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Roma und Sinti in der Schule

15.08.2011   Hilde von Balluseck

Die Lebenswelten unserer auf Konkurrenz um Bildung und Vermögen ausgerichteten Gesellschaft und der Roma aus Rumänien könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Grunde verstehen die meisten von uns diese Kultur kaum. Was wir sehen ist allerdings erschreckend genug. Auf dem Tauentzien, einer der belebtesten Einkaufsstraßen Berlins, sitzt ein etwa achtjähriger Junge und wird von seiner Mutter wütend beschimpft. Ich verstehe zwar die Sprache nicht, aber ich sehe, wie der Junge ergeben den Kopf senkt und sich in sein Schicksal: zu betteln ergibt. Seine Bildung bleibt wohl ein Traum. Die Mutter geht und der Junge hält gehorsam seine Hand den PassantInnen hin. Und ebenfalls im Zentrum des westlichen Berlin: Ich will mir an einem Stand eine Kugel Eis kaufen. Zwei Menschen weiter steht eine ganz junge Frau mit Baby im Arm und streckt die Hand aus. Ich denke: Die Frau muss sich auch ein Eis kaufen können und gebe ihr fünf Euro. Sie dankt und verschwindet mit dem Geld. Und gibt es vermutlich ihrem Mann. Eine weitere Meldung der letzten Tage: In Berlin kampieren derzeit mehrere Roma-Familien im Görlitzer Park, einigen von ihnen wurden die Wohnungen gekündigt, weil die anderen Hausbewohner sich über Schmutz und Lärm beschwert haben.

In diesen Familien spielt Bildung in unserem Sinne keine tragende Rolle.  Die Wertigkeiten werden durch patriarchalische Strukturen und durch bittere Armut bestimmt.

Für die Frühpädagogik sind das bisher keine Themen. Die meisten Roma haben eine solche Distanz zu Bildungseinrichtungen, dass sie nicht auf die Idee kämen, ihre Kinder in die Kita zu schicken. In Neukölln allerdings, wir berichteten kürzlich darüber, bemüht man sich, die Kinder an der deutschen Mischkultur teilhaben zu lassen.

Der "Bildungsferne" der Roma ist jetzt eine Studie auf den Grund gegangen, die an der Fernuniversität Hagen erstellt wurde. Viele Roma haben nie eine Schule besucht, noch mehr haben keinen Abschluss. Diese Distanz zur Schule ist nicht zuletzt durch die Vernichtung von 225.000 bis 500.000 Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten zu erklären. Sie können die Studie herunterladen unter http://www.stiftung-evz.de/w/files/roma/2011_strauss_studie_sinti_bildung.pdf. Dies ist nicht der einzige Grund für die Bildungsabstinenz. SozialarbeiterInnen und ErzieherInnen, die mit Roma-Familien Kontakt haben, könnten Ratschläge geben, wie die Diskrepanzen zwischen den Familien der Roma und der deutschen Gesellschaft zum Wohl vor allem der Kinder zu reduzieren wären. Auf europäischer Ebene müsste über eine Angleichung der Lebensverhältnisse in Europa (und nicht nur dort)  nachgedacht werden, damit die Armen sich nicht zur Migration gezwungen sehen.

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