Mitmachnachmittag

Frühe mathematische Bildung: Wie Kinder, Eltern und Großeltern mathematische Bildung gemeinsam erleben und weitertragen

Ein Mitmachnachmittag für die ganze Familie

Priv. Doz. Dr. habil. Gerhard Friedrich und Annette Roth

03.08.2026 Kommentare (0)

Der Mitmachnachmittag stieß auf große Resonanz. Eltern und Großeltern erhielten einen Einblick in die mathematischen Spielideen, mit denen die Kinder bereits in den Kindertageseinrichtungen Erfahrungen gesammelt hatten.

Wie können Familien mathematische Bildung gemeinsam erleben? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Mitmachnachmittag, der von der Stadt Herbolzheim gemeinsam mit allen städtischen Kindertageseinrichtungen und einem evangelischen Kindergarten veranstaltet wurde. 
Eingeladen waren Kinder, Eltern und Großeltern. Verschiedene Spielstationen eröffneten den Familien vielfältige Gelegenheiten, mathematische Ideen gemeinsam zu entdecken. Innerhalb eines großzügigen Zeitfensters konnten sie die Angebote in ihrem eigenen Tempo erkunden, miteinander spielen, sich austauschen und mathematische Erfahrungen sammeln.
Das Interesse war so groß, dass der ursprünglich geplante Zeitrahmen noch vor Beginn der Veranstaltung um eine Stunde erweitert werden musste. Die Familien konnten zwischen den einzelnen Stationen frei wählen und selbst entscheiden, womit sie beginnen, wie lange sie verweilen und welche Spiele sie ausprobieren wollten. So entstand ein Nachmittag, an dem mathematische Bildung gemeinsam erlebt wurde.
Die Spielstationen griffen die Inhalte der Fortbildungsreihe zur frühen mathematischen Bildung auf, die die beteiligten Kindertageseinrichtungen in den vergangenen Monaten gemeinsam erarbeitet hatten. An den einzelnen Stationen erhielten die Familien einen Einblick in ausgewählte mathematische Themen und Spielideen, die zuvor in den Einrichtungen erprobt worden waren. Der Mitmachnachmittag schlug damit eine Brücke zwischen der gemeinsamen Arbeit in den Kindertageseinrichtungen und dem Familienalltag.

Gemeinsam spielen, gemeinsam denken

Gemeinsames Spielen eröffnet Gelegenheiten zum Austauschen, Begründen und gemeinsamen Nachdenken über mathematische Zusammenhänge.

Die mathematischen Inhalte und die einzelnen Spielstationen des Mitmachnachmittags werden in den bereits veröffentlichten Modulen der Herbolzheimer Fortbildungsreihe ausführlich vorgestellt. Dieser Beitrag baut darauf auf und richtet den Blick auf einen anderen Aspekt: Er zeigt, wie sich die gemeinsam entwickelte Bildungsarbeit auf Kinder, Eltern und Großeltern ausweitete und wie mathematische Erfahrungen ihren Weg aus der Kindertageseinrichtung in den Familienalltag fanden.

Wenn Kinder zu Experten mathematischer Bildung werden

Viele Kinder erklärten ihren Eltern und Großeltern die Spiele, die sie bereits aus ihrer Kindertageseinrichtung kannten.

An vielen Spielstationen zeigte sich eine ungewohnte Rollenverteilung. Die Kinder kannten zahlreiche Spiele und Materialien bereits aus ihrer Kindertageseinrichtung. Sie erklärten die Regeln, machten ihre Eltern und Großeltern mit den Spielideen vertraut und zeigten eigene Lösungswege. Aus Lernenden wurden Erklärende. Die Erwachsenen erhielten so einen unmittelbaren Einblick in die mathematischen Erfahrungen ihrer Kinder und erlebten, mit welcher Selbstverständlichkeit diese mathematische Ideen aufgriffen, miteinander spielten und ihre Entdeckungen teilten.
Die Kinder zeigten, was sie in den vergangenen Monaten aufgebaut hatten. Eltern und Großeltern erhielten einen unmittelbaren Einblick in die mathematischen Erfahrungen ihrer Kinder und erlebten, mit welcher Selbstverständlichkeit diese spielten, erklärten und mathematisch dachten.

Spiele, die den Weg nach Hause finden

Exemplarisch stellen wir zwei Spiele vor, die den kardinalen und den ordinalen Zahlaspekt aufgreifen. Sie erhielten alle Familien als kleines Geschenk für zu Hause. Beide Spiele stehen den Leserinnen und Lesern dieses Beitrags als Download zur Verfügung. Sie greifen exemplarisch den Anzahl- und den Ordnungsaspekt von Zahlen auf und laden dazu ein, die damit verbundenen mathematischen Erfahrungen im Familienalltag weiterzuführen.

 Spielplan: Hin und Her mit dem 3er Würfel

 Spielplan: Hin und Her mit dem 6er Würfel

 Anleitung: Hin und Her

 Anleitung: Alles oder nichts

Mit der mathematischen Brille durch den Alltag

Fröbelmaterialien und Spiegel eröffnen Kindern neue Blickwinkel auf Formen, Muster und Symmetrien. So entstehen mathematische Entdeckungen, die sich auch im Alltag wiederfinden lassen.

Die Spiele des Mitmachnachmittags sollten Familien dazu anregen, mathematische Erfahrungen gemeinsam in den Familienalltag zu tragen. Gleichzeitig eröffnen sie einen weiteren Blick: Mathematik begegnet Kindern nicht nur beim Spielen, sondern auch in den vielen kleinen Situationen des Alltags. Beim Tischdecken werden Teller und Besteck gezählt, geordnet und verteilt, beim Backen Zutaten abgemessen, beim Einkaufen Preise verglichen und beim Spazierengehen Muster, Formen oder Hausnummern entdeckt.
Der Mitmachnachmittag wollte deshalb auch mehr vermitteln als einzelne Spielideen. Er regte dazu an, den Alltag mit einer mathematischen Brille zu betrachten und die vielen Gelegenheiten wahrzunehmen, in denen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern und Großeltern mathematische Erfahrungen sammeln können. So setzt sich mathematische Bildung über den Nachmittag hinaus im Familienalltag fort.

Gerade darin sehen wir einen wichtigen Schritt der Herbolzheimer Fortbildungsreihe. Aus der Zusammenarbeit der kommunalen Politik, Wissenschaft, der Fachberatung, der beteiligten Kindertageseinrichtungen sowie der Kinder, Eltern und Großeltern entwickelte sich ein gemeinsamer Bildungsprozess, der mathematische Bildung als Aufgabe einer ganzen Bildungsgemeinschaft versteht. Mit der Einbeziehung der Familien weitete sich der gemeinsame Bildungsprozess auf alle Beteiligten aus.

Weiterführende Artikel auf Erzieherin.de:

Modul 1: Fröbel, Alltag und Dialog - Wie in Herbolzheim frühe mathematische Bildung gemeinsam entsteht
Modul 2: Formen, Muster und Symmetrien entdecken, erfinden und gemeinsam hervorbringen 
Modul 3: „Wo ist was – und was gehört zusammen?“ Wie Kinder Raumbeziehungen entdecken – und wie die Mathematik dabei hilft, Ordnung in die Welt zu bringen
Modul 4: Wie viele? Und an welcher Stelle? 
Modul 5: Wie viele sind es jetzt? Und wie passt das zusammen?
Modul 6: Schätzen, Vergleichen und Messen - Mathematik mit Maß erleben


Ergänzende Beiträge:

Komm mit ins Zahlenland – beliebt und gerne missverstanden
Lernen durch Bewegung – Der Zahlenweg in der frühen mathematischen Bildung
Frühe mathematische Spiele in Rollenspielen – „Ich wäre der Verkäufer – und du?“   

 

Autor*innengruppe:
Priv. Doz. Dr. habil. Gerhard Friedrich und Annette Roth (Fachberaterin für die städtischen Kindertageseinrichtungen der Stadt Herbolzheim)

Kontakt:

info.gfriedrich@gmail.com
https://www.linkedin.com/in/gerhard-friedrich-7bb6b9383/

 

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