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Kommentare (2)

  • Lucie:
    06.09.2014 um 01:19 Uhr

    Ich gebe Jennifer total Recht. Ich bin seit über dreißig Jahren Erzieherin und verfolge den Theorie-Schreib-Festhalte-Kontrollier-Methodenwahn mit großer Sorge. Wichtiger als alle Methoden sind meiner Ansicht nach die Fähigkeit sich einfühlen zu können, zur Selbstreflektion und sich Fachwissen anzueignen, also dazulernen zu wollen. Ich fand es immer spannend, was alles über die menschliche Entwicklung erforscht wird. Dieses Wissen hilft mir, die Kinder anders zu betrachten. Trotzdem ist doch jedes Kind ein individuelles Wesen und ich möchte es als solches betrachten und begleiten, damit es seinen Weg, seine Persönlichkeit in seiner Zeit entwickelt. Ein Kind, wie der Sohn von Jennifer, der die Einrichtung schon kennt, braucht definitiv keine Eingewöhnungszeit wie sie das Modell vorsieht. Meiner Erfahrung nach brauchen viele Kinder diese lange Zeit nicht. Ich habe Erzieherinnen kenngelernt, die den Sinn der Eingewöhnungszeit, nämlich nicht zu viele neue Anforderungen auf einmal bewältigen zu müssen und ganz besonders einen langsamen (Vertrauens-)Beziehungsaufbau zu gestalten, gar nicht verstanden haben. Nur die Zeiten, wie lange die Mutter an welchem Tag weggehen soll, das hatten sie sich herausgeschrieben und an die Tür des Gruppenraumes gehangen. Ich habe aber auch einmal die Situation erlebt, in der ich die Eingewöhnung unbewußt boykottiert habe. Erst durch genaueres Hinschauen, wurde mir klar, dass ich eine Übertragung mache. Diese Mutter war sich ihres Zieles, die Eingewöhnung schnell hinbekommen zu können sehr bewußt und hat auch ihre Tochter sehr gut eingeschätzt. Bei mir wurde aber etwas anderes angetriggert. Immer wenn sie gehen wollte und das Kind weinte, bekam ich Schmerzen der Trennung. Ich sagte der Mutter sie solle bleiben und konnte dem Kind natürlich nicht helfen. Bei mir wurde ein alter Schmerz angetriggert, denn meine Mutter wollte mich früher immer loswerden und alleine zu Hause lassen. Als mir dieser Zusammenhang klar wurde, bat ich eine meiner Kolleginnen, die Eingewöhnung zu übernehmen. Generell ist es so, dass diese Themen in den Kindergärten zu wenig thematisiert werden. Zum Beispiel, wenn die Chemie zu einem Kind nicht stimmt, oder man ein Kind ablehnt, weil es Verhaltensweisen zeigt, die man als Kind an sich selbst nicht mochte. Oder die Temperamente. Manche Kinder können sich nicht entwickeln, weil die Erzieherin eher eine „forsche“ Person ist, die viel Bewegung, Kissenschlacht und andere Aktionen mit den Kindern macht und sie selbst, also die Kinder, brauchen eher eine ruhigere Erzieherin, um sich anlehnen zu und entwickeln zu können. Ich hatte mal ein kleines Mädchen, von zwei Jahren. Ich machte mir Sorgen, weil sie wenig Kontakt mit mir aufnahm und nicht sprach. Mit ihrer Mutter und überhaupt zu Hause, sprach sie aber. Das besprach ich wiederum mit den Kolleginnen in der Teamsitzung. Ich bat die Kolleginnen verstärkt den Kontakt zu dem Mädchen aufzunehmen. Tatsächlich stellte sich heraus, das das Kind eine andere Erzieherin brauchte, als mich, um in der Kita anzukommen und sich wohlzufühlen. Das alles sind Tabuthemen. Aber ich finde es absolut wichtig, dass Erzieher/innen lernen diese Signale wahrzunehmen. Wenn man das nicht tut, wird man ungerecht. Es gibt noch viele andere Dinge, die ich gerne thematisieren würde, aber das geht jetzt zu weit. Statt der vielen Theorien, die da an grünen Unischreibtischen entwickelt werden, sollte es lieber kontinuierlich intensive Biografiearbeit und Entwicklungspsychologie für die ErieherInnen geben. Das würde sehr viel mehr bewegen. Somal wir ja durch die Sozialassistenten haufenweise Menschen in die Kitas bekommen, die nur minimale Sozial-, Fach-, Lern- und Lesekompetenzen mitbringen. In zwei Jahren Ausbildung kann man das alles nicht nachholen. Sehr, sehr viele sind schlecht in Mathematik, können keine ganzen Sätze schreiben, haben eine Lese- Rechtschreibschwäche und haben eine absolute Abwehr gegen Lernen, also auch in der Ausbildung. Ich bin schier entsetzt über das, was ich dort als Dozentin sehe und erlebe. Lucie

    1. Slavi:
      31.08.2016 um 22:09 Uhr

      Hallo Lucie..nach zwei Jahren lese ich ihren Eintrag. Mein Sohn ist 15 Monate...die Eingewöhnung hat am 29.08 begonnen pro Tag 1,5 Std. Ab morgen soll schon.der erste Trennungsversuch stattfinden. Dort wird ein.Berlinermodell verfolgt und in den drei Tagen habe ich wenig Feingefühl mitbekommen. Es ist laut dort...keine Zeit auf unseren Sohn einzugehen. Es sieht so aus als wolle man die Gruppe schnell vollkriegen und entlich mit den Regeln dort anfangen. Da kann man eonen kl Jungen nicht gebrauchen der zügert und beobachtet bevor er Raum betritt. Selber habe ich über 15 Jahre erfahrung als MFA im Kinderärztl Bereich habe mich über Jahre weitergebildet aber das was ich in der Krippe sehe macht mich swhr betroffen. Ich bin kurz davor alles abzubrechen und nach alternativen zu schauen. Danke für ihren beitrag..fand ich toll. Slavi


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