Frühe mathematische Bildung: Eine Beitragsreihe
Frühe mathematische Bildung beginnt vor der Schule.
Und sie entscheidet oft darüber, wie Kinder später lernen.
Im pädagogischen Geschehen bleibt sie dennoch häufig unscharf.
Das Wissen ist vorhanden. Es wird nur selten konkret.
Frühe mathematische Bildung wird häufig beschrieben.
Im Handeln der Kinder zeigt sich, ob sie trägt.
Frühe mathematische Bildung im Handeln der Kinder
Kinder vergleichen, ordnen, zählen, schätzen.
Sie handeln mit Dingen, bewegen sich im Raum und beziehen sich aufeinander.
Dabei entstehen erste mathematische Strukturen.
Sie entwickeln sich im Vollzug ihres Handelns.
Sprache ist dabei zentral.
Mathematische Bildung und Sprachbildung sind nicht voneinander zu trennen.
Im Austausch mit anderen werden Unterschiede benannt, Reihenfolgen geklärt und Mengen in Beziehung gesetzt.
So wird aus Handlungen allmählich ein Verständnis von Zahl, Raum und Maß.
Die Beitragsreihe
Die folgenden Beiträge greifen solche Situationen auf und machen sie fachlich zugänglich.
Sie zeigen, wie mathematische Bildung im Handeln der Kinder entsteht und wie sie sprachlich begleitet werden kann.
Die Reihe ist als zusammenhängendes System angelegt.
Die Module führen schrittweise durch grundlegende Aspekte früher mathematischer Bildung.
Ergänzende Beiträge vertiefen einzelne Zugänge, etwa über Bewegung oder über erzählerische Formen.
So entsteht ein Gesamtbild, in dem einzelne Situationen, fachliche Begriffe und didaktische Zugänge miteinander verbunden sind.
Die folgenden Beiträge machen diese Zusammenhänge in unterschiedlichen Kontexten sichtbar:
Frühe mathematische Bildung braucht Praxis: Der Auftakt einer kollegialen Fortbildungsreihe
Modul 1: Fröbel, Alltag und Dialog - Wie in Herbolzheim frühe mathematische Bildung gemeinsam entsteht
Modul 2: Formen, Muster und Symmetrien entdecken, erfinden und gemeinsam hervorbringen
Modul 3: „Wo ist was – und was gehört zusammen?“ Wie Kinder Raumbeziehungen entdecken – und wie die Mathematik dabei hilft, Ordnung in die Welt zu bringen
Modul 4: Wie viele? Und an welcher Stelle?
Modul 5: Wie viele sind es jetzt? Und wie passt das zusammen?
Modul 6: Schätzen, Vergleichen und Messen – Mathematik mit Maß erleben
Modul 7: Frühe mathematische Bildung: Daten, Häufigkeiten und Zufall
Modul 8: Frühe mathematische Bildung: Komm mit ins Zahlenland
Ergänzende Beiträge:
Komm mit ins Zahlenland – beliebt und gerne missverstanden
Lernen durch Bewegung – Der Zahlenweg in der frühen mathematischen Bildung
Frühe mathematische Bildung in Rollenspielen: „Ich wäre der Verkäufer – und du?“
Frühe mathematische Bildung: Wie Kinder, Eltern und Großeltern mathematische Bildung gemeinsam erleben und weitertragen: Ein Mitmachnachmittag für die ganze Familie
Weiterentwicklung in der Praxis
Die Beiträge laden dazu ein, mathematische Situationen im Handeln der Kinder wahrzunehmen und aufzugreifen.
Sie richten den Blick auf das, was im pädagogischen Geschehen bereits angelegt ist.
Die Reihe wird im Austausch mit der Praxis weiterentwickelt und abschließend in einer Publikation gebündelt.
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Kommentare (5)
Eine ausgesprochen wertvolle Beitragsreihe zur frühen mathematischen Bildung! Vielen Dank! Besonders überzeugend ist, dass Mathematik hier nicht auf das Erlernen von Ziffern und das Abzählen reduziert wird. Kinder dürfen mathematische Zusammenhänge handelnd, sprachlich, erzählerisch und über Bewegung entdecken.
Aus medizinpädagogischer Sicht zeigt sich darin, wie bedeutsam die Art der Informationsvermittlung ist: Inhalte werden besonders dann zugänglich, wenn sie an die Entwicklungsbedingungen, die Interessen und die Erfahrungswelt der Kinder anknüpfen. Geschichten können dabei eine Tür öffnen – entscheidend ist, wie pädagogische Fachkräfte die Beobachtungen und Ideen der Kinder aufgreifen und in mathematisches Denken überführen.
Auch aus gesundheitspsychologischer Perspektive sind Freude, Neugier, Beziehung und Selbstwirksamkeit wichtige Voraussetzungen für nachhaltiges Lernen. Wer Mathematik als etwas erlebt, das entdeckt, bewegt, gestaltet und gemeinsam weitergedacht werden darf, kann Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln.
In der Entwicklungs- und Lerntherapie nach PäPKi begegnen uns zudem Kinder, denen mathematische Vorstellungen schwerfallen, weil grundlegende körperliche, räumliche oder sensomotorische Erfahrungen noch nicht ausreichend gefestigt sind. Raumrichtungen, Mengen, Reihenfolgen, Muster und Beziehungen müssen nicht nur erklärt, sondern möglichst auch körperlich und handelnd erfahren werden.
Die Reihe macht deshalb sehr schön deutlich: Frühe mathematische Bildung entsteht im Zusammenspiel von Körper, Wahrnehmung, Bewegung, Sprache, Emotion und fachlich qualifizierter Begleitung. Vielen Dank an Priv.-Doz. Dr. Gerhard Friedrich und die gesamten Autoren für diese differenzierte und praxisnahe Darstellung!
Ich habe die Reihe mehrfach gelesen, an einigen Stellen genauer, und was mich überzeugt, ist weniger das einzelne Thema als die Konstruktion.
Die meisten Angebote zur frühen mathematischen Bildung legen fest, was gemacht wird: Material, Ablauf, Reihenfolge. Hier ist es umgekehrt. Die mathematischen Inhalte sind fachlich fundiert und bewusst offen angelegt; verbindlich ist stattdessen, wie gearbeitet wird. Die fünf Prinzipien (Interaktion, Ganzheitlichkeit, Wiederholung, Partizipation, Inklusion) sind keine Methode und kein Inhalt, sondern ein Maßstab für professionelles Handeln, der über sehr unterschiedliche mathematische Themen trägt. Das erklärt, warum die Reihe ohne exklusive Materialien auskommt und warum sie bei Kindern unter drei Jahren genauso ansetzen kann wie im letzten Kita-Jahr.
Erzieherinnen und Erzieher werden dabei nicht zu Trainern oder Coaches gemacht. Sie bekommen einen Rahmen für ihr pädagogisches Handeln. Konsequent umgesetzt kann das dazu führen, dass zentrale Lernprinzipien im Alltag tatsächlich wirksam werden: Anknüpfen an das Vorwissen der Kinder, Unterstützung dort, wo sie gebraucht wird, wiederholtes Üben derselben Inhalte in wechselnden Zusammenhängen. Und das alles wird eingebettet in eine spielerische Aufgabe, die Kinder als Ganzes verstehen können. Das ist der Grund, warum ich den Ansatz für tragfähig halte, und nicht die einzelne gute Idee.
Aus meiner eigenen Arbeit heraus interessiert mich vor allem die Anschlussfrage: wie sichtbar wird, dass sich im Verlauf tatsächlich etwas bei den Kindern verändert. Gerade weil hier kein einheitliches Programm ausgerollt wird, sind Verfahren naheliegend, die Veränderung an einzelnen Kindern über die Zeit abbilden, statt Gruppen zu vergleichen. Ich halte den Ansatz für gut geeignet, das zu zeigen.
Ein sehr spannender Beitrag. Schon bei Kindern unter 3 Jahren ist zu beobachten, dass sie von Mustern begeistert sind. Egal ob Autos aufgereiht werden, Tiere sortiert oder mit Stöckchen, Steinen oder sonstigen Schätzen Landart Kunststücke entstehen. Ich beobachte allerdings oft, dass Fachkräfte oft Mühe haben das Lernthema der Kinder zu erkennen und mit entsprechenden Impulsen zu beantworten. Ganz "nebenbei" ist es auch für mich immer wieder wunderbar zu erleben welche Prozesse egal ob in Sachen Kommunikation, Planung, Interaktion zwischen Kindern und Erwachsenen entstehen. Eigentlich wäre eine Implementierung in die Ausbildung wünschenswert.
Die Reihe zeigt, wie fachlicher Anspruch und pädagogischer Alltag zusammenfinden können.
Es wirkt so einfach und doch effektiv. Es ist nicht aus der Luft gegriffen sondern toll und verständlich umsetzbar.
Danke dafür wirklich toller Beitrag.
Was ich an dieser Reihe besonders spannend finde: Die fachlichen Begriffe werden nicht abstrakt erklärt, sondern entstehen konsequent aus konkreten Situationen mit den Kindern. Dadurch wirkt mathematische Bildung nicht künstlich oder aufgesetzt, sondern nachvollziehbar und nah am pädagogischen Alltag. Gerade diese Verbindung von fachlicher Tiefe und alltäglichen Erfahrungen finde ich sehr gelungen.