Gruppe von erwartungsfrohen Kindern
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Was das Feuer und die Sonne alles können

21.03.2011   Almut Reidelhuber

Wie können Kinder den vielfältigen Erscheinungsformen des Feuer-Elements forschend begegnen?

Grundlage aller Versuche und Untersu-chungen – das gilt auch für den Umgang mit Feuer – sind die Alltagserlebnisse und Fragen der Kinder. Ziel ist ein bewusster Dialog zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern. Über konkrete Fragestellungen können Sie die Kinder herausfordern, zum Beispiel: „Sehen alle Kerzenflammen gleich aus?“, „Was können wir tun, damit die nassen Handschuhe rasch wieder trocknen?“, „Die Lampe dort funktioniert gerade nicht, wie können wir Licht in diese dunkle Ecke bringen?“

Wollen sich die Kinder mit bestimmten Phänomenen intensiv befassen, ist es an der Zeit, ihnen entsprechende Erfahrungsräume anzubieten. Die folgenden Beispiele orientieren sich an den Eigenheiten des Elements:

  • Feuer bringt Licht – die Sonne auch
  • Feuer wärmt – die Sonne auch
  • Feuer erzeugt Hitze – die Sonne auch
  • Feuer trocknet Gegenstände – die Sonne auch
  • Feuer braucht Luft und Brennstoff
  • Feuer verwandelt die Brennstoffe

Feuer bringt Licht und Wärme

Nutzen Sie Situationen im Alltag, die es den Kindern erlauben, Erfahrungen mit Feuer zu sammeln. Das fängt mit Kerzenflammen an. Ermöglichen Sie den Kindern zum Beispiel wiederholt den Umgang mit Kerzen bei Ritualen, Geburtstagsfeiern und anderen Festen.So können Sie beispielsweise mit den Kindern am Nachmittag, wenn es dämmerig wird, die Eingangswege schmücken:

Wegbeleuchtungen

Material: Butterbrottüten, Sand, Teelichter und Anzünder

Vorgehensweise: Die Kinder füllen Butterbrottüten mit etwas Sand, drücken in die Mitte ein Teelicht und stellen die Leuchtzeichen links und rechts der Wege auf. Wenn Schnee gefallen ist, können Sie mit den Kindern in Schneehöhlen Teelichter aufstellen. Oder markieren Sie im Garten eine begehbare Spirale, und die Kinder verteilen die Leuchttüten auf den Wegrändern. Sobald es dunkelt, schreiten sie vorsichtig durch die stimmungsvoll leuchtenden Spiralwege hindurch.

Bei Gelegenheiten dieser Art üben die Kinder das Anzünden und Auslöschen von Kerzen (wie? womit?). Sie können das Schmelzen des Wachses beobachten, die Farben und Formen der Flammen, den aufsteigenden Rauch. Sie riechen Wachs und Rauch. Sie spüren die abströmende Wärme und nehmen die Stimmung des Lichts auf. So begegnen Kinder dem Element mit allen Sinnen.

Der folgende Versuch kann die spielerisch erworbenen Erfahrungen über Wärme und Licht noch intensivieren:

Teelichter im Glas

Material je Kind: zwei gleich große, dickwandige Gläser, Sand, ein Teelicht und Anzünder

Vorgehensweise: Die Kinder bedecken den Boden eines Glases mit Sand und drücken das Teelicht in die Mitte hinein. Sie zünden das Teelicht an. Das andere Glas bleibt leer. Jedes Kind stellt seine beiden Gläser nebeneinander. In bestimmten Abständen legt es seine Hände um das Glas mit dem Licht und im Vergleich dazu um das leere Glas. Die Kinder beschreiben, was sie spüren. Sie halten ihre Hände vorsichtig in ausreichender Entfernung über das Glas mit der Kerze und spüren die aufsteigende Wärme. Vorsicht, nahe an der Glasöffnung kann es heiß werden. Wenn das Tageslicht schon nachgelassen hat, können wir das elektrische Licht ausschalten und beobachten, wie die Kerzenflamme die Umgebung des Glases ausleuchtet.

Feuer braucht Luft und Brennstoffe

Deutlich erweitert werden die Erfahrungsräu-me, wenn Sie im Freien eine Feuerstelle einrichten. Das kann ein Lagerfeuer sein, ein Lehmofen oder eine Feuerschale auf der Terrasse. Wichtig ist, dass alle Beteiligten die Vorsichtsmaßnahmen kennen und beachten (Reidelhuber 2007, S. 101). Beim Einrichten und Befeuern der Feuerstelle können die Kinder mehr und mehr bewusst beobachten und selbst untersuchen: Feuer braucht Luft (Glut anpusten, mit einem Fön anblasen) und geeignete Brennstoffe. Außerdem erfahren die Kinder: Feuer erzeugt Wärme oder Hitze, es kann Speisen wärmen oder garen. Feuer erhellt die Umgebung, manchmal über kleine Partikel, die mit dem Wind hochgewirbelt werden, als Funken in der Luft (Vorsicht!) erkennbar. Feuer erzeugt Rauch (das Einatmen auf jeden Fall vermeiden!) und Abgase. Es verändert das brennbare Material und hinterlässt es als Holzkohle, Asche oder Ruß. Feuer trocknet Gegenstände. Und nach dem Gebrauch löschen wir die Glut vollständig aus: Wir unterbinden die Luftzufuhr (Sand oder Erde darüber streuen) oder schütten Wasser darüber.

Feuer trocknet (lässt Wasser verdunsten)

Wenn die Randsteine um eine Feuerstelle sehr heiß geworden sind, spritzen wir Wassertropfen darauf. Zisch! Wohin ist das Wasser entschwunden? Oder die Kinder feuchten kleine Tücher an, und die Erzieherin legt sie vorsichtig auf die heißen Steine. Was beobachten die Kinder und was fühlen sie, wenn sie nach einiger Zeit die Tücher in die Hände nehmen können?

Feuer erzeugt Hitze, die Speisen garen kann

Nach dem Verlöschen der lodernden Flammen, wenn das Holz eine schöne Glut gebildet hat, legen wir ein Grillgitter über die Steine. Die Kinder können eine Aluschale mit Würstchen füllen und diese auf der Glut erwärmen oder rösten. Über einer lang anhaltenden Glut können sie Stockbrot backen.

Stockbrot

Rezept für den Teig: 150 g Quark, 6 Esslöffel Milch, 1 Teelöffel Salz, eventuell etwas Kümmel, 300 g Mehl, 1 Päckchen Backpulver und 6 Esslöffel Öl.

Alle Zutaten nach und nach miteinander verrühren und den geschmeidigen Teig durchkneten.

Vorgehensweise: Jedes Kind erhält einen frischen Stecken, zum Beispiel vom Haselnussstrauch, und eine kleine Teigkugel. Diese formt es auf einer sauberen Unterlage zu einer Wurst und windet und drückt sie fest um die saubere Spitze des Steckens. Vorher dafür sorgen, dass die Randsteine der Feuerstelle hoch genug sind, damit die Kinder etwa das vordere Drittel ihres Stockes auflegen können. Langsam drehen sie die Stecken hin und her und beobachten den Backvorgang. Falls Brote herunterfallen, liegt schon ein Ersatz bereit. Vorsicht beim Abnehmen des heißen Brotes.

Feuer verändert bestimmtes Brenngut

Material: Brennstoffe wie gut abgelagertes Holz, trockene Tannenzapfen, Rinde, Papierabfälle und Nicht-Brennbares wie Metall, Steine, Sand, Glas (Kunststoffe schmelzen oder brennen, dürfen jedoch niemals als Versuchsgegenstände verwendet werden).

Vorgehensweise: Beim Einrichten der Feuerstelle legen die Kinder auch Material, das vermutlich nicht verbrennt, auf den Grund. Nach dem Verlöschen der letzten Glut stochern sie mit stabilen Stecken in den Rückständen herum. Was ist verbrannt und was nicht? Ist das Glas zersprungen? Was ist mit dem brennbaren Material passiert? Wie sieht es jetzt aus? Erkennen wir noch verkohlte Holzreste? Wie fühlt sich kalte Asche zwischen den Fingern an? Wie schwer ist sie? Dazu wiegen die Kinder in einer Hand ein Aschehäufchen und in der anderen ein Holzstück oder einen Tannenzapfen.

Licht und Wärme der Sonne

Das Licht und die Wärme der Sonne kennt jedes Kind. Mit diesen Anregungen können die Kinder ihr Interesse für diese Phänomene vertiefen: Licht- und Schattenspiele; Versuche, das Sonnenlicht mit Spiegeln umzuleiten; Beobachtungen über Pflanzen, die deutlich auf das Sonnenlicht reagieren. Kinder erinnern sich auch gerne an heiße Sommertage und wie sie sich da vor zu starker Sonnenbestrahlung geschützt haben (warum?). Im Winter können sie beobachten, wie Schneebälle und Eiszapfen in der Sonne schmelzen. An kalten Tagen freuen sie sich über die Sonnenwärme. Ihre Empfindungen können durch Reime, die zum Berühren der benannten Körperteile auffordern, intensiviert werden:

„Liebe Sonne, komm gekrochen,
denn mich friert`s in meine Knochen.
Liebe Sonne, komm gerennt,
denn mich friert`s in meine Händ.“
(volkstümlich)

„Dann wärmen die Sonnenstrahlen den Bauch,
sie wärmen den Kopf und die Füße auch.
Sie wärmen die Wiese, sie wärmen den Wald,
und wenn`s sie nicht gäbe, wär`s furchtbar kalt.“

(Fredrick Vahle, aus dem Gedicht„Die Sonnenstrahlen“)

Sonnenfalle

Material je Kind: Tonpapier (circa 50 x 30 cm), ein Stück stabile Aluminiumfolie in der gleichen Größe, Klebstoff, Büroklammern und ein Klebestreifen, eventuell eine Kerze mit einem Durchmesser von knapp 2 ½ cm.

Vorgehensweise: Die Kinder bekleben das Tonpapier mit der Alufolie, die helle Seite ist oben. Während der Klebstoff trocknet, können sie den Karton in Richtung der Sonnenstrah-len vorsichtig hin- und herbewegen, etwas biegen und die Spiegelreflexe beobachten.

Dann brauchen die Kinder Ihre Hilfe: Der Karton wird mit der Folie als Innenfläche zu einem Konus (Trichter- oder Tütenform) geformt, wobei die obere Öffnung etwa 20 Zentimeter misst und die untere etwa 2 1/2 Zentimeter. Die Form wird mit Büroklam-mern gehalten und außen mit dem Klebestreifen geschlossen.

Nun kann jedes Kind seinen Zeigefinger in die untere Öffnung stecken und die Sonnenfalle direkt der Sonne zuwenden. Schon nach einiger Zeit spüren die Kinder, dass sich die Fingerspitze, wenn sie genau von der Sonne beschienen wird, erwärmt. Scheint die Sonne sehr kräftig, können die Kinder eine Kerze in die Öffnung stecken und ertasten, wie sie langsam weich wird.

Eine Solarzelle wandelt Sonnenlicht in Energie um

Vermutlich haben einige Kinder den Begriff Solarzelle schon gehört oder kennen sie sogar als Energielieferant in Geräten. Erfahrungen dieser Art beleben Demonstrationen in der Gruppe. Als Grundausstattung brauchen Sie dazu eine Solarzelle und einen Elektromotor aus einem Solarbaukasten (im Fachhandel oder im Internet erhältlich), die miteinander verbunden werden. Mit den Kindern können Sie einen leicht zu bewegenden Gegenstand herstellen, der auf die Antriebsstange des Motors gesetzt wird, zum Beispiel ein Farbrad aus festem Papier mit dem Farbspektrum des Regenbogens (Schlag 2008, S. 72). Stellen die Kinder die fertige Konstruktion so auf, dass die Solarzelle von der Sonne beschienen wird, beginnt sich das Farbrad zu drehen.

Kinder wollen ihr Wissen und ihre Vermutungen eigenständig erproben. Damit die Kinder ihre Erfahrungen mit Feuer immer wieder erneuern und erweitern können, empfiehlt es sich, eine Feuerstelle fest einzurichten und mit den Kindern regelmäßig zu nutzen. Die Ergebnisse der Untersuchun-gen interpretieren Sie gemeinsam mit den Kindern. Die Dokumentation in Arbeitsbü-chern oder auf Wandplakaten ist ein ausgezeichnetes professionelles Werkzeug (Reidelhuber 2007, S. 36 und 86; Schäfer/Rosenfelder 2010, S. 15). Viel Spaß beim gemeinsamen Forschen!

Almut Reidelhuber
Erzieherin und Diplom-Sozialpädagogin (FH).

Literatur

  • Wassilios E. Fthenakis et al.: Natur-Wissen schaffen – Band 3: Frühe naturwissenschaftliche Bildung; Troisdorf: Bildungsverlag EINS 2009
  • Almut Reidelhuber: Wie ein Licht in der Nacht, in: Frank Jansen, Peter A. Scherer (Hrsg.): Forschend die Welt erobern. Naturwissenschaft im Kindergarten; München: Kösel 2007
  • Gerd E. Schäfer, Diana Rosenfelder (Hrsg.): Bildungsjournal Frühe Kindheit. Natur & Umwelt; Berlin: Cornelsen Scriptor 2010
  • Bernd Schlag: Naturwissenschaftliche Forscherecken im Kindergarten einrichten und nutzen; Berlin: Cornelsen Scriptor 2008

Wir übernehmen diesen Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Redaktion aus Heft 1/2011 von Welt des Kindes.

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