mehrere Kinder

Auch kleine Kinder mobben - ein neuer Aspekt der Inklusionsproblematik

Hilde von Balluseck

14.03.2015 Kommentare (0)

Mobbing ist nicht beschränkt auf Jugendliche und Erwachsene. Mobbing geschieht auch schon im der Kita, unter Vorschulkindern. Eine finnische Studie hat das Phänomen in den Blick genommen und dabei das Augenmerk auf die Unterschiede zwischen Kindern mit besonderen Bedürfnissen und solchen ohne spezielle Bedürfnisse gerichtet. Es wurden Interviews mit 771 frühpädagogischen Fachkräften in 336 Vorschulgruppen in 135 verschiedenen Einrichtungen durchgeführt. 

Die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich.

Zunächst einmal: Die Unschuld des Kindes ist ein Mythos. Kinder können brutal sein. Dafür gibt es viele Gründe, die in der Studie nicht diskutiert werden. Das ist auch zunächst nicht nötig, denn die Frage ist ja: Was kann eine frühpädagogische Fachkraft tun, wenn Kinder untereinander aggressiv sind?

Es wurden physische und psychische Formen des Mobbing unterschieden. Zu den physischen Formen gehören: Schlagen, Stoßen, Steine oder Sand werfen, stark drängeln. Zu den psychologischen Formen des Mobbing im Kleinkindalter gehören Ausschluss aus der Gruppe, hinter dem Rücken des Kindes reden/tuscheln, Manipulation anderer Kinder. Die AngreiferInnen ohne Behinderung nutzten mehr die psychologischen Formen des Mobbing, die Kinder mit Behinderung die physischen Formen. Kinder mit Behinderungen werden häufiger zu Opfern als Kinder ohne Behinderung, sie waren aber auch häufiger unter den TäterInnen zu finden.

In den Gruppen, in denen Mobbing beobachtet wurde, war der Anteil der Kinder, die als Opfer und TäterInnen beim Mobbing wahrgenommen wurden, nicht hoch, er lag zwischen 2 Prozent bei den Opfern (ohne Behinderung) und 13 Prozent bei den TägerInnen (Kinder mit Behinderung).

Die beiden Forscherinnen Laura Repo und Nina Sajaniemi untersuchten auch die Frage nach dem Verhalten der Gruppenmitglieder, die das Mobbing nicht ausgelöst hatten. Sie beobachteten Kinder, die das Mobbing aktiv unterstützen oder es verstärken. Auf der anderen Seite gab es auch Verteidiger der Opfer und Außenseiter, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten. Und schließlich fügen die Forscherinnen an, dass dieses Gruppenphänomen vor allem bei Jungen auftritt und in größeren Gruppen.

Die Folgerung aus den wissenschaftlich gewonnenen Ergebnissen: Wir sollten Aggressivität unter Kita-Kindern nicht schön reden. Wir müssen Methoden entwickeln, mit denen wir den beginnenden Aggressionen begegnen können. Und im Gegensatz zu den finnischen Forscherinnen, deren Ergebnisse in der Zeitschrift Early Years veröffentlicht wurden, sollte man auch auf das Ambiente schauen, aus dem die aggressiven Kinder kommen: denn sie haben offenbar im Elternhaus nicht ausreichend Unterstützung und Zuneigung erhalten.

Die Anforderungen an die gruppendynamischen Kompetenzen von frühpädagogischen Fachkräften sind auch bei diesem Thema wieder einmal enorm. Sie können ihnen nur erfolgreich begegnen, wenn sie ihre eigene Rolle als Täterin, Opfer oder Mitläuferin in anderen Kontexten reflektiert haben.

 

 

 

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