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Kind beim Essen

Geschmacksbildung: Auch Schmecken will gelernt sein

10.07.2017 Kommentare (0)

Kinder sind von Natur aus Feinschmecker – und wahnsinnig neugierig. Zwei Eigenschaften, die sich bestens für die Geschmacksbildung bei Kindern nutzen lassen. Sie hat das Ziel, die Aufmerksamkeit der Kinder auf ihren Geschmackssinn zu lenken. Dabei geht es nicht nur um das Kennenlernen und Erkennen von Geschmacksrichtungen wie süß, sauer oder bitter. Kinder müssen auch lernen über ihre Geschmackseindrücke zu sprechen. Haben sie dazu die richtigen Worte, können sie ihr Essverhalten selbstbestimmt und reflektiert gestalten.

Werden Kleinkinder gefragt, wie ihnen das Mittagessen geschmeckt hat, kommen oft schlichte Antworten wie „gut“ oder „nicht so gut“. Was es eigentlich zu essen gab, warum es geschmeckt hat oder nicht, erzählen die meisten nur zögerlich. Kein Wunder, denn es ist keineswegs angeboren, den Geschmack von Tomate, Möhre oder Kürbis zu erkennen. Durch wiederholtes Probieren von Lebensmitteln gelingen Kindern erste Geschmackszuordnungen. Dabei gut zu wissen: Kleinkinder mögen „getrennte Häufchen“ auf ihren Tellern. Dann können sie den Geschmack einzelner Lebensmittel bewusst wahrnehmen und leichter wiedererkennen. Durchmischte Speisen machen sie eher misstrauisch. Alltagstaugliche Sinnesschulungen, in denen Kinder Lebensmittel bewusst betrachten, riechen, tasten, hören und schmecken und das Gespräch bei Tisch fördern das Erleben von Genuss – und die Wertschätzung von frischen Lebensmitteln.

Verzehren Kinder beispielsweise tagtäglich einen bestimmten, handelsüblichen Erdbeerjoghurt, speichern sie diesen Einheitsgeschmack aus gesüßtem Erdbeeraroma als Erdbeere ab. Kommen sie erst später mit den frischen Früchten in Kontakt, empfinden sie deren Geschmack als fad. Wird ihnen hingegen früh eine breite Palette an frischen und unterschiedlich zubereiteten Lebensmitteln angeboten, speichern sie unterschiedliche Geschmacksausprägungen als „richtig“ und gut ab. Sie sind offener gegenüber neuen Geschmackserlebnissen und lernen so abwechslungsreiche Mahlzeiten mit immer neuen Lebensmitteln lieben. Das ist im Hinblick auf eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise wichtig. Denn früh gemachte Erfahrungen prägen uns ein Leben lang.

© Sarah Wiener Stiftung | photothek.net

REZEPT

Bärlauch-Pesto mit Dinkel-Vollkorn-Nudeln

Kinder lieben Nudeln. Und das Pürieren mit dem Pürierstab. Was liegt da näher als aus saisonalen Kräutern, Nüssen und Käse eine leckere Nudel-Soße zu zaubern.

Ihr braucht für 12 Kinder

1,2 kg Vollkorn-Nudeln (z.B. Penne, Spirelli)

3 Bund Bärlauch

60 g Parmesan am Stück

60 g Mandeln

300 ml Olivenöl

Salz, Pfeffer

So geht´s:

Für die Arbeitsplanung: Das Pesto sollte vor den Nudeln fertig sein, nicht umgekehrt. Denn Nudeln kühlen schnell aus. Startet also mit der Pesto-Zubereitung, setzt aber parallel schon einmal das Nudelwasser auf.

Der Bärlauch wird gewaschen und mit den Händen grob zerkleinert, der Parmesan-Käse mit einer Küchenreibe grob geraspelt. Das kann selbst für motorisch versierte Kinder ein Kraftakt sein. Helft den Kindern daher bei Bedarf.

Mit einem Pürierstab zerkleinert Ihr die Zutaten in einer hohen Schüssel gemeinsam mit den Mandeln zu einer fein-breiigen Masse. Beim Pürieren können sich die Kinder abwechseln. Berücksichtigt aber: Beim längeren Pürieren entsteht Wärme. Zuviel Wärme ist schlecht für´s Aroma – und für den Pürierstab. Das Olivenöl wird mit einem großen Löffel nach und nach untergerührt. Lasst alle Kinder beobachten, wie sich die Masse langsam in eine sämige Soße verwandelt. Etwas Salz und Pfeffer dazu – fertig ist das Pesto.

Jetzt kommen die Nudeln in das sprudelnd kochende Salzwasser. Vielleicht sind Eure „Koch-Kinder“ zu jung, um selbst die Nudeln ins kochende Wasser zu geben. Dann übernehmt Ihr das Nudeln kochen oder macht es mit einem Kind zusammen. Beim Bisstest am Ende der Kochzeit können alle gemeinsam entscheiden, ob die Nudeln gar sind.

Tipp: Kleine Kinder gewöhnen sich langsam an neue Geschmäcker. Nudeln und Pesto sollten getrennt serviert werden. So kann sich jedes Kind entscheiden, wieviel Pesto es auf seinen Nudeln haben mag.

Saisonale Varianten: Je nach Jahreszeit könnt Ihr das Pesto auch mit Basilikum, Petersilie oder Rucola zubereiten. Als Nuss-Komponente eignet sich anstelle von Mandel auch Hasel- oder Walnuss.

© Sarah Wiener Stiftung | Marco Urban

VERKOSTUNG

Ein Fest für die Sinne: Kräuter-Verkostung

Du sollst nicht mit dem Essen spielen. Bei der Verkostung gilt diese Regel nicht. Hier ist praktisch alles erlaubt: schnuppern, fühlen, rascheln, schütteln und – zuletzt – aufmerksames schmecken.

Ihr braucht für 12 Kinder

frische Kräuter in möglichst großer Auswahl – eingepflanzt in Töpfen oder geschnitten im Bund

für jedes Kind sollte ein Stängel jedes Krauts vorhanden sein

12 Teller

12 Gläser Wasser

Schere oder scharfes Messer

So geht´s:

Baut ein Büffet mit den Kräutern auf. Zusätzlich zu den Verkostungs-Kräutern könnt ihr anderes Anschauungsmaterial zum Thema auslegen: Samen, Bilderbücher oder Fotos – was immer Euch einfällt.

Bereitet für jedes Kind einen Platz mit einem Teller und einem Glas Wasser vor. Auf den Teller wird je ein Stängel gelegt.

Zuerst waschen sich dann alle gründlich die Hände. Achtet darauf, dass keine allzu aromatische Seife verwendet wird.

Nach und nach sollen die Kinder jedes Kraut mit allen Sinnen erfahren: Sehen, Tasten, Hören, Riechen und Schmecken. Ein Schluck Wasser zwischen den einzelnen Kräutern neutralisiert den letzten Geschmackseindruck. Geht dabei immer nach dieser Reihenfolge vor und bittet die Kinder möglichst genau zu beschreiben, was sie wahrnehmen. Welche Farbe hat das Kraut? Fühlt sich die Oberfläche der Blätter glatt oder haarig-samtig an? Wie klingt es, wenn es geschüttelt wird? Kennen die Kinder seinen Geruch von einem bestimmten Essen? Und schmeckt es wie sein Geruch es erwarten lässt? Sicher fallen Euch und den Kindern noch viele weitere Fragen ein.

Tipp: Beim Geruchstest könnt Ihr das Kraut zwischen den Fingern zerreiben. Das setzt die Aromastoffe frei. Händewaschen vor dem nächsten Kraut nicht vergessen!

 

Ich kann kochen! – Die Ernährungsinitiative der Sarah Wiener Stiftung und der BARMER

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