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Frühkindliche Bindung prägt die Gesundheit: Krankenkassen erweitern Prävention

12.02.2017 Kommentare (0)

Psychische und chronische körperliche Erkrankungen nehmen mit dem Alter stetig zu. Oft liegen die Ursachen dafür schon in der frühen Kindheit. Mit dem Ziel, frühzeitig der Krankheitsentstehung vorzubeugen, haben die Betriebskrankenkassen (BKK) ein Präventionsprojekt für die Altersgruppe der 3- bis 6-Jährigen aufgebaut. Der gesundheitsfördernde Ansatz knüpft am Beziehungsgeflecht von Kindern, Eltern sowie Erzieherinnen und Erziehern an und setzt auf einen feinfühligen, bindungsfördernden Umgang. Zusammen mit dem Staatsinstitut für Frühpädagogik und aus Perspektive der Erziehungspraxis stellte der BKK Landesverband Bayern am 26. Januar im Münchner Presseclub das Projekt und seine Hintergründe vor.
Von der Schwangerschaft bis in die ersten sechs Lebensjahre werden die Grundsteine für die psycho-emotionale Entwicklung, aber auch für die körperliche Gesundheit gelegt. Aus der Bindungsforschung ist bekannt, dass der feinfühlige und vertrauensvolle Umgang mit Kindern essentiell für deren lebenslange Entwicklung ist. Das BKK-Projekt setzt deshalb bei der frühkindlichen Entwicklung als Grundstein für ein gesundes Leben an. Sigrid König, Vorständin des BKK Landeverbandes Bayern: „Viele Untersuchungen bestätigen die Bedeutung der frühkindlichen Bindungserfahrung für die gesundheitliche Entwicklung. Wir wissen, dass psychische und körperliche Krankheiten einander begünstigen. So nimmt die Wahrscheinlichkeit an Diabetes mellitus Typ 2 oder einer koronaren Herzerkrankung zu leiden um das Zwei- bis Vierfache zu, wenn in der frühen Kindheit mehrere frühkindliche Belastungsfaktoren zusammenkommen, aber im L aufe des Lebens nicht erkannt und verarbeitet werden.“
Dr. Julia Berkic, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Staatsinstitut für frühkindliche Entwicklung, betonte, dass eine vertrauensvolle und feinfühlige Beziehung zum Kind dessen lebenslange Entwicklung positiv beeinflussen kann. Präventionsangebote fehlten aber bislang: „Feinfühligkeit und ein bindungsfördernder Umgang mit kleinen Kindern ist gut erlern- und veränderbar, wie Studien zeigen. Viele Eltern sind gut informiert über die Bedeutung einer sicheren Bindung in den ersten beiden Lebensjahren. Deutlich weniger Information gibt es jedoch für die älteren Kleinkinder. Hier setzt das vorliegende Präventionskonzept an, das gezielte Angebote für eine gesundheitsfördernde Entwicklung beinhaltet.“
Wie wichtig entsprechende Angebote im Praxisalltag Kindergarten sind stellte die Sozialpädagogin und Erzieherin Martina Kuhn heraus: „Der Alltag im Kindergarten ist vielfältig: Es kommen Kinder mit unterschiedlichem Bildungshintergrund, verschiedenen Kulturen, Sprachen und Lebenswelten zusammen. Alle Kinder sind dabei Individuen mit eigenen Bedürfnissen und Interessen. Wichtig ist es, diese zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren, damit die Kinder einen sicheren Rahmen vorfinden, in dem sie sich frei entwickeln und sich ausprobieren können.“
Für Eltern und Erzieher wurde eine 32-seitige Broschüre mit dem Titel „Feinfühligkeit von Eltern und Erzieherinnen“ erstellt. Entscheidendes Thema ist der Umgang mit Gefühlen. Über Workshops sowie Informations- und Gesprächsangebote für pädagogische Fachkräfte und Elternabende in den Kindergärten wird die Bedeutung der frühkindlichen emotionalen und kognitiven Entwicklung zunächst in München und in weiteren bayerischen Regionen näher gebracht.
Sigrid König: „Eine gesunde frühkindliche Entwicklung ist wesentlich für die Gesundheit im Erwachsenenalter. Kinder müssen sich verstanden und geborgen fühlen und leben können, was sie wirklich sind. Dadurch werden sie gestärkte und resiliente Persönlichkeiten. Eltern, Erzieher und andere Bezugspersonen haben nicht nur eine prägende Vorbildfunktion in Bezug auf einen psychisch und physisch gesundheitsbewussten Lebensstil. Sie unterstützen auch mit ihrem Maß an Zuwendung und emotionaler Unterstützung langfristig die Gesundheit ihrer Kinder.“
Hintergrund: Befragungen im Rahmen der Kiggs-Studie zur psychischen und physischen Gesundheit von Kindern (3-17 Jahre) zeigen bei rund einem Fünftel der 3-17-Jährigen psychische Auffälligkeiten, die Anhaltspunkte für Prävention und Intervention liefern. Dabei lassen sich auch schon bei den 3 bis 6-Jährigen emotionale- und Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Probleme mit Gleichaltrigen beobachten.
Nach der BKK-Arbeitsunfähigkeitsstatistik (AU) beruhen rund 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Erkrankungen. Die Bedeutung psychischer Erkrankungen wächst, denn die AU-Tage haben sich im Bereich der psychischen Erkrankungen seit 2003 verdoppelt. Die Falldauer hat um ein Viertel zugenommen und liegt derzeit bei rund 40 Tagen/Fall.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf den Presseseiten von www.bkk-bayern.de

Quelle: Presseinformation der BKK Landesverband Bayern vom 26.1.2017

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