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Fachtagung Prävention im Kita-Alltag - Motivierende Elternarbeit auf Augenhöhe

29.06.2018 Kommentare (0)

Schon kleine Anzeichen wie verspätetes Bringen und Abholen, Chips und Süßigkeiten in der Brotdose, zu dünne oder zu warme Kleidung, mangelnde Körperhygiene können für pädagogische Fachkräfte in Krippen und Kindertagesstätten Hinweise dafür sein, dass es in manchen Familien nicht „rund läuft“. Oft müssen Erzieherinnen und Erzieher darauf reagieren, das Gespräch mit den Eltern suchen und diese zu Veränderungen motivieren. Wie kann eine Zusammenarbeit von Eltern und Kita gelingen, ohne Druck, hartnäckige Blockaden und Konflikte auszulösen? Darüber haben sich am Dienstag in Hannover Fachkräfte aus Pädagogik und Sozialarbeit mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis auseinandergesetzt.

Die konstruktive Elternarbeit ist ein wesentlicher Baustein für eine gute frühkindliche Entwicklung. Dieser Qualitätsaspekt geht in der aktuellen Diskussion um Beitragsfreiheit, Personalschlüssel und Bildungsinhalte weitgehend unter – obwohl die Kommunikation mit Müttern und Vätern grundsätzlich ein sensibles Thema ist: Die Erziehungsberechtigung liegt bei den Eltern. Die Verantwortung für eine zunehmend anspruchsvolle frühkindliche Bildung ist in den vergangenen 15 Jahren weitgehend an die Betreuungseinrichtungen delegiert worden. „Um Kinder bestmöglich zu fördern, sollten sich Eltern und pädagogische Fachkräfte als Verbündete bei der Erziehung und Bildung der Kinder verstehen. Idealerweise entwickeln und verfolgen sie gemeinsame Erziehungs- und Entwicklungsziele“, sagt Dominika Lachowicz, Referentin für Suchtprävention bei der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS). Sie hatte zur Fachtagung „Prävention im Kita-Alltag“ eingeladen.

Motivierende Kurzinterventionen
Neben Hintergrundwissen und Impulsen zur praktischen Arbeit stand das bundesweite Projekt „Kita-MOVE – Motivierende KurzinterVEntion mit Eltern im Elementarbereich“ im Zentrum der Fachtagung. Die „ginko Stiftung für Prävention“ der nordrhein-westfälischen Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung hat dieses Fortbildungsprogramm für Fachkräfte aus der Pädagogik und Sozialarbeit entwickelt. Im Auftrag der LJS koordiniert Dominika Lachowicz die Verbreitung von Kita-MOVE in Niedersachsen. Es bietet Unterstützung und Entlastung für Fachkräfte im täglichen Eltern-Kontakt und beim Führen heikler Gespräche. Zudem werden Multiplikatoren-Tandems aus Sozialarbeit und Pädagogik fortgebildet, die das Personal in Krippen und Kitas schulen. Ziel ist es, in jedem Landkreis ein Kita-MOVE-Team zu installieren. In der Stadt und in der Region Hannover sowie im Harz sind diese bereits aktiv.

Erziehungs- und Bildungspartnerschaft
„Entscheidend für eine gelingende Zusammenarbeit von Eltern und Kita ist ein Dialog auf Augenhöhe, der von Austausch, Offenheit, Gleichberechtigung, Anerkennung und Motivation geprägt ist“, sagt Katja Zehbe. Die Diplom-Rehabilitationspädagogin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen der Stiftung Universität Hildesheim. Sie wirbt eindringlich für die kontinuierliche Arbeit an „Erziehungs- und Bildungspartnerschaften“, die eine paritätische Verteilung zwischen Fachkräften und Eltern von Verantwortung für die Bildung, Betreuung und Erziehung gewährleisten. Auf dieser Grundlage ließen sich sowohl die Kompetenzen der Kinder als auch die der Eltern stärken.

Widerstand in Motivation umwandeln
Wie hilfreich dabei die motivierende Gesprächsführung ist, erläuterte der Erzieher und Psychotherapeut Dr. Georg Kremer (Bodelschwingsche Stiftungen Bethel, Bielefeld). Der Mitbegründer des MOVE-Konzepts sieht darin einen Motor, um Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Grundprinzipien dabei sind: Dem Reflex widerstehen, das Gegenüber zu korrigieren und ungefragt Ratschläge zu erteilen. Die Motivation von Eltern verstehen, aktiv oder reflektierend zuhören und stärken. „Rechthaberische Debatten sind ineffektiv und erschöpfen sich im Austausch von Beweisen und Gegenbeweisen“, warnt Kremer. „Schauen Sie sich stattdessen im ‚Haus‘ der Klienten um – also auf deren Befindlichkeiten, Nöte und Ressourcen, aber bewerten Sie diese nicht.“ So eröffneten sich Wege, mit Widerstand „geschmeidig“ umzugehen und diesen in Motivation zur Verhaltensänderung zu verwandeln.

Kleine Schritte gemeinsam gehen
Die Diplom-Sozialpädagogin Frauke Sonnenberg koordiniert Kita-MOVE bundesweit im Auftrag der ginko Stiftung. Sie erinnerte daran, dass in der Frühen Kindheit die Weichen für Konsummuster, für das Gesundheits-, Freizeit-, Sozial- und Konflikt-Verhalten gestellt werden. Dabei hätten Eltern den größten Einfluss. Mit dem Kita-MOVE-Konzept– Mitgehen, Offen sein, Verstehen, Ermutigen – würden auch unsichere oder überforderte Mütter und Väter in ihrem täglichen Leben erreicht, machten sich durch die motivierende Ansprache der pädagogischen Fachkräfte selbstständig auf den Weg und/oder nähmen Unterstützung an: „Empathie und Wertschätzung statt Konfrontation. Die Eltern bestimmen selbst das Tempo.Kleine Schritte sind wertvoll. Entlastung statt Erfolgsdruck.“

Quelle: LJS

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