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Kind beim Lesen von Bilderbüchern

Blick in die Fachzeitschriften Dezember 2012

Kerstin Pack/Hilde von Balluseck

17.12.2012 Kommentare (0)

Der Blick in die Fachzeitschriften gibt ein- bis zweimonatlich einen Überblick über aktuelle Themen und neue Ansätze in der Frühpädagogik. Er umfasst insgesamt 10 Zeitschriften mit monatlicher bis vierteljährlicher Erscheinungsweise, die für die Frühpädagogik relevant sind. Aus allen besprochenen Zeitschriften werden Artikel für www.ErzieherIn.de ausgewählt und hier veröffentlicht.

Die Redaktion dankt allen Verlagen und Redaktionen, die sich zu dieser einmaligen Form der Kooperation und der Information für die monatlich bis zu 60.000 NutzerInnen von ErzieherIn.de bereit erklärt haben und wünscht eine anregende Lektüre. Im folgenden Überblick wird über die neuen Ausgaben der Zeitschriften Betrifft Kinder, Frühe Kindheit, Kinderleicht!?, klein & groß, TPS, Welt des Kindes und Weltwissen Sachunterricht berichtet.

Betrifft Kinder

Der bekannte Chemiker und Pädagoge Salman Ansari beschäftigt sich in der „Hauptsache“ dieses Heftes mit der Frage, brauchen Kinder eine Kinder-Uni. Seine Antwort vorweggenommen: Nein! Denn Kinder stellen ihre ganz eigenen Fragen zu naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen.  Statt Vorlesungen zu folgen, sollten Kinder lieber aktiv und exemplarisch etwas über die Prozesse wissenschaftlicher Erkenntnisse erfahren. Er ruft dazu auf, zunächst die Denkmuster der Kinder zu ergründen, damit daran anschließend ein konstruktiver Dialog stattfinden kann. Die Geschichte „Puh der Bär“ von Alan Alexander Milne soll verdeutlichen, wie es gelingen kann, kindliches Denken zu ergründen und die „bezwingende Logik“ darin zu erkennen. Auch Frauke Hildebrandt und Alexander Scheidt vermitteln Techniken, die dem Dialog mit Kindern förderlich sind. Sie finden es „Gut, dass du fragst.“ Und grenzen sich deutlich von den derzeit aktuellen „Effekthaschereien“ durch naturwissenschaftliche Experimente ab. Ihr Anliegen ist es – vergleichbar mit Ansari’s Gedanken - ErzieherInnen zu zeigen, wie sie durch Gespräche mit Kindern über alltägliche Dinge neue Ideenansätze zu entwickeln.

Beiheft: Kinder in Europa

„Kinder in Europa“ - eine Gemeinschaftsproduktion eines Zeitschriftennetzwerkes aus 18 europäischen Ländern, greift ein aktuelles Thema in Deutschland auf: Männer in der Kinderbetreuung. Ziel dieser thematischen Schwerpunktsetzung ist es, die pädagogischen Handlungsmöglichkeiten durch das Männliche zu erweitern. Die positiven Lerneffekte die eine Erziehungsbeteiligung von Männern erzielen, stellt Adrienne Burgess heraus. So konnte eine Verbesserung der Bewegungsentwicklung und des IQ von Kindern nachgewiesen werden. Was haben Männer denn zu bieten? Dazu  skizziert Tim Rohrmann aktuelle Projekte und Modellvorhaben in Deutschland. Auch Kindergartenlehrer aus Zagreb geben Antworten auf die Frage nach ihrem speziellen Beitrag an Erziehung und Betreuung von Kindern.  Was Jungs „so drauf haben“ zeigen Magdalena Korsak und Gracjana Wozniak aus Polen. Gerade wissenschaftsorientierte Projekte regen Jungen an, ihre Kompetenzen zu zeigen und einzusetzen. Weitere Praxiserfahrungen aus schwedischen, norwegischen, südfranzösischen und portugiesischen Bildungsinstitutionen, geben Anlass über die Akzeptanz von Vielfalt auch in Deutschland intensiver nachzudenken. Dazu stellt Maia Joao Cardona pädagogische Werkzeuge aus der Handlungsforschung vor, mit denen Geschlechtergerchtigkeit und Vielfalt erkundet werden könnten. 

Jan Peeters aus Belgien beschreibt, wie misstrauisch Männer bei Pflegehandlungen beobachtet werden.

Ergänzende entwicklungstheoretische Grundlagen titeln Christelle Declercq und Danièle Moreau mit „Von Geburt weder Junge noch Mädchen“. Sie sind der Auffassung, dass zu der Konstruktion von menschlicher Identität auch die Eigenschaften gehören, die mit dem sozialen und biologischen Geschlecht zusammenhängen.

Frühe Kindheit

 „Kinder und Tiere“ mit dieser besonderen Beziehung befasst sich die Deutsche Liga für das Kind in dem aktuellen Heft. Die einzelnen Beiträge werfen Fragen zu den Wünschen, aber auch den Ängsten der Kinder auf. Experten aus unterschiedlichen Berufsfeldern geben Antworten zu psychologischen und pädagogischen Aspekten. Andrea Breetz beschreibt die positiven Wirkungen der Beziehung zu Tieren. Der Bericht über die positiven Erfolge in der psychotherapeutischen Arbeit mit „tierischer Unterstützung“, zeigt wie und warum diese Mensch-Tier-Beziehung so heilsam sein kann. Kritisch setzt sich Tanja Hoff mit der „Tierliebe“ im Sozial-und Gesundheitswesen auseinander. Sie weist auf die Grenzen der tiergestützten Interventionen hin. Gestützt auf empirische Befunde bietet sie dem interessierten Leser eine Übersicht zu den Auswirkungen von Heimtierbesitz und der Mensch-Tier-Beziehungsqualität bei verschiedenen Tierarten. Ergänzend stellt sich Reinhold Bergler vom Psychologischen Institut der Universität Bonn, in einem Interview den Fragen von Jörg Maywald zu den grundsätzlichen Aspekten der Mensch-Tier-Beziehung. Er betont, dass sich die positive Wirkungsweise nur dann entfalten kann „…wenn eine wechselseitige Befriedigung artgerechter  Bedürfnisse möglich ist.“

Auch der Praxisteil repräsentiert die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten von Tieren.  Lernen mit allen Sinnen am Lernort Bauernhof ermöglicht das Projekt „Ökologischer Schulbauernhof Norderlück“. Kindern aus einem städtischen Umfeld haben dort die Möglichkeit, Lernerfahrungen im Kontext von Natur und Tieren zu sammeln. Die praxisnahe und übersichtlich gestaltete Tabelle gibt konkrete Antworten auf die Frage: Welches Tier passt am ehesten zu unsere Familie?

Kinderleicht!?

So leicht - im Sinne von unproblematisch und freudig - kann pädagogisches Handeln sein. Entsprechend des Titels „Mit Freude erziehen“, geben die informativen Beiträge konkrete Hinweise und fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer (ent-)spannenden pädagogischen Praxis. Charmaine Liebertz beschreibt die einzelnen Entwicklungsstufen des menschlichen Humors. Sie zeigt auf, dass eine humorvolle pädagogische Atmosphäre dazu beitragen kann, dass Kinder mit Zuversicht und Optimismus ausgestattet „in die Welt ziehen können.“ Sabine Seichter beschäftigt sich mit Rousseau’s Feststellung, dass die Erziehung durch den Mund ein geeignetes Mittel ist. Den engen Zusammenhang zwischen Ernährung und Erziehung erläutert sie anhand physiologischer, psychischer und kultureller Aspekte. Auch das erleichtert: Nicht die außergewöhnliche frühpädagogsiche „Projektitis“, sondern die alltäglichen Begebenheiten, bieten gerade für jüngere Kinder entscheidende Sozialisationsprozesse. Schwergewichtiger wird es in dem Beitrag von Winfried Böhm. Er bringt Licht in das „Dunkle“ der Reformpädagogik. In seinem Rückblick auf die reformpädagogische Bewegung, räumt er mit alten und neuen Vor- und Nachverurteilungen auf. Die Wahrheit zwischen Verklärung und Verdammung dieser Pädagogik liegt für ihn in der Mitte. So wie Sabine Seichter es formuliert, geht es in der Erziehung immer um beides, und zwar.“…um ‘notwendig aufeinander bezogene, sich dialektisch ergänzende und konstruktiv spannungsreiche Momente innerhalb eines einzigen und eines jeden Erziehungsprozesses.‘“

Des Weiteren bietet das Heft zum Thema „Erziehungspartnerschaft“ wirklich Witziges von Jürgen Beckers, und wirklich Lösungsorientiertes von Andrea Steinmann. Die systemisch- lösungsorientierte Methode ist äußerst effektiv in der Veränderungsarbeit mit Kindern und ihren Bezugspersonen. Einfach und leicht umgesetzt, und absolut nachvollziehbar beschrieben.

Klein & groß

Das Thema „Bildung“ wird von Experten der frühkindlichen Bildung aus unterschiedlichen Perspektiven hinterfragt. Armin Krenz skizziert 13 Thesen zur Lösung einer von ihm als unerträglich wahrgenommenen Bildungspraxis. Sie sollen den Weg zu einem entspannten Kita-Alltag und einem „Abschied aus der dogmatisierten Frühpädagogik“ bereiten. Ingeborg Becker-Textor beschreibt den „Wettlauf der Bildungsangebote“ in der Kita und kritisiert die aktuelle Förderpraxis in den Kitas, die viele Eltern und Erzieher verunsichert.

Der programmatische Titel dieser Ausgabe „Weniger ist mehr“, wird vermutlich große Zustimmung finden. Möglicherweise könnte dieses „mehr“ an Zeit dann genutzt werden, um sich mit dem Thema Aggressionen bei Kindern zu beschäftigen. Die von Mechthild von Prondzinski vorgestellten Erklärungsansätze und Handlungsmöglichkeiten, können den Umgang mit aggressiven Kindern in der Kita entscheidend beeinflussen.

Im Praxisteil findet sich eine Vielzahl von einfach umzusetzenden Impulsen und Aktivitäten. Entspannungsmöglichkeiten für Kinder und pädagogische Fachkräfte, z.B. durch die „Entdeckung der Langsamkeit“, aber auch Spiele zur Förderung der Bewegung und Wahrnehmung.

TPS – Leben, Lernen und Arbeiten in der Kita

Das Thema mit dem sich Frieder Harz in Heft 9 beschäftigt, betrifft nicht nur Kinder. Mit Islam in der Kita bietet er eine Perspektive an, die weit über das Leben in der Kita hinausgeht. Zum Beispiel, die von ihm beschriebene Metapher des Berges, der den monotheistischen Glauben darstellt: Die Wege zum Gipfel sind unterschiedlich und das Ziel – die letztgültige Erkenntnis Gottes - ist noch in Wolken verhüllt.

Die Unterschiede des islamischen Glaubens in Erziehung, Familie, Frau und Kind stellt André Berthy in seinem Artikel dar. In einer übersichtlichen Akzentuierung, konzentriert er sich dabei auf die, aus seiner Sicht, wichtigen Punkte für die Arbeit mit muslimischen Familien. Ein Interview mit einem multikulturell und multiprofessionell arbeitenden Kita-Team, offenbart die praktische Umsetzung der theoretischen Vorstellung von Integration und Inklusion.

Daneben bietet das Spektrum, mit dem letzten Teil zur Entwicklung des Situationsansatzes, einen rheinland-pfälzischen Blick zurück in die Anfänge dieser Bewegung. Spannend -  denn Jürgen Zimmer, als einer der „Väter“ dieses pädagogischen Konzeptes, erkennt in diesen Anfängen die Kita-Welt des 21. Jahrhunderts.

In Heft 10 geht es um Verständigung mit Kindern: Zuhören – beachten – verstehen. Die Beiträge sind durchgängig von dem Bewusstsein durchdrungen, dass das Verstehen von Kindern Respekt vor ihnen beinhaltet, dass es also (wie dies Kinder auch durchaus erkennen) mit einem „Ja, ja“ nicht getan ist. Das wird auch in den Kommentaren der Kinder deutlich, die Frauke Prothmann und Antonia Langendorf gesammelt haben. Mit ihrem Artikel „Gedanken zur Verständigung“ führt Erika Kazemi-Veisari in das Thema ein. Beobachtungen an Kindern, im Team und religionspädagogische Überlegungen bringen den LeserInnen das Thema nahe. Auf die Situation von hörgeschädigten Kindern wird in zwei Beiträgen eingegangen. Der Artikel von Lothar Klein beschreibt den Kontakt mit Kindern und das gegenseitige Verständnis als Resonanz.  

Welt des Kindes

In bekannter Manier nimmt der durch zahlreiche Medienauftritte bekannte Direktor des Instituts für Bildungs-und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz Prof. Dr. Stefan Sell, eine Bestandsaufnahme des U3 Ausbaus vor. Seine Forderung nach mehr Geld und verbindlichen Standards für die Tageseinrichtungen begründet er mit der Befürchtung, dass „die Kleinsten der Kleinen in einem nationalen Experiment“ als Versuchskaninchen enden. Mit eindeutigen Zahlen belegt er die Notwendigkeit, auch die Schulkinder in den Kinderhorten, in der Gesamtdebatte der Kindertagesbetreuung, stärker zu berücksichtigen.

Die teilweise konträren Interpretationen der NICHD-Studie beschreibt Dorothee Gutknecht. Die Frage nach guten oder schlechten Auswirkungen einer frühen außerfamilären Betreuung, stellt sie im Zusammenhang mit der Forderung an eine gesamtgesellschaftliche Neuorientierung.

Rainer Strätz zieht Bilanz. In seinem Rückblick auf die Entstehung der Bildungspläne der einzelnen Bundesländer beschreibt er die Chancen, die in diesen Festlegungen für den frühkindlichen Bildungsbereich liegen. Sein „Blick zurück nach vorn“ richtet sich dabei auf Länder wie Hessen oder Thüringen, die in ihren Bildungsplänen Kinder in der Altersspanne von 0-10Jahren berücksichtigen. Allerdings wird nach seiner Ansicht der Zusammenhang zwischen „guter Bildungsarbeit und guten Rahmenbedingungen“ nach wie vor, zu wenig und zu unklar angesprochen.

Weltwissen Sachunterricht

Die Novemberausgabe hat politisches Lernen zum Thema und befasst sich aus verschiedenen Perspektiven mit der Gemeinde als dem Lebensort, in dem Kinder als Erstes Politik erleben können. Schon Grundschulkinder können Strukturen des politischen Lebens kennen und die Angebote der Gemeinde nutzen lernen. Dies wird im Beitrag von Iris Thürauf beschrieben. Politische Bildung im Grundschulalter kann auch durch die Begegnung mit dem Bürgermeister stattfinden (Beitrag von Simone Hell). Weitere Unterrichtsanregungen mit den entsprechenden Materialien  für die älteren SchülerInnen geben Artikel zu Steuern, zu den Kosten der Gemeinde, den Aufgaben dieser Gebietskörperschaft und die Bedeutung der Schule in einer Gemeinde. Insgesamt wieder eine große Hilfe für den Unterricht, auch in der Grundschule. Der von uns übernommene Beitrag kann auch für die größeren Kita-Kinder genutzt werden.

Kommentar von Kerstin Pack: Was mir auffällt

Der „Blick in die Fachzeitschriften“ bringt die Veränderungen der frühpädagogischen Landschaft ans Licht. Vergleichbar mit einer durch Schneefall verwandelten Landschaft, welche eine detailliertere Betrachtung ermöglicht, lassen sich in allen Zeitschriften markante Abgrenzungen ebenso erkennen, wie flächendeckendes Einerlei.

Dabei überwiegt bei mir die Freude darüber, dass wissenschaftliche Forschung und engagierte Praktiker, sich mit aktuellen elementarpädagogischen Themen auf professionelle Art und Weise auseinander setzen. Verdeutlicht dies doch die veränderte Wahrnehmung auf die Relevanz dieses Bildungsbereiches.

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