-Curriculum (2002, 2008) hat wichtige Maßstäbe für die Grundqualifizierung von Kinderta-gespflegepersonen gesetzt und den Übergang von einem weitgehend unregulierten Arbeitsfeld zu einem zunehmend klarer umrissenen und regulierten Tätigkeitsfeld begleitet. Es ist auf der Grund-lage des derzeit fachlich akzeptierten Mindeststandards von 160 Unterrichtseinheiten konzipiert und konnte in den letzten Jahren fast flächendeckend eingeführt werden.
Vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklungen im Feld der Frühpädagogik und des Aus-baus der Betreuungsplätze für unter Dreijährige befindet sich die Kindertagespflege im Umbruch: Sie soll im Zusammenhang mit dem ab 2013 gültigen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag quantitativ ausgebaut werden. Zugleich weisen die rechtlichen Novellierun-gen des SGB VIII (TAG, KICK, KiföG) der Kindertagespflege einen neuen Stellenwert als gleich-wertiges Betreuungsangebot mit dem Auftrag qualifizierter Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern zu. Damit steht sie vor der Herausforderung, die Qualität weiter deutlich zu verbessern, um den gestiegenen Anforderungen an die Förderung gerade unter Dreijähriger gerecht zu werden und eine höhere Akzeptanz bei den Eltern zu finden. Aus dem Deutschen Qualifikationsrahmen ergibt sich darüber hinaus die Anforderung, die Qualifizierung von Kindertagespflegepersonen kompetenzorientiert zu gestalten.
Zur fachlichen Weiterentwicklung der Kindertagespflege fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) das Projekt „Kompetenzorientiertes Qualifizierungshand-buch Kindertagespflege – Schwerpunkt: Förderung von Kindern unter 3 Jahren“ (01.06.2011 bis 31.05.2013), das die Grundqualifizierung von Tagespflegepersonen den neuen Anforderungen entsprechend überarbeiten und auch die Anschlussfähigkeit an anerkannte pädagogische Be-rufsausbildungen sicher stellen soll.
In diesem Zusammenhang wird ein weiterführendes Modell zur Theorie-Praxis-Verzahnung in der Grundqualifizierung notwendig. Das bisherige, im DJI-Curriculum umgesetzte Modell sieht eine Einführungsphase von 30 Unterrichtseinheiten vor, der eine praxisbegleitende Vertiefungsphase mit 130 Unterrichtseinheiten folgt, in der bereits in der Regel ein Kind in der eigenen Tagespflege-stelle betreut wird. Dieses Modell soll im zu erarbeitenden Qualifizierungshandbuch durch ein neu-es Modell der Theorie-Praxis-Verzahnung ersetzt werden. So könnten bspw. Hospitationen, Prak-tika und andere Formen der Praxiserfahrung bei geschulten Kindertagespflegepersonen, in Groß-tagespflegestellen, Krippen oder KiTas angehenden Kindertagespflegepersonen einen umfassen-deren Einblick in die Praxis gewähren und zur Erweiterung und Vertiefung von Handlungskompe-tenzen, zur Rollenklärung, zur Vernetzung mit der Fachpraxis vor Ort und zur Weiterentwicklung der Reflexionsfähigkeit beitragen. Ziel ist es, alternative Formen der Theorie-Praxis-Verzahnung zu beschreiben und fachlich zu bewerten, um darauf aufbauend ein fachlich begründetes und langfris-tig tragfähiges Modell zu etablieren, das dem Anspruch einer umfassenden kompetenzorientierten Qualifizierung von Tagespflegepersonen, aber auch den Rahmenbedingungen der Kindertages-pflege, gerecht wird.
Vergleichende Studien zu den in Deutschland und in anderen Ländern praktizierten Modellen der Theorie-Praxis-Verzahnung und fachliche Grundlagen für ihre Bewertung fehlen jedoch bislang.
2. Leistungsumfang
Die Expertise soll als Grundlage für die Konzeption eines fachlich optimierten Modelles der Theo-rie-Praxis-Verzahnung zur Erweiterung und Vertiefung der Handlungskompetenzen in der Grund-qualifizierung von Kindertagespflegepersonen dienen.
- Dementsprechend soll sie den aktuellen Stand der diesbezüglichen Fachdiskussion aufbe-reiten, indem sie die aktuellen Diskussionen im Bereich der Kindertagespflege und der in-stitutionellen Betreuung aufarbeitet und
- durch eine qualitative Recherche unter Expert/innen - nach einem mit dem Projekt abzu-stimmenden Leitfaden - ergänzt.
- Die Expertise soll die fachliche Notwendigkeit der Theorie-Praxis-Verzahnung argumentativ begründen und
- die bestehenden Modelle und ihre rechtlichen, formalen und finanziellen Voraussetzungen systematisch darstellen.
- In diese Betrachtung sollen auch die in anderen Ländern umgesetzten Modelle der Ver-knüpfung von Theorie und Praxis einbezogen werden.
- Die Expertise soll Kriterien für die fachliche Bewertung ausarbeiten, nach Rücksprache mit dem Projekt festlegen und gewichten und eine entsprechende vergleichende Bewertung der Modelle vornehmen.
- Eventuell vorhandene „Leuchtturmmodelle“ sollen eingehender beschrieben und in Bezug zu den erarbeiteten fachlichen Bewertungskriterien gesetzt werden.
- Auf weiterführende Forschungsdesiderate soll hingewiesen werden.
3. Gegenstand des Auftrags
Die Auftragsvergabe erfolgt über einen Werkvertrag. Bestandteile des abzuschließenden Werkver-trages sind die Allgemeinen Bestimmungen für die Vergabe von Leistungen (VOL) sowie die Ver-tragsbedingungen des DJI.
Der Auftrag gliedert sich wie folgt:
Bis Mitte November 2011:
-
Literatur- und Dokumentenrecherche zu den Modellen in der Grundqualifizierung von Tages-pflegepersonen und der Ausbildung in pädagogischen Berufen im In- und Ausland
-
Entwicklung des Gesprächsleitfadens für die qualitative Recherche unter Expert/innen
-
Zusammenstellung der zu befragenden Expert/innen
-
Abstimmung des Gesprächsleitfadens und der Auswahl der Expert/innen mit dem Projekt
-
qualitative Recherche unter Expert/innen
-
Entwicklung der Kriterien für die fachliche Bewertung der Modelle
-
Abgleich der Bewertungskriterien mit dem Projekt
-
Entwicklung der Gliederung für die Expertise und Abstimmung mit dem Projekt
Bis Mitte Februar 2012:
- Vergleich und Bewertung der Modelle
- differenzierte Beschreibung von „Leuchtturmmodellen“
- Erstellung der Expertise im Umfang von 60-70 Seiten
- Erstellung einer Zusammenfassung im Umfang von 2 Seiten
Die Texte werden mit der DJI-Formatvorlage erstellt, die der Auftragnehmer nach Vertragsab-schluss erhält.
4. Verfahren
Ihr Angebot enthält:
• eine erste thematische Grobgliederung der Expertise
• die einzelnen präzisierten Arbeitsschritte mit Ihrer jeweiligen Zeitplanung
• Ihre Kostenkalkulation: Eventuell anfallende Sach- und Reisekosten sind als Pauschale zu kalkulieren. Im Preis sind alle Steuern und evtl. anfallende Arbeiten mit der Anzahl der be-nötigen Stunden und den Stundensätzen auszuweisen. Bitte geben Sie den Grund an, falls Sie nicht mehrwertsteuerpflichtig sind.
• die Bindefrist für Ihr Angebot
Ihre Ansprechpartnerin für inhaltliche Rückfragen ist Lucia Schuhegger, Tel.: 089-62306- 261, schuhegger@dji.de.
Es wird davon ausgegangen, dass keine Arbeitsbesprechungen in München notwendig sind. Je-doch sollen die zentralen Ergebnisse der Expertise bei einem Expert/innen-Workshop im Februar 2012 vorgestellt werden. Gegebenenfalls anfallende Reisekosten hierfür werden durch das Projekt übernommen. Die zu erstellende Expertise ist in Kooperation und unter Absprache mit dem Auf-traggeber anzufertigen.
Die Abgabefrist für die Angebotsabgabe endet am 20.08.2011.
5. Beginn und Abgabetermin
Die Arbeiten beginnen Anfang September 2011.
Der Abgabetermin für die Expertise ist der 15.02.2012
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Aktuelle Empfehlung
| Karl Lenz, Marina Adler: Einführung in die sozialwissenschaftliche Geschlechterforschung. Band 1: Geschlechterverhältnisse. Juventa Verlag (Weinheim ) 2010. 264 Seiten. ISBN 978-3-7799-2301-5. 21,00 EUR. Geschlechterforschung. Hrsg.: Lothar Böhnisch, Heide Funk, Karl Lenz . |
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| Karl Lenz, Marina Adler: Einführung in die sozialwissenschaftliche Geschlechterforschung. Band 2: Geschlechterbeziehungen. Juventa Verlag (Weinheim ) 2011. 291 Seiten. ISBN 978-3-7799-2301-5. 23,95 EUR. Geschlechterforschung. Hrsg.: Lothar Böhnisch, Heide Funk, Karl Lenz. |
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