ErzieherIn.de
mehrere Kinder

Deutsches Kinderhilfswerk: Schulen und Kitas umgehend und vollständig öffnen

22.05.2020 Kommentare (1)

Das Deutsche Kinderhilfswerk appelliert an Bund, Länder und Kommunen, Schulen und Kitas wieder vollständig zu öffnen. Aus Sicht der Kinderrechtsorganisation braucht es dazu kurzfristig machbare Konzepte zu Hygieneschutz- und Abstandsregelungen, die sowohl bildungs- und kindheitspädagogische Aspekte berücksichtigen als auch dem Gesundheitsschutz für Kinder und Fachkräfte genügen. Das Deutsche Kinderhilfswerk mahnt zugleich die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen an der Konzeptausarbeitung an, die als Expertinnen und Experten in eigener Sache einbezogen werden sollten. Aber auch die Familien insgesamt sollten hier eingebunden werden, da diese die Konzepte kennen und leben müssen. Zudem ist mehr personelle Unterstützung als bisher für die Schulen und Kitas unabdingbar. Auch müssen Alternativen für Risikopatientinnen und -patienten unter den Kindern und Jugendlichen und ihren Familien in den Konzepten mitgedacht werden.

„Die bisherigen eingeschränkten Lockerungen führen dazu, dass nach wie vor sehr viele Kinder nicht in die Kita und nur sehr eingeschränkt in die Schule können. Das ist ein schwerer und vor dem Hintergrund aktueller fachlicher Erkenntnisse unverhältnismäßiger Eingriff in ihre Lebenswelt, in ihre Grundrechte und ihre psycho-soziale Entwicklung, bei dem das Kindeswohl nicht im Vordergrund steht. Hier braucht es jetzt einen Kurswechsel. Der bisherige Weg der Schulen mit geteilten Klassen und stundenweisem Unterricht zeigt bereits nach kurzer Zeit, dass davon kaum ein relevanter Beitrag zur Bildung der Kinder zu erwarten ist. Das vergrößert nach Einschätzung von Bildungsforscherinnen und -forschern die sozialen Ungleichheiten in unserer Gesellschaft. Deshalb sollten wir ehrlich sein und uns eingestehen, dass an einer vollständigen Öffnung der Schulen, aber auch der Kitas kein Weg vorbeiführt. Eine Öffnung von Kitas und Schulen unter angemessenen Schutzvorgaben ist kinder- und familienpolitisch der logische nächste Schritt", betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Wir brauchen zugleich bei der Erstellung der Schutzkonzepte, die eine vollständige Öffnung der Schulen und Kitas möglich machen sollen, sowohl die Einbeziehung alternativer Modelle wie ,Grüne Klassenzimmer' oder pädagogischer Konzepte wie ,Waldschulen' und ,Waldkitas' sowie eine aktive Beteiligung der Kinder und Jugendlichen. Denn wir stellen in der jetzigen Krisensituation leider fest, dass diese noch mehr als sonst kaum vorhanden ist und fast ausschließlich nur schmückendes Beiwerk für Schönwetterphasen zu sein scheint. Wir brauchen aber auch die Kinder-Expertise und sollten die Erwachsenenbrille immer mal wieder absetzen. Das würde kreativen Konzepten, die wir zweifelsohne brauchen, sicherlich guttun. Gleichzeitig müssen das selbständige Lernen der Schülerinnen und Schüler sowie ihre Kapazitäten mit der Krisensituation umzugehen, gestärkt werden", so Krüger weiter.

Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes muss sich der Blick jetzt insbesondere auf Kinder mit besonderen Förderbedarfen richten. Dafür braucht es einen Sonderfonds für Kommunen, der Bildungsbegleitung für Kinder, die diese brauchen, finanziert. Die ohnehin schon ungleich verteilten Bildungschancen erst in den Blick zu nehmen, wenn die Krise ausgestanden ist, riskiert Kinder wissentlich abzuhängen. Das gilt auch für Kinder in Kindertageseinrichtungen, die ja längst zu Bildungsinstitutionen geworden sind.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerks vom 20. Mai 2020

Ihre Meinung ist gefragt!

Wir freuen uns über Kommentare.

Kommentare (1)

  • Franka Hainsch:
    25.05.2020 um 11:12 Uhr

    Wunschdenken allerorts.
    Nun auch beim Kinderhilfswerk.

    Es gibt KEINE Möglichkeiten von Hygieneschutz- und Abstandsregelungen, die sowohl bildungs- und kindheitspädagogische Aspekte berücksichtigen als auch dem Gesundheitsschutz für Kinder und Fachkräfte genügen.

    Es gibt natürlich die Möglichkeit, die Kitas und Schulen wieder zu öffnen.
    Vorsichtig, mit kleinen Gruppen oder wie jetzt vom, Kinderhilfswerk gefordert vollständig.

    Das aber bedeutet, dass Kinder, Lehrer und Erzieher so oder so ungeschützt dem Infektionsrisiko ausgesetzt sein werden. Bei vollständiger Öffnung dürfte das Risiko allerdings erheblich höher sein.
    Das muss man so klar aussprechen.


    Wenns schief geht, tragen nicht diejenigen die Verantwortung, die diese leichtfertigen Forderungen aufstellen - sie tragen auch nicht die Folgen.

    Da fordert es sich leicht.


    Ich frage mich seit Wochen, wieso wir in unserem Land einen so schlechten Kinderschutz haben, dass man jetzt um Gesundheit und Leben von Kindern bangen muss, die einfach nur daheim bei ihren Eltern sind.
    Und tun wir nicht doch so, als hätten benachteiligte Kinder in diesem Land vor Corona wirklich faire Bildungschancen erhalten.

    Antworten


Kommentar schreiben



Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Erlaubte Tags: <strong><em><br>Kommentar hinzufügen:


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.




Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.

ErzieherIn.de wird gefördert von:

Wehrfritz

Seit über 80 Jahren ist Wehrfritz Komplettausstatter für Krippen und Kindergärten. Das Sortiment umfasst innovative Möbel, Raumkonzepte, Außenspielgeräte, ausgewählte Spiel- und Lernmaterialien.
www.wehrfritz.de

Sponsor werden

Stellenmarkt

22.05.2020 Mitarbeiter (w/m/d) im Wohngruppendienst und Dauernachtwache, Teltow
Evangelisches Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin
22.05.2020 Stellvertretende Leitung (w/m/d) für Kinder- und Familienzentrum, Bremen
KiTa Bremen
20.05.2020 Leitung (w/m/d) für Kindertageseinrichtung, Esslingen am Neckar
Stadt Esslingen am Neckar
weitere Stellen

Newsletter für Fachkräfte

Alle zwei Monate kostenlose Infos jetzt abonnieren.

Aktuelle Rezensionen

Buchcover

Susanne Viernickel, Anja Voss, Elvira Mauz: Arbeitsplatz Kita. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 202 Seiten. ISBN 978-3-7799-3313-7.
Rezension lesen   Buch bestellen

Buchcover

Kathrin Nürge: Starke Erzieher - starke Kinder. Burckhardthaus Laetare Körner Medien UG (München) 2017. 240 Seiten. ISBN 978-3-944548-24-1.
Rezension lesen   Buch bestellen

weitere Rezensionen

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Feed Icon RSS-Feed abonnieren
RSS der Kommentare abonnieren

Feed Icon Folgen Sie uns auf Facebook

Nutzen Sie auch die Angebote unseres Herausgebers socialnet: