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zwei U3 Kinder

Die Arbeit mit Kindern unter drei Jahren

Karsten Herrmann

23.10.2013 Kommentare (0)

Als Ergänzung und Konkretisierung zum „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich“ hat das Niedersächsische Kultusministerium 2012 auch Handlungsempfehlungen für „Die Arbeit mit Kindern und drei Jahren“ herausgegeben (Download unten). Die Handlungsempfehlungen reichen von den Pädagogischen Grundlagen über die Bildungsziele in den einzelnen Lernbereichen und Erfahrungsfeldern bis zur konkreten Arbeit in der KiTa inklusive der Qualitätsentwicklung und –sicherung. Ergänzt werden die einzelnen Kapitel und Themen jeweils noch durch „Anregungen zur Reflexion“. Darüber hinaus werden in einer beiliegenden DVD die professionellen Anforderungen an die pädagogische Arbeit mit Kindern unter drei anhand realitätsnaher Szenen aus dem Alltag von Krippengruppen veranschaulicht.



Bild vom Kind und Haltung der Pädagogischen Fachkraft

Den Handlungsempfehlungen liegt ein heute weithin akzeptiertes und auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basierendes „neues“ Bild vom Kleinkind zugrunde. Hiermit wird dieses von Anfang an als einzigartiges Individuum mit vielfältigen Ressourcen sowie als eigenständiger und kompetenter Lerner angesehen, der die Welt in Ko-Konstruktion mit seiner sozialen Umwelt entdeckt und versteht:

„Kinder sind von Natur aus Forscher, Entdecker und Erfinder, die sich aktiv und kreativ mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Schon von Geburt an beobachten und analysieren sie sehr genau. Ihre Schlussfolgerungen und Erkenntnisse sind Grundlage für ihr Verständnis von ihrer Umwelt und auch von sich selbst. Neugierig und engagiert verfolgen sie ihre Interessen und entwickeln dabei immer komplexere und wirkungsvollere kognitive Strategien und Kompetenzen. Kinder wollen und können Verantwortung für das eigenen Lernen übernehmen (Selbstbildung).“ (S. 10)

Lernen geht in diesem Sinne aktiv vom Kind und seinen Impulsen aus und entwickelt sich in Interaktion mit seiner Umwelt weiter. Wesentlich ist hierbei auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Kompetenzerwerb.

Voraussetzung und Basis für die Entwicklung und Bildung durch eine explorative Welterkundung mit allen Sinnen ist die Erfüllung der Grundbedürfnisse des Kindes. Hierzu gehören die Begleitung durch eine erwachsene Person, Schutz und Geborgenheit, emotionale Sicherheit und Verlässlichkeit im Tagesablauf. Im Kern steht hier der Aufbau von zuverlässigen und verbindlichen Beziehungen:

„Kinder müssen daher durch liebevolle und ihnen zugewandte Menschen begleitet werden. Reaktionen von erwachsenen Bezugspersonen auf kindliches Handeln sind zentrale Ausgangspunkte für kindliches Lernen. In ihnen kann sich ein Kind sehen und Wirkungen seines Handelns erfahren.“ (S. 12)

Die feinfühlige Entwicklungsbegleitung durch erwachsene Bezugspersonen schafft in diesem Sinne den Rahmen für selbstständige Handlungs-, Gestaltungs- und Bildungsmöglichkeiten der Kinder in der Krippe. Die Handlungsempfehlungen fassen die daraus resultierende Aufgabe, Rolle und die Haltung der pädagogischen Fachkraft in der Krippe folgendermaßen zusammen:

„Die pädagogische Fachkraft sorgt für anregungsreiche Lern- und Entwicklungsumgebungen: Sie reagiert aufmerksam auf die vom Kind verfolgten Themen, sie ergänzt und bereichert die frühkindliche Welterkundung durch neue Impulse. Sie ist präsent, beobachtet, unterstützt und schützt – ohne dabei für das Kind selbst zu handeln. Jedes unreflektierte Eingreifen kann den Bildungsprozess des Kindes durchbrechen und stören. Es ist daher wichtig, die Interaktion mit dem Kind behutsam zu gestalten und Kindern dabei zu ermöglichen, selbst Lösungen zu erarbeiten und Erfolge als eigene Leistung und Kompetenzsteigerung zu sehen.“


Bildungsziele, Grundprinzipien und methodische Aspekte

In der Folge werden in den Handlungsempfehlungen dann die Bildungsziele für die Kinder bis drei in zehn verschiedenen Lernbereichen und Erfahrungsfeldern ausgeführt  - von der grundlegenden sinnlichen Wahrnehmung als „Eingangstor für Welterfahrung“ über die emotionale Entwicklung und das soziale Lernen bis zu den kognitiven Fähigkeiten oder der Sprache und Kommunikation. Da das Kind „Akteur seiner Entwicklung“ sei, sollte aber immer berücksichtigt werden, dass weder die Eltern noch die pädagogischen Fachkräfte Entwicklungsschritte herbeiführen können, zu denen das Kind noch nicht bereit ist: „Individuelle Unterschiede in der frühkindlichen Entwicklung sind normal und müssen in der pädagogischen Arbeit berücksichtigt werden. Es ist wichtig, Kindern für ihre Bildungswege und Entwicklungsaufgabe Zeit zu lassen.“ (S. 17) Zusammen mit den jeweiligen Anregungen zur Reflexion bieten die einzelnen Kapitel zu den Bildungszielen wertvolle Grundlagenkenntnisse und Praxisanregungen für die Umsetzung dieser Bildungsziele.

Weiter konkretisiert wird die Arbeit in der Krippe dann im 3. Kapitel der Handlungsempfehlungen. Hier rücken zum einen Grundprinzipien und methodische Aspekte der Arbeit mit Kindern unter drei in den Fokus – von der Strukturierung des Tagesablaufs über die Einrichtung einer anregenden Lernumgebung und die Beobachtung und Dokumentation bis hin zur Elternarbeit und Zusammenarbeit im Team. Näher beleuchtet wird hier aber insbesondere auch die Förderung von Erziehungs- und Bildungsprozessen der Kinder im Alltagsgeschehen der Krippe durch Interaktionen zwischen Pädagogischer Fachkraft und dem Kind – z.B. in Pflegesituationen – oder in der Gruppe. Herausgehoben wird hier auch erfreulicherweise das Spiel als „elementare Lernform von Kindern“ (S. 44).

Abgerundet werden die Handlungsempfehlungen schließlich durch ein Kapitel zur Qualitätsentwicklung und –sicherung. Ziel müsse es dabei sein, die pädagogische Arbeit auf dem aktuellen Stand des Fachwissens, mit hohem Engagement und einer positiven Haltung zu gestalten. Erfolgversprechende Qualitätsentwicklung könne dabei aber „nur im Dialog auf den Weg gebracht und evaluiert werden. Reflexion und Evaluation müssen das Selbstwertgefühl und die Professionalität der Fachkraft stärken, ihre geleistete Arbeit würdigen und Ansporn für weitere Verbesserungen sein. Es geht darum, in einem offenen und konstruktiven Dialog zu erörtern, was sich aus welchen Gründen bewährt hat und bei welchen eingefahrenen Routinen oder institutionellen Zwängen Veränderungsbedarf gesehen wird.“ (S. 61)

 
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