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Fachtag für Fachberater/-innen und pädagogische Fachkräfte

15.10.2020 Kommentare (0)

Am 4. Dezember 2020 findet die hybride Fachtagung „Kinderschutz und Kinderrechte - gemeinsam von der Theorie zur Praxis“ in Berlin statt. Dort werden die vielfältigen Zusammenhänge von Kinderschutz und Kinderrechten in den Blick genommen. Thematische Inputs von Claudia Kittel, Leiterin der Abteilung Kinderrechte des Deutschen Instituts für Menschenrechte, und Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, eröffnen die Diskussion. In Workshops werden praktische Bezüge für die beiden Arbeitsfelder Kindertagespflege und Kita hergestellt.

Jedes Kind hat das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung – das legt das BGB in §1631 fest. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind demnach unzulässig (vgl. § 1631, Abs. 2 BGB). Dieses Recht eines jeden Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung und das Recht auf Beteiligung sind untrennbar miteinander verwoben. Das ist in der UN-Kinderrechtskonvention angelegt: Darin stützen Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte gleichermaßen das Kindeswohl. Auch bei  der Novellierung des Kinderschutzgeset-zes in 2012 wurde festgeschrieben, dass  Kinder in allen sie betreffenden Entscheidungen der Jugendhilfe zu beteiligen sind (§8 SGB VIII). Im Kinderrechtsartikel der EU-Grundrechtecharta  (Art. 24) werden Schutz und Beteiligung im ersten Absatz genannt: „Kinder haben Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge, die für ihr Wohlergehen notwendig sind. Sie können ihre Meinung frei äußern. Ihre Meinung wird in den Angelegenheiten, die sie betreffen, in einer ihrem Alter und ihrem Reifegrad entsprechenden Weise berücksichtigt.“

Was in der Theorie gut zusammen passt, macht in der Praxis durchaus Probleme: Wie lassen sich Beteiligung und Kinderschutz praktisch zusammendenken? Wie können Erwachsene sichergehen, dass Kinder nichts entscheiden, was sie später bereuen werden? Endet  Partizipation an der nächsten Straßenecke? Wie können Beschwerdeverfahren so gestaltet werden, dass Kinder sich auch gegen übergriffiges Verhalten wehren können?

Auf dem Fachtag am 4. Dezember werden die vielfältigen Zusammenhänge von Kinderschutz und Kinderrechten in den Blick genommen. Thematische Inputs von Claudia Kittel, Leiterin der Abteilung Kinderrechte des Deutschen Instituts für Menschenrechte, und von Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, werden den Tag – und die Diskussion – eröffnen.  In der Workshop-Phase werden praktische Bezüge für die beiden Arbeitsfelder Kindertagespflege und Kita hergestellt.

Diese Veranstaltung wird in Kooperation von dem Arbeiterwohlfahrt Bundesverband, dem Bundesverband für Kindertagespflege und der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutsch- land durchgeführt. Sie findet im Rahmen des Begleitprojekts „Demokratie und  Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“ statt.

Programm

  • 09.00 Uhr Ankommen und Auftakt
  • 10.00 Uhr Begrüßung: Prof. Dr. Jens M. Schubert, Geschäftsführer AWO Bundesverband
  • 10.15 Uhr „Kinderrechte sichern“, Claudia Kittel, Deutsches Institut für Menschenrechte
  • 12.30 Uhr „Theorie und Praxis des Kinderschutzes in Kita und Kindertagespflege“, Prof. Dr. Jörg Maywald, Deutsche Liga für das Kind Mittagspause

Workshop-Phase ab 13.30 Uhr

  • A) Kinderschutz in der Kindertagespflege, Heike Depprich, Dr.Teresa Lehmann,
  • B) Beschwerdeverfahren in der Kita, Vera Katona
  • C) Bewusste Privilegien? Privileg-Bewusstsein? Goska Soluch
  • D) Geschlechtervielfalt als Thema inklusiver Pädagogik in der Kita, Stephanie Nordt
  • 15.15 Uhr Gallery Walk
  • 15.30 Uhr Ende der Veranstaltung

Die Workshops

Kinderschutz in der Kindertagespflege

Kindertagespflegepersonen sind wichtige Akteure für den Kinderschutz. Durch die enge Bindung an die von ihnen betreuten Kinder und deren Familien sind sie die ersten außenstehenden Personen, die eine Kindeswohlgefährdung erkennen können. Doch die Anzeichen einer Gefährdung des Kindeswohls sind oft nicht eindeutig. In diesem Workshop wird es darum gehen,  wie Fachberater/-innen Kindertagespflegepersonen dabei unterstützen können, die notwendigen Kompetenzen für die Wahrnehmung, Beurteilung und das Handeln bei Kindeswohlgefährdung zu erwerben und zu vertiefen.

Heike Depprich arbeitet als Fachdienstleitung Frühe Hilfen und Kindertagespflege. Sie ist Präventionsfachkraft,  Fachberatung und beratende Fallkoordinatorin im Bereich Kinderschutz und Prävention für den Caritasverband Hagen e.V. Dr. Teresa Lehmann ist wissenschaftliche Referentin im Projekt "Demokratie und Partizipation in der Kindertagespflege" beim Bundesverband für Kindertagespflege.

Beschwerdeverfahren in der Kita

Beschwerden bieten ein Chance, wertvolle Rückmeldungen zu erhalten und damit neue Sichtweisen auf die eigene Arbeit und die Wirkung auf andere Menschen zu gewinnen. Kinder haben vielfältige Aus- drucksweisen, um sich zu beschweren. Die auf vielfältige Weise vorgebrachten Unmutsäußerungen – z.B. weinen oder aggressives Verhalten, nicht essen wollen oder sich vor den ErzieherInnen zu verstecken – können nur bearbeitet werden, wenn die Fachkräfte sie wahrnehmen und als Beschwerden interpretieren. Kinder können sich nur dann wirkungsvoll be-
 
schweren, wenn sie genau wissen, wo und bei wem sie das tun können. Das Beschwe- ren muss also gelernt werden. Über die Fallbeispiele und kollegialen Austausch werden die Optionen für die eigne Praxis reflektiert.

Vera Katona leitet das Projekt ATID der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland zur Förderung der Demo- kratiebildung in jüdischen Kindertages- stätten.

Bewusste Privilegien? Privileg-Bewusstsein?

Durch die Projekte „DEVI - Demokratie, das sind wir alle. Vielfalt, das sind wir alle. Demokratie und Vielfalt fördern - Diskriminierungen  und  Barrieren abbauen“ (2017-2019) und „Kivobe – Kindern vorurteilsbewusst begegnen“ (2017-2020) des AWO Bundesverbandes e.V. wurden Ein-richtungen der Kindertagesbetreuung  rund um das Thema Demokratieentwicklung  und  Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung begleitet. Unsere wesentliche Erkenntnis ist, dass es für die Umsetzung von demokratischen, partizipativen Prozessen in den Einrichtungen eine offe- ne, selbstreflexive und vorurteilsbewusste Haltung der Fachkräfte, ein Handlungsrepertoire für den Umgang mit Gemeinsam- keiten und Unterschieden sowie partizi- pative Gestaltung der Praxis von großer Bedeutung ist. Aus diesen Erfahrungen entstand das Curriculum „Was Qualität in der Kindertagesbetreuung ausmacht – selbstreflexive und vorurteilsbewusste Demokratieentwicklung“ für pädagogische Fachkräfte.

In diesem Workshop werden Methode(n) aus dem Curriculum zu den Themen Privilegien sowie Kinderschutz und Kinderrechte vorgestellt, die sowohl die eigene Haltung als auch das methodische Können erweitern und unterstützen.

Goska Soluch ist Mediatorin und Bildungsreferentin für Inklusion, Partizipation und vorurteilsbewusste Pädagogik.

Geschlechtervielfalt als Thema inklusiver Pädagogik in der Kita

Eine inklusive Pädagogik zielt darauf ab, alle Kinder in ihrer Vielfältigkeit wahrzunehmen, individuell zu unterstützen, zu beteiligen und vor Diskriminierung zu schützen. Dies ist besonders wichtig für Kinder, die aufgrund ihrer Identitätsaspekte gefährdet sind, Diskriminierung und Ausgrenzung zu erleben.

In diesem Workshop erhalten die Teilnehmenden Basisinformationen zu Geschlechtervielfalt und zur Relevanz des Themas für die frühkindliche Bildung. Sie erhalten Impulse zur Reflexion der eigenen Haltung und praxisbezogene Empfehlungen, wie sie junge Kinder in ihrer Identität unterstützen und vor Diskriminierung schützen können - insbesondere diejenigen, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität, ihres Geschlechtsausdrucks, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Familienform mitunter schon in der Kita auf (heteronormative) Barrieren stoßen. Stephanie Nordt ist Bildungsreferentin bei Queerformat Fachstelle Queere Bildung und Multiplikatorin für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung bei der Fachstelle Kinderwelten.

Anmeldung

Datum der Fachtagung: 04. Dezember 2020, 09:00 - 16:00 Uhr
Ort: Jugendherberge Berlin Ostkreuz, Marktstraße 9-12, 10317 Berlin

Die Anmeldung erfolgt online. Anmeldeschluss: 02. November 2020.

Die Vorträge werden auch digital als Livestream zugänglich sein.

Über das Projekt

Das Projekt "Demokratie stärken. Vielfalt gestalten." verfolgt das Ziel, demokratiefördernde, partizipative Ansätze im Arbeitsfeld der Kindetagesbetreuung zu verbreiten und nachhaltig zu sichern. Durch eine enge inhaltiche Verknüpfung mit dem AWO-Projekt "Kindern vorurteilsbewusst begegnen" und einem daraus entstandenen Fortbildungscurriculum, sollen die Themenbereiche Haltung, Vorurteilsbewusstsein sowie Demokratie, Partizipation und Vielfalt enger miteinander in Verbindung gebracht werden.

Quelle: DEVI - Demokratie stärken. Vielfalt gestalten c/o Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V.

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