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nachdenklicher Junge an einem Schrottauto

Die armen Kinder

Hilde von Balluseck

25.03.2009 Kommentare (0)

Trübe Aussichten für Berlin, wenn wir dem scheidenden Finanzsenator Thilo Sarrazin glauben.

Sarrazin wies - sozusagen zum Abschied von der Hauptstadt, denn er geht zur Bundesbank - darauf hin, dass die Sozialstruktur Berlins sich von Jahr zu Jahr verschlechtert habe. Berlin hat doppelt so viele Empfänger von Sozialleistungen wie im Bundesdurchschnitt. Besonders Besorgnis erregend sind die hohen Anteile von Minderjährigen, die ALG-II beziehen: 35,5 %, bei den Kindern unter 8 sind es sogar 39,7, die - über ihre Eltern - auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Scharfe Kritik übte Sarrazin an der Arbeit in den Berliner Kitas, deren Bildungsarbeit unzureichend sei: „Die Berliner Kita ist nicht bildungsorientiert aufgestellt, obwohl wir den bundesweit höchsten Personaleinsatz haben [...]. Zum Beispiel wird viel zu wenig vorgelesen und zu wenig gesungen - schon gar nicht auswendig“ (Quelle: Berliner Zeitung, 17.3.09, S. 23).

Es ist nicht verwunderlich, dass sich daraufhin die „Erzieherinnen im Sarrazin-Schock“ (Überschrift der taz am 21.3.2009, S. 28) befanden. Marina Castello, pädagogische Geschäftsleiterin des Kita-Eigentbetriebes Süd-West sprach von einer „Ohrfeige für alle Erzieherinnen“ und wies darauf hin, dass vorhandene Studien durchaus einen positiven Effekt der Kita-Erziehung und -Bildung nachweisen.

Vielleicht liegt es ja an Herrn Sarrazin selbst, dass die Situation noch nicht ganz den Erwartungen entspricht. Denn während Sarrazins Amtszeit sind die Anforderungen an die ErzieherInnen ständig gestiegen, ihre Zahl hat sich jedoch von 15.000 auf 13.500 verringert. Und während bei Sarrazins Amtsantritt noch eine Erzieherin für 16 Kinder zuständig war, ist sie heute für 21 verantwortlich.

Die Wohlfahrtsverbände - und nicht nur sie - weisen daher immer wieder darauf hin, dass die Arbeitsbedingungen in der Kita verbessert werden müssen, weil „Bildung die einzige Chance ist, die Kinder und Jugendliche nachhaltig vor Armut bewahren kann“ (Elfie Witten vom Paritätischen Wohlfahrtsverband im gleichen Artikel der taz).

siehe auch: Be­rufs­po­li­tik » Aktuelle Konflikte

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