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Themen und Probleme der Weiterbildung

11.11.2011

Dazu hat das BMFSFJ ein Interview mit Angelika Diller veröffentlicht.

Angelika Diller ist seit 2003 wissenschaftliche Referentin in der Abteilung „Kinder und Kinderbetreuung“ am Deutschen Jugendinstitut (DJI). Zu ihren Schwerpunktthemen gehört die Weiterentwicklung des Arbeitsfelds in Kindertageseinrichtungen, die Kooperation und Vernetzung von Institutionen rund um die Familie und die Aus- und Weiterbildung frühpädagogischer Fachkräfte. Im Jahr 2009 übernahm sie die Projektleitung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF).

Frau Diller, Sie sind die Projektleiterin der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte. Welche Beweggründe gab es, dieses Projekt zu initiieren?

In der Anfangsphase des WiFF-Projekts hatte die Neustrukturierung der frühpädagogischen Qualifizierungslandschaft bereits begonnen:

  • Die Anforderungen an das Qualifikationsprofil der Fachkräfte waren deutlich gestiegen,
  • die europäische Bildungspolitik veränderte die deutsche Ausbildungslandschaft weitreichend und
  • Weiterbildung gewann bildungspolitisch an Bedeutung, die Qualität der Angebote entsprach dem nicht.

Diese Ausgangslage veranlasste das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Robert Bosch Stiftung und das DJI, die WiFF zu starten. Die Initiative leistet einen nachhaltigen Beitrag, um Qualität, Transparenz und Durchlässigkeit zu verbessern. Dabei war von Anfang an vorgesehen, die unterschiedlichen Akteursgruppen in die fachliche Arbeit einzubeziehen.

In der DJI-Publikation „Reform oder Ende der Erzieherinnenausbildung?" wurden kontroverse Beiträge zur Fachdebatte um die deutsche Erzieher/innenausbildung zusammengetragen. Was machen denn andere Länder im Vergleich zu Deutschland besser?

In der von Ihnen erwähnten Publikation wurden die Ausbildungsstrukturen in europäischen Ländern analysiert. Die Studie zeigt, dass es zwischen den Ländern große Unterschiede gibt.

In den skandinavischen „Vorzeigeländern “, z.B. Dänemark und Schweden, werden die pädagogischen Fachkräfte an nicht-universitären Hochschulen oder an Universitäten dreieinhalb Jahre ausgebildet und haben ein arbeitsfeldübergreifendes Berufsprofil. Allerdings arbeiten in den Einrichtungen sowohl ausgebildete Fachkräfte als auch unausgebildete Hilfskräfte. Nur in vier EU-Staaten findet die Ausbildung für den Elementarbereich in Hochschulen statt.

In Deutschland wird die überwiegende Mehrzahl der Fachkräfte an Fachschulen ausgebildet. Den Mangel an akademisch ausgebildeten Fachkräften in Deutschland muss man aus meiner Sicht im geschichtlichen Zusammenhang sehen. Auch die Ausbildung der frühpädagogischen Fachkräfte ist letztlich eine Folge unserer spezifisch deutschen Nachkriegsfamilienpolitik. Diese ist historisch zwar verständlich, war aber dennoch zu lange, nämlich bis in die achtziger Jahre hinein, wirksam. Kern dieser Familienpolitik war die „Hausfrauenehe“. Außerhäusliche vorschulische Erziehung wurde wenig geschätzt und der Halbtagskindergarten war lange Zeit die vorherrschende Betreuungsform. Dementsprechend hatte auch der Beruf der Erzieherin/ des Erziehers ein schlechtes Image und eine schlechte Bezahlung, auch die Erzieher/innenausbildung wurde lange Zeit von Bildungspolitikern kaum zur Kenntnis genommen. Aber das ist zum Glück Vergangenheit. Mittlerweile haben wir einen bildungs- und familienpolitischen Quantensprung gemacht.

Es werden immer mehr Anforderungen an die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern gestellt. Ergibt sich daraus aus Ihrer Sicht zwangsläufig eine Akademisierung der Ausbildung?

Ein Umbau der Fachschulen in Fachhochschulen ist prinzipiell zwar möglich, aber politisch nicht realisierbar. Frühpädagogische Fachkräfte werden weiterhin sowohl an Fachschulen als auch an Hochschulen ausgebildet.

Für alle Ausbildungsgänge gilt: Wir brauchen Fachkräfte, die eine Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen professionell bewältigen können. Hochschul- und Fachschulausbildungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Die Hochschulausbildung hat einen stärkeren Bezug zu Theorie und Forschung. Die damit vermittelten Kompetenzen werden in allen Einrichtungen benötigt. Es müssen aber nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alles können – erforderlich sind multiprofessionelle Teams, in denen Fachkräfte mit Hochschul- und Fachschulabschluss unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen und miteinander kooperieren. Ein Ausspielen der Hochschulausbildung gegen die Fachschulausbildung oder umgekehrt ist kontraproduktiv, denn beide Ausbildungsarten ergänzen sich in der Praxis.

Mit der Weiterbildungsinitiative fördern Sie unter anderem auch anschlussfähige Bildungswege. Wo sehen Sie hier derzeit die Hauptprobleme?

In den letzen Jahren wurden erhebliche bildungspolitische Anstrengungen unternommen, um die Anschlussfähigkeit zu verbessern. Seit 2002 können beispielsweise außerhalb der Hochschule erworbene Kompetenzen auf das Studium angerechnet werden. Die Umsetzung dieser Bestimmungen liegt allerdings in der Hand der Hochschulen. Die WiFF-Recherchen zeigen, dass es in verschiedenen Hochschulen und Studiengängen unterschiedliche Anrechnungsverfahren und Zugangsvoraussetzungen gibt. Eine Vereinheitlichung, zumindest innerhalb eines Bundeslandes, würde zu mehr Transparenz führen und könnte die Entscheidung, ein Studium anzutreten, erleichtern.

Was muss verändert werden, um die Erzieher/innenausbildung in Deutschland zukunftsfähig zu machen?

Die Einrichtung von Hochschulstudiengängen hat damals einen „Qualitätsschub“ im Fachschulsystem ausgelöst. Das im Rahmen der WiFF erarbeitete „Qualifikationsprofil Frühpädagogik“ – Fachschule/Fachakademie und die aktuelle Initiative vieler Bundesländer, ein länderübergreifendes Ausbildungsprofil zu schaffen, sind weitere wichtige Schritte, um die Ausbildungsqualität in den Fachschulen auf einem hohen Niveau anzugleichen.

Mindestens genau so wichtig für die Attraktivität der Ausbildung sind die zukünftigen Arbeitsbedingungen und die tarifliche Eingruppierung. Der erhebliche Lohnunterschied zwischen Grundschullehrerinnen oder -lehrern und Erzieherinnen oder Erziehern – in Bayern liegt die Differenz zum Berufsstart bei etwa tausend Euro – ist weder berechtigt noch ein Anreiz, diesen Beruf zu ergreifen.

Was denken Sie, wie wird sich der Beruf der Erzieherin/ des Erziehers in Zukunft wandeln und wie wird die „Kita 2020“ aussehen?

Die Tätigkeit der Erzieherinnen und Erzieher wird sich nicht mehr ausschließlich am Kind orientieren. Die Unterstützung von Eltern und Familien sowie die Zusammenarbeit mit anderen familienunterstützenden Institutionen sind aktuelle Herausforderungen: Die Kita 2020 wird eine zentrale Funktion in einem regionalen Netzwerk rund um die Familie haben. Insbesondere durch den Ausbau des Angebotes für die unter Dreijährigen wird die intensive Zusammenarbeit mit Eltern gefördert. Es bleibt zu wünschen, dass die Rahmenbedingungen vor Ort diesen neuen Anforderungen angepasst werden.

Ausbildung ist das eine, berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung das andere große Thema der WiFF. Welchen Anforderungen müssen Weiterbildungsangebote in der Frühpädagogik gerecht werden?

Die Ausbildung kann letztlich nur Basisqualifikationen vermitteln, die praxisbegleitend durch Weiterbildungsangebote vertieft werden müssen. Deswegen brauchen wir ein Qualifizierungssystem, in dem Aus- und Weiterbildung verzahnt sind. Doch damit sind strukturelle und fachliche Herausforderungen verbunden, die erst noch bewältigt werden müssen. Mangelnde Transparenz und fehlende Qualitätsstandards im Weiterbildungssektor sind zentrale Kritikpunkte.

Eine Kernaufgabe der WiFF ist die Steigerung der Qualität im Weiterbildungssektor. Die Befragung der Weiterbildungsanbieter, der „Wegweiser Weiterbildung“ und die Entwicklung von Qualitätsstandards für Weiterbildungsanbieter sollen dazu beitragen.

Quelle: http://www.fruehe-chancen.de/fuer_erzieherinnen_erzieher/erzieherinnen_und_erzieher/qualifizierung/dok/676.php


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