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DJI untersucht Einstellungswandel zur Kinderbetreuung

In den letzten 20 Jahren verzehnfachte sich die Betreuungsquote in Westdeutschland und auch in Ostdeutschland stieg sie nochmals deutlich an. Aber wie entwickelte sich die gesellschaftliche Wahrnehmung der institutionellen Betreuung von Kindern unter drei Jahren? Dies untersucht ein von der DFG gefördertes Forschungsprojekt, das am Deutschen Jugendinstitut e.V. (DJI) durchgeführt wird. 

Die institutionelle Betreuung von Kindern unter drei Jahren ist in Deutschland seit der Jahrtausendwende in enormem Tempo ausgebaut worden. In Westdeutschland verzehnfachte sich die Betreuungsquote seither; sie stieg von 2,8 Prozent (2002) auf 30,3 Prozent (2019). Selbst in Ostdeutschland, das seit DDR-Zeiten über eine lange Tradition der Krippenbetreuung verfügt, stieg die Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren nochmals von 36,7 Prozent (2002) auf 52,1 Prozent (2019). Doch wie wurde die Kinderkrippe innerhalb weniger Jahrzehnte von einer in Westdeutschland marginalen Institution für Kinder aus benachteiligten Familien zu einem häufig als bildungsrelevant betrachteten Ort des Aufwachsens?

Von einer marginalen Institution zu einem bildungsrelevanten Ort des Aufwachsens

Diese Frage wird ein Forschungsprojekt des Deutschen Jugendinstituts (DJI) untersuchen, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Die geplante Studie knüpft an Forschungsergebnisse des DJI-Wissenschaftlers Dr. Felix Berth an, die nun unter dem Titel „Vom Argwohn zur Akzeptanz. Der Wandel der Einstellungen zu nicht-mütterlicher Kinderbetreuung in Deutschland“ in der Zeitschrift Diskurs Kindheits- und Jugendforschung erschienen sind.

Berth verglich im Rahmen einer Sekundäranalyse Befragungsergebnisse des International Social Survey Programme aus den Jahren 1988 bis 2012. Demnach reduzierten sich die Vorbehalte gegenüber nicht-mütterlicher Kinderbetreuung in Westdeutschland deutlich: Während im Jahr 1988 noch 72 Prozent aller Befragten meinten, Kinder im Vorschulalter würden leiden, wenn sie nicht ausschließlich von ihren Müttern betreut würden, taten dies im Jahr 2012 nur noch 38 Prozent. In Ostdeutschland sank der Anteil der Skeptikerinnen und Skeptiker von 34 Prozent (1994) auf 17 Prozent (2012).

Einstellungswandel zu nicht-mütterlicher Kinderbetreuung in West und Ost

„In weniger als einem Vierteljahrhundert ist aus der westdeutsch-familialistischen Grundeinstellung, Kinder würden durch frühe institutionelle Betreuung Schaden nehmen, die Meinung einer Minderheit geworden“, bilanziert der Erziehungswissenschaftler. Dies trifft interessanterweise nicht nur auf jüngere Menschen zu, sondern auch auf ältere, die längst in Rente sind und deshalb keine eigenen Erwerbsinteressen mehr verfolgen. Gerade deshalb erscheint es für Berth plausibel, den Einstellungswandel mit den phasenweise sehr intensiven gesellschaftlichen Debatten über Kitas und Kinderbetreuung zu erklären. Daneben könnten auch persönliche Erfahrungen zur Einstellungsänderung beigetragen haben – etwa wenn Großeltern beobachten mussten, dass ihre hoch qualifizierten Töchter keine Jobs annehmen konnten, weil es für deren Kinder keine Kita-Plätze gab.

Diese Entwicklungen soll nun ein von der DFG gefördertes Projekt genauer analysieren. Berth will in dem dreijährigen Projekt, das voraussichtlich im Mai 2020 startet, gemeinsam mit mehreren Mitarbeitenden zwei Forschungsperspektiven verbinden: Zum einen soll noch genauer, umfassender und mit aktuelleren Daten beobachtet werden, wie sich Einstellungen in der Bevölkerung zu Fragen der außerfamilialen Kinderbetreuung langfristig wandelten; zum anderen sollen Veränderungen in massenmedialen sowie erziehungswissenschaftlichen Debatten über Kleinkindbetreuung – wiederum im Längsschnitt – analysiert werden.

Quelle: Deutsches Jugendinstitut e.V.

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