mehrere Kinder

Abstracts aus Frühe Bildung - 1/12:Schulreifes Kind

16.02.2012 Kommentare (0)

Aus der neuen Ausgabe von Frühe Bildung übernehmen wir die folgenden Abstracts:

Gezielte Zusatzförderung im Modellprojekt „Schulreifes Kind“ 

Marcus Hasselhorn, Hermann Schöler, Wolfgang Schneider, Jan-Henning Ehm, Miriam Johnson, Isabelle Keppler, Katja Krebs, Frank Niklas, Eva Randhawa, Sandra Schmiedeler, Robin Segerer, Hanna Wagner

Zusammenfassung. Im Rahmen einer längsschnittlichen Evaluation des Baden-Württemberger Modellprojektes „Schulreifes Kind“ wurden mehr als 900 Kinder des Einschulungsjahrgangs 2009 zu drei Messzeitpunkten vor Schuleintritt und zwei weiteren nach Schuleintritt untersucht. Die hier vorgelegten Datenanalysen wurden zur Klärung der folgenden drei Fragen genutzt: (1) Führen die kompensatorischen Fördermaßnahmen zur Verbesserung schulrelevanter Fertigkeiten bis zum Ende der Kindergartenzeit? (2) Kommt es infolge des Projektes zu einer höheren Einschulungswahrscheinlichkeit? (3) Zeigen sich mittelfristige Wirkungen auf den Erwerb schulischer Fertigkeiten? Die Analysen zeigen, dass die ersten zwei Fragen mit „ja“ beantwortet werden können. Die Frage nach mittelfristigen Transferwirkungen auf den Erwerb schulischer Fertigkeiten muss dagegen zunächst unbeantwortet bleiben. Insgesamt zeigt sich ein vergleichsweise positives Wirkungsmuster der Zusatzförderung im letzten Kindergartenjahr

Effekte einer systemisch ausgerichteten Prozessbegleitung auf die Wirksamkeit der Zusatzförderungen im Projekt „Schulreifes Kind“

Eva Randhawa, Isabelle Keppler1, Miriam Johnson1, Hermann Schöler1

Zusammenfassung. Zur Qualitätssicherung wurden die zur Implementierung des Projekts „Schulreifes Kind“ erforderlichen Veränderungsprozesse in Kindergarten und Grundschule professionell durch ein Coaching begleitet. In den Leistungen von über 700 untersuchten Kinder zeigen sich Wechselwirkungen von Förderung und Coaching, d. h., bei den im letzten Kindergartenjahr geförderten Kindern in den gecoachten Einrichtungen lässt sich eine höhere Fördereffektivität im Sinne von Leistungszuwächsen im Wortschatz, in der allgemeinen Sprachleistung und in den mathematischen Vorläuferfertigkeiten im Gegensatz zu jenen in nicht gecoachten Einrichtungen feststellen. Auch bei Berücksichtigung der variablen Gruppengröße in der Einrichtung, Gesamtförderzeit des einzelnen Kindes im Rahmen des Projekts sowie zusätzliche Förderung außerhalb der Einrichtung als Kovariaten bleibt der Effekt bestehen. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit betonen die Bedeutsamkeit einer Prozessbegleitung von Projektimplementierungen in der frühen Bildung.

“Runde Tische” im Projekt “Schulreifes Kind”. Zur Konzeption und Evaluation eines Ansatzes zur engeren Einbindung von Eltern in vorschulische Förderentscheidungen

Katja Krebs, Jan-Henning Ehm, Marcus Hasselhorn

Zusammenfassung. Als eine Form der Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern wurden im Rahmen des Projekts „Schulreifes Kind“ sogenannte „Runde Tische“ eingeführt. Hierbei handelt es sich um Treffen, bei denen gemeinsam die Entwicklung einzelner Kinder betrachtet und mögliche Förderinhalte besprochen werden. In der vorliegenden Arbeit wird anhand einer Fragebogenuntersuchung von N = 516 beteiligten Personen eine Evaluation der „Runden Tische“ vorgenommen. Die Ergebnisse weisen auf eine gute Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern hin, wobei vor allem seitens der pädagogischen Fachkräfte der Wunsch eines noch intensiveren Austauschs deutlich wird. Weiterhin besteht Einigkeit darüber, dass die „Runden Tische“ eine gute Möglichkeit darstellen die Eltern enger in vorschulische Förderentscheidungen einzubinden. Als besonders positiv wird herausgestellt, dass es bei den Treffen zu einem gezielten Austausch über die Kinder aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln kommt.

Findet sich ein „Matthäus-Effekt“ in der Kompetenzentwicklung von jungen Kindern mit oder ohne Migrationshintergrund?

Frank Niklas, Robin Segerer, Sandra Schmiedeler, Wolfgang Schneider

Zusammenfassung. Hohe Ausgangsleistungen in einem akademischen Kompetenzbereich führen häufig auch zu einem schnelleren Leistungszuwachs, während geringere Ausgangsleistungen eher mit einer verlangsamten weiteren Kompetenzentwicklung einhergehen. Dieses Phänomen wird als „Matthäus-Effekt“ bezeichnet. Die vorliegende Längsschnittstudie im Rahmen des Projekts „Schulreifes Kind“ untersucht an einer Stichprobe von über 900 Kindern, ob sich solch ein Effekt in den Bereichen Mathematik und Schriftsprache zwischen Kindern mit unterschiedlichem Migrationsstatus in den letzten eineinhalb Kindergartenjahren bis Ende der 1. Klasse findet. Kinder mit Migrationshintergrund wiesen über den gesamten Untersuchungszeitraum schlechtere Leistungen auf als Kinder ohne Migrationshintergrund, wobei Kinder mit zwei im Ausland geborenen Elternteilen zumeist schlechter abschnitten als Kinder, bei denen nur ein Elternteil im Ausland geboren war. Nach Kontrolle von Alter, Intelligenz und Merkmalen der Familie gingen die Ausgangsunterschiede zwischen Kindern mit unterschiedlichem Migrationsstatus im Bereich Mathematik verloren, während sie im Bereich der schriftsprachlichen Vorläuferfertigkeiten bestehen blieben. Befunde für die weitere Entwicklung deuten eher auf eine Leistungshomogenisierung als auf einen „Matthäus-Effekt“ hin.

Pädagogische Orientierungen angehender frühpädagogischer Fachkräfte an Fachschulen und Hochschulen

Christoph Mischo, Stefan Wahl, Jessica Hendler, Janina Strohmer

Zusammenfassung. Vor dem Hintergrund aktueller Rahmenpläne für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung sind die Einstellungen angehender frühpädagogischer Fachkräfte über die Aufgaben und Funktion einer Kindertageseinrichtung sowie über das Lernen von großer Bedeutung. Da seit Kurzem die Ausbildung von Erzieher/innen nicht mehr nur an Fachschulen, sondern auch an Hochschulen stattfindet, wurde in dieser Studie untersucht, für wie wichtig angehende Erzieher/innen und Frühpädagog/innen bestimmte Aufgaben und Funktionen einer Kindertageseinrichtung halten, welche Einstellungen zum Lernen sie einnehmen, und ob sich Unterschiede zwischen Fachschülerinnen und Studierenden frühpädagogischer Studiengänge auch bei Kontrolle individueller Hintergrundvariablen nachweisen lassen. An der Fragebogenstudie nahmen insgesamt 712 Fachschüler/innen und Studierende im vierten Semester aus deutschlandweit 15 Ausbildungs- und 14 Studiengängen teil. Als zentrales Ergebnis zeigte sich, dass sowohl die Fachschüler/innen als auch die Studierenden frühpädagogischer Studiengänge die Ziele von Persönlichkeitsförderung und der Förderung sozialer sowie emotionaler Kompetenz als relativ wichtig einschätzen und eine ko-konstruktivistische Lernauffassung teilen. Im Vergleich zu den Studierenden halten die Fachschüler/innen die Betreuungsfunktion für wichtiger und teilen eher eine instruktivistische Lernauffassung. Diese Unterschiede bleiben auch bei Kontrolle von individuellen Hintergrundvariablen bestehen, wobei sich auch deutliche Unterschiede zwischen Institutionen eines Institutionstyps nachweisen ließen. Die praktischen Implikationen dieser Ergebnisse werden diskutiert.

 

Ihre Meinung ist gefragt!

Kommentar schreiben




Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.





Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.