Wie werde ich ErzieherIn?
11.01.2011 Hilde von Balluseck
Kurzfassung
In Deutschland gibt es den staatlich anerkannten Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers. Voraussetzung ist eine – je nach beruflicher Vorbildung – zwei- bis vierjährige Ausbildung an einer Fachschule oder – in Bayern – Fachakademie. In einigen Bundesländern reicht das Fachabitur für die Zulassung an eine Fachschule/-akademie, in den meisten Bundesländern ist eine einschlägige berufliche Erstausbildung (Kinderpflegerin, SozialassistentIn) nach dem Mittleren Schulabschluss Voraussetzung.
Wenn die Hochschulreife vorliegt, kann man den Beruf auch an einer Hochschule erwerben. Das Studium dauert 3 bis 3,5 Jahre.
Wenn eine berufliche Qualifikation wie z.B. Sozialassistentin vorliegt, kann man den Beruf an der Fachschule/Fachakademie auch berufsbegleitend erlernen. An Hochschulen ist die Voraussetzung für ein berufsbegleitendes Studium die abgeschlossene Ausbildung als ErzieherIn.
Wenn du Erzieherin oder Erzieher werden willst, willst du vermutlich zumindest über die folgenden Fragen etwas erfahren:
- Wo kannst du in diesem Beruf arbeiten?
- Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es?
- Welche Verdienst- und Karrieremöglichkeiten gibt es in diesem Beruf?
- Wie durchlässig ist das Ausbildungssystem?
- Welche persönlichen Eigenschaften brauchst du für diesen Beruf?
Wo du arbeiten kannst: Orte und Tätigkeiten
Der Beruf der Erzieherin/des Erziehers hat eine lange
Tradition in Deutschland (zur Geschichte siehe "Der
Kontext der akademischen ErzieherInnenausbildung"). Erzieher/innen betreuen
und fördern Kinder und Jugendliche. Sie arbeiten hauptsächlich in
Kinderbetreuungseinrichtungen, z.B. in kommunalen und kirchlichen Kindergärten,
Kinderkrippen, Schul- und Betriebskindergärten sowie Horten oder Heimen für
Kinder und Jugendliche. Sie sind auch in Erziehungs- oder Jugendwohnheimen,
Jugendzentren, Familien- oder Suchtberatungsstellen, Tagesstätten, Wohnheimen
für Menschen mit Behinderung oder in ambulanten sozialen Diensten tätig.
Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten bieten Kinderkliniken, kirchlich-religiöse
Einrichtungen der Kinderbetreuung, Grund- und Sonderschulen oder Internate,
Jugendorganisationen und Interessenvertretungen sowie Erholungs- und
Ferienheime.
Zu den Tätigkeiten in der Kita gibt es einen Film der GEW, der in
Ausschnitten herunterzuladen ist unter http://gew.de/Ein_Film_der_GEW_Traumjob_Erzieherin.html.
Auch der Film ErzieherIn: Beruf oder Berufung kann teilweise unter http://paedagogikfilme.de/Erzieherinnenfilm/?365,22
heruntergeladen werden (Rezension dieses Films unter http://www.socialnet.de/rezensionen/10352.php).
Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es? - Ausbildung und Studium
Die Ausbildungsmöglichkeiten für ErzieherInnen sind in Deutschland höchst unterschiedlich, weil die Bildungshoheit den Ländern obliegt. Das heißt, dass die Zugangsvoraussetzungen und die Ausbildung an den Fachschulen sich je nach Bundesland unterscheiden. Es unterscheiden sich auch die Bedingungen, die die Ministerien an die Einrichtungsträger für die Anstellung von pädagogischen Fachkräften stellen.
Meist wird der Beruf der Erzieherin/des Erziehers an Fachschulen bzw. (in
Bayern) Fachakademien erlernt.
Du findest die Fachschulen nach Postleitzahlen
geordnet unter http://www.erzieherin.de/fachschulen.php.
Diese bilden für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
bis 27 Jahre aus.
Auf der Website http://www.boefae.de/index.php?menu=content&siteID=68&sessionid=88a5d561c3449c818ddbd8a9c0ae5887
findest du die Ausbildungsordnungen aller Bundesländer. Die Übergänge von der
Kinderpflegerin und des Sozialassistenten zur Fachschule werden dargestellt in
dem Artikel "Qualifikationsrahmen, Quereinstiege und die (Männer-) Quote - Aktuelle Herausforderungen an die Ausbildung von ErzieherInnen".
Einige Bundesländer bieten im Rahmen der Oberschulausbildung eine Doppelqualifikation an: Du bekommst nach 12 oder 13 Jahren den Abschluss als Abiturient/in und als staatlich geprüfte Erzieher/-in. Das ist natürlich eine enorme Zeitersparnis für diejenigen, die schon als SchülerInnen genau wissen, was sie werden wollen. In Berlin bietet die Anna Freud Schule diese Form der Ausbildung an, wie es in anderen Bundesländern ist, musst du selbst herausbekommen.
Seit 2004 gibt es auch die Möglichkeit, für eine berufliche Tätigkeit in der Kita u.a. zu studieren. Bei den neuen Studiengängen an Hochschulen ist das Studium zentriert auf das Kindesalter, zumeist bis 10, maximal bis 13 Jahre. Sie finden die Hochschulstudiengänge unter http://www.erzieherin.de/studiengaenge-fuer-fruehpaedagogik.php.
Ob eine Fachschul- oder eine Hochschulausbildung „die richtige“ ist, entscheiden BewerberInnen heute aufgrund ihrer Zugangsvoraussetzungen, ihrer persönlichen Neigung und der Anzahl der Studienplätze. So ist die Fachhochschulzugangsberechtigung in Berlin heute schon für die Zulassung zur Fachschule erforderlich, hingegen gibt es Hochschulen, die auch längere einschlägige Berufstätigkeit aufgrund der Landesgesetzgebung als Hochschulzugangsberechtigung anerkennen. Viele junge Menschen trauen sich ein Studium nach ihren Schulerfahrungen nicht zu, dann machen sie - zunächst jedenfalls - eine Fachschulausbildung.
Was kannst du verdienen? - Einkommen und Karriere
Das Einkommen von ErzieherInnen variiert je nach Alter, Träger der Einrichtung und beruflicher Bildung. ErzieherInnen, die eine Zusatzausbildung zur/zum Integrationserzieherin haben, werden z.B. in Berlin besser bezahlt, ebenso erhalten Leitungskräfte mehr Geld. Die Tarife im Öffentlichen Dienst finden sich bei der GEW unter http://gew.de/Entgelttabellen_fuer_den_Sozial-_und_Erziehungsdienst.html. Die GEW hat ebenfalls eine Studie zur ökonomischen und sozialen Situation herausgebracht, die unter http://www.gew.de/Binaries/Binary71323/WEB%20Mikrozensus.pdf heruntergeladen werden kann.
Das Hochschulstudium ist in jedem Fall ein Weg, um auch als ErzieherIn eine gewisse Karriere zu machen. Soviel wie ein Banker, Investmentberater oder Manager kannst du damit nie verdienen, aber immerhin so viel, dass du und Teile deiner Familie (Kinder) gut davon leben kannst. „Karriere“ kann auch bedeuten, dass man mit einem Bachelorabschluss gleich in eine gute Stelle mit Aufstiegschancen hineinkommt. Karriere kann aber auch bedeuten, dass ein/e Bachelor-AbsolventIn einen drei- oder viersemestrigen Masterstudiengang absolviert, danach promoviert, d.h. den Doktortitel erwirbt, und dann selbst in die Wissenschaft geht - als HochschullehrerIn oder ForscherIn. Der Beruf der Erzieherin/des Erziehers ist keine Einbahnstraße mehr!
Wie kommst du von einer Ausbildung zur nächsthöheren Stufe? - Durchlässigkeit
Problematisch ist nach wie vor die Durchlässigkeit. „Durchlässigkeit" heißt, dass eine auf einer Ausbildungssstufe erworbene Qualifikation auf einer anderen angerechnet wird, so dass nicht mehr alle dort verlangten Leistungen erbracht werden müssen. Wie die Anrechnung anderer pädagogischer Qualifikationen an Fachschulen erfolgt wird dargestellt unter "Der Weg zur pädagogischen Fachkraft". An den meisten Hochschulen wurden inzwischen Anrechungsverfahren entwickelt, die es FachschulabsolventInnen erlauben, mit einem kürzeren Studium als üblich einen Bachelor-Grad zu erwerben.
In einigen Bundesländern werden auch spezielle Ausbildungsgänge für UmschülerInnen entwickelt, z.B. in Brandenburg. Diese Initiativen sind vor allem auf die Bemühung zurückzuführen, mehr Männer in die Frühpädagogik zu lotsen, siehe dazu "Qualifikationsrahmen, Quereinstiege und die (Männer-) Quote - Aktuelle Herausforderungen an die Ausbildung von ErzieherInnen".
Wer in unserem Portal nicht die Antworten auf seine/ihre Fragen findet, kann hier eine Frage stellen oder aber sich direkt an das zuständige Ministerium wenden. Diese findest du unter "Für die Ausbildung zuständige Ministerien".
Welche persönlichen Voraussetzungen musst du mitbringen? - Persönliche Qualifikation
Dass man Kinder mag, wenn man Erzieher oder Erzieherin werden möchte, muss man hier wohl nicht betonen. Aber Erzieherin/Erzieher zu sein, bedeutet wirklich nicht nur, kinderlieb zu sein.
- Bevor du dich für den Beruf entscheidest, solltest du zunächst mal wissen, wie belastbar du bist. Wer mit Kindern arbeitet, wird ständig mit neuen Ideen überrascht, muss also flexibel sein und darauf eingehen können. Autoritäre Verhaltensweisen ("Ich sage dir jetzt mal, wo es lang geht") sind out.
- Du musst physisch in der Lage sein, Lärm auszuhalten - denn Kinder machen Krach, und das müssen sie auch manchmal dürfen.
- Du solltest nicht in den Beruf gehen, um in erster Linie deine eigenen Probleme zu lösen. Sonst bist du nicht in der Lage, auf jedes Kind inidividuell einzugehen und es zu fördern.
- Du solltest neugierig sein, sonst verstehst du die Kinder nicht, die vor Neugierde geradezu platzen. Nur wenn du selbst bereit bist, dich auf neue Fragen einzulassen, kannst du mit den Kindern mehr oder weniger überraschende Lösungen finden.
- Männer werden dringend in der Kita gebraucht, auch bei den ganz Kleinen. Männer als zugewandte Erzieher zu erleben ist für Mädchen wie für Jungen gleich wichtig. Deswegen: Wenn du als Junge Kinder magst, dann spring auf diese Schiene auf: Männer als Erzieher, das ist ein Zukunftprojekt. Du muss allerdings damit rechnen, dass du noch eine ganze Weile in der Kita als Mann mit vielen Frauen zusammen arbeiten musst und wenig männliche Unterstützung erhältst. Aber es ändert sich etwas!
- Nun noch zu einem sehr heiklen Thema, und die Jungen sollten jetzt nicht böse sein, wenn ich es anspreche Es geht um Pädophilie, eine sexuellen Orientierung, in der zumeist Männer Kinder sexuell begehren. Sie wird auch Pädosexualität genannt. Die meisten Pädophilen können auch zu Erwachsenen sexuelle Kontakte entwickeln. Aber bei ca. 1 % der Männer ist eine primärpädophile Orientierung vorhanden, sie können also nicht durch Kontake mit Gleichaltrigen befriedigt werden. Wir erleben immer wieder, dass junge Männer, die vorwiegend Kinder sexuell begehren, in diesen Beruf möchten. Für seine sexuelle Orientierung - und das ist Pädophilie - kann niemand. Aber Pädophile haben in der Arbeit mit Kindern nichts zu suchen.
Ihre Meinung ist gefragt!
Wir freuen uns über Kommentare.
Fazi am 10.02.2012, 18:20 Uhr
HBalluseck am 09.02.2012, 12:45 Uhr
Julchen am 07.02.2012, 19:30 Uhr
HBalluseck am 25.01.2012, 18:44 Uhr
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HBalluseck am 12.02.2012, 09:21 Uhr