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zwei Kinder

Als die Coronaviren noch nicht Das Problem waren - Zur alltäglichen Hygiene in Krippen und Kitas

Angelika Mauel

07.04.2020 Kommentare (9)

Ein unvollständiges, aber buntes Abbild

Hygiene ist enorm wichtig. Das wussten wir schon vor der Corona-Krise, die uns nun zwingt, vieles zu bedenken. Die Checklisten, die per Mail oder Post an Kitas verschickt werden, können uns die Auseinandersetzung mit dem Ist-Zustand in den Einrichtungen nicht abnehmen. Theoretiker mögen theoretisch gute Tipps geben, aber PraktikerInnen müssen jeden Tag vor Ort entscheiden, was sich wie umsetzen lässt. Riskant werden Kindernotbetreuung und eine reguläre Betreuung der Kinder, unter anderem deshalb, weil wir noch wir insgesamt noch zu wenig über Übertragungsverläufe wissen. Da Aerosole aus dem Atem höchstwahrscheinlich bereits eine Infektion möglich machen, könnten viele krank werden, die lediglich von Infizierten ausgeatmete  Luft einatmen. 

Wir sollten nicht schweigen 

Eine Kindergartenleiterin mailte mir „Allein die Kinderbetreuung in den Notgruppen wird von den Kriterien her ständig geändert, von irgendeinem Schutz für die ErzieherInnen ganz zu schweigen.“ Als ob es unwichtig wäre, dass infizierte Kinder ohne erkennbare Krankheitsanzeichen, zu Überträgern werden können. Tatsächlich liest man mehr über den Gebührenerlass für die Eltern und Minusstunden und Kurzarbeit für die ErzieherInnen als darüber, wie und ob sich ErzieherInnen überhaupt während der Ausübung ihres Berufes schützen lassen. Auch das Kindeswohl ist bedroht. Denn selbst wenn Kinder nicht krank werden, leiden sie wenn vertraute ErzieherInnen plötzlich nicht mehr bei ihnen sein können.

Wird Erziehern nicht ermöglicht, dafür zu sorgen, dass von ihnen und den Kindern kein Dominoeffekt für die Familien der Kinder und ihre eigenen ausgeht, müssen sie selbst aktiv werden. Ansonsten tun sie sich und der Gesellschaft keinen Gefallen. Auch wenn sie es kaum gewohnt sind, ungefragt vorzupreschen oder ihre Mitwirkung zu verweigern, sollten sie klarstellen, wo ihrer Erfahrung nach die Grenzen des noch zu Verantwortbaren überschritten werden. - Bei der Zusammenlegung der Kinder aus mehreren Einrichtungen zu einer Notgruppe dürfte das der Fall sein. Virologe Drosten riet am 14.3.2020 eindeutig davon ab, Kinder kritischer Berufe neu zu gruppieren. Auch ein besonders langes Aussetzen mit der Krippenbetreuung unter den normal-legalen Konditionen darf nun nicht tabu sein. Not lässt sich nicht beheben, indem neue Notsituationen provoziert werden.

„Wenn ich „Herdenimmunität“ höre, denke ich an Schafe“

Wie schwer es ist, sich möglichst nicht mehr ins Gesicht zu fassen, haben wir inzwischen gemerkt. Ein Haarreifen kann auch bei Kurzhaarfrisuren dafür sorgen, dass uns keine Strähne kitzelt. Was ist von Bartträgern in der Kita zu halten? Müssen Erzieher ihren Bart stutzen und müssen Väter ihn beim Bringen und Abholen der Kinder mit dem Spezialmodell einer Maske schützen?  - Worauf müssen ErzieherInnen bei sich und anderen achten?

Sollte die übliche Betreuung in absehbarer Zeit wieder stattfinden, damit der Weg zur „Herdenimmunität“ nicht so lang ist, werden die Gruppen schnell proppenvoll werden. Ein waghalsiges Experiment. Wird unsere Körperbeherrschung und Konzentration auf das, was nötig und vernünftig ist, Schlimmes verhindern können? Ein Arbeiten mit effektiven Mundschutzmasken und Schutzanzügen ist, vor allem im Kontakt mit den jüngsten Kindern, schwer vorstellbar. Doch es ist die Pflicht aller Arbeitgeber, für effektiven Schutz der Arbeitnehmer zu sorgen. Ob diese in der Lage oder gewillt sind, diese Verpflichtung ernst zu nehmen, wird sich noch zeigen. Höchst fragwürdig ist das Vorgehen der Geschäftsführung der Elbkinder Vereinigung Hamburger Kitas gGmbH: Laut Pressemeldungen soll den ErzieherInnen das Tragen von Mundschutz verboten worden sein. Da Mimik und Stimme für die Kontaktqualität und somit für das Wohlbefinden der Kinder bedeutsam sind, würde ansonsten die  Beziehungsqualität leiden. - Zumindest während des Wickelns und des Auftragens des Essens sollten ErzieherInnen sich zum Schutz der Kinder verantwortungsbewusst verhalten und Kinder vor einer Möglichen Tröpfcheninfektion bewahren. Mit ein paar Scherzen und Erklärungen von empathischen ErzieherInnen lassen sich Kinder bestimmt schnell auf eine ungewohnte Situation ein. Selbst gebastelter Mundschutz in fröhlichen Farben oder mit einen plakativ breiten Mundschutz dürfte nicht furchterregend wirken.

Weil das Einseifen der Hände allein nicht genügt

Viele Jahre wurden in unserer Gesellschaft von Eltern und ErzieherInnen toleriert, dass der allgemeine Krankenstand in Krippen und Kitas bis auf ein paar Wochen im Sommer nahezu konstant hoch war. ErzieherInnen und Kinder gleichermaßen kamen – nicht alle, aber doch recht viele - immer wieder krank in die Kitas. Hygiene wurde auf dem Papier wichtiger genommen als im Alltag. Längst nicht alle pädagogisch tätigen Kräfte haben sich zum Wickeln der Kinder Gummihandschuhe angezogen, obwohl es vorgeschrieben war. Das Desinfektionsmittel wurde bei manchen KollegInnen sparsamer verbraucht als bei anderen. Und sowohl die Krippenkinder als auch ihre ErzieherInnen waren meist erheblich öfter krank als die Kinder und die Fachkräfte in den Regelgruppen. 

Eigentlich kennen gerade ErzieherInnen sich aus mit der Abwesenheit von Gesundheit. Viele riechen schon bei der Abgabe eines Kindes, wenn es etwas ausbrütet. Doch Mundgeruch reicht einigen Eltern nicht aus, um ihr Kind wieder mitzunehmen. Erst muss es fiebern. Wer in Kindergärten arbeitet, erlebt die Magen-Darm-, Bindehautentzündung-, Grippe- und Influenzakrankheitswellen vom Ausbildungsbeginn an, bis zum Ausscheiden aus dem Beruf. Wir haben uns an sie gewöhnt, so wie sich die Ärzte früher an das Kindbettfieber gewöhnt hatten.

Ignaz Semmelweis, der die Ursachen der hohen Müttersterblichkeit erkannt und benannt hat, wurde von der Ärzteschaft seiner Zeit angefeindet. Und die Masse der Erzieherinnen möchten in der Corona-Krise am liebsten weder dafür kritisiert werden, dass sie Kinder aufnehmen noch dafür, dass sie sie nicht aufnehmen... Für jede Entscheidung gibt es Argumente.

Viele von uns trauen sich nicht zu denken, dass es eigentlich der Normalzustand sein müsste, dass Kinder und ihre ErzieherInnen in Krippen und Kitas überwiegend gesund sind. Nicht mal chronisches Kränkeln sollte gedankenlos hingenommen werden. Was ist eigentlich „kränkend“ am Aufenthalt in den Gruppen? Warum sind wenige Kleine und Große wirklich robust und viele leiden, husten, schnupfen, niesen... Was stresst? Was können wir anders machen, damit es uns wesentlich besser geht? Wer angesichts der bedrohlichen Coronaviren Hygienerahmenpläne liest, stellt vielleicht fest, dass es am gründlichen Querlüften des Gruppenraumes schon lange hapert. Vor allem in mehrgeschossigen Kitas, wo die Sicherheit der Kinder noch stärker zu beachten ist als dies in einem ebenerdigen Gruppenraum der Fall ist. Aber auch überall dort, wo die ErzieherInnen alle Hände voll zu tun haben, summieren sich die Probleme.

Von der „Sauberkeitserziehung“ zur Hygiene in modernen Kitas

Früher gab es die so genannte Sauberkeitserziehung im Elternhaus und in Kindergärten. Solange Kinder auf Töpfchen hockten, mussten die Erwachsenen aufpassen, dass ein Kind nicht zur Tat schritt und im Töpfchen munter wie in einer Pfütze herumtrampelte. Vor allem Lob spornte Kinder an, stolz auf ihr „großes Geschäft“ zu sein. Disziplinierendes „Topfen“  in den Gruppen der DDR sorgte dafür, dass möglichst kein Kind „aus der Reihe tanzte“. In den Kinderläden der 68iger ging es anders zu. Vereinzelt  ging man sogar so weit, den Inhalt eines Töpfchens für die Eltern aufzubewahren, damit sie ihr Kind unter den Augen der Betreuer pflichtschuldig loben konnten.  Heute wird durch abwaschbare, laminierte Kinderurkunden wertgeschätzt: „Herzlichen Glückwunsch! Du bist ein Klokönig“ - Oder eine Klokönigin...

Auch bei älteren Kindern kann es vorkommen, dass ein Kind oder mehrere mit Exkrementen matschen. Urin gilt als steril. Strullert ein Junge vergnügt im Waschraum, kann in modern eingerichteten Kitas ein Schlauch betätigt werden. Oder mit Wassereimern wird alles zum Abfluss geschwemmt. Halb so schlimm. Auch eine Wurst im Garten lässt sich flott beseitigen. - Allzu oft passiert das ohnehin nicht. Heutige Außengelände sind vielfach knapp bemessen und gut überschaubar. - Wo soll ein Kind da noch ungestört ein stilles Örtchen finden? 

Um Kinder zur Hygiene und zur Körperpflege anzuleiten, vermitteln Erzieher altersentsprechend dem Nachwuchs Lieder, Reime und Fingerspiele. Derzeit lässt man die Kinder anlässlich des Händewaschens zwei Mal hintereinander „Happy Birthday“ singen. Selbst Fünf- und Sechsjährige strecken ihren ErzieherInnen noch zum Schnuppern freudig und freiwillig ihre nach Seife duftenden Hände hin. Nicht nur Kindergartenneulinge, denen man gerade beigebracht hat, wie man sich gründlich die Hände einschäumt, sollen von ihnen beachtet werden. Mein Eindruck von den Vertretungseinsätzen: Dort wo die Handhygiene als Vergnügen zugelassen wurde, war der Krankenstand niedriger als dort, wo Erzieher Kinder belehrt und zu Experten erklärt haben.   

Nach dem Mittagessen werden im Waschraum die Zähne geputzt. Es wird sowohl ein wenig geplantscht als auch mit viel Druck geschrubbt. Schnell werden die weichen Borsten der Kinderzahnbürsten krumm. Und immer wieder fällt eine auf den nassen und schmutzigen Boden. Beim Aufheben reizt es Kinder, mal eben mit ihr durch eine Fuge auf dem Boden zu fahren. Ein interessanter Geruch oder Geschmack animiert Kleinkinder dazu, erneut  etwas abzulutschen. Manche kleine Matscherei wird übersehen. Und solange Erzieherinnen keine Facettenaugen haben, wird sich daran nicht viel ändern. In gekachelten Räumen hallt es. Irgendwann ist das Gehör überfordert.

Egal ob eine Kita die praktizierte Mundhygiene eigens lobt oder ob sie gar als „Kita mit Biss“ ausgezeichnet wurde: Zahnbürsten werden landauf, landab von Kindern verglichen, „geklaut“ und verschenkt. Vertauscht werden sie besonders oft, von Kindern und Erzieherinnen. - Werden wir demnächst auf unbestimmte Zeit auf das Zähneputzen mit den Kindern verzichten? Bringen ErzieherInnen es fertig, Eltern zu sagen, dass sie bitte ausschließlich selbst ihren Kindern die Mundhygiene vermitteln sollen? Fluortabletten schützen Kinder besser vor Karies als die redlichen Bemühungen der Mädchen und Jungen. Und ErzieherInnen haben nun mal keine Krakenarme, die für alle reichen. Sie können nicht alles leisten, was versprochen und erwartet wird. - Nur ehrlicher könnten sie sein... 

„So schlimm ist das doch auch wieder nicht“

Nicht grundlos lassen viele Eltern die Zähne ihrer Kinder beim Zahnarzt durch Lack gegen Karies versiegeln. Sobald Eltern sich wiederholt beklagen, wenn sie schon wieder eine neue Zahnbürste für ihr Kind mitbringen sollen, werden sie irgendwann nicht mehr darum gebeten. „Zu viel Hygiene kann auch ungesund sein.“ Es gibt Erzieherteams, in denen herrscht eine derartige Lässigkeit, dass neue Berufskolleginnen sich bald wieder verabschieden, weil sie es nicht mitansehen können und ihre Kritik nicht angenommen wird. Wurde  eine bestimmte Zahnpastamarke für alle Kinder angeschafft, werden Zahnbürsten „ordentlich“ von etlichen KollegInnen nebeneinander aufgereiht. Ohne Absetzen wird eine Schlange Zahnpasta auf die Bürsten verteilt. Und wenn Kinder fragen, ob auch sie mal die Zahnpasta-Schlange machen dürfen, wird manche Tube weitergereicht. Die Rechtfertigung: Siehe oben. 

„Mit der Hygiene kann man es auch übertreiben.“ - „Wenn man bedenkt, was unter der Aufsicht der Eltern alles passiert!“ - „Für Björn war die Klobürste der Tyrannus Rex und die Zahnbürsten der Familie dessen Babys.“ - Auch Kitas haben WC-Bürstengarnituren – und sie werden gelegentlich von Kindern zweckentfremdet. Besonders still können Kinder sein, wenn sie ahnen, dass ihr Spiel von ErzieherInnen unterbunden würde. 

Nicht nur altbekannte Tischsprüche lernen Kinder schnell und mühelos auswendig. Freche Sprüche sind beliebt. „Die Mutter Sau ist missgestimmt, weil all ihre Kinder Ferkel sind!“ - Während eine Erzieherin/ ein Erzieher Nachschlag am bereits bekleckerten Tisch verteilt, kann es sein, dass sie oder Kinder über dem Geschirr oder Essen lachend oder sprechend Sprühnebel oder Spucketröpfchen verteilen. In manchen Kitas gilt darum die Regel „Während des Essens sind alle still!“. Seit mir der Krankenstand in unseren „Kinderparadiesen“ viel höher vorkommt als vor fast 30 Jahren, bin ich viel verständnisvoller, wenn ich als Springerin irgendwo bin, wo diese schwierig einzuhaltende Regel gilt. (Gemütlicher und kindgerechter finde ich das gemeinsame Essen ohne Verpflichtung zur Stille).  

Schade, dass nicht überall ein Erwachsener mit den Kindern am Esstisch sitzen kann

Eltern und Politiker sollten sich keine Illusionen machen, was die Hygiene in modernen Kitas angeht. Auch dann nicht, wenn eine Vorzeigeeinrichtung mehr Auszeichnungen erhalten hat als der preisgekrönter Hund einer Moderasse. Als Springerin fiel mir auf, wie viele Fachkräfte ungeniert die Trinkgefäße der Kinder von oben mit fünf Fingern am Rand anpacken, um sie flott zu verteilen. Schmierinfektionen finden nicht nur an der Türklinke statt. Im Sommer lassen ErzieherInnen draußen viele Kinder aus wenigen Bechern trinken. Die Eltern sehen es während der Abholzeit und schweigen. „Welche Farbe möchtest du? Blau, Gelb, Pink oder Grün?“ - Wer kritisiert und Angst vor dem nächsten Magen-Darm-Infekt hat, könnte als „Helikopter“ dastehen.

Es gibt mehr Kinder als früher, die Küßchen geben und bekommen wollen. Es gibt sogar ErzieherInnen, so berichtete eine meiner Freundinnen, die in Krippen tätig war, die scheinen gar nicht mehr zu merken, dass sie und das Kleinkind, dem sie das Essen anreichen, abwechselnd vom gleichen Löffel essen. Sie hat sich vernehmlich geräuspert. Insgesamt wird jedoch längst nicht immer interveniert. Damit wir besser vor feuchten Schmatzern der Kinder geschützt sind, wäre es hilfreich, wenn Eltern ihre Kinder nicht mitten auf den Mund küssen würden, damit ihr Nachwuchs nicht genau dies bei anderen Kindern und uns versucht.

Bei Vertretungseinsätzen wähle ich meinen Platz am Frühstückstisch stets so, dass ich die im Raum spielenden Kinder gut im Blick habe. Doch gerade pfiffige Kleine wollen alleinige Zuwendung und finden einen Weg. Mehr als einmal hat sich ein U-3-Kind um den Tisch herum durchgewuselt, um dann – für mich kam es überraschend – mich von hinten am Kinn zu packen und es zu sich zu ziehen. Schwups! Ein dicker Schmatz, der auf meinem Mund hätte landen sollen, landete meist knapp daneben. Kinder, die Körperkontakt und innige Zuwendung brauchen, wollen nicht bis zur Abholzeit darauf warten. Immer wieder möchten Kinder am Hals den Pulsschlag der vielen potenziellen „BezugserzieherInnen“ fühlen. Die Patschhand sieht man heute schon am Hals von kaum vertrauten Praktikanten und Springkräften. Früher hielten Kinder von sich aus mehr Distanz - heute sind sie auffällig verschmust. Und Bilder, auf denen Kinder an ihre kleinen Freunde Zärtlichkeiten mit unsichtbaren „trojanischen Ponys“ verteilen, landen mit Glitzer bestäubt in den liebevoll gestalteten Ich-Büchern der Kinder. 

Manches Bällchenbad wird regelmäßig - oder sogar ausschließlich durch den Speichel der Kinder „gereinigt“. Die Hand-Mund-Fuß-Krankheit überträgt sich schnell von Kind zu Kind. Meist ist ihr Verlauf mild. Doch wie viele banale Unpässlichkeiten und Infekte der Kleinkinder bringen diese zum Spucken! Meine Bitte: Schafft die Bällchenbäder ab! Raus damit! Egal wie gern Kinder in ihnen spielen und was Studien bewiesen haben wollen: Es gibt so viele verschiedenen andere Bälle mit denen Kinder vielfältigere Erfahrungen sammeln können. Der Inhalt ausgelaufener Windeln, Speichel, Nasenpopel, Ohrenschmalz (Es schmeckt salzig laut Kindermund) und Erbrochenes landen irgendwann in jedem Bällchenbad! Stellt euch bitte vor, dass Keime daran haften, die das Maß dessen, was die schwächsten Kinder der Gruppe noch verkraften könnten, überfordern. - Und irgendwann macht auch unser Immunsystem schlapp. Fast zu jeder Studie lässt sich eine Gegenstudie finden, Hier geht man davon aus, dass die Bakterien und Keime das Risiko einer Infektion von Krankheiten wie Bindehautentzündung, Erkrankungen der Atemwege, Magen-Darm-Grippe, Sepsis oder Meningitis erhöhen. - Gerade Kleinkinder nehmen alles in den Mund. Als dieser Artikel erschien, war Sars CoV-2 noch nicht viral.

Wie gut, dass es wenigstens diese saugfähigen Granulate gibt, salopp „Kotzepulver“ genannt. Relativ schnell ist alles weggemacht. Es riecht nicht mehr säuerlich. Warum die flotte Reinigung wichtig ist? Weil manches Kind spontan helfen will. Schlagartig nachdem Kinder erbrochen haben, können manche wieder fit sein. „Selber!“ Man kann ihnen nicht böse sein, aber umziehen muss man ein „Helferkind“ natürlich doch. - Wie viele KrippenerzieherInnen sind eigentlich regelmäßig allein mit zu vielen Kleinkindern?  

Es hätten mehr Gefährdungsanzeigen geschrieben werden können      

Wie in der Alten- und Krankenpflege, wo derzeit die Dokumentationspflichten zu vernachlässigen sind, hat man auch uns zum fragwürdigen Verschriftlichen oder Abhaken auf Listen angehalten. Dokumentationspflichten im Sinne des Verlangten zu erfüllen, wird erwartet. Missstände beharrlich aufzeigen aber sollen wir bleiben lassen, auch wenn niemand Erzieherinnen offiziell so anweisen würde. Es ist wirklich höchste Zeit, den Mund aufzumachen! Coronaviren können Atemnot bis hin zum Tod auslösen. Auch bei jungen Menschen sind Spätfolgen möglich.

Welche Kita braucht eine neue, qualitativ bessere Spülmaschine? Eine, die groß genug ist, alles, was heiß gespült werden muss, bei der vorgeschriebenen Mindesttemperatur zu reinigen? Problematisch wird es, wenn sich zwei Gruppen eine 45 cm breite Spülmaschine für Singles teilen. Manches Modell erreicht nicht die vorgeschriebenen 65 oder 70 Grad. Und weil eine kleine Spülmaschine öfter befüllt werden muss, wird der Kurzspülgang gewählt. 55 Grad. Merkt ja keiner. Machen alle. - Mehr als einmal habe ich ErzieherInnen darauf aufmerksam gemacht, dass ihr Träger für Abhilfe sorgen müsse. - „Ach, so schlimm kann das doch nicht sein. Früher haben die Kinder ihre Gedecke selbst von der Hand gespült, in einer trüben Brühe... Ohne dass was passiert wäre.“ - Stimmt. Der Krankenstand in Kindergärten ist traditionell hoch und der Verband der Kinder- und Jugendärzte hat die Anzahl der Infekte, die pro Kind und Kindergartenjahr noch normal sein sollen, angepasst und wiederholt erhöht. Wir Erzieherinnen sind ein Teil dieses Problems.

Zu viel Hygiene kann ja auch schaden

Auch dieser Satz geht vielen ErzieherInnen flott von den Lippen. PraktikantInnen, die sich um vorbildliche Hygiene bemühen, bekommen ihn entgegengehalten. Was die Schule lehrt, ließe sich in der Praxis nie und nimmer umsetzen, heißt es dann. Die beziehungsvolle Pflege, für die pro Wickelkind eine Viertelstunde veranschlagt werden soll, ist gewiss nicht in jedem Bundesland umsetzbar. Auch nicht dort, wo Träger gegen den Wunsch der Fachkräfte offenes Arbeiten verpflichtend angeordnet haben. Eine Freundin kündigte auf einer Stelle, wo ErzieherInnen einer ehemals mehrgruppigen Kita wochenlang zur Beaufsichtigung der Kinder in einen Raum quasi abgestellt wurden. „Wickeln und Wasserspiele“ - für Wochen als Hauptaufgabe? Das Team beschwerte sich über das Ansinnen des Trägers. Als die Fachberaterin für Kitas kam, meinte sie nur: „Das stelle ich mir eigentlich sehr schön vor. Da hat man doch so viel Körperkontakt zu den Kindern.“ Eine Antwort zum Stirnrunzeln! Der größtmögliche Hautkontakt der Erzieher zu den Kindern im Wochenrhythmus ist nicht erstrebenswert. Und es mangelt an Erziehern, die sich konsequent gegen jedes „zu viel“ wehren. Journalisten bezeichnen uns immer wieder mal als „Kitahelden“. Soll dieser Schmu eine Belohnung für eine übergroße Duldsamkeit der pädagogisch Tätigen sein?

Am 27.3.2020 bekannte eine Auszubildende in einem Forum für Erzieher: „Ich habe an dem Tag fast zwei Gruppen alleine geschmissen und innerhalb von 45 Minuten 40 Kinder gewickelt, weil die anderen Kollegen mir das aufgetragen haben.“ Auch Fachkräfte verkünden immer wieder stolz, dass sie eine „Gruppe geschmissen“ hätten... Wie viele brüsten sich damit, wie hoch ihr Fieber war, als sie noch zur Arbeit gegangen sind? Wie begünstigen wir selbst die Verbreitungen von Krankheiten?  Mir würde es schwer fallen, diszipliniert beim Essen zu schweigen. Ist es nicht schrecklich, dass wegen der Coronaviren niemand mehr beim Essen oder im Bus andere zum Lachen bringen sollte? Plötzliches Losprusten kann gefährlich werden.

Selbstkritik und interne Kritik unter Kollegen kann uns weiterhelfen

Wie lang dürfen Fingernägel sein? Eine Kindergartenleiterin bittet jedes Jahr vor dem Berufspraktikum Lehrer, gegenüber der Klasse klarzustellen, dass in ihrem Kindergarten erwartet wird, dass Praktikantinnen mit kurzen Fingernägeln in die Gruppe kommen. Anderswo erscheinen junge Frauen vor oder nach dem Ablauf der Probezeit mit natürlich gewachsenen langen oder aufgeklebten Fingernägeln zum Dienst. Da der Personalmangel groß ist, wird es hingenommen. Oder aber niemand schert sich drum. Das Wort Hygiene gehört nicht überall zum Grundwortschatz. „Dreck, den man nicht sieht, ist keiner“, „Dreck reinigt den Magen“...    

Wir alle machen Fehler und haben Schwachstellen. Durch die noch andauernde Schließung der Kitas haben wir Zeit zum Nachdenken. Die Devise „Verschonst du mich mit Kritik, verschone ich dich“ sollte ausgedient haben. Wie sehr menschelt es in Teamgesprächen? Nach zermürbenden Auseinandersetzungen steht doch längst nicht immer eine pragmatische, vernünftige Lösung. Am Ende kommt es oft zu einer Einigung auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners.

Und nun: Das nach langen Diskussionen angebotene Frühstücksbuffet wird wohl auf lange Sicht bundesweit wieder abgeschafft werden. Mancher pädagogische Trend muss überdacht werden. Anders als früher würde ich heute Kleinkinder auch nicht mehr nacheinander mit dem selben Löffel sich das Essen eigenhändig nehmen lassen. Jedes Umbesinnen zur Eindämmung der Übertragungsmöglichkeiten der Coronaviren wird auch vielen anderen Erregern die Ausbreitung erschweren. Aber all unsere Bemühungen können nichts daran ändern, dass gerade die Jüngsten besonders oft und lange krank sind. Und gerade sie haben oft Eltern, die im Schichtdienst in systemrelevanten Berufen mit höheren Ansteckungsgefahren arbeiten... Und es gibt ein Problem mit den Jüngsten, das bleibt:  

Die Kleinsten werden andere Kinder und ErzieherInnen immer wieder direkt anniesen

Alle kneifen beim Niesen ihre Augen zu, ein Schutzreflex heißt es. Tröpfchen aus Mund und Nase fliegen meterweit, schweben im Raum. Mit bis zu 160 Stundenkilometer sollen die Luftmoleküle aus der Nase schießen. Doch sogar Werte bis zu 900 Stundenkilometer wurden schon von Forschern gemeldet. Nun staunen wir weniger, wenn wieder einmal ein  dicker, grüner Schnodder einen beachtlich weiten Weg aus einem Näschen zu uns gefunden hat.

Und noch immer hört und liest man nichts darüber, ob es nicht angebracht wäre, den Rechtsanspruch auf Betreuung der „U-3-Kinder“ auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Was man stattdessen liest: ErzieherInnen senden digitale Botschaften an Eltern und Kinder. Erstere erhalten Tipps für eine sinnvolle Beschäftigung der Kinder. Eltern dürfen sich auch mit Fragen an die Fachkräfte wenden. Und durch das Anschauen der Videos ihrer ErzieherInnen durch die Kleinkinder soll der Kontakt zu ihnen nicht abreißen.

Welche Signale senden ErzieherInnen eigentlich an die Eltern und andere so genannte „Verantwortliche“ aus, wenn es um die Verantwortbarkeit der Kinderbetreuung gerade der Jüngsten geht? Welche Hoffnungen werden bei Eltern geweckt, wenn ErzieherInnen ihnen und den Kindern mailen, wie sehr sie sich schon darauf freuen, wenn die Kita wieder aufmacht... Warum stehen ErzieherInnen nicht zumindest auch zu allen Bedenken und Ängsten, die sie haben? Oder blenden sie aus, wie sehr sich der Erziehermangel bemerkbar machen könnte, sobald Kitas wieder den regulären Betrieb aufnehmen sollen?

Wie soll es zu schaffen sein, angesichts der Corona-Krise für die Zukunft genügend Fachkräfte für Krippen und Kitas zu finden, wenn es über zehn Jahre lang nicht gelang? Sobald flachere Coronawellen bei gleichzeitiger Öffnungen von Kitas für alle Kinder drohen, dürfte ein Abschreckungseffekt einsetzen. Schon immer gab es Auszubildende, die souverän genug waren, nicht die Kindergruppen, sondern ihre Ausbildung „zu schmeißen“, weil sie es satt hatten, andauernd krank zu sein (was für Berufsanfänger wie für Kinder „normal“ sein soll...). Ihnen war ihr Privatleben wichtig, am Wochenende mit Freunden feiern zu können, anstatt Fieber zu haben oder Magen-Darm. Und in familiären Gesprächen überlegen bestimmt nicht wenige ErzieherInnen derzeit mit ihren Lieben, inwieweit sie selbst noch im Betreuungssystem aktiv bleiben wollen. Kurz vor der Rente stehende ErzieherInnen – altersbedingt eine Risikogruppe für einen schweren Verlauf bei Covid 19 – werden sich nun nicht mehr nur mit einer geringeren Stundenzahl begnügen. Besonders viele denken über die Kündigung nach oder werden von Familienmitgliedern darum gebeten. Diese können sich oft nicht mehr vorstellen, dass Eltern in Zukunft darauf verzichten würden, ihre Kinder wissentlich krank in ihre Kitas zu bringen. Sie haben daheim zu viel von dem gehört, was zur Verschwiegenheit verpflichtete Fachkräfte ihnen nicht hätten sagen dürfen.

U-3 Kinder zu betreuen ist eine ganz andere Herausforderung, als die Betreuung älterer Kinder. Gerade die Jüngsten brauchen besonders viel verlässliche Zuwendung, die sie in den nächsten Jahren in Kitas aus vielen Gründen eher nicht zu erwarten haben. Jene ErzieherInnen, die stolz darauf sind „ihre Gruppe geschmissen zu haben“ werden das nicht unbedingt so sehen. Aber es gibt auch andere. Ob mehr ErzieherInnen sich dafür entscheiden werden, ihr eigenes Kind möglichst zwei oder drei Jahre selbst zu betreuen? Diese Entscheidung wird oft davon abhängen, wie die eigene Familie insgesamt finanziell über die Runden kommen kann. Schon jetzt ist absehbar, dass Corona weitreichende wirtschaftliche Folgen haben wird. Und deshalb wird die Bereitschaft im Erzieherberuf zu arbeiten, aber auch das verantwortungsbewusste Engagement von ErzieherInnen gegen Fehlentwicklungen und Überlastungen noch wichtiger werden als bisher. Der Berufsstand sollte alles dran setzen, Lethargie und Opferhaltung hinter sich zu lassen. Private und berufliche Entscheidungen müssen von Erzieherinnen getroffen werden. - Warum haben sie keinen eigenen Berufsverband, der ihre Interessen vertritt?

Wie steht es um die Seelenhygiene der ErzieherInnen?

Verdi und die kommunalen Arbeitgeber haben sich darauf geeinigt, die aktuell laufende Tarifrunde in den Sozial- und Erziehungsdiensten (TvöD SuE) des öffentlichen Dienstes pausieren zu lassen. Wann es weitergeht, hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Epidemie ab. Doch diese den Umständen geschuldete Pause, darf nicht dazu führen, dass ErzieherInnen ein ihnen besonders wichtiges Anliegen aus dem Blick verlieren. Langfristig müssen die Betreuungsbedingungen erheblich besser werden. Sie müssen so gut werden, dass die wenigen Grundbedürfnisse der Kinder verlässlich erfüllt werden können.

Kindergartenkinder zu vermissen und Kontakt zu ihnen und den Familien zu pflegen, ist eine Sache. Auch das Nähen von Masken, die nur ein Schutz davor sein können, Krankheitserreger an andere weiterzugeben, ist eine sinnvolle Beschäftigung. Einfacher Mundschutz ist besser als keiner. Aber dieses soziale Handeln ändert zu wenig. Es reicht nicht aus, wenn ErzieherInnen als Berufsstand bis zur Fortführung der Tarifverhandlungen darauf verzichten, ihre Bedenken hinsichtlich der Kinderbetreuung in Kitas publik zu machen. Um diese zu untermauern ist es ein kluger und kein dummer Weg, sich zu Fehlern zu bekennen, die man gemacht hat. Unter unzulänglichen Betreuungsbedingungen lassen diese sich auch nicht für die Zukunft ausschließen. Eine Frage, deren Antwort vielen Eltern weh tun könnte, wäre die, was sich ErzieherInnen für ein eigenes Baby oder Kleinkind wünschen. - Auch den Eltern bleibt das Nachdenken über das, was institutionelle Kinderbetreuung leisten kann, nicht erspart. Solange wir uns gegenseitig versichern, wie toll Kinder in Krippen und Kitas betreut würden, wird es weiterhin Wickeln im Akkord und ohne Gummihandschuhe, Ausflüge unter Personalmangel und einen viel zu hohen Krankenstand unter Kindern und Fachkräften geben.

Persönliche Informationen zu diesem Artikel: Überschlage ich, wie viele BerufskollegInnen ich während meiner Vertretungseinsätze als Erzieherin erlebt habe, komme ich auf eine dreistellige Zahl im unteren Bereich. Zusätzlich gab es noch Vorstellungsgespräche und Besuche anlässlich von Lesungen. Mein Verständnis dafür, dass Kinder sehr sinnlich sind und eigene Erfahrungen machen wollen, ist groß. Selbstverständlich halte auch ich die perfekte Hygiene für ein unerreichbares Ideal. Doch so wie der Volksmund sagt „Schlimmer geht immer“, lässt sich auch sagen, dass Verbesserungen ebenfalls immer noch zu erreichen sind. Manche kosten Geld. Manche erfordern nur mehr Mumm und Zivilcourage.

Autoreninformationen:

Angelika Mauel, geboren 1960, hat in Bonn Jura studiert, 1993 - 1996 eine Teilzeitausbildung zur Erzieherin absolviert und ihr Berufspraktikum in einem emanzipatorischen Mädchentreff erfolgreich abgeschlossen. Anschließend arbeitete sie bis 2016 als Erzieherin auf Vertretungsbasis in verschiedenen Institutionen und Gruppenformen. Das Schreiben über den Alltag in Kindergärten wurde für sie zu einem besonderen Anliegen. Bald möchte sie wieder mehr für Kinder schreiben.  

Ihr Kinderroman "Nachrichten von Jakob" kann noch über das Internet bestellt werden. Fachbeiträge rund um die Kinderbetreuung finden interessierte Leser im Magazin "unerzogen", auf ErzieherIn.de und auf ihrer Website. 

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Kommentare (9)

  • Bine:
    29.04.2020 um 20:38 Uhr

    Hallo, mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen. Mit viel Einfühlungsvermögen und Verständnis werden hier Themen angesprochen, die vielen ErzieherInnen aus dem Herzen sprechen. Auch mir, als langjährige Erzieherin. 47 Versicherungsjahre stehen auf meinem Rentenbescheid. Fast genauso viele Jahre in der Kinderbetreuung. Alles was hier geschrieben steht, kann ich bestätigen. Mein Träger kümmert sich nicht um Schutz in der Pandemie. Mundschutzverbot haben wir. Durch die weitere schrittweise Öffnung der Kitas, müssen schon wieder viele Kinder betreut werden. Der Senat lässt die älteren KollegInnen im Regen stehen. Auch die Risikogruppe muss wieder ran! Es geht hier um unser Leben! Jüngere ErzieherInnen brüsten sich damit, zu jüngeren Kindern ist Abstand halten nicht möglich, das Tragen von Schutzmasken geht nicht und natürlich nehme ich das Kind auf meinen Schoß, wenn es kuscheln will. Bitte tut was! Wenn die einen unbelehrbar bleiben, sorgen sich die anderen um ihre Gesundheit, wenn nicht sogar um ihr Leben.

    Antworten

    1. Isabel Weidenbach:
      30.04.2020 um 16:30 Uhr

      Ja erstaunlich...man findet auch nichts zum Thema Schutz für Erzieherinnen, und hier geht es immerhin um die Unversehrtheit,
      aber ganz viel über Eltern die zu Hause arbeiten und ihre Kinder dabei stören.
      In der Notbetreuung sind mittlerweile sehr viele Kinder, auch nicht nur während die Eltern arbeiten, und die Träger beschäftigen sich damit zu überprüfen ob auch alle genug Heimarbeit machen anstatt ihre Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeiterinnen wahrzunehmen und sich für eine möglichst geringe (aus)Nutzung der Notbetreuung stark zu machen und im Namen der Mitarbeiter die Eltern darüber zu informieren, dass hier eine Berufsgruppe ohne die Möglichkeit der Verwendung von Schutzkleidung ganz eng mit den Kindern arbeiten muss, eine Ansteckung trotz Hygenemassnahmen nicht vermieden werden kann.
      Alles dreht sich um den Anspruch der Eltern und keiner interessiertvsich für die Betreuer...von den Gewerkschften habe ich bisher auch noch nichts gross mitbekommen.

      Antworten

  • Regine Wagner:
    01.05.2020 um 19:37 Uhr

    Vielen Dank für diesen Artikel Ich hoffe er wird von vielen Kolleginnen und Trägern gelesen !
    In den Ämtern, Büros, Läden, Krankenkassen wird man nur mit Termin, Maske, Desinfektion , vorgelassen, in den Kitas soll weiterhin ungeschützt gekuschelt werden .... Können das die Eltern wirklich wollen ? Wo ist da die Fürsorgepflicht Ihren eigenen Kindern gegenüber und die der Träger für Ihr Personal?

    Antworten

  • A.:
    04.05.2020 um 15:05 Uhr

    Danke für diese klare und realistische Sicht auf die Dinge. Ich werde momentan als Risikoperson toleriert und mir, nach 30 Berufsjahren, sollte ich wieder tätig werden müssen einen neuen Job suchen. Das Verheizen der Erzieher sollte ein Ende haben. 0

    Antworten

  • alexa:
    18.05.2020 um 21:38 Uhr

    DANKE DAFÜR!
    Alles sehr treffend beschrieben!
    Ich fühle mich auch so allein gelassen von meinem Arbeitgeber.
    Keine Infos für Mitarbeiter aus der Risikogruppe (aufgrund von Vorekrankungen).
    Man hat ein schlechtes Gefühl gegenüber den anderen Mitarbeitern die auch freiwillig den Notdienst machen.
    Wer kümmert sich um meine Gesundheit?Das muss ich wohl selber tun und mich vehement dafür einsetzten evtl.nicht im Notdienst eingesetzt zu werden.Eine Krankschreibung von meiner Ärztin gab es nicht.Die sagte das ich Sache ihres Arbeitgeber.

    Antworten

  • Marike:
    19.05.2020 um 11:50 Uhr

    Aus einer 33 jährigen Berufserfahrung kann ich dies alles bestätigen.
    Im Augenblick bin ich freigestellt, weil ich zu einer Risikogruppe gehöre.
    Der Arbeitgeber meldet sich nicht, ich fühle mich ebenfalls alleingelassen.
    Meine Kollegen sind Ignorant und negieren die Gefahr.
    Setzen sich trotz Verbot morgens zum Frühstück zusammen, 8 Personen um einen Tisch für 6 Kinder.
    Masken werden abgelehnt und es wird behauptet von Kindern gehe keine Infektionsgefahr aus.
    Ich kann es gar nicht glauben wie man sich und andere in so eine Gefahr begeben kann.
    Es wird hinter verschlossener Türe sein eigenes Süppchen gekocht, obwohl klare gesetzliche Vorgaben vorherrschen.
    Das ist für Personen aus Risikogruppen ein Fiasko.
    Nun könnte mir eine Versetzung drohen, weil die Kommune mit Risikogruppen ein Problem hat.
    Die Zeiten sind echt schwierig und schwer.....

    Antworten

  • Christine Frank:
    22.05.2020 um 21:57 Uhr

    Alles was in diesem Artikel steht stimmt. Aber es stimmt auch, dass pädagogische Fachkräfte aufgrund eines ausgeprägten Helfersyndroms dazu neigen immer allen alles recht machen zu möchten und sich aus welchen Gründen auch immer nicht wehren. Jetzt in Corona Zeiten wäre es angebracht sich kollektiv zu wehren. Jeder Friseur hat Adresslisten ausgelegt, maximale hygienische Voraussetzungen samt Mundschutz und wir sollen ohne alles wickeln, trösten, nasse Hosen wechseln. Und warum, weil die Eltern lauter und fordernde ihr Recht auf die Betreuung ihrer eigenen Kinder einfordern als wir das Recht auf Gesundheit und Unversehrtheit . Hier wären auch VERDI, der BDE und die MAV gefragt, nur so am Rande.

    Antworten

  • Theresa Fuchs:
    26.05.2020 um 18:28 Uhr

    Ein sehr treffender Artikel! Auch ich vermisse den Aufschrei der Gewerkschaften. Noch immer scheint nicht klar zu sein, wohin es führt, wenn man so munter alle Kinder ohne jegelichen Schutz und Abstand auf die Erzieher "loslässt" - zu erneuten kompletten Kita-Schließungen!
    Es stimmt leider - alle Kitas bzw. Träger erklären, wie sehr sie sich darüber freuen würden, dass nun endlich die Kinder wiederkämen. Kaum einer versteht, wenn man Bedenken äußert. Ich selbst habe ehrlich gesagt sehr die Nase voll davon, einem Beruf anzugehörigen, der kaum Anerkennung, aber jede Menge Forderungen gestellt bekommt. Dass Eltern ihren kranken Kindern ein Fieberzäpfchen verabreichen oder es trotz Erbrechen/Durchfall als "gesund" in die Kita bringen, davon können auch wir ein Lied singen. Kaum vorstellbar, dass DIESE Eltern plötzlich umsichtiger handeln.... Aber es ist absolut "out", sich mehr für den Schutz von Erziehern einzusetzen - gerade, weil ja mit drohenden Entwicklungsstörungen und einer vielzahl möglicher häuslicher Gewalt ein solcher Druck aufgebaut wird, dass man quasi gar nicht anders kann, als hier zurückzustecken...
    Bei jeder Erkältungs- oder Durchfallerkrankungswelle spielen Kleinkinder eine besonders intensive Rolle - wir alle sind häufiger krank. - Ich frage mich, weshalb jetzt ausgerechnet Corona in der Kita eine totale Ausnahme machen sollte? - Ich glaube KAUM, dass die Kinder sich ausschließlich von den Eltern anstecken - sie tragen es mit Sicherheit wie jedes andere Virus auch untereinander weiter und steckenauf diesem Wege auch andere Eltern oder Erzieher an und tragen über diesen Weg den Virus in die Familien.
    Ich warte auf den nächsten Fall - und die Konsequenzen. Im Grunde kann ich mir auch vorstellen, dass man "den Ball flach hält" - also Schließungen möglichst umgeht - mit irgendwelchen Spitzfindigkeiten. Die Träger und Fachberatungen lassen ihre Mitarbeiter hier völlig im Regen stehen - die Gewerkschaften leider auch.
    Auch ich bin mittlerweile u. a. auch deshalb stark am Überlegen, ob dieser Beruf tatsächlich das Richtige für mich bis zur Rente ist und halte die Augen nach Alternativen offen!

    Antworten

  • Sonja V.:
    28.05.2020 um 08:28 Uhr

    Den vorangegangenen Kommentaren kann ich nur beipflichten!
    Als langgediente Erzieherin kann ich ALLE Aussagen bestätigen .
    Warum fällt es Eltern eigentlich so schwer IHRE Kinder zuhause zu betreuen , wenn sie nicht berufstätig sind?
    Aber für diese Aussage werde ich sehr wahrscheinlich gelincht...

    Antworten


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