Deutsches Kinderhilfswerk: Kinder- und Jugendhilfe wieder aufwerten
Das Deutsche Kinderhilfswerk beklagt den zunehmenden
Bedeutungsverlust der Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland. Die am
24. Januar vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen,
dass der Anteil der Aufwendungen für die Kinder- und Jugendarbeit an den
Gesamtausgaben der Kinder- und Jugendhilfe mit 5,04 Prozent den
niedrigsten Wert seit Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfegesetzes
erreicht hat. Trotz gestiegener Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe
um rund 1,7 Milliarden Euro insgesamt ist für den Bereich der Kinder-
und Jugendarbeit ein leichter Rückgang der Ausgaben um rund 1,3
Millionen Euro zu verzeichnen.
„Durch diese chronische Unterfinanzierung sind immer wieder Kinder- und
Jugendhilfeeinrichtungen in ihrer Existenz bedroht oder mussten sogar
bereits ihre Arbeit ganz einstellen. Dabei leiden insbesondere arme
Kinder zunehmend unter der schlechten finanziellen Ausstattung in diesem
Bereich. Das ist angesichts von 2,8 Millionen Kindern und Jugendlichen,
die in unserem Land von Armut betroffen sind, nicht hinnehmbar. Armut
stellt für Kinder ein bedrohliches Entwicklungsrisiko dar. Es ist
erforderlich, dass alle Beteiligten der Kinder- und Jugendarbeit eine
besondere Empathie für diese Gruppe entwickeln. Das ist jedoch nur
möglich, wenn entsprechende Personal- und Ausstattungsressourcen
vorhanden sind“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des
Deutschen Kinderhilfswerkes.
„Egal ob in Jugendzentren, Verbänden, Zirkusprojekten, Zeltlagern, auf
dem Abenteuerspielplatz, auf der Straße, an Szenetreffpunkten oder im
Spielmobil: Überall wird wertvolle pädagogische Arbeit geleistet, die es
unbedingt zu erhalten gilt. Kinder- und Jugendarbeit stellt eine
wichtige Ergänzung zum leistungsbezogenen Lernen in der Schule dar. Denn
hier können Kinder und Jugendliche eigene Akzente setzen, sich neue
soziale Beziehungen erschließen, selbst Strukturen gestalten und
eigenen, individuellen Vorlieben und Kompetenzen nachgehen, die oftmals
im Schulkontext nicht zum Tragen kommen. Zugleich brauchen Kinder- und
Jugendliche offene, freie Räume zur Entfaltung eigenständigen
Engagements, um eine aktive partizipationsorientierte Rolle in der
Gesellschaft zu entwickeln. Außerdem gehört zu den sozialpädagogischen
präventiven Maßnahmen auch die Resilienzförderung. Die frühe Beteiligung
von Kin
dern durchbricht den Kreislauf der Vererbung von Armut. Je mehr Kinder
an Entscheidungs- und Planungsprozessen beteiligt werden, desto stärker
und somit resilienter werden sie. Resilienzförderung kann Kindern
helfen, ihre schwierige Lebenssituation besser zu überwinden. Dazu muss
die Kinder- und Jugendarbeit ihren Beitrag leisten können“, so Hofmann
weiter.
Nach Berechnungen des Deutschen Kinderhilfswerkes stehen für die Kinder-
und Jugendarbeit in Deutschland derzeit nur rund 10 Euro monatlich pro
Kind zur Verfügung. „Natürlich sind die gestiegenen Ausgaben für die
Kinder- und Jugendhilfe insgesamt und speziell den Kitaausbau wichtig
und richtig. Das darf aber nicht zu Lasten der Kinder- und Jugendarbeit
gehen. Die Kinder- und Jugendarbeit darf nicht kaputt gespart werden.
Auch dieser gesellschaftspolitische Bereich muss als gesamtstaatliche
Aufgabe begriffen und entsprechend finanziell gefördert werden“, so
Hofmann abschließend.
Das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt seit vielen Jahren Projekte,
Einrichtungen und Initiativen der Kinder- und Jugendarbeit, die die
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zum Grundsatz ihrer Arbeit
gemacht haben. Dabei geht es um Beteiligung in Bereichen wie Entwicklung
demokratischer Lebensformen und Umweltbewusstsein, kinderfreundliche
Veränderungen in Stadt und Dorf, in der Schule, bei Spielplätzen. Die
Schaffung sinnvoller Freizeitangebote und Möglichkeiten zur Entwicklung
einer kulturellen Identität und Medienkompetenz sind ebenso
Förderschwerpunkt. Mit diesem finanziellen Engagement ermöglich das
Deutsche Kinderhilfswerk Maßnahmen und Projekte, die von der
öffentlichen Förderung nicht unterstützt werden.
Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerks vom 24.1.2014

