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Kind beim Lesen von Bilderbüchern

Blick in die Fachzeitschriften April 2013

Kerstin Pack, Hilde von Balluseck

17.04.2013 Kommentare (0)

Der Blick in die Fachzeitschriften gibt ein- bis zweimonatlich einen Überblick über aktuelle Themen und neue Ansätze in der Frühpädagogik. Er umfasst insgesamt 10 Zeitschriften mit monatlicher bis vierteljährlicher Erscheinungsweise, die für die Frühpädagogik relevant sind. Aus allen besprochenen Zeitschriften werden Artikel für www.ErzieherIn.de ausgewählt und hier veröffentlicht.

Die Redaktion dankt allen Verlagen und Redaktionen, die sich zu dieser einmaligen Form der Kooperation und der Information für die monatlich bis zu 60.000 NutzerInnen von ErzieherIn.de bereit erklärt haben und wünscht eine anregende Lektüre. Im folgenden Überblick wird über die neuen Ausgaben der Zeitschriften Betrifft Kinder, Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, Early Years, DJI-Impulse, kinderleicht!?, klein & groß  und Praxis der Psychomotorik berichtet.

Diskurs Kindheits- und Jugendforschung

Das Thema von Heft 1 ist „Ganztagsschule und Integration von Schüler/-innen mit Migrationshintergrund“. Dabei steht im Mittelpunkt mehrerer Beiträge die Frage, ob die Ganztags- oder die Halbtagsschule das Ziel der Integration eher erreicht. Die Fragestellung, so mehrere AutorInnen, vor allem aber Nina Bremm, ist nicht eindeutig. Denn Ganztagsschulen unterscheiden sich erheblich, was die ganztägigen Unterrichtsveranstaltungen (“gebundene Ganztagsschule“), die Rhythmisisierung, die gestaltete Mittagspause, die Teamarbeit der Lehrkräfte etc. betrifft. Von daher kommen mehrere Forschungsprojekte zu dem Resultat, dass die Integrationsmöglichkeiten der beiden Schultypen sich wenig oder gar nicht unterscheiden. Dies liegt aber an der fehlenden Eindeutigkeit der Unterscheidung: Nicht gebundene Ganztagsschulen unterscheiden sich nicht erheblich von Halbtagsschulen mit zusätzlichen Angeboten wie Arbeitsgemeinschaften etc. Dennoch sei erwähnt, dass ein Projekt zu dem Ergebnis kommt, dass es eher die ethnische Zugehörigkeit ist als der Schultyp, der das Maß der Integration beeinflusst.   

Der einzige Beitrag, der sich allein auf gebundene Ganztagsschulen bezieht,  firmiert unter den sog. Freien Beiträgen, behandelt aber nicht die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, sondern Kinderfreundschaften. Dieser Artikel von Ulrike Popp berichtet über ein Projekt in Österreich und stellt ohne Vergleichsbasis einen positiven Einfluss der Ganztagsschule auf die Entwicklung von Kinderfreundschaften fest. Dabei betont die Autorin auch, dass diese Freundschaften nicht mit Geschwisterbeziehungen zu vergleichen sind und diese nicht ersetzen. Denn Geschwister kann man sich nicht aussuchen und die Beziehungen sind häufig hochambivalent. Es gibt weitere Beiträge außerhalb des Schulthemas, die durchaus lesenswert sind, z.B. zur Mediennutzung von Jugendlichen und zur Begabungsförderung von Mädchen. H.B.

Early Years

Im ersten Artikel von Heft 1 werden die Ergebnisse einer internationalen Studie vorgestellt, die sich mit den (Selbst-) Konzepten von FrühpädagogInnen in Nigeria, Kanada und Südafrika befasste. Obgleich das Sample sehr klein war, ließen sich überraschende Ergebnisse erzielen, was aber vermutlich auch an der Grundeinstellung der ForscherInnen lag. Diese kamen nämlich zu dem Resultat, dass es Sinn macht, die FrühpädagogInnen  zu fragen, welche ethischen und professionellen Vorstellungen sie haben und wie diese sich in der Praxis bewähren. Ein gutes Argument gegen die „Verordnung“ professioneller Standards von „oben“.

Ein weiteres Forschungsprojekt befasste sich mit den unterschiedlichen Lernmöglichkeiten von FrühpädagogInnen in unterschiedlichen sozialen und Arbeits-Kontexten. Ohne sich um die „Klassenfragen“ herumzumogeln ergaben sich dabei doch Lernmöglichkeiten und ein besseres gegenseitiges Verständnis der FrühpädagogInnen untereinander.

In einem kroatischen Projekt wurden positive Ergebnisse in Kindergärten erzielt, wenn die VorschulpädagogInnen mit Methoden der sogenannten Positiven Psychologie arbeiteten.

Zur Inklusion gibt es zwei Beiträge. Katja Gramelt stellt in einem Artikel den Ansatz des Projekts Kinderwelten vor, in dem die Haltungen der FrühpädagogInnen in einem längeren Prozess vorurteilsfreier werden.

In einer weiteren Studie befassen sich zwei Autorinnen ebenfalls  mit der Haltung der PädagogInnen gegenüber Behinderungen.

Schließlich wird ein Projekt vorgestellt, in dem Väter aus unterprivilegierten Familien den Übergang ihrer Kinder zur Schule mit gestalten lernen.

Ein Download der Abstracts ist möglich unter http://www.tandfonline.com/toc/ceye20/current. H.B.

DJI Impulse

Das neue Heft befasst sich mit zentralen Ergebnissen des 14. Kinder- und Jugendhilfeberichts. In mehreren Beiträgen wird auf die Veränderungen der Bedeutung der Kinder- und Jugendhilfe hingewiesen und auf deren Auswirkungen. In mehreren Beiträgen wird gefordert, dass die Kinder- und Jugendhilfe – darunter auch die frühpädagogische Betreuung von Kindern – Barrieren überwinden müsse, damit alle Kinder in den Genuss ihrer Leistungen kommen. Katharina Spieß hat den einzigen Artikel speziell zur Kita verfasst, in dem sie – wie derzeit viele andere Akteure in diesem Feld – fordert, dass neben der Quantität die Qualität der Kindertagesbetreuung beim U3-Ausbau berücksichtigt werden muss. Sie können das ganze Heft herunterladen unter http://www.dji.de/bulletin/d_bull_d/bull101_d/DJIB_101.pdf. H.B.

klein & groß

Lebensorte für Kinder in denen die aktive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Werten und Normen zu mehr Gemeinsamkeit führt - dies könnte ein Fazit aus der Lektüre dieser Ausgabe der Zeitschrift für Frühpädagogik sein. Denn die einzelnen Artikel zum Schwerpunktthema beleuchten und hinterfragen Umgangskulturen und geben praxisnahe Anregungen für eine interkulturelle Annäherung. In Bitte, Danke und Entschuldigung stellt Britta Bluming Impulse für ein achtsames Miteinander vor. Das von der kleinen Mia in der Kita erworbene „Benimm“-Zertifikat  ist das Resultat eines Projekts, in dessen Rahmen sich das Team und die Eltern mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Elke Schlössers Artikel Gut erzogen?! Benehmen durch die Brille der Kultur gesehen beschäftigt sich mit der Entstehung kulturell bedingter Verhaltensweisen. Sie macht deutlich, dass Manieren und Höflichkeitsformen, je nach kulturellem Hintergrund, stark variieren.

Die Benimmregeln auf den Kopf gestellt hat die Kinderbuchautorin Franziska Gehm. Warum sie im Umgang mit Kindern, die sich benehmen wie „dressierte Schoßhündchen“ Schwierigkeiten hat, erläutert sie in einem Interview mit Kerstin Hielscher.

 Die  Kita ist für manche Kinder der einzige Ort, an dem ihnen Anerkennung und Wertschätzung entgegengebracht wird. Auch aus diesem Grund fordert Birgit Lohmann-Liebezeit mehr Respekt und Anerkennung für den Beruf und die Person der ErzieherIn. In ihrem Beitrag Lernziel: Respekt – Wertschätzung (in) der Kita weist sie deutlich auf den hohen Stellenwert des sozialen Lernens in der Kita hin.

Andere Länder – andere Sitten. Der Panoramateil bietet einen internationalen Blick auf den frühkindlichen Bildungsbereich. Horst Küppers zeigt Jordanien(s) –Ehrgeizige Pläne für Bildung.

In diese Situation kommen wohl viele Leitungskräfte, aber auch FrühpädagogInnen in  der Gruppe: Man ist ratlos, weil Eltern unangemessen reagieren und die Arbeit erschweren. Judith Barth gibt Hinweise, wie damit umgegangen werden kann. K.P.

Praxis der Psychomotorik

Bewegung und Wahrnehmung haben eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung von Kindern im Alter von 0-6 Jahren.

Entsprechende Praxisbeispiele für eine „bildungsbereichübergreifende“ Bewegungs- und Wahrnehmungsförderung werden in dieser Ausgabe von Susanne Brandt vorgestellt. Erzählen und Vorlesen  mit spielerischen, bewegten und sinnlich erfahrbaren Angeboten zu kombinieren entspricht den Anforderungen einer ganzheitlichen Bildung. Die Wechselwirkung zwischen Denken und Fühlen, Bewegung und Handeln wird in den ausführlich beschriebenen „Bewegungsideen zum Bilderbuch“ deutlich.

Auch das von Monika Weiner vorgestellte Tanzprojekt entspricht diesem ganzheitlichen Ansatz. Tanz und Bewegung werden als tragende Elemente zur Aktivierung kognitiver, affektiver und sozialer Fähigkeiten eingesetzt. Thematischer Ausgangspunkt sind die medialen Superhelden aus Computer und Fernsehen, deren Charaktere und Eigenschaften gemeinsam mit den Kindern künstlerisch-ästhetisch aufgearbeitet werden.

In dem Beitrag zur frühen bewegten Förderung beschäftigt sich Wolfgang Beudels mit dem Thema „ADHS“ in der Kita. Nach seiner Auffassung bieten die spezifischen Rahmenbedingungen grundsätzlich günstige Vorrausetzungen zur Prävention von Entwicklungsverzögerungen. Die Chancen einer frühen Förderung in der Kita stehen und fallen jedoch mit der strukturellen Qualität der einzelnen Einrichtungen.  Auch - und vor allem -  Kinder mit besonderen Bedürfnissen können nur dann entsprechend gefördert werden, wenn qualifiziertes und motiviertes Personal genügend Zeit und Raum dafür vorfindet.

Gleichgewichtsprobleme führen zu Teilleistungsstörungen. In Untersuchungen konnten Zusammenhänge zwischen Einschränkungen der auditiven, visuellen und vestibulären Wahrnehmung und kognitiven Fähigkeiten (Konzentration, Merkfähigkeit) nachgewiesen werden. Anna Theisinger stellt ein Projekt vor, das mit geringem Aufwand Kinder dabei unterstützt wieder ins innere und äußere Gleichgewicht zu kommen. In dem Artikel Gleichgewicht schulen von Anfang an – spielerisch und freudvoll  werden Aktionen und Impulse vorgestellt, die sich sowohl in der Kita als auch in schulischen Ganztagesbetreuung ohne große Vorbereitung umsetzen lassen. K.P.

Kinderleicht!?

In dieser Ausgabe startet eine Artikelserie mit Armin Krenz.  In den kommenden Monaten wird er sein Verständnis von frühkindlicher Bildung einer  Elementarpädagogik gegenüberstellen, in der nach seiner Auffassung ein „didaktisiertes Curriculum á la Vorschule“ vorherrscht. Die Auseinandersetzung mit Begriffen wie „Airbag-Kindheit“ oder „Karrierekindheit“, kann ein spannender „Aufmacher“ für einen Elternabend oder eine Teamsitzung sein.

So richtig „Öl ins Feuer der Frühpädagogik“ gießt Winfried Böhm mit seiner Hypothese eines pädagogischen Placebo-Effektes. Analog zu den nachweisbaren medizinischen Placebo-Effekten setzt er sich kritisch mit der Wirkungsweise einer „Methoden-Pädagogik“ auseinander. Seine Frage: „Erliegen wir nicht einem gefährlichen Irrtum, wenn wir die Veränderungen, die wir bei unseren Zöglingen – ob zu Hause, in der Kita oder in der Schule – feststellen, allein der Wirkung unserer Erziehung zu schreiben.“  rüttelt stark an den Manifesten einer programm- und projektgläubigen Pädagogik.

Die Autorin Viktoria Herber nimmt das Bedürfnis Authentisch sein als Vater und Mann als Herausforderung unserer Zeit aus Sicht der praktischen Entwicklungspsychologie unter die Lupe.

In der Rubrik „Perspektive“ dieser Ausgabe wird ein ressourcenorientiertes Angebot für Väter mit Zuwanderungsgeschichte beschrieben. Christian Gollmer stellt fest, dass in der  Väterforschung das Thema interkulturelle Väterarbeit nur dürftig behandelt wurde. Der Verein Coach e.V. hat dieses innovative  Projekt in Köln initiiert. Außergewöhnlich ist die Methode Von der Arbeit mit Vätern zur Väterarbeit, und außergewöhnlich sind die Teilnehmer: Sie weisen eine starke kulturelle Prägung durch ihr Herkunftsland Türkei auf und orientieren sich gleichzeitig an den deutschen Erziehungsmustern.

Ausführliche Informationen und praktische Tipps zum Bundeskinderschutzgesetz stellt Tanja von Langen vor. Die Vater-Kind-Beziehung im Wandel der Zeit und die darauf folgenden Veränderungen vom traditionellen über den partnerschaftlichen zum „neuen“ Vater beschreibt Timur Bozkir. K.P.

Betrifft Kinder

Wie schön! Diese rein subjektive Bewertung sei unter diesen Umständen einmal erlaubt. Die Freude ist nachvollziehbar, wenn man weiß wie hart der Kampf zwischen Print- und Online Medien in anderen Bereichen verläuft. Dieser endete beim „Spiegel“ in Hamburg mit Rauswurf. Demgegenüber ist der Artikel von Michael Kobbeloer nebst seinen Netz-tipps für frühpädagogische Fachkräfte  ein Zeichen für die Kooperationsfähigkeit der frühpädagogischen Medienlandschaft.Kobbeloer räumt mit verbreiteten Mythen zur Mediennutzung in der Kita auf – in diesem Beitrag mit Mythos 4 bis 7. Der Verlag hat uns diesen - so wie den ersten Teil - freundlicher Weise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Ebenso wie den abschließenden Beitrag zu der Reihe Kultursensitive Krippenpädagogik-Erklärungsansätze für den Umgang mit kulturellen Unterschieden.

Ein weiteres Ergebnis gelungener Zusammenarbeit ist die Veröffentlichung des Interviews auf www.ErzieherIn.de, das Hilde von Balluseck mit Marlies Meier zum Thema Mobbing in der Kita geführt hat. Die Gewinner sind die Leser. Sie können sich an den  Vorteilen des digitalen Zugangs wie auch an denen der gedruckten Version erfreuen.

„Die Konstruktionsleistung der Kinder endet an den Ängsten der Erwachsenen. Oder an deren Unfähigkeit…“ harte Worte von Norbert Hühn, der sich im Gespräch mit Kornelia Schneider Gedanken zu der Frage: Wie viel Welt räumen wir Kindern ein? macht. In dieser ebenso lebendigen wie informativen Debatte werden zahlreiche Anregungen zur eigenen, kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Raumgestaltung gegeben.

„Nein, nicht schon wieder Konzeptionstag!“ Wie sich diese ablehnende Haltung einiger KollegInnen gegenüber dem Konzept als Kernstück der pädagogischen Arbeit in der Kita verändern lässt zeigt Dorothee Jacobs in ihren Praxishilfen aus der Konzeptionswerkstatt. Das „Sichtbarmachen“ der theoretischen Überlegungen in den Räumlichkeiten der Kita baut die Brücke zwischen Theorie und Praxis, denn der „schlechteste Ort für eine Konzeption ist fraglos das Regal im Leitungsbüro.“(Jacobs, D. 2013. In: Betrifft Kinder.S.30).

Auch in dieser Ausgabe teilt Herbert Österreicher sein fundiertes Wissen über Steine mit dem Leser und der Leserin. In der  Werkstatt wird ein Projekt beschrieben in dem die Forscherkids aus dem Franz-Hitze-Haus in Münster ein Wasserrad kennenlernen.Ariane Gernhardt beschreibt, wie Kinder in unterschiedlichen Kulturen sich selbst und ihre Familie zeichnen. K.P.

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