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Anforderungen an die Weiterbildung in der Frühpädagogik – ein Fachgespräch mit Angelika Diller und Ursula Rabe-Kleberg

Angelika Diller, Ursula Rabe-Kleberg, Hilde von Balluseck

30.08.2010 Kommentare (2)

Dass eine Qualitätsverbesserung der frühpädagogischen Arbeit an der Qualifikation des Personals ansetzen muss, ist spätestens seit den ersten Schritten zur Akademisierung der Frühpädagogik klar. Denn Hunderttausende von pädagogischen Fachkräften haben nicht studiert, und trotzdem wird von ihnen erwartet, dass sie den neuen Ansprüchen an die frühpädagogische Arbeit gewachsen sind. Außerdem gibt es für alle ErzieherInnen im frühpädagogischen Feld immer wieder neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die in Weiterbildungen vermittelt werden sollten. Aber wer überprüft die Inhalte und die Qualität der Weiterbildung? Wie ist die Rolle der Träger zu beurteilen? Wie verhält sich die Qualifikation der Kindertagespflegepersonen zu der von ErzieherInnen in Kindertageseinrichtungen? Zu diesen und anderen Fragen im Kontext der Weiterbildung gibt das folgende Gespräch mit Angelika Diller und Ursula Rabe-Kleberg Aufschlüsse und Hinweise.

Angelika Diller ist Sozialpädagogin, Diplom-Pädagogin, Supervisorin und seit sieben Jahren im Deutschen Jugendinstitut (DJI) als wissenschaftliche Referentin der Abteilung Kinder und Kinderbetreuung tätig. Seit Oktober 2009 ist sie Projektleiterin der Weiterbildungsinitiative WIFF.

Ursula Rabe-Kleberg ist Professorin für Bildungssoziologie an der Martin-Luther-Universität, wissenschaftliche Leiterin des Instituts bildung:elementar, einem Institut für Organisations- und Professionsentwicklung, sowie Vorsitzende der Werkstatt Weiterbildung e.V.

ErzieherIn.de: Frau Diller, Frau Rabe-Kleberg: Welche institutionellen Strukturen vertreten Sie beim Thema Weiterbildung?

Angelika Diller: Ich arbeite seit einigen Jahren im DJI in der Abteilung Kinder und Kinderbetreuung, wo das Arbeitsfeld der Tageseinrichtungen und auch die Professionalisierung der Fachkräfte einen hohen Stellenwert haben. Seit Oktober 2009 leite ich die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) deren Ziel es ist , Transparenz, Qualität und Durchlässigkeit in der Qualifizierungslandschaft frühpädagogischer Fachkräfte weiterzuentwickeln.

Ursula Rabe-Kleberg: Zum einen habe ich mich seit Jahren als Wissenschaftlerin mit der Qualität der Bildung in Tageseinrichtungen für Kinder befasst, zum anderen mit Ausbildung und Qualifikation der Erzieherinnen. Als Leiterin des Institutes bildung:elementar bin ich für die hier entwickelte Formen der Fort- und Weiterbildung zuständig, die sich in der Regel an ganze Teams bzw. Träger richtet. In der „Werkstatt Weiterbildung“ hat sich eine Gruppe von Personen aus Praxis und Wissenschaft zusammengefunden, die sich für die Verbesserung der Qualität und der Strukturen der Weiterbildung im Bereich der Tageseinrichtungen für Kinder engagiert. Die Werkstatt Weiterbildung arbeit eng mit der Weiterbildungsinitiative des Deutschen Jugendinstituts (WiFF) zusammen.

ErzieherIn.de: Wie sind Sie beide im Rahmen Ihrer beruflichen Entwicklung zum Thema Weiterbildung gekommen?

Angelika Diller: Meine langjährige Berufsbiographie ist im Arbeitsfeld der Kindertageseinrichtungen verankert, ich kenne das Feld seit ca. 40 Jahren aus unterschiedlichen beruflichen Funktionen. Auch damals hat uns schon die Frage beschäftigt, was eine gute Weiterbildung ausmacht. Ich selber habe viele Jahre als freiberufliche Weiterbildnerin gearbeitet.

Ursula Rabe-Kleberg: Es waren in erster Linie die Erfahrungen in Projekten der Professions- und Organisationsentwicklung in Kitas, die mich veranlasst haben, sowohl systematisch über die Notwendigkeit der Fort- und Weiterbildung nachzudenken, wie auch über angemessene Formen und Inhalte. Insbesondere im Anschluss an die Erarbeitung des Bildungsprogramms für Kitas in Sachsen-Anhalt wurde deutlich, dass die Erzieherinnen grundlegende Unterstützung in ihrer professionellen Entwicklung brauchen.

ErzieherIn.de: Welche Gesichtspunkte sind Ihnen beim Thema Weiterbildung besonders wichtig?

Ursula Rabe-Kleberg: Es sind vor allem zwei Elemente, die relevant sind: Zum einen muss Fort- und Weiterbildung so angelegt werden, dass Erzieherinnen ihr Wissen erweitern, ihre Haltung reflektieren und wenn nötig, verändern können und dass sie einen Zugewinn an Handlungskompetenzen in ihrer täglichen Arbeit erfahren. Zum anderen muss zumindest ein Teil der Angebote in der Fort- und Weiterbildung so angelegt sein, dass sie letztendlich berufliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen, d.h. Grundlage für einen Zuwachs an Bezahlung, für die Eröffnung beruflicher Auf- und Umstiege sowie für die Anerkennung bei der Aufnahme eines akademischen Studiums.

Angelika Diller : Innerhalb der berufsbegleitenden Weiterbildung – und darüber reden wir – hat für mich immer der Handlungsdruck der Teilnehmer/innen eine hohe Relevanz gehabt. Sie gehen aus der Weiterbildung wieder in Ihre Praxis und wollen wissen wie sie ihr praktisches Handeln verbessern können. Daraus ergibt sich die Herausforderung an die Weiterbildner, die „richtige Mischung“ zwischen Praxisorientierung und Theorievermittlung und Reflexion zu ermöglichen.

ErzieherIn.de: Es gibt einen unübersehbaren Markt an Weiterbildungsanbietern. Wie wollen Sie für die „Kundschaft“ – also Träger und Leitungskräfte – Transparenz schaffen?

Angelika Diller: Zunächst stellt sich die Frage, aus welcher Perspektive man über Transparenz spricht. Beim Blick auf die bundesweite Weiterbildungslandschaft verliert man sich schnell im Dickicht der Anbieter, aus regionaler Perspektive wird es einfacher. Die eigentliche Frage ist aber doch, worüber muss Transparenz hergestellt werden. Weiß die Kundschaft, was sie einkauft, anders formuliert: Wie gut oder wie schlecht ist die Qualität der Weiterbildung? Wenn es einen fachwissenschaftlich akzeptierten Qualitäsmaßstab gibt, dann kann man den veröffentlichen und im Zeitalter der Portale öffentlich zugänglich machen. Konkret heißt das: Wenn die Leiterin eine Weiterbildung aussucht, kann sie nachschauen, ob die Weiterbildung einem definierten Qualitätsmaßstab entspricht.

Die Anstellungsträger haben hier nochmal eine andere Position, große Träger sind ja sowohl Träger von Einrichtungen, als Träger von Ausbildungs- und Weiterbildungsinstitutionen. Sie können über ihre verbandsinternen Strukturen sehr wohl Einfluss nehmen.

Ursula Rabe-Kleberg: In der Tat müssen wir klare Kriterien für die Qualität von Fort- und Weiterbildung formulieren. Darüber hinaus müssen wir sie aber auch fachpolitisch durchsetzen. Das ist nicht so einfach, denn ein solcher Prozess der Durchsetzung hat viele Akteure und Gegenakteure, Es wird darauf ankommen, die Akteure für die Setzung, Durchsetzung und Kontrolle von Standards zu interessieren. Dabei ist davon auszugehen, dass bei Akzeptanz der Standards im Feld der Fort – und Weiterbildung diejenigen Anbieter auf dem Markt besser dastehen, die die Standards nachweislich erfüllen.

Wie die Standards inhaltlich ausgefüllt werden und wie der Prozess der Durchsetzung organisiert werden soll, wird zur Zeit in einer Arbeitsgruppe von Expertinnen und Experten aus der Praxis und der Wissenschaft diskutiert, die sich auf Einladung der Werkstatt Weiterbildung und der WiFF zusammengefunden haben. Ergebnisse dieser Arbeit werden bis Ende dieses Jahres erwartet.

ErzieherIn.de: Welche Qualitätsstandards wollen Sie in der Weiterbildung etablieren? Und wie wollen Sie erreichen, dass sich Anbieter daran halten?

Ursula Rabe-Kleberg: Qualitätsstandards sollen sich auf die inhaltliche Orientierung, auf die Struktur, die Prozesse sowie die Ergebnisse der Fort- und Weiterbildung beziehen. Dabei orientiert sich hier die „Kultur des Lernens“ zum einen an der besonderen Aufgabe der Erzieherinnen, Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern zu begleiten und zu gestalten, zum anderen daran, dass die Bildungsräume, die den Erzieherinnen in den Veranstaltungen eröffnet werden, an den Vorstellungen von selbstständigem und partizipativem Lernen orientiert sind.

Angelika Diller : Ich möchte diese Antwort ergänzen:. Die Weiterbildung muss das einlösen, was in der Ausschreibung versprochen wird. Die Referenten müssen über ein entsprechendes Qualifikationsprofil verfügen und zusätzlich zu ihrer fachwissenschaftlichen Kompetenz Lernprozesse in Gruppen organisieren und an den Erfahrungen der Teilnehmerinnen anknüpfen können.

Es muss unterschiedliche Formate geben, die unterschiedliche Qualitätsstandards einhalten sollten. Beispielsweise hat eine kurzfristige 2-Tage Fortbildung die Funktion einer Auffrischung („back-up“), während eine längerfristige Weiterbildung intensivere Lernnprozesse iniitieren muss. Längerfristige Weiterbildungen sollten außerdem anrechnungsfähig sein auf weiterführende Studiengänge.

Man kann die Anbieter derzeit – ohne gesetzliche Regelung - zu gar nichts verpflichten. Aber die Nutzer haben eine Marktmacht, die zu wenig bewusst ist. Wenn die Idee der Werkstatt greift und Qualitätsempfehlungen vorliegen, dann kann man im Netz nachschauen und prüfen, ob der Anbieter, bei dem man eine Weiterbildung machen will, diesem Qualitätsmaßstab entspricht und sich auf Grundlage dieser Informationen für oder gegen eine Teilnahme entscheiden.

 ErzieherIn.de: Wie hilfreich ist der frühpädagogische Qualifikationsrahmen für die Entwicklung von Weiterbildungsangeboten und von Qualitätsstandards in der Weiterbildung? (1)

Angelika Diller: Dieser und auch andere Rahmen sind ein Referenzsystem, das beschreibt, was Erzieherinnen können müssten. Deswegen könnte man sagen,Weiterbildung knüpft an diesen Qualifikationsrahmen an. De facto muss man aber davon ausgehen, dass das, was Erzieherinnen tatsächlich in der Ausbildung gelernt haben, unterschiedlich ist. Die Erhebungen und Recherchen, die wir in der WiFF dazu gemacht haben, belegen diese Unterschiedlichkeit im Vergleich der Bundesländer.

Ursula Rabe-Kleberg: Fort- und Weiterbildungsprozesse knüpfen an individuellen Bildungs- und Arbeitserfahrungen und den daraus entstandenen Kompetenzen, sowie Wissens- und Haltungsmodi der Erzieherinnen an und eröffnen ihnen darauf aufbauend Entwicklungsmöglichkeiten. Was Erzieherinnen können sollten, kann sich von dem, was sie können, sehr grundlegend unterscheiden. Insofern können Referenzsysteme nur sehr allgemeine Rahmen darstellen.

ErzieherIn.de: Es gibt eine Tendenz zur Konzentration von Einrichtungen bei immer größeren Trägern. Kleine Träger können für Weiterbildungsmaßnahmen nicht so viele Ressourcen aktivieren. Andererseits sind kleine Träger oft besonders innovativ. Wie sehen Sie unter diesen Umständen die Chancen der Weiterbildung für alle?

Ursula Rabe-Kleberg: In Sachsen-Anhalt haben wir – aufgrund der Entwicklung des Feldes nach der Transformation – besonders viele so genannte „kleine Träger“, deren fachliche und professionelle Voraussetzung keineswegs „besonders innovativ“ ist, sondern eher ein großes Hindernis für die Entwicklung der Kitas darstellt. Zum anderen gibt es bei ihnen kaum finanzielle Spielräume für Fort- und Weiterbildung der Fachkräfte. Von daher halte ich diese „kleinen Träger“ in ihrer Mehrheit für eine Fehlentwicklung im Feld.

ErzieherIn.de: Wie beurteilen Sie die Bereitschaft der Träger, ErzieherInnen für Weiterbildungen freizustellen?

Angelika Diller: Damit formulieren Sie ein ernstes Problem. Nach unseren Informationen gibt es immer häufiger die Situation, dass Erzieherinnen nicht zur Fortbildung „dürfen“. Die Sicht der Träger ist, dass sie zu wenige Personalressourcen haben, regelmäßige Ausfälle durch Krankheit und keine finanziellen Mittel für fachlich ausgebildete Aushilfskräfte. Aus meiner Sicht – auch mit Blick auf den Anspruch des lebenslangen Lernens - müsste die Teilnahme an Fortbildung gesetzlich verankert sein und somit ein Recht, aber auch eine Pflicht zur Teilnahme bestehen. In der finanziellen Förderung der Einrichtungen müssten diese Kosten berücksichtigt werden.

ErzieherIn.de: Gibt es Inhalte, die Sie in der Weiterbildung für besonders relevant halten?

Angelika Diller: So allgemein läßt sich die Frage nicht beantworten, es gibt immer wieder neue fachliche Herausforderungen für die Weiterbildungen erforderlich sind. In den letzen zwei Jahren waren die Umsetzung der Bildungspläne, die Förderung der Kinder bis drei Jahren und auch Sprache relevante Themen. Ein anderes wichtiges Thema ist das Thema „Zusammenarbeit und Unterstützung von Eltern.“

Ursula Rabe-Kleberg: Für die persönliche und fachliche Entwicklung der Erzieherinnen halte ich Beobachtung und Dokumentation für einen entscheidenden Schlüssel. Erst wenn die Erzieherinnen fähig sind, mit dem so genannten „positiven Blick“ Ressourcen und Kompetenzen der Kinder zu erkennen, sind sie in der Lage, ihre Praxis zu ändern und sich an den Kindern und deren Bildungsprozessen zu orientieren. Insofern ist die Ausbildung von Kompetenzen für die Beobachtung und Dokumentation unverzichtbar.

ErzieherIn.de:Für die Krippenpädagogik sind sehr viele frühpädagogischen Fachkräfte nicht hinreichend ausgebildet. Wie wollen Sie dieses spezielle Feld angehen? Welche Kompetenzen sind Ihnen besonders wichtig?

Angelika Diller: Ich möchte nicht von Krippenpädagogik sprechen, da die Mehrzahl der Kinder bis drei in unterschiedlichsten Varianten von altersgemischte Gruppen gefördert werden. Auf zwei Aspekte möchte ich hinweisen: Der entscheidende Unterschied zu den Kindern über drei ist die noch nicht ausgebildete Sprachfähigkeit und der erhöhte körperliche Pflegebedarf. Das bedeutet: Eine differenzierte Wahrnehmungsfähigkeit und Verständnis für non- bzw. präverbale Kommunikationsformen der Kinder ist erforderlich. Aber auch der körperliche Kontakt über die erforderliche Pflegetätigkeit der Kinder die „noch nicht sauber sind“, ist ausgeprägter und intimer als bei den älteren Kindern, E. Pickler stellt das in den Kontext der „beziehungsvollen Pflege“ (2). Darauf müssen Erzieherinnen sich einlassen können und sie brauchen dafür nicht nur Feinfühligkeit und entwicklungspsychologische Kenntnisse, sondern auch gute Rahmenbedingungen.

Ursula Rabe-Kleberg: Wir haben in einer Reihe von Untersuchungen über die Interaktionsmodi von Erzieherinnen mit kleinen Kindern festgestellt, dass es vielen Erzieherinnen schwer fällt, (auch) die ganz Kleinen als Akteure ihres Bildungsprozesses zu akzeptieren. Insofern sind die Kompetenzen nicht unterschieden von denen, die bei größeren Kindern benötigt werden, sie sind nur viel schwerer zu realisieren. Entscheidend ist hier die Wertschätzung dieser Arbeit mit den Kleinsten – und zwar in der Gesellschaft, der Elternschaft und nicht zuletzt unter den Erzieherinnen selbst.

ErzieherIn.de: Es gibt einen Widerspruch zwischen den ambitionierten Programmen für frühpädagogische Fachkräfte in Institutionen und den Qualifikationsanforderungen in der Kindertagespflege. So reichen in der Kindertagespflege 160 Stunden Weiterbildung aus. Wie lässt sich das unterschiedliche Qualifikationsniveau rechtfertigen?

Ursula Rabe-Kleberg: Gar nicht. Nach dem KJHG sind Kindertagespflegestellen Tageseinrichtungen für Kinder und unterliegen daher den gleichen hohen Ansprüchen, die sich – zuletzt - aus dem Recht des Kinder auf Bildung ergeben.

Angelika Diller: Die Fachschulausbildung umfasst ca. 2400 Stunden. Damit ist Ihre Frage eigentlich beantwortet. Die geringe Anzahl von Ausbildungs- bzw. Weiterbildungsstunden in der Kindertagespflege lässt sich nicht rechtfertigen, aber erklären. Die Kindertagespflege in Deutschland ist aus einer Selbsthilfebewegung engagierter berufstätiger Mütter entstanden, die sich dem Diktat einer konservativen Familienpolitik nicht beugen, sondern Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollten. Deswegen haben in den siebziger Jahren berufstätige Mütter Netzwerke aufgebaut und gegenseitig ihre Kinder betreut, d.h. das Kind wurde in ein bestehendes familiares Setting aufgenommen. Daraus hat sich die Angebotsform Tagespflege entwickelt, die heute nicht mehr wegzudenken ist und aufgrund mangelnder Plätze in Kindertageseinrichtungen zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Es ist aber ein Unterschied, ob ein Kind in den familiären Kontext einer anderen Familie einbezogen wird oder ob quasi institutionelle Angebotsformen durch Großtagespflegestellen angeboten werden, die eigentlich Krippen sind. Für diese muss – zum Wohl des Kindes - derselbe Qualitätsstandard gelten wie für Krippen. Eine wichtige Aufgabe ist allerdings die Kooperation zwischen Kitas und Tagespflege. Im Interesse der Eltern und Kinder können beide Angebotsformen bei Bedarf miteinander verknüpft werden. Bundesweit gibt es dafür einige gute Modelle aber noch keine ausreichende Umsetzung.

ErzieherIn.de: Abschließend die Frage: Was würden Sie sich im Feld der Weiterbildung am meisten wünschen?

Angelika Diller: Eine stärkere Verzahnung zwischen Weiterbildungsanbietern, Ausbildungsinstitutionen und Einrichtungsträgern mit dem Ziel, regionale, bedarfsorientierte Angebote zu entwickeln. Auch wünsche ich mir, dass der Anspruch des lebenslangen Lernens verinnerlicht und konsequenter umgesetzt wird. Formal beinhaltet dieser Anspruch eine Pflicht und ein Recht auf Weiterbildung.

Aus der Perspektive von Mitarbeiterinnen und Einrichtungen ist die berufsbegleitende Weiterbildung ein Instrument zur Personal- und Institutionsentwicklung.

Ursula Rabe-Kleberg: Erzieherinnen sind sicherlich diejenigen in der Berufswelt, die am gierigsten nach Fort- und Weiterbildung rufen. Sie sollten nicht länger mit einer Qualität abgespeist werden, die eher zufällig oder selten den Ansprüchen an gute Bildung entspricht. Wenn das Recht der Kinder auf gute Bildung ein Menschenrecht ist, so sollte die Bildung der Erzieherinnen auf höchstem Niveau stattfinden, denn diese sind wichtige Partnerinnen der Kinder bei der Realisierung ihres Rechtes.

ErzieherIn.de: Frau Diller, Frau Rabe-Kleberg, vielen Dank für dieses Gespräch!

Das Gespräch führte Hilde von Balluseck

 Anmerkungen

(1) Siehe dazu den Artikel Qualifikationsrahmen, Quereinstiege und die (Männer-) Quote auf diesem Portal

(2) Pickler, Emmi: Miteinander vertraut werden, Freiamt 1994

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Wir freuen uns über Kommentare.

Kommentare (2)

  • Dr. Inga Bodenburg Dipl. Psch. Studiendirektorin i.R. Fachschule f. Sozialpädagogik Hamburg:
    31.08.2010 um 10:34 Uhr

    Sehr begrüßt habe in diesem Interview den Vergleich zwischen Tagemütter- und ErzieherInnen-Ausbildung.Er verdeutlicht noch einmal den zu erwartenden Fachkräftemangel in den nächsten Jahren und die Absurdität, Tagesmütter mit Bliock auf die fachliche Qualifikation den FachschulabsolventInnen gleichzustellen. Leider fehlt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den vielfältigen beruflichen Handlungsfeldern der Kita im Bereich der U3-Pädagogik. Eine Gruppe des Wiff entwickelt gegenwärtig ein Handbuch mit Kompetenzprofilen für Kern- und Leitungskompetenzen in diesem Bereich. Ist dies den Referentinnen nicht bekannt? Ein Hinweis auf Pikler greift hier arg kurz! Freundliche Grüße! Inga Bodenburg

    Antworten

  • Andreas Giersch:
    31.08.2010 um 10:53 Uhr

    In keinster Weise kann ich dem meine Zustimmung geben was Frau Prof.Rabe-Kleberg in diesem Fachgespräch in Bezug auf Sachsen-Anhalt postuliere: „In Sachsen-Anhalt haben wir aufgrund der Entwicklung des Feldes nach der Transformation “ besonders viele so genannte „kleine Träger“, deren fachliche und professionelle Voraussetzung keineswegs „besonders innovativ“ ist, sondern eher ein großes Hindernis für die Entwicklung der Kitas darstellt. Zum anderen gibt es bei ihnen kaum finanzielle Spielräume für Fort- und Weiterbildung der Fachkräfte. Von daher halte ich diese „kleinen Träger“ in ihrer Mehrheit für eine Fehlentwicklung im Feld.“ Dies zeugt meiner Meinung nach von einer Aroganz und Oberflächlichkeit aus dem „Elfenbeinturm“ der Wissenschaft die ich entschieden zurückweise. Ich bin seit über 05 Jahre in der Fort- und Weiterbildung für Kitas tätig und habe in dieser Zeit mehr als 450 Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt als Referent durchgeführt und meine Praxis - Erfahrungen stehen dem theoretischem Wissen des Bildungsinstitutes (geleitet von Frau Prof.Rabe-Kleberg) gegenüber. Die KollegInnen vor Ort leisten eine angagierte und auch innovative Arbeit (unter den Bedingungen nicht Modell Einrichtung sein zu dürfen) dafür stehe ich mit meiner ganzen Person ein. Weiterhin finde ich die getroffenen Aussagen zur Frühpädagogik sehr einseitig, denn es gab nicht nur eine einheitliche bundesdeutsche Entwicklung. Ich finde es immer wieder interessant wie Themen bearbeitet werden, denn unser eigentliches Problem in der Elementarpädagogik ist die Fachschulausbildung, diese müsste sich grundlegend ändern, denn es gab mal eine Zeit da konnten nur Realschüler mit sehr guten bis guten Leistungen den Beruf ErzieherInnen erlernen und das war gut so, denn die Ansprüche an die Elemantarpädagogik sind sehr hoch und dem sollte Rechnung getragen werden. Aber es ist einfacher die Weiterbildungen qualifizieren zu wollen, als wirklich Innovativ zu sein und die „kubernikanische Wende“ in der Fachschulausbildung einzuläuten.

    Antworten


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