Team

Ein internationales Netzwerk aufbauen – als Kita-Fachkraft über den Tellerrand schauen

Die frühkindliche Bildung steht vor Herausforderungen, die nicht an Landesgrenzen enden. Fachkräftemangel, Inklusion, Digitalisierung und Mehrsprachigkeit beschäftigen pädagogische Fachkräfte weltweit. Wer sich international vernetzt, gewinnt neue Perspektiven für die eigene Arbeit – und muss dafür nicht einmal das Land verlassen.

Warum internationaler Austausch für Kita-Fachkräfte wichtig ist

In der OECD-Fachkräftebefragung TALIS Starting Strong, an der über 15.000 pädagogische Fachkräfte und 3.000 Leitungskräfte aus neun Ländern teilgenommen haben, wurde deutlich, wie unterschiedlich frühkindliche Bildung international organisiert ist – von der Ausbildung über die Fachkraft-Kind-Relation bis hin zu pädagogischen Konzepten. Gerade dieser Blick über den Tellerrand macht internationalen Austausch so wertvoll: Andere Länder stehen vor ähnlichen Herausforderungen, haben aber mitunter völlig andere Lösungsansätze entwickelt.

Wer beispielsweise erfahren möchte, wie dänische Einrichtungen das Konzept der offenen Arbeit leben, wie japanische Kitas Selbstständigkeit fördern oder wie skandinavische Teams mit dem Thema Fachkräftemangel umgehen, muss heute nicht mehr auf teure Kongressreisen warten. Das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich niedrigschwellig und kostenfrei zu vernetzen.

Plattformen und Wege für die internationale Vernetzung

Der einfachste Einstieg führt über soziale Netzwerke. Auf LinkedIn haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Gruppen rund um Early Childhood Education etabliert, in denen Fachkräfte aus aller Welt Praxisbeispiele, Forschungsergebnisse und Erfahrungsberichte teilen. Auch auf Facebook gibt es internationale Fachgruppen, die sich mit spezifischen pädagogischen Ansätzen befassen – von Reggio-Pädagogik bis Montessori.

Wer den Austausch systematischer angehen möchte, findet bei Erasmus+ ein bewährtes Förderprogramm der Europäischen Union. Über sogenannte Leitaktionen können Kita-Teams Hospitationen und Fortbildungen im europäischen Ausland durchführen – vollständig über Pauschalbeträge finanziert. Die Antragstellung erfolgt über den Träger der Einrichtung und ist weniger kompliziert, als viele annehmen. Auch das eTwinning-Netzwerk, das inzwischen Teil der europäischen Schulbildungsplattform ist, bietet Möglichkeiten für den digitalen Austausch zwischen Einrichtungen verschiedener Länder.

Darüber hinaus veranstalten Organisationen wie die ISSA (International Step by Step Association) oder das OECD-Netzwerk für frühkindliche Bildung regelmäßig Webinare und Online-Konferenzen, an denen pädagogische Fachkräfte kostenfrei teilnehmen können.

Digitale Kompetenz als Voraussetzung

Internationaler Austausch findet heute überwiegend digital statt – und das erfordert ein gewisses Maß an technischem Grundwissen. Viele Fachkräfte nutzen für die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen im Ausland Plattformen wie Zoom, Microsoft Teams oder Slack. Dabei werden nicht selten auch berufliche Dokumente, pädagogische Konzepte oder Fotos aus dem Kita-Alltag geteilt.

Gerade wenn Sie regelmäßig über öffentliche WLAN-Netzwerke auf solche Plattformen zugreifen – etwa bei Fortbildungen, auf Reisen oder in Coworking Spaces – sollten Sie sich mit dem Thema Datensicherheit auseinandersetzen. Dabei hilft es zu verstehen, was ein VPN ist und wie eine verschlüsselte Verbindung sensible Daten in offenen Netzwerken schützt. Denn wer internationale Kontakte pflegt und dabei Informationen aus dem beruflichen Kontext austauscht, trägt auch die Verantwortung, diese angemessen zu schützen.

Sprachbarrieren überwinden

Viele Kita-Fachkräfte zögern beim internationalen Austausch, weil sie unsicher sind, ob ihre Englischkenntnisse ausreichen. Diese Sorge ist verständlich, in der Praxis aber selten ein echtes Hindernis. Die meisten internationalen Fachgruppen sind geprägt von einer offenen Atmosphäre, in der es um Inhalte geht, nicht um perfekte Grammatik. Zudem lassen sich Übersetzungstools wie DeepL mittlerweile problemlos einsetzen, um Texte zu verfassen oder Beiträge anderer zu verstehen.

Wer im deutschsprachigen Raum bleiben möchte, findet auch in Österreich und der Schweiz spannende Kooperationspartner. Die Bildungssysteme im Elementarbereich unterscheiden sich teilweise erheblich, und der Austausch über Ländergrenzen hinweg kann bereits innerhalb des DACH-Raums bereichernd sein.

Fazit

Internationaler Austausch ist kein Luxus für große Träger oder akademische Einrichtungen. Auch Fachkräfte in kleinen Kitas können von internationalen Impulsen profitieren – sei es durch eine LinkedIn-Gruppe, ein Erasmus+-Projekt oder ein OECD-Webinar. Der Schlüssel liegt darin, den ersten Schritt zu machen. Denn die Herausforderungen der frühkindlichen Bildung sind international, und die besten Lösungen entstehen oft im Austausch mit Menschen, die eine andere Perspektive einbringen.

Ihre Meinung ist gefragt!

Diskutieren Sie über diesen Beitrag.

Kommentare (1)

Armin Krenz 01 Juli 2026, 16:22

Der Forderung, ein internationales Netzwerk aufzubauen, an dem gerade auch Kita-Fachkräfte aktiv teilnehmen, kann und muss zugleich uneingeschränkt zugestimmt werden. Entscheidend ist dabei die intrinsische Motivation der Kita-Fachkräfte, aktiv mitzuwirken zu wollen, sich mit authentischem Engagement einzubringen, denn meine jahrzehntelange Erfahrung bei Teamentwicklungsbegleitungen, Supervisionssitzungen und Coachings hat mir häufig gezeigt, dass Verbesserungs(an)forderungen eher verbal an übergeordnete Stellen delegiert wurden ("Der Träger müsste ..."/ "Das Bildungsministerium sollte endlich ..."/ Die Landespolitik muss endlich ..." , ohne eigene Aktivitäten zu entdecken, selbst eine Mitverantwortung zu übernehmen und in Gang zu setzen. Nur wenn auch direkt Betroffene, also Kita-Fachkräfte - als Fürsprecher:innen und Anwält:innen der Kinder - mögliche Vernetzungen wahrnehmen, um sowohl Entwicklungsrechte für Kinder als auch nachhaltige Qualitätsmerkmale für eine qualitätsgeprägte Elementarpädagogik zu verdeutlichen und an deren Umsetzung mitzuarbeiten, ist eine dringend angesagte Qualitätsverbesserung in der Kita-Pädagogik von Erfolg gekrönt. Das bedeutet sicherlich ein Mehr an Arbeit - gleichzeitig ist es eine sozial-/gesellschaftspolitische, aufgabengestellte Anforderung und Chance in einer demokratischen Gesellschaft. An dieser Stelle seien zwei Zitate erlaubt: (1) " „Der Mensch ist nicht nur verantwortlich für das, was er tut, sondern auch für das, was er nicht tut.“ (Jean-Paul Sartre) (2) "Damit das Böse triumphiert, genügt es, dass gute Menschen nichts tun.“ (Edmund Burke). // Armin Krenz, Prof. h.c. Dr. h.c., Hon.Prof. (a.D) et Wissenschaftsdozent für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik

Kommentar schreiben




Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.





Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.