mehrere Kinder

Entwurf einer Verordnung zur Gewährleistung der Kindertagesbetreuung für geflüchtete Kinder

06.04.2022 Kommentare (0)

Folgende Fragen stellen wir uns in Bezug auf den Entwurf einer Verordnung zur Gewährleistung der Kindertagesbetreuung für geflüchtete Kinder:

  • Was passiert mit den Kindern, welche aufgenommen wurden, wenn der 31.07.2022 abgelaufen ist? Müssen die Kinder die Einrichtungen erneut verlassen oder werden sie über den 31.07.2022 hinaus als zusätzliches Kind in der Gruppe geführt?
  • Aus der DVO wird für uns nicht ersichtlich, welche Aufnahmekriterien oder Prioritäten an der Aufnahme eines Kindes aus der Ukraine gebunden sind. Wie wird sichergestellt, dass in der Einrichtung ein Kind, welches aus der Ukraine kommt, aufgenommen wird und nicht eines der Kinder, welches seit 2 Jahren auf einen Kitaplatz wartet?

Unserer Auffassung nach verstößt die DVO gegen die Aufsichts- und Fürsorgepflicht nach BGB. Die Familien, Kinder und Fachkräfte sind bereits an ihre Grenzen gekommen. Viele Kitas arbeiten in Notbetreuung, vakante Stellen werden nicht besetzt, der Fachkräftemangel ist enorm.

Wir sehen eine Notwendigkeit hinter der Aufnahme der Kinder, allerdings wird das System Kita und die Familien hier erneut massiv mit weiteren Problemen konfrontiert. Bereits in unserer Pressemitteilung vom 25.03.2022 wiesen wir auf die Problematik in den Kitas hin. Die Abwanderung der Fachkräfte wird durch diese Maßnahme verstärkt. Wir benötigen langfristige Lösungen für die Kinder, wir sind dazu verpflichtet das Kindeswohl im Fokus zu haben.

Weiterhin wird nicht ersichtlich, welche Möglichkeiten die Fachkräfte und Familien bekommen, um die erlebten Erfahrungen zu verarbeiten. Die Kinder und Familien benötigen dringend eine Trauma Bewältigung und bei Anwendung der DVO eine adäquate Unterstützung in der Einrichtung. Es müssen Zeitressourcen geschaffen werden, damit die Fachkräfte die Möglichkeit bekommen sich auf die Situation vorzubereiten.

Seit Jahren fordern die Fachkräfte und Verbände die Veränderung des Fachkraft-Kind- Schlüssels. So wurde es auch erneut im Ländermonitoring der Bertelsmann-Stiftung festgestellt. Die Einrichtungen haben massive Ausfälle durch die Pandemie und die Abwanderung der Fachkräfte. Es ist nicht zumutbar nun die Mindestanforderungen auszusetzen.

In diesem Rahmen werden die Belange der Kinder außer Acht gelassen. Die Kinder benötigen Geborgenheit und Sicherheit. Dies finden sie nicht in einer so großen Gruppe, in einem fremden Land, bei Menschen die nicht ihre Sprache sprechen, kurz nachdem sie vor dem Krieg geflohen sind, ihre Väter in ihrer Heimat zurücklassen mussten, ihr Hab und Gut verloren haben. Das System Kita ist in der Ukraine ganz anders zu bewerten, als in unserer Kultur und daher gilt es umso mehr behutsam mit den Familien und den Kindern umzugehen. Doch dafür benötigt es eine langfristige Strategie und finanzielle Unterstützung.

Weiterhin erschließt sich nicht, wie mit den Familien, welche seit längerem keinen Kitaplatz bekommen umzugehen ist. Hier besteht leider die Gefahr einer Klagewelle. Schließlich ist nicht außer Acht zu lassen, dass ALLE Kinder über 3 Jahre einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz haben und ALLE Kinder auch das Recht auf eine angemessene Förderung haben. Wie erklären Sie einer Mutter, die von Hartz4 leben muss, da sie auf Grund von Kitaplatzengpässen seit Monaten auf einen Platz wartet und somit nicht dem Arbeitsplatz zur Verfügung steht, dass sie weiterhin keinen Platz bekommt? Vielerorts gibt es Wartelisten für Kinder mit einem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Doch die Kommunen können diese nicht bedienen, da es keine Kapazitäten gibt.

Sollte dieses Vorhaben tatsächlich in der Form umgesetzt werden, so kommt die Frage hinzu, wie die Situation in den ländlichen Ballungsgebieten sich darstellt. Wie können diese Kinder zu den Einrichtungen kommen? Welche Lösungsansätze werden hier bereitgestellt, damit diese Kinder die Möglichkeit der Integration bekommen? Die Familien besitzen keine Autos und der ÖPNV ist meist nur unzureichend. Es sollte auch bedacht werden, dass sich der Rechtsanspruch über eine sechs Stündige Betreuung erstrecken sollte, wie im Beschluss vom 15.12.2021 vom 10. Senat vorgesehen ist.

Insgesamt ist eine gewisse Bereitschaft der Fachkräfte da, aber in dieser Debatte dürfen und müssen wir die anderen Kinder aus den Gruppen nicht vergessen. Ein Kind mehr in den Gruppen macht auch mit diesen Kindern etwas. Sie müssen ihre Ansprüche hinunter schrauben, da die Fachkräfte noch weniger Zeit haben. Zeit ist in der jetzigen Situation ein hohes Gut und davon wird mehr benötigt, um die Kinder in adäquater Art und Weise aufzufangen.

Wir lehnen den Vorschlag die Kitaplätze kurzfristig zum 01.04.2022 um ein oder zwei Plätze zu erhöhen, wie von einzelnen Parteien des Landtages gefordert, ab. Das System ist mehr als sonst durch die Pandemie und dem massiven Personalwandel und Personalmangel an seiner Belastungsgrenze angekommen. Vielerorts werden Gruppen oder Kitas geschlossen, da sie die Betreuung der Kinder nicht mehr gewährleisten können und das Personal abwandert. Hier gilt es jetzt mittel- bis langfristige Perspektiven zu schaffen. Dazu muss das System Bildung neu bewertet werden und es müssen die Ihnen bekannten Studien der Bertelsmann-Stiftung hinzugezogen werden. Weiterhin muss dafür eine Finanzierungsmöglichkeit geschaffen werden, damit nicht die gleichen Probleme wie in der Flüchtlingspolitik 2015 entstehen.

Wir möchten uns bedanken, dass wir dazu eine Stellungnahme abgeben dürfen und sind gerne dabei, wenn es um die Ausarbeitung weiterer Pläne geht.

Quelle: KiTa Fachkräfteverband Niedersachsen - Bremen

 

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