mehrere Kinder

Armut in Kindheit und Jugend

Hilde von Balluseck

27.12.2014 Kommentare (0)

Sabine Andresen stellt in der neuen Ausgabe des Diskurs Kindheits- und Jugendforschung Diskussionen und Befunde aus der Kindheitsforschung vor. Hier das Abstract: "In dem Beitrag geht es um die Diskussion, wie Kinderarmut angemessen erfasst werden kann. Den Ausgangspunkt bildet die Frage nach den Entscheidungs- und Handlungsspielräumen von Kindern und wie er sich bestimmen lässt. Diskutiert wird daran anschließend erstens die Entwicklung einer Liste von konkreten materiellen Mangelerfahrungen. Zweitens geht es um das multidimensionale Konzept des Wohlbefindens. Hierzu wird auf das Vorgehen der dritten World Vision Kinderstudie eingegangen. Der Artikel schließt mit Überlegungen zum Existenzminimum von Kindern."

Der Artikel, so gescheit er auch die verschiedenen Aspekte von Kinderarmut in unserem Lande beschreibt, zeigt doch auch die Mängel der Kindheitsforschung auf, die sich auf Deutschland konzentriert. Was Armut für Kinder heißt, dazu gäben Kinder in Flüchtlingsheimen, in den Flüchtlingslagern der Welt oder in den Familien der Textilarbeiterinnen in Bangla Desh ganz andere Antworten. So gut es ist, die soziale Ungleichheit in Deutschland zu thematisieren - so wenig stellt sich diese Art der Kindheitsforschung der Herausforderung durch die globale Ungleichheit, die immer deutlicher wird, immer größere Ausmaße hat und für viele Kinder das Ende jeglicher Entwicklungsmöglichkeit bedeutet.

Birgit Reißig schreibt im gleichen Heft über den schwierigen Start für viele Jugendliche in die Erwerbsphase.

Einen interessanten Aspekt, der wiederum für die Frühpädagogik durchaus relevant ist, beleuchten Katharina Mangold und Wolfgang Schröer in ihrem Artikel zu den Lebenslagen Studierender mit Erziehungshilfeerfahrung.

Zunächst wird darauf hingewiesen, dass nur ein minimaler Prozentsatz von Kindern, die in Pflegefamilien oder Heimen aufwachsen, den Zugang zur Hochschule schaffen. Die Bezeichnung für diese jungen Menschen lautet interessanterweise "Care Leaver" - im Deutschen haben wir kein äquivalentes Wort. Für Deutschland liegen keine Zahlen vor, für England beträgt die Rate 1 %, bei Unterstützungsmaßnahmen 5 %. Diese Zahlen bezeugen den schweren Weg, den Kinder aus hochproblematischen Familien nach der Fremdunterbringung zu gehen haben, wenn sie einen Zugang zur höheren Bildung anstreben. Hochschulen werden der materiellen Armut, die diese jungen Leute begleitet, in keiner Weise gerecht. Und auch die schweren seelischen Verluste, die diese jungen Menschen zu verkraften haben, stehen im Hörsaal nicht auf der Agenda. Die AutorInnen weisen darauf hin, dass im Hochschulbereich mehr Unterstützung bereit gestellt werden müsste. In der Tat. Aber noch wichtiger wäre eine exzellente Ausstattung von Jugendamt, Pflegefamilien und Heimen, so dass die Kinder, Jugendlichen und dann jungen Erwachsenen überhaupt eine Chance erhalten, prekären Verhältnissen zu entkommen.

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