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Erzieherin und Kinder mit Obst am Esstisch

Gesundheit der Kinder

Hilde von Balluseck

21.04.2009 Kommentare (1)

Wasser gegen Übergewicht?

Im Rahmen einer Studie des Dortmunder Instituts für Kinderernährung ergab sich, dass Kinder, die viel Wasser trinken, weniger zuckerhaltige Softdrinks zu sich nehmen und seltener Übergewicht entwickeln. Das schlichte Rezept: In der Schule wird ein Wasserspender aufgestellt.
Wenn man diese Meldung, die von vielen Agenturen aufgenommen wurde, aber auf der Website des Instituts selbst nachliest, dann kann man sich über die gewagte Interpretation nur wundern. Es wurden nämlich - wissenschaftlich korrekt - zwei Gruppen mit übergewichtigen Kindern gebildet. Die eine erhielt die Ermunterung, Wasser zu trinken und ein Wasserspender stand immer zur Verfügung. Die andere erhielt keinen Wasserspender.

„Zu Beginn des Schuljahres ließen die Wissenschaftler in einem Teil der Schulen Wasserspender installieren. Die Lehrer führten zudem eine kurze Unterrichtsreihe durch, in der sie ihre Schüler über die Bedeutung von Wasser für den Körper aufklärten. Als weiteren Trinkanreiz erhielt jedes Kind eine Wasserflasche. Gut 1.600 Grundschüler kamen in den Genuss dieser Maßnahmen. Im Schnitt tranken sie am Ende des Schuljahres täglich ein Glas Wasser mehr als ihre 1.300 Altersgenossen aus der Kontrollgruppe.“

Als Erfolg wird nun folgendes Ergebnis bezeichnet:

„Die Maßnahme hatte Erfolg: Zu Beginn der Studie waren in beiden Gruppen etwa gleichviel Kinder übergewichtig. In der „Wasser-Gruppe“ blieb dieser Anteil im Laufe eines Jahres unverändert. In der Kontrollgruppe stieg er dagegen von 25,9 Prozent auf 27,8 Prozent. ‚Das ist ein erfreuliches Ergebnis: Wir konnten mit einer einfachen Maßnahme den Trend zum Übergewicht stoppen', erklärt die Studienleiterin Dr. Mathilde Kersting.“

http://www.fke-do.de/content.php?bereich=presse&seite=seiten/start_presse.php

Lassen wir uns von der euphorischen Interpretation nicht täuschen. Also: Der Anteil der übergewichtigen Kinder hat sich in der Gruppe, die viel Wasser trank, nicht verändert. Es ist also keine Verbesserung festzustellen. Hingegen ist der Anteil der übergewichtigen Kinder, die nicht zum Wassertrinken ermuntert wurden, in der sog. Kontrollgruppe nochmal um ganze 1,9 % gestiegen. Es sind also sehr wenige Kinder, die - vielleicht - durch Wasserkonsum von der Zunahme ihres Gewichts abgebracht wurden. Es ist ja wohl ein Armutszeugnis, wenn uns gegen das Übergewicht von Kindern keine anderen Methoden einfallen, als solche, die die Zunahme vermeiden helfen. Und ob nun Wasser die Methode der Wahl ist - wenn die Kinder zu Hause Zuckerzeug trinken und essen und vorwiegend sitzen - das mag auch bezweifelt werden. Denn die kärglichen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Schule nur einen geringen Einfluss hat auf die Entstehung und Behandlung von Übergewicht.

Essen und Trinken in Tageseinrichtugen für Kinder

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen - genau! Und deshalb sind die Bemühungen, Kindern und ErzieherInnen in Kitas gutes Essen anzubieten, äußerst wichtig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, zu 70 % finanziert von Bund und Ländern, hat dazu das Projekt „FIT KID - Die Gesund-Essen-Aktion für Kitas“ gestartet, in dem auch Ratschläge für die Umstellung der Ernährung auf Bio-Kost gegeben werden.

Des Weiteren ist jetzt die 3. Auflage des aid/DGE-Ordners „Essen und Trinken in Tageseinrichtungen für Kinder“ erhältlich. Der Ordner gibt Hilfestellung bei der Planung und Durchführung der Verpflegung in Kindertagesstätten und enthält Vorschläge für eine spielerische Ernährungserziehung.
Der Ordner kann über den AID-Medienshop bezogen werden.

Weitere Hinweise für eine gesunde Ernährung von Kindern finden Sie u.a. unter http://www.aid.de/ernaehrung/10regeln_esstypentest.php.

Ihre Meinung ist gefragt!

Wir freuen uns über Kommentare.

Kommentare (1)

  • Dr. med. A. Dollmann:
    08.06.2009 um 17:50 Uhr

    In der Originalarbeit heißt es wörtlich: „The IG and CG did not differ in baseline characteristics regarding prevalence of overweight, BMI SDS, gender, age, and migrational background“, das heißt auf Deutsch, dass die Ausgangswerte der beiden Gruppen sich nicht unterschieden. Das stimmt so einfach nicht: Sowohl die Zahl der Übergewichtigen als auch die der Kinder mit Migrationshintergrund überwogen in den Kontrollgruppe. Einmal enthielt die Kontrollgruppe einen signifikant höheren Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund: 47,0 gegen 42,0 in der Interventionsgruppe. Und außerdem waren in der Kontrollgruppe schon zu Beginn der Studie mehr Kinder übergewichtig als in der Interventionsgruppe: 25,9 bzw. 23,4 %. Die Kontrollgruppe war somit schon zu Beginn der Untersuchung im Nachteil. Diese Tendenz zeigte sich dann auch nach einem Schuljahr umso deutlicher, wie wir gesehen haben.Die Schlussfolgerung der Autoren, dass Wasser Übergewicht verhindert ist m. E. nicht gerechtfertigt.

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