mehrere Kinder

Die Jagd nach einem Kita-Platz

Hilde von Balluseck

18.05.2014 Kommentare (0)

Auch in Berlin ist es noch schwierig, für ein einjähriges Kind einen Kita-Platz zu bekommen. Dabei werden Auswahlprozesse angewandt, die viele Kitas in einem befremdlichen Licht, und die Eltern als demütige Bittsteller erscheinen lassen.

Katharina und Thomas Klemm (Name geändert) bekamen im September letzten Jahres ihr erstes Kind. Beide wollen (und müssen!) ihre Berufstätigkeit im August 2014 wieder volll aufnehmen. Als Niko drei Tage alt ist, beginnt die Suche des Paars nach einem Kita-Platz, der ihnen gesetzlich nach dem ersten Geburtstag ihres Kindes zusteht. Sie hatten also, so dachten sie, viel Zeit und ließen sich bei mehreren Kitas auf die Warteliste setzen. Aber niemand meldete sich bei ihnen. Bis sie dann hörten, welchen Einsatz andere Eltern leisteten, um angenommen zu werden.,"Viele haben Weihnachtskarten an die Kindergärten geschrieben, manche Gebäck vorbeigebracht."

Einige Kitas laden die BewerberInnen zu Elternsprechtagen ein. Die Klemms werden von anderen Eltern durch die Räume geführt und tragen sich wieder in eine Liste ein. "'„Sind Sie alleinerziehend?“, fragt eine Kindergärtnerin. 'Mein Mann muss arbeiten', antwortet Frau Klemm. 'Das ist sehr schade', sagt die Angestellte. 'Wir wissen gern, mit wem wir es zu tun haben.' " Die Kitas, insbesondere die der Elterninitiativen, bestimmen, wen sie aufnehmen. Und wenn es sich um einen vegetarischen Kindergarten in der Nähe des Elternwohnortes handelt, dann reicht es nicht, dass die Eltern die vegetarische Ernährung ihres Kindes in der Kita akzeptieren, sie müssen auch selbst Vegetarier sein. 

Frau Klemm fängt an, Geschenke für die Kitas zu basteln, bei denen sie und ihr Mann sich beworben haben. Die Geschenke werden angenommen, aber einen Kita-Platz für Niko bekommen sie trotzdem nicht. Sogar zur Gartenarbeit hat sich das Ehepaar Klemm breit schlagen lassen. Eine Kita hatte dazu eingeladen - aber wieder war die Hoffnung, dafür einen Kita-Platz zu erhalten, vergeblich. Im Bewerbungsfragebogen einer Kita werden die Eltern gefragt, was SIE denn besonders gut könnten: Backen, Musizieren oder Renovieren.

Dabei wollen die Klemms doch bloß ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen und nicht noch in der Kita arbeiten müssen.

Ganz offenbar haben Kita-Leitungen inzwischen eine Machtstellung, die Eltern zum Kriechgang zwingt. Und dabei sollen doch die Kinder zum aufrechten Gang erzogen werden, oder?

Die Machtposition der Kitas ist schwer begreifen angesichts eines Überangebots an 5000 Plätzen in Berlin. Aber die befinden sich wahrscheinlich nicht in den Bezirken, in denen es einen Mangel zu verwalten gibt.

Alle Zitate und Angaben zur Familie Klemm aus dem Artikel "Backe, backe Kuchen" von Maris Hubschmid im heutigen Tagesspiegel, S. 8. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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