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mehrere Kinder

Deutsche Kita-Kinder sprechen schlecht Deutsch

04.01.2014 Kommentare (2)

Wörter nachsprechen, Sätze vervollständigen oder frei erzählen, was sie auf Bildern sehen: das sind drei typische Aufgaben, die Kindergartenkinder bei den sogenannten Sprachstanderhebungen bewältigen müssen. Ein Test mit Tücken, denn fest steht: Nicht nur Kinder aus Zuwanderfamilien haben Schwierigkeiten bei der Beantwortung der Fragen – ausgerechnet deutsche Kita-Kinder brauchen verstärkt Nachhilfe in ihrer Muttersprache.

In Berlin benötigen immer mehr deutsche Kinder Sprachförderung

Allein in Berlin ist inzwischen fast jedes zehnte Kind auf eine gezielte Sprachförderung angewiesen. Das geht aus dem diesjährigen Sprachtest der Berliner Senatsverwaltung für Bildung hervor. Seit 2006 prüft die Senatsverwaltung die Deutschkenntnisse der Kita-Kinder. Haben die Mädchen und Jungen sprachliche Defizite, werden sie noch in der Kita gefördert, damit sie in der Schule keine Lernschwierigkeiten bekommen. Während 2013 der Gesamtanteil der Kinder mit Förderbedarf auf rund 15,8 Prozent und bei Migranten auf rund 31 Prozent gesunken ist, stieg die Zahl der deutschen Kinder mit sprachlichen Defiziten auf ein neues Rekordniveau von neun Prozent.

Betroffen sind Kinder aus bildungsfernen Familien

Dazu Anette Baumann, Leiterin der Ina Kita im Berliner Bezirk Wedding: "Die Zahlen kann ich nachvollziehen. Ich kann mir vorstellen, dass Kinder aus bildungsfernen Familien betroffen sind. Unsere Kita ist davon ausgenommen, da zu uns Kinder aus gut situierten deutschen Familien kommen, die alle gute Sprachkenntnisse haben."

Viele Eltern geben Verantwortung für ihre Kinder einfach ab

Ilona Bernsdorf, Schulleiterin der Herman-Nohl-Schule Berlin, hat noch eine weitere Erklärung: "Viele Eltern von Kindern im Vorschulalter geben inzwischen gern die Führungs- und Erziehungsverantwortung ab, weil sie häufig nicht in den Prozess der Sprachförderung involviert sind. Es wird zu häufig über die Aufgaben und Verantwortungsbereiche von Eltern gesprochen, statt mit ihnen darüber nachzudenken, wie eine Sprachförderung gemeinsam auf einen guten Weg gebracht wird. Ich halte nicht viel davon, Eltern ständig Verantwortung für ihre Kinder abzunehmen, aber auch nichts davon, Eltern ständig zu bevormunden. Sie sind und bleiben die wichtigsten Experten ihrer Kinder und sollten von Lehrern auch als solche mit Respekt und Ernsthaftigkeit anerkannt werden."

In Köln kommt die Sprachstanderhebung zu ähnlich schlechtem Ergebnis

Die aktuelle Sprachstanderhebung in Köln zeigt ebenfalls deutlich auf, dass entgegen der Klischeevorstellung nicht nur der Migrationshintergrund für mangelnde Sprachkompetenz bei Kleinkindern verantwortlich ist. In den Kölner Kitas sprechen 21 Prozent der Kinder aus rein deutschsprachigen Familien nur schlecht Deutsch. Arbeitslosigkeit der Eltern, Kinderarmut und Vernachlässigung seien nach Auffassung der Experten Gründe für die unzureichenden Sprachfähigkeiten.

Quelle: Bildungsklick.de

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Kommentare (2)

  • Kathy:
    01.11.2015 um 11:22 Uhr

    Vielleicht könnte es auch daran liegen, dass heutzutage die Aufgabe der Frau nicht nur darin besteht Mutter und Hausfrau zu sein, sondern ein großer Anteil der Mütter so schnell als nur möglich wieder in das volle Berufsleben einsteigen soll/muss. War es früher normal sich die ersten 3 Jahre um das Kind zu kümmern und es dann halbtags in den Kindergarten zu bringen, so stößt man heute oft auf Unverständnis in der Gesellschaft. Nun gibt es Tagesmütter die sich um Säuglinge kümmern, Kita's und Ganztages-Kindergärten sowie Ganztages-Schulen. Der Trend geht schon lange in die Richtung die Kinder möglichst früh in Einrichtungen unterzubringen um so schnell wie möglich wieder Vollzeit arbeiten zu können. Sich 3 Jahre nicht berufstätig um sein Kind zu kümmern, dann eventuell das zweite Kind zu bekommen war einmal der Standard. Heute ist die Elternzeit von 14 Monaten normal geworden. Wobei Kinder in diesem Alter noch sehr klein sind und etwa bis 2 oder 3 Jahren noch Windeln brauchen. Es wird von Medien und Politik propagiert eine "Allround-Frau" zu sein und somit geht auch die Bildung der Kinder bergab. 2 Betreuer die sich in einer Kita um 30-40 Kinder ganztägig kümmern können ein Kind nicht optimal fördern, das erscheint ganz logisch.

    Antworten

    1. Marina:
      20.09.2018 um 23:42 Uhr

      Die Berufstätigkeit der Mütter ist kein Kretärium dafür, ob man fähig ist seine Kinder zu erziehen und zu bilden. Man kann Vollzeit arbeiten und die Kinder auf das Leben vorbereiten! Ich sehe das tagtäglich an meinem eigenen Beispiel und an vielen anderen Eltern, mit denen ich arbeite. Dieser Gedanke ist veraltet und entspricht nicht Realität

      Antworten


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