Kinder im Kitaraum

5 Tipps, wie Sie Ihre Kita-Räume zu Verbündeten machen

Gottfried Schilling & Anja von Karstedt

02.12.2022 | Fachbeitrag Kommentare (0)

„Räume haben eine starke pädagogische Wirkung, die wir für uns nutzen können. Leider spielen viele Kita-Räume, die wir sehen, im gegnerischen Team und laufen der intendierten Pädagogik der Einrichtung zuwider“, sagen Anja von Karstedt und Gottfried Schilling von Kameleon Raumkonzepte. In diesem Beitrag geben die Fachleute daher grundlegendes Raum-Wissen weiter, das Trägern und Fachkräften hilft, sich die Räume ihrer Einrichtung zu Verbündeten zu machen

Tipp 1: Klare Funktionen definieren

Wahrscheinlich stimmen Sie dieser Aussage zu: Kita-Räumen sollen Kindern eine einfache Orientierung ermöglichen und sie zum Spielen auffordern. Das gelingt vor allem dann, wenn die Räume eine möglichst eindeutige Aussage über ihre Funktion machen. In den meisten Kita-Räumen strömen dazu jedoch zu viele unterschiedliche Reize auf einmal auf die Kinder ein. Oft beherbergt ein Gruppenraum Bereiche fürs Bauen, Lesen, Rollenspiel, Malen & Basteln sowie Essen. Entsprechend vielfältig sind die Spielmaterialien, die den Kindern ins Auge fallen, wenn sie den Raum betreten. 

Das können Sie tun:

Reduzieren Sie die Funktionsbereiche pro Raum. Grenzen sie diese Bereiche erkennbar voneinander ab. Dafür reicht zum Beispiel ein unterschiedlicher Bodenbelag. Präsentieren Sie Spielmaterialien so, dass sie gut sichtbar sind und ihren Aufforderungscharakter entfalten können. Ein Beispiel: Statt Bauklötze und Spieltiere in Boxen zu packen, könnten die Tiere auf Wandleisten stehen und die Bauklötze in großen Weidenkörben liegen.

Tipp 2: Ruhige Spielzonen schaffen

Das Spiel ist die Arbeit der Kinder. Darin erschließen sie sich die Welt und erproben soziales Miteinander. Damit sie sich auf ihr Spiel einlassen können, benötigen sie ungestörte Spielflächen. Dort Ruhezone Kindersollten sie ihre Bauten auch stehen lassen können, wenn sie damit weiterspielen möchten. In vielen Kita-Räumen sind solche Bereiche jedoch rar. Laufwege durchkreuzen die Spielzonen. Oft stehen Schränke und Regale an den Wänden. Wer etwas daraus holen möchte, stört die Kinder, die davor spielen. Oft sind zudem die Tische und Stühle so platziert, dass sich unzählige Extra-Laufwege um sie herum ergeben. Konzentriertes Arbeiten ist für die Kinder dort kaum möglich.

Das können Sie tun:

Platzieren Sie in Regalen an Spielflächen ausschließlich Materialien, die zum entsprechenden Funktionsbereich gehören und die von den Kindern benötigt werden, die davor spielen. Möbel mit anderen Dingen können Sie als Raumteiler nutzen, so dass sie vom Hauptlaufweg aus zugänglich sind. Achten Sie jedoch darauf, dass die einzelnen Spielzonen groß genug bleiben.

Stellen Sie Tische mit einer schmalen Seite an die Wand. Dadurch entfällt zwar ein Sitzplatz, die Tische stehen jedoch geschützt und laden zum Arbeiten ein. 

Tipp 3: Rückzugsorte anbieten

RückzugsortDas erleben Sie tagtäglich: Immer wieder benötigen Kinder kurze Ruhepausen. Sie suchen sich gerne selbstständig einen Rückzugsort für eine kleine Auszeit, bevor sie wieder ins Spiel starten. Den Schlafraum wählen sie dafür in der Regel nicht. Schließlich wollen sie weiter mitbekommen, was sich in ihrem Raum abspielt. Vielen Kinder ist es wichtig, ihre Bezugserwachsenen im Blick behalten zu können. Daher ist es sinnvoll, den Kindern in jedem Raum auch Rückzugsorte anzubieten. 

Das können Sie tun:

Überlegen Sie, welche Orte sich für eine kleine Auszeit eignen. Wir machen zum Beispiel gute Erfahrungen mit Höhlen in unteren Schrankfächern oder „Ausgucken“, die wie kleine Baumhäuser einen Blick von oben ermöglichen. Alternativ können Sie auch große, kuschelig ausgestattete Körbe oder Zelte anbieten. Decken und Kissen unterstreichen die Funktion dieser Orte.

Tipp 4: Einen zurückhaltenden Rahmen gestalten

Rot, gelb, grün, blau: Viele Kita-Räume sind bunt. Kräftige Farben an Türen, Wänden und Möbeln sollen eine fröhliche Stimmung verbreiten und die Orientierung erleichtern. Stattdessen wirken sie aber oft nur laut und unruhig. Die Kinder bringen so viel Buntheit in die Kita mit, dass die Räume sich dezent zurückhalten sollten, um die Nutzer*innen nicht zu überfordern.

Das können Sie tun:

Durch die Wahl von Farben mit Braun- oder Grauanteil in Kombination mit natürlichen Materialien gelingt es, Räume zu schaffen, die erden und Ruhe ausstrahlen. Für den Boden, die größte Fläche, sollten Sie einen dunkleren Farbton wählen. Das gibt Sicherheit und macht das Spielen am Boden angenehm.

Verzichten Sie außerdem auf beliebige Deko, die keinem pädagogischen Zweck dient und keinen Zusammenhang zu aktuellen Projekten der Kinder hat. Diese Reduktion bringt zusätzlich Ruhe ins Ambiente und erhöht die Übersichtlichkeit.

Tipp 5: Selbstdarstellung ermöglichen

Mit zunehmendem Alter ist es den Kindern wichtig, ihre Fähigkeiten und ihre Werke zu zeigen. Sie machen Vorführungen und setzen sich dabei selbst in Szene. Sie präsentieren ihre Mal-, Bastel- und Werkarbeiten und sprechen darüber mit Fachkräften, Eltern und mit anderen Kindern. Auch dafür sollten Kita-Räume ihnen entsprechende Bereiche bieten. 

Das können Sie tun:

Schaffen Sie Möglichkeiten, damit Kinder sich inszenieren können. Gibt es in Ihrer Einrichtung zum Beispiel bereits eine Bühne? Gibt es Bilderrahmen, die Werke der Kinder in ihrer Besonderheit hervorheben und ihre Wertigkeit deutlich machen? An diesen Stellen können Sie dann auch gut in den Farbtopf greifen: Ein samtroter Bühnenvorhang und goldene Bilderrahmen ziehen dann die Blicke auf die Darstellungen und Werke der Kinder. 

Bevor Sie loslegen: Beantworten Sie sich grundsätzliche Fragen!

Die Tipps ließen sich weiter fortsetzen. Sie zeigen, wie vielfältig die Raumgestaltung auf die Atmosphäre in der Kita wirkt und wie stark ihre Interaktion mit der Pädagogik ist. In Kita-Räumen drückt sich eine pädagogische Haltung und ein Menschenbild aus. Daher lautet unser abschließender Rat: Gehen Sie’s grundsätzlich an! Fragen Sie sich: Welche Bedürfnisse haben die Kinder? Was wollen wir ihnen in unserer Kita ermöglichen? Was sollen sie hier erleben? Und: Wie können unsere Räume dazu beitragen, das umzusetzen? 

Weitere Informationen sowie kostenfreie Webinare: www.kameleon.de

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