Kind im Schaumbad

Familien mit Wertschätzung und Empathie begegnen

17.08.2015 Kommentare (0)

Die Zusammenarbeit mit Eltern ist einer der Pfeiler der frühpädagogischen Arbeit - ohne sie geht nichts. Am einfachsten ist diese Zusammenarbeit allerdings dann, wenn ein Kind gerade geboren ist. Kaum eine Mutter und nur sehr wenige Väter können sich dem berührenden Eindruck, den das eigene Kind auf sie als Neugeborenes hat, verschließen. Deswegen ist das Projekt "Babylotse plus Charité" in Berlin so wichtig. Die Frühen Hilfen haben es 2012 begonnen. Hier ein Interview mit Nurina Nazmy, das wir dem Newsletter des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen entnommen haben.

Frau Nazmy, welche Aufgaben haben Sie in den Frühen Hilfen?

Wir arbeiten hier in der Klinik in einer Lotsenfunktion: Wenn wir ein Gespräch mit den Eltern vor oder vor allem auch nach der Entbindung haben und bestimmten Hilfebedarf mit den Eltern besprochen haben, lotsen wir an bereits bestehende Projekte intern oder an Angebote der Frühen Hilfen.

In der Charité werden etwa 4.500 Kinder jährlich geboren. Wie finden Sie zu den Eltern, die einen Hilfebedarf haben?

Schon vor der Entbindung bieten Hebammen oder Ärzte den Besuch der Babylotsin an. Wir haben hier für jede Mutter, die bei uns entbindet, ein Anamneseverfahren, d. h. sie wird mit ihrer Zustimmung sowohl medizinisch als auch psychosozial befragt. In diesem Verfahren werden die sozioökonomische oder auch die familiäre Situation abgefragt.

Wie ermitteln Sie einen Unterstützungsbedarf?

Wenn ich einen Beratungs- oder einen Unterstützungsbedarf erkenne, gehe ich in der Regel in ein erstes Gespräch mit der Mutter, spreche sie entweder explizit darauf an oder biete allgemein meine Beratung oder ein Gespräch an. Im Gespräch kommt dann meistens auch von selbst das Problem auf, wegen dem ich reingegangen bin.

Wie nehmen die Frauen die psychosozialen Angebote an?

Gerade nach der Geburt sind Mütter sehr, sehr weich und sehr sensibel und freuen sich, wenn dann jemand da ist, der ihnen zuhört. Gerade wenn im Erstgespräch auch gemeinsam ein Bedarf herausgearbeitet wurde und man das Vertrauen zur Mutter gefunden hat, ist es sehr leicht, ihnen ein passgenaues Angebot zu machen, im Kiez, bei den Eltern um die Ecke, sie nehmen gern Hilfe an.

Meinen Sie, dass jede Mutter Hilfe braucht?

Jede Mutter will eine gute Mutter sein, jede Mutter hat aber auch trotzdem Fragen zum Thema Anträge, zum Thema Anmeldungen, aber vor allem auch zur Versorgung des Kindes. Und somit braucht auch jede Mutter Unterstützung. Die geben wir.

Wird Ihre Arbeit im Team geschätzt?

Wir haben eine ganz tolle Sensibilität bei den Schwestern bewirkt. Die Akzeptanz ist ausgesprochen hoch, weil wir ihnen ja auch etwas abnehmen. Früher, als es uns noch nicht gab, mussten die Schwestern die Eltern oft nach Hause ziehen lassen, ohne zu wissen, ob das auch gut geht. Jetzt haben sie die Möglichkeit zu sagen: »Schaut nochmal rein, ich habe das und das beobachtet«. Und sie wissen, wir kümmern uns um die Sache.

Sie werden auch mit Not konfrontiert. Wie gehen Sie damit um?

Wir haben ein sehr gut funktionierendes Team, können uns gut austauschen und haben zudem einmal im Monat eine Supervision, die für uns alle sehr, sehr wichtig ist. Aber was ich eigentlich immer wieder sagen kann: Die Situation vieler Eltern, die glücklich sind, ein Baby auf die Welt zu bekommen – dass man denen nochmal Entlastung geben kann, sei es in Form einer Beratung für Anträge oder dass man ihnen eine Hebamme mit nach Hause schickt, diese Zufriedenheit, die gibt eigentlich am meisten zurück.

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