ErzieherIn.de

Gruppe von erwartungsfrohen Kindern

Betrachtungen zum (Miss-)Verständnis der Begegnung Kind und Feuer in frühkindlicher Pädagogik

Kain Karawahn

22.09.2014 Kommentare (0)

Inhalt
  1. Feuer in der Kita?
  2. Zur heutigen "Bildungssituation Feuer"
  3. Nutzungmuster Feuer
  4. Schadenmuster Feuer
  5. Bildungsmangel Feuer
  6.  Was ist zu tun?

Feuer in der Kita?

Das Thema Feuer führt in der heutigen Praxis und Forschung der Elementarpädagogik ein Schattendasein und wird in der Regel mit Furcht und Gefahr assoziiert. Kain Karawahn beschäftigt sich seit 30 Jahren künstlerisch und pädagogisch mit dem Thema Feuer und zeigt, wie Bildungsarbeit mit diesem kulturgeschichtlich zentralen Element möglich ist und wie dabei Verbote und Ängste der kitaverantwortlichen Träger und ErzieherInnen abgebaut werden können. Zugleich stellt er auch gesellschaftskritische Fragen zur derzeitigen Tabuisierung des Feuers in der frühen Kindheit und deren zum Teil dramatischen Folgen.

“uncontrolled fire - uncontrolled people

educated fire - educated people” (Benjamin Franklin)

Zum Einstieg möchte ich Ihnen zunächst einmal einige Beispiele aus Literatur und sonstigen Medien vorstellen: Was denken/fühlen Kinder, die untenstehende Darstellungen mustern?


Abbildung1-karawahn-31107 540

Zur heutigen "Bildungssituation Feuer"

Kulturgeschichtliche, entwicklungspsychologische, lernorientierte & gewaltpräventive Verständnisse der Begegnung Kind & Feuer sind in pädagogischen Wissenschaften nicht Gegenstand von Forschung und Lehre. Kita-/Schulträger, Erzieher/Lehrer/Eltern stehen kind- und jugendlicher Feuerfaszination und –aktion verunsichert bis ratlos gegenüber, (re)agieren daher mit pauschalen Feuerverboten anstatt mit Feuerlehrkonzepten, wie sie auch in anderen Gefahren-Themen-Feldern für Kinder vorhanden sind (Verkehr, Drogen, Sexualität, Mediennutzung, usw.) – andersherum gefragt:

  1. wo sind Studien bez. der Einflüsse des Feuerverbotes für Kinder hinsichtlich ihres Feuerverständnisses und ihrer Feuerunfallgefährdung;
  2. wo sind Studien bez. der Einflüsse destruktiver/medialisierter Feuernutzungsmuster auf kind- /jugendliche Feuerbildung;
  3. wo sind Studien über die Beweggründe Jugendlicher, in Konflikten zunehmend mit Feuer zu wirken - nicht nur in sozialen Brennpunkten;
  4. wer vermittelt familiäres / pädagogisches Wissen, Kindern heute die menschlichste aller Feuernutzungen (das dosierte Holzfeuer/Lagerfeuer) als eigene Lernerfahrung zu ermöglichen?

Fazit: Stadtkinder erleben Feuer überwiegend medialisiert (1-4), wie auch als erzieherische Strafmaßnahme (5), somit sowohl als Gewalt gegen Kinder (1, 2, 5) wie auch als gesellschaftlich sanktionierte Aggression gegen andere Individuen und Gruppen (2, 3, 4):in Kinderbüchern zündeln Kinder,

  1. in der Welt der Erwachsenen (Print- und TV-Nachrichten) zünden Erwachsene Alles an (sogar Kinder);
  2. in Actionfilmen verbrennt der Gute das Böse,
  3. in Computerspielen kann nur der gut sein, der das Böse verbrennt,
  4. und machen Kinder selber Feuer, folgt Bestrafung durch Erwachsene.

Was wird solchermaßen fünffacher Feuersgewaltenwirkung auf Kinder pädagogisch entgegengesetzt?

Nutzungmuster Feuer

Die ständige und gleichmäßige Aufrechterhaltung eines Holzfeuers (Lager-/Kaminfeuer) können weder natürliche Vorgänge noch tierische Wesen allein leisten. Auch der längste Waldbrand brennt aus, lässt sein Feuer verschwinden. Doch irgendwann vor mindestens sechs Millionen Jahren hat eines der tierischen Wesen aus der Gruppe der Hominini das Verschwinden, das „Sterben“ des (Holz)Feuers verhindert. Es fütterte ein kleiner werdendes, ein „sterbendes“, Feuer mit dem, was Feuer am „Leben“ (leuchtend und heiß) hält, was Feuer „frißt“, ergo mit Holz. Alleine wäre das feuerfütternde/-pflegende Wesen vor Erschöpfung gescheitert, doch wenn die ganze Horde/Gruppe/Familie mitmacht, dann wird dieses anthropogene Gründungsfeuer nie wieder ausbrennen.

Die Verhinderung des burn out/Ausbrand eines Holzfeuers ist die Geburt des Menschseins - genauer eines Menschseins, welches mit Holzfeuer niemals allein überlebensfähig war, sondern ausschließlich als Familie, die ständig Feuerfutter ranschaffen und verfüttern mußte. Tag und Nacht, lebenslang, generationenlang, menschenspezieslang. Entwicklungspsychologisch kulminieren Feuerneugierde und -handlungsdrang in jedem Menschen zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr zum ersten Mal.

Was sechs Millionen Jahre lang, also ca. 200.000 Generationen andauernd, als familiäre Existenz von Geburt bis zum Tod ausschließlich mit Feuer familienverantwortlich erlebt worden ist, ist - evolutionär betrachtet - praktisch über Nacht aus städtischen Behausungen verschwunden. Unzweifelhaft sind damit auch erhebliche Mühen für eigene Licht- und Wärmeversorgung samt schlechter Luft aus schwelenden Herden und rauchenden Schornsteinen entsorgt. Unzweifelhaft ist ebenso die Notwendigkeit familiärer Wohngemeinschaft überflüssig geworden. Denn: ich brauche keinen Menschen mehr zu Hause, der das Feuer in meiner Wohnung füttert, denn das machen nun am anderen Ende der Licht- und Wärmeleitungen Maschinen, die dafür eine monatliche Lastschrift von meinem Konto buchen. Ein Mensch kann heute allein und ohne Feuer leben. Endlich kann er sich frei und unabhängig fühlen.

Panorama 1Kita Gustavstr. Gelsenkirchen (li.) und Kita Waldschulallee Berlin (re.)

 
Doch vor ca. 40 Jahren begannen plötzlich die ersten Menschen, die nicht mehr gemeinschaftlich/familiär wohnten und ständig Feuer füttern mussten, sich ausgebrannt zu fühlen, burn out zu sein. Zuvor traten bereits mit dem Auszug des familiären Feuers aus städtischen Behausungen andersgeartete burn out-Phänomene zu tage. In feuerlose Familien geborene Kinder konnten ihren evolutionär verankerten Zug zum Feuer nicht mehr am Feuer der Familie mit Erlebnis und Wissen verantworten. Denn wo kein Feuer ist, wo burn out herrscht, kann von den Kleinen auch kein Feuerfüttern abgeguckt und erlernt werden. Kinder wurden sodann mit ihrem angeborenen Trieb zum Feuerfüttern als potentielle Schadenverursacher behandelt. Sie wurden unter Strafandrohung genötigt, ihre Versuche, Menschwerdender, Feuerfütterer, -hüter, -verantwortlicher, Selbst- und Naturbestimmender zu werden, in zwielichtigster Heimlichkeit durchzuführen. Wenn sie dann beim Feuermachen in ihren Zimmern scheiterten, riefen sie nicht um Hilfe, sondern blieben so lange still, bis ihre Eltern zu schreien begannen. Das elterliche Schreien galt dann entweder der Bestrafung ihres lebenden Kindes oder der Trauer ihres verbrannten Kindes.

Schadenmuster Feuer

Laut Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherer (GDV) werden pro Tag in Deutschland 20 Fälle brandschadenstiftender Kinder gemeldet. Doch es geschehen keine Unfälle, wenn Kinder unter Aufsicht Feuermachen lernen und dürfen. Wollen wir also wirklich,

  • dass Kinder, denen ein Feuerverbot vermittelt worden ist, genötigt werden, heimlich ausprobieren zu müssen, wie ein Streichholz entzündet wird?
  • dass Kinder, wenn die Flamme den Teppich ankokelt, nicht zu ihren Eltern rennen, weil sie entsprechende Bestrafung erwarten, sich daher in ihrem Zimmer im Schrank oder unterm Bett verstecken und der festen, tödlichen, Überzeugung harren: was ich nicht sehe, kann mich nicht sehen/finden?
  • dass Kinder dann „klein, schwarz und häßlich“ gefunden werden - so der Jargon mancher Retter, die neben der Familie des Kindes ebenfalls alle dazugehörigen Traumata psychisch zu verarbeiten haben?

Sind nicht all die Personen und Institutionen, die die Haltung formulieren, dass Kinder Feuermachen nicht lernen dürfen, sind diese nicht mitverantwortlich für jeden tragischen Verlauf eines mit seinem Wissensdrang allein gelassenen Kindes?

  • Gehen aus feuerverbotserzogenen Kindern später nicht die Erwachsenen hervor, die bei einfachen Feuernutzungen (Kerze, Grill, Lagerfeuer, Kamin etc.) verunglücken (auffällige Unfallzunahme in den Statistiken von Medizin und Versicherung), weil sie das kleine 1x1 des Feuermachens in Kindheit und Jugend niemals lernen durften?
  • Gehen aus feuerverbotserzogenen und feuermedialisierten Kindern später nicht die Erwachsenen hervor, die sich in sozialen, politischen und internationalen Konflikten für eine schadenbrandstiftende oder gar feuermilitärische Lösung entscheiden?

Bildungsmangel Feuer

In allen anderen altersentsprechenden Gefahrenfeldern werden Kinder wissentlich in die Selbstständigkeit begleitet. Nicht über Angstmotivik und stupide Gefahrenbeschwörungen, sondern über einfache und spaßmachende Spiele, Übungen und wiederholten Überprüfungen der Fertigkeiten und Regeleinhaltungen. Würde ich mein Kind zum Thema Straßenverkehr oder Schwimmen bedrohliche Bilder ausmalen lassen, z.B. fahrradfahrende Kinder, die von Autos überrollt werden oder Kinder, die sich im Schwimmbecken strampelnd gegen das Ertrinken wehren, würde mein Kind von sich aus niemals Radfahren oder Schwimmen lernen wollen.

Dagegen gilt Bildungsarbeit mit Kindern und Feuer in vielen Familien, Kitas und Schulen als Tabu. Unsicherheiten beim pädagogischen Personal und eindeutige Verbote der Träger erschweren kooperative Auseinandersetzungen über dieses Bildungsthema. Bis heute wird die Lernerfahrung mit Feuer in zahlreichen kinder- und jugendrelevanten Disziplinen und Bildungseinrichtungen ausgeklammert.

  • Warum sind kulturgeschichtliche, entwicklungspsychologische und lernorientierte Verständnisse der Begegnung Kind und Feuer in den pädagogischen Wissenschaften nicht Gegenstand von Forschung und Lehre?
  • Warum existieren in den Fachschulen für Sozialpädagogik sowie anderen Ausbildungsstätten für ErzieherInnen keine Konzepte für eine pädagogische Gestaltung der Begegnung Kind und Feuer?

Weil Kinder nicht Feuer machen können? Auf keinen Fall dürfen? Weil sie sonst in Flammen aufgehen? Oder weil das Lehren des schadenfreien Feuermachens schlicht übersehen worden ist?

Panorama2Kita Mühlenstraße Gelsenkirchen (li.) und Miriam-Makeba Grundschule Berlin (re.)


Viele in der Kinder- und Jugenderziehung tätige AutorInnen haben erkannt, dass ein Feuerverbot weder den Kindern noch den Erwachsenen hilft und diesbezüglich Bücher und Broschüren verfasst, in welchen sie Spiele und Übungen darstellen, mit denen der Bildungs- und Praxismangel Feuer beseitigt werden kann. Doch fällt auch hier auf,

  • dass in den Büchern dominant Malen, Singen, Tanzen, Töpfern, Brot backen und Feuerwehrbesuche als Maßnahme zur Erlangung von Feuerbildung empfohlen werden,
  • dass dominant gezeichnete Darstellungen von kindlichen Streichholz- und Kerzenentzündungen zu finden sind, aber keine Fotos von feuermachenden Kindern,
  • dass die Mehrzahl der AutorInnen den text- und bildlichen Schwerpunkt weiterhin auf die Gefahren des Feuers setzen.

Wie kann ein Kind in Deutschland in folgend ausgeführter Situation überhaupt Begegnungen mit Holz(Lager)feuerereignissen erleben bzw. Feuermachen lernen:

  • in der Zunahme familiärer und pädagogischer Feuerinkompetenz;
  • in der medialen Dominanz von zerstörerischen Feuernutzungsmustern;
  • in der Allgegenwärtigkeit von Kinderbüchern mit Feuerschreckensmotivik;
  • in Besuchen von Feuerwehreinrichtungen, die Kinder gerne mit verbranntem Kinderspielzeug schockieren;
  • in der Übermacht der von Erwachsenen wiederholt ausgesprochenen Feuerverbote samt entsprechenden Strafandrohungen;
  • im Fehlen von Studien, die Feuerverständnisse und Feuermacheninteressen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ermitteln;
  • im Nichtvorhandensein wissenschaftlicher Forschung hinsichtlich der praktischen Gestaltung kindlichen Feuermachens;
  • im Fehlen von Pädagogen, die Feuermachen lehren (können)?

In der Mehrzahl urbaner Familien fundiert das Feuermachenverbot für Kinder als unumstößliche Erziehungsgrundlage. Es verkündet sich sowohl im kindlichen als auch im erwachsenen Verständnis, welches der Autor durch mündliche und schriftliche Befragungen von 1.200 ErzieherInnen und LehrerInnen (in mehr als 60 Weiterbildungsseminaren) und von mehr als 5.000 Kindern/SchülerInnen der Altersgruppe 4 bis 18 Jahre in eigenen Workshops und Projekten ermittelt hat.

Darüber hinaus äußert sich das Feuerverständnis von Kindern in der Erstellung eigener Bilder, Erzählungen und „Statements“, d.h., dass fünfjährige Kinder auf die Frage des Autors in seinen Workshops: „Was ist Feuer?“, die Antwort geben: „Feuer ist, wenn das Haus brennt, dann kann man tot sein,“ und zeichnen sodann auffallend häufig (25%) von Kindern in Brand gesteckte Häuser, artikulieren somit eine durch Feuer, dem generationenlangen Symbol familiärer Identität, verursachte Obdachlosigkeit der ganzen Familie? Liegen hier nicht auch Verständnisschlüssel zu in jüngster Zeit aufgetretenen Massenphänomenen?

Warum zünden hunderte (nicht nur) junger Menschen in Berlin (ab 1987), Paris (2005) und London (2011), Stockholm (2013) nicht die Häuser ihrer „Gegner“, sondern ihre eigene Nachbarschaft an - spontan, unorganisiert und ohne schriftliche Formulierung von Protest oder Forderungen? Derlei flammendes und zugleich sprachloses Zerstörungsverhalten, gerichtet gegen die eigenen Behausungen, hat es in der Geschichte der Menschheit niemals zuvor gegeben.

Warum zünden (junge) Menschen Kinderwägen und Autos an? Bis heute konnte kein Vertreter kinder-/jugendrelevanter Disziplinen eine feuerbildungsspezifische Begründung für Serien von Kinderwagen und Autobränden in deutschen Großstädten verkünden.

  Panorama3Familienzentrum St. Nikolai Limmer Hannover (li.) und Kita Schloßkobolde Berlin (re.)

 

Da das Phänomen zivil verursachter Massenschadenbrandstiftungsereignisse als soziale Unruhe erst seit einigen Jahrzehnten wahrgenommen sowie hauptsächlich von Menschen jüngerer Generationen initiiert und gezündet wird, ist doch die Frage zu stellen: Was hat sich in den letzten Jahrzehnten bezüglich des Aufwachsens und Zusammenlebens in den Städten derart geändert, dass es als Einflussfaktor zur Entstehung eines Massenschadenbrandstiftungsereignisses markiert werden könnte? Soziale Ungerechtigkeit, Armut, Obdachlosigkeit usw. hat und wird es in den Städten immer geben, daher auch Unzufriedenheiten, Kriminalitäten usw., einzelner wie auch von Gruppen, doch in keiner städtischen Familie muss mehr alltäglich ein Feuer verantwortet werden!

Zusammenhänge zwischen der Vieldeutigkeit und damit auch Missverständlichkeit des Wortes Feuer, der entwicklungsgeschichtlichen Beziehung Mensch und Feuer, dem Verschwinden familiärer Feuerbildung und – verantwortung sowie dem Ausbrennen / burn out der eigenen Nachbarschaft und dem Ausbrennen von Menschen, deren körperlicher und geistiger Erschöpfungszustand seit zwei Generationen (plötzlich) mit dem Begriff burn out diagnostiziert wird, sind auch in entsprechenden Fachdisziplinen nicht auffindbar:Was ist Feuer?

  • Welche gesellschaftlichen/familienkulturellen Veränderungen verursacht/e die Löschung des häuslichen/familiären Feuers?
  • Was ist Ausbrennen/burn out aus feuerdefinitionsspezifischer Sicht?
  • Warum inszenieren Massen von Menschen den Ausbrand / burn out ihrer Existenzgrundlage (eigene Nachbarschaften in Berlin, Paris, London, Stockholm usw.)?
  • Warum entwickelt sich der burn out einzelner Menschen zum Phänomen vieler Menschen?

 Was ist zu tun?

Was Gemeinschaften/Familien evolutionär am Leben hielt, Kochen/Licht/Wärme, wurde aus ihrem Feuer generiert. Was derlei Familien-/Gemeinschaftleben sozialisierte, wurde am Feuer konzipiert, kommuniziert und zelebriert. Wer sein gesamtes Leben ausschließlich als Gemeinschaft ums Feuer erlebt, fühlt, denkt und handelt eben auch gemäß dieser Prägung: die Identität meiner Gemeinschaft, unser Feuer, erfährt nur dann keinen burn out/Ausbrand, wenn jedes Mitglied seinen Beitrag zur Aufrechterhaltung der-/desselben leistet.

Mit einem generationengeschichtlich noch nie dagewesenem/plötzlichem Verschwinden des Symbols familiärer / gemeinschaftlicher Identität, dem häuslichen Feuer, wurden soziale und geistige Lücken gerissen, deren Auswirkungen u.a. mit dem Begriff ausgebrannt/burn out beschrieben werden. Von selbstbestimmter, selbst zu verantwortender NÄHE zu Wärme & Licht des gemeinschaftlichen Feuers sind heute nur noch FERNwärme & FERNlicht übriggeblieben. Aus geistiger NÄHE aller Gemeinschaften ums Feuer wurden FERNgespräche & FERNsehen von Einzelnen zu Einzelnen.

Benötigen heutige Stadtmenschen nach zwei FeuerFERNgenerationen samt Feuerverboten für Kinder/Jugendliche, nach unerklärbarem burnout-Gefühl, nicht Sensibilisierung und Anleitung für ein kulturelles Feuerverständnis und poetisches Feuermachen?

Käme Goethe heute zu Besuch, würde er uns fragen: „Wo ist Ihr Feuer? Was ist DAS Geistige Zentrum Ihres Hauses, Ihrer Familie, Ihres Lebens geworden? Ihr Fernseher, Computer, Heizkörper, Kochfeld? Wissen Sie nicht mehr, wie einfach gemeinsames Sein am Feuer Menschen zu Erzählern, Diskutierern, Zuhörern, Schweigenden und Nachdenkenden macht?“

Aus der ursprünglichen Assoziationskette „Kind, Kerze, Kultur“ bildeten Erwachsene das gegenwärtige Dogma „Kind, Kerze, Katastrophe.“ Ist es nicht der einfachere, unaufwendigere und preiswertere Weg, genau dann, wenn Kinder entwicklungspsychologisch Lust und Interesse am Feuer ausprobieren wollen, ihnen dieses auch zu ermöglichen? In den Kitas dieser Welt! Mit Materialien, die überall erhältlich sind und Personal, welches feuerlehrgebildet ist! Aus dem gegenwärtigen, forschungs- und lehrpädagogischen Status eines „uncontrolled fire“ bezüglich der Bildungsarbeit Feuer in Kita und Schule - mittlerweile tummelt sich hier jegliche autodidaktisch qualifizierte Lehrkategorie (ehrenamtliche BrandschutzerzieherInnen, selbsternannte FeuerpädagogInnen, freiberufliche KünstlerInnen usw.), hat demzufolge die Erarbeitung einer schreckensfreien und evaluierten Feuerlehrmethode „educated fire“ zu erfolgen.

Die Anschaffung einer Feuerschale in Lehrmittelqualität samt Brennmaterial befähigt jede einzelne Kita ihren Kindern ab zwei Jahren regelmäßig das Sein am Feuer zu ermöglichen (Das Vorhandensein einer Feuerstelle ist in den Kitas keine Normalität). Um das „Feuerspielen“ der Kinder zulassen zu können, erhalten mind. 2 ErzieherInnen pro Kita in einem zweitägigen Seminar eine Feuerlehrkompetenz (das Weiterbildungsmodell feuerMACHEN kulturell wurde 2012 vom Brandenburger Bildungsministerium mit einem 2. Preis ausgezeichnet, sowie dem 1. Preis des Fachpublikums). Die Feuerlehrkompetenz befähigt die ErzieherInnen, Kinder bis zum Ende der Verweildauer in der Kita/zum Übergang in die Grundschule bis zur selbstständigen Durchführung eines Lagerfeuers (durch jedes Kind) zu begleiten. Diese Methode und Herangehensweise ist weltweit einmalig. Sie vermittelt den Kindern in jedweder Sinnlichkeit die menschmachende und sinnstiftende Nutzung eines von jedem Kind selbst zu verantwortenden Holzfeuers.

Des Weiteren müssen der einflussreichen „Gewalt“ medialisierter Feuervorbilder Kinder entgegengesetzt werden, die selber Feuer machen. Nur so erfahren sie, dass Konflikte nicht zu lösen sind, wenn der/das Böse unter/ins Feuer gesetzt wird, sondern wenn sich Streitende um ihr Feuer setzen, um nachzudenken, zuzuhören und miteinander zu reden.

 
Bild72jähriger macht angeborenerweise das, was aus Tieren Menschen machte; er füttert sein Feuer, damit es nicht ausbrennt, er nicht ausbrennt, und die Menschheit nicht an burn out erlöscht.



 

You Tube Video zum Kerzeanzünden eines Zweieinhalbjährigen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siehe auch https://www.youtube.com/watch?v=sW6vhmi7lv0&list=UUKrs9J-6fGAZWgxwS9ykfnA

Übernommen von nifbe.de mit Genehmigung von Autor und Redaktion.

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