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mehrere Kinder

Deutsche Frauen bekommen weniger Kinder

01.08.2009 Kommentare (1)

In der letzten Woche berichteten die Medien, dass es die deutschen Frauen seien, die weniger Kinder bekommen. Frau reibt sich die Augen: Sind an derartigen Ereignissen nicht in der Regel auch Männer beteiligt? Beeindruckend dann noch das Ergebnis, dass es insbesondere Frauen mit akademischer Ausbildung sind, die kinderlos bleiben. (http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/5/0,3672,7609925,00.html). Heißt das, dass die Akademiker zur Familiengründung Frauen ohne akademische Bildung bevorzugen? Oder dass Bildung zur Kinderfeindlichkeit führt?

Scherz beiseite. Aber es ist natürlich hochproblematisch, dass die Familie als Frauenprojekt dargestellt wird - als wenn die Männer nicht zu genau 50 % daran beteiligt wären. Genau da liegt das Problem für die Akademikerinnen:

  • Je höher das Bildungsniveau, desto höher die Befriedigung durch den Beruf. Die damit verbundenen Freuden wollen Frauen mit akademischem Abschluss nicht mehr missen.
  • Wenn Frauen in Führungspositionen gelangen wollen, tun sie gut daran, auf Kinder zu verzichten. Denn sie sind es ja, die zumeist zeitweise auf die Berufstätigkeit verzichten, um ihre Kinder in den ersten Lebensjahren zu versorgen, zu begleiten und zu bilden.

Aber auch Männer und Frauen ohne akademische Bildung sind in der Lage, eine Kosten-Nutzen-Rechnung zum Kinderkriegen aufzustellen:

  • Wenn die Partnerschaft und der Kinderwunsch gegeben sind, dann müssen Frauen und Männer in unsicheren oder befristeten Arbeitsverhältnissen gut überlegen, ob sie sich ein oder gar das zweite Kind „leisten" können, ohne dass der Lebensstandard danach absackt. Insbesondere Paare, bei denen eine/r erwerbslos ist, sind durchaus verantwortungsbewusst, wenn sie sich gegen ein (zweites) Kind entscheiden.
  • Die Verführungen der Konsumgesellschaft sind nicht zu unterschätzen. Wer ein oder mehrere Kinder hat, trifft damit zumeist auch eine Entscheidung gegen das bisherige Konsumniveau. Und das bedeutet, sich gegen einen Main Stream zu stellen, der allüberall als erstrebenswert dargestellt wird.
  • Frauen, die die Erfahrung gemacht haben (mit ihrem Vater oder in ihrem Freundeskreis), dass Partnerschaften scheitern und/oder dass Väter ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, werden sich möglicherweise gegen ein Kind entscheiden. Und auch Männer entscheiden sich vor allem dann für ein Kind, wenn sie selbst eine gute Kindheit hatten und einen liebevollen Vater erlebt haben (Ralf Ruhl im Interview, taz vom 1./2. August: 5).

Das Problem der Kinderlosigkeit den Frauen anzulasten, ist also falsch. Um den weiteren Geburtenrückgang aufzuhalten könnte die Politik Familien mit Kindern, insbesondere Ein-Eltern-Haushalte, mehr fördern. Das Geld dafür könnte u.a. durch die Abschaffung des Ehegattensplittings gewonnen werden. Ebenso wichtig ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Einführung von Mindestlöhnen und ein Gegensteuern bei der Zunahme befristeter (Leih-) Arbeitsverhältnisse könnten die soziale Lage vieler Familien stabilisieren.

Aber die auf Deutsche gemünzte Politik reicht nicht aus. Wir brauchen eine durchdachte Aufnahme- und Bildungspolitik für Migrantinnen und Migranten. Was wir jedoch haben, sind mehr Armut unter Familien mit Migrationshintergrund. geringere Schulerfolge ihrer Kinder und schlechtere Chancen im Beruf. Das können wir uns nicht mehr leisten (vgl. a. den Standortbericht der Boston Consulting Group unter http://www.bcg.com/publications/files/BCG_Report_Standortfaktor_Bildungsintegration.pdfMigrationshintergrund). Darüber hinaus sollten wir einen anderen Umgang mit Flüchtlingen pflegen. Statt sie mit offenen Armen aufzunehmen und ihnen Integrationsangebote zu machen, behandeln wir junge Leute, die aus Hunger- oder Terrorzonen zu uns fliehen, häufig wie Verbrecher, wenn sie es denn hierher geschafft haben. Das ist nicht nur von der Ethik her problematisch, sondern politisch dumm.

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Kommentare (1)

  • anne kirchhoff:
    02.08.2009 um 08:25 Uhr

    Also ein wichtiger Punkt,der mir dazu einfällt sind homosexuelle Paare! Für sie ist es nämlich alles andere als leicht „an ein kind zu kommen“. Für lesbische Frauen mag es noch „irgendwie gehen“. Ein (schwuler) Freund, Samenbanken im Ausland oder Ähnliches, aber wie sieht es mit den Männern aus? Die haben kaum Chancen.In Kindergärten sind gleichgeschlechtliche Eltern noch immer „Exoten“, was sich auch in den meisten Unterlagen deutlich macht, denn da sind Unterschriftsmöglichkeiten nur für Vater und Mutter möglich! Dabei unterstützt Ursula von der Leyen „verschiedenen Familienformen“ (http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/BMFSFJ/ministerium.html) ?! Was auch immer das heißen mag. Nun gut, dass nur am Rande, tatsächlich habe auch ich das Gefühl,dass es sehr kostenintensiv ist sich Kinder anzuschaffen.So wurde ich vor kurzem (in Partnerschaft lebend) als „DINKY“ bezeichnet von einer Frau mit drei Kindern. Verwirrt fragte ich, was das sei und sie antwortete: Double Income No Kids. Und ja, da ist der Lebensstandard deutlich besser, obwohl der Kinderwunsch sicher da ist. Auch für die Entscheidung zum Geschwisterkind, die ja für Kinder so wichtig sind, fehlt häufig das Geld. Also fällt die Entscheidung Urlaub, oder erstmal das „Notfallkonto“ für Kind Nummer drei auf den Stand von Kind 0 und 2 zu bringen in diesem Fall zugunsten des Kindes Nummer drei. Dies allerdings ist nicht in jedem Fall so. Als Ausgleich denke ich muss Prävention, Aufklärung und eine profesionelle Kinderbetreuung her! Seltsame Serien im TV mal dahingestellt. Definitiv wird das Kinderkriegen und die damit verbundene Verantwortung sicher häufig unterschätzt. Groß im Kommen auch, gerade zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sind betriebsnahe Kindergärten. Kriterien, die die Firmen festlegen, berechtigen zur Inanspruchnahme eines Platzes. Ein Schritt in die richtige Richtung!? Ich arbeite seit einem Jahr in einer solch betriebsnahen Kita und bis jetzt bewährt sich das Konzept, so dass kürzlich ein Ausbau geplant und beschlossen wurde.

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