Gruppe von erwartungsfrohen Kindern
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Trauerbegleitung im Leben von Kindern

20.10.2011   Stephanie Witt-Loers

Sandra, die Mutter des siebenjährigen Paul hat Brustkrebs und wird in absehbarer Zeit sterben. Viel gemeinsame Zeit bleibt der Familie bis zum Sterben von Sandra nicht. Der bevorstehende Tod seiner Frau stürzt ihren Mann Daniel in ein Chaos aus Angst, Trauer und Verzweiflung. Hinzu kommen die Sorgen um den Sohn Paul. Daniel ist unsicher wie er mit Paul umgehen soll, was er ihm sagen soll.

Der Verlust eines nahe stehenden Menschen ist ein einschneidendes, schmerzvolles Erlebnis. Trauer ist keine Krankheit und entsteht da, wo Menschen eine innere Beziehung und Bindung zu dem gestorbenen Menschen empfunden haben. Sie ist ein Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird und sie ist notwendig, um den Verlust in das eigene Leben zu integrieren. Trauerprozesse sind enorm anstrengend und teilweise sehr beängstigend, da sich Trauer in körperlichen, psychischen, in Verhaltens- und sozialen Reaktionen zeigen kann. Hinterbliebene, auch Kinder und Jugendliche sind vielen unterschiedlichen, sehr intensiven und oft widersprüchlichen Gefühlen wie Schmerz, Verzweiflung, Liebe, Wut, Angst, Trauer, Dankbarkeit, ausgesetzt. Vielfach spielt die Auseinandersetzung mit Gedanken von Schuld eine belastende Rolle. Anders als bei Erwachsenen sind die Gefühle in der Trauer bei Kindern oft sprunghaft, schwankend und können plötzlich wechseln. Oft möchten Kinder ihre Angehörigen nicht zusätzlich belasten und versuchen durch Zurückhaltung ihrer eigenen Gefühle und Gedanken ihre Bezugspersonen zu schonen.

In der Kindheit erfahrene Verluste und deren Bewältigung haben Einfluss auf die weitere Entwicklung und Bindungsfähigkeit des Kindes. Kinder trauern wie Erwachsene so schwer, so lang, aber anders. Sie besitzen noch nicht die gleichen Fähigkeiten, sich mit Trauer auseinanderzusetzen wie Erwachsene. Weil sich ihre Trauer anders ausdrückt, wird sie häufig nicht als solche erkannt und dementsprechend begleitet. Der Tod eines nahe stehenden Menschen bringt Unsicherheit in das Leben des Kindes. Kinder müssen nicht nur mit dem Verlust zurecht kommen, sondern auch mit der Veränderung der Menschen, die um den Verstorbenen trauern. Deshalb benötigen sie einfühlsame Begleiter und aufmerksame Gesprächspartner, die ihnen ehrlich auf Fragen antworten. Sie brauchen die Möglichkeit ihrer Trauer und den damit verbundenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Im geschützten Raum der Einzelbegleitung oder der Kindertrauergruppe können Kinder einen Ort für sich und ihre Trauer finden. Hier haben sie die Gelegenheit Fragen zu stellen, Antworten zu suchen, sich zu erinnern, sich kreativ mit ihrer Trauer auseinander zusetzten und den Tod als Teil des Lebens zu verstehen. In der Gruppe erleben Kinder, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind, sie erfahren dort Verständnis, Unterstützung und können sich untereinander austauschen.

Kinder brauchen grundsätzlich eine sachliche Aufklärung zu den Geschehnissen, zu ihren Fragen nach Krankheit, Sterben, Tod und Leiden. Kinder machen sich, wenn sie nicht informiert werden, eigene Bilder zum Geschehen. Oft sind diese schlimmer als die Realität selbst. Gut gemeinte Rücksichtnahme und das „Schonen“ des Kindes vor den unabänderlichen Ereignissen führen zu einem Vertrauensverlust der verbleibenden Bezugspersonen und erschweren zudem den Trauerprozess. Für Paul ist die Aufklärung über die Krankheit, die die Mama verändert hat wichtig um zu verstehen was passiert. Warum seine Mama ihn nicht mehr in den Arm nimmt, dass sie nicht sterben will, weil sie Paul nicht mehr lieb hat und dass er keine Schuld am Tod seiner Mutter hat. In der Begleitung vor dem Tod erfährt Paul, dass er keine Angst haben muss vor der toten Mama und dass sie kein Gespenst sein wird. Er findet in der Begleitung Möglichkeiten, sich zu verabschieden: der Mama etwas zu sagen, mitzugeben, sie liebevoll zu berühren. Auch nach dem Tod der Mama ist die Begleitung für Paul wichtig. Er hat viele Fragen z. B. wann sie zu Staub zerfällt, wo sie jetzt ist, ob es weiter Weihnachten geben kann und ob es andere Kinder ohne Mama gibt. In einigen Wochen wird er in der Trauergruppe andere Kinder kennenlernen, denen es ähnlich geht wie ihm. Das wird ihn dabei unterstützen sich mit der neuen Situation zurecht zu finden.

Die Nachfrage nach qualifizierter und professioneller Begleitung trauernder Kinder wächst. Gerade Kindertrauergruppen bieten neue Perspektiven, Kindern in Krisen nach Tod und Verlust angemessen zu begegnen. Eine Liste mit bundesweit allen Institutionen und qualifizierten Begleitern für Kinder wird momentan vom Bundesarbeitskreis Kindertrauer erstellt.

Weitere Informationen:

Die Autorin

Stephanie Witt-Loers ist Mutter von drei Kindern und ausgebildete Kinder- und Familientrauerbegleiterin, Trauerbegleiterin, Fachbuchautorin und Dozentin. In ihrem Institut Dellanima bietet sie Einzelbegleitungen und Trauergruppen an. Dort finden Sie auch Literaturangaben. Als Dozentin gibt sie Seminare zum Themenbereich Trauerbegleitung und Kindertrauer.

Literatur: „Trauernde begleiten“. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2010

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