Gleiche Chancen für alle Kinder – Warum die Kindertagespflege mehr Beachtung verdient
Rheinland-Pfalz. Der Landesverband Kindertagespflege Rheinland-Pfalz e.V. spricht sich dafür aus, die Kindertagespflege im frühkindlichen Bildungsbereich endlich flächendeckend als zweite Bildungssäule anzuerkennen und politisch deutlich stärker zu berücksichtigen. Die Kindertagespflege leistet einen wichtigen Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und stabilen Bildungsbiografien von Anfang an.
Viele Kinder zeigen beim Schuleintritt erhebliche Entwicklungs- und Sprachdefizite. Aus Sicht des Landesverbandes sind diese nicht allein auf einzelne Einrichtungen zurückzuführen, sondern auch auf strukturelle Probleme: fehlende passgenaue Betreuungsangebote in den ersten Lebensjahren und eine anhaltende Überlastung des Kita-Systems. Hier bietet die Kindertagespflege ein großes, bislang zu wenig genutztes Potenzial.
In kleinen Gruppen, mit stabilen Bezugspersonen und individueller Förderung, können Kinder gezielt unterstützt werden. Alltagsintegrierte Sprachförderung, intensive Beziehungsarbeit und inklusive Betreuung gehören in der Kindertagespflege selbstverständlich zum pädagogischen Alltag. Gerade für sehr junge Kinder, Kinder mit besonderen Bedürfnissen oder Kinder aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte schaffen überschaubare Betreuungssettings und feste Bindungen gute Voraussetzungen, um Sprache, soziale Kompetenzen und Selbstvertrauen frühzeitig zu entwickeln.
Die Landespolitik betont regelmäßig ihr Ziel, gleiche Bildungschancen für alle Kinder zu schaffen. Maßnahmen wie beitragsfreie Kitas oder kostenlose Schulbücher sollen Familien entlasten und soziale Ungleichheiten abbauen.
Aus Sicht des Landesverbandes bleibt dieses Ziel jedoch unvollständig, solange die Kindertagespflege von der Beitragsfreiheit ausgenommen ist. Um tatsächlich gleiche finanzielle Rahmenbedingungen für alle Familien zu schaffen, sollte das Land die Kommunen gezielt dabei unterstützen, auch in der Kindertagespflege eine Beitragsfreiheit zu ermöglichen.
Nur so können Eltern, unabhängig davon, ob ihr Kind in einer Kita oder in der Kindertagespflege betreut wird, ohne finanzielle Nachteile gleichgestellt werden.
Trotz der Bedeutung der Kindertagespflege wird sie in bildungspolitischen Konzepten, Programmen und öffentlichen Debatten häufig nur am Rande berücksichtigt. Der Landesverband sieht darin ein politisches Versäumnis, da das Potenzial dieser Betreuungsform bislang nicht ausreichend in landesweite Strategien einbezogen wurde.
In den vergangenen Monaten hat der Landesverband zahlreiche Gespräche mit bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Parteien geführt, um auf die Bedeutung der Kindertagespflege hinzuweisen. Ziel ist es, sie dauerhaft als gleichwertigen Teil der frühkindlichen Bildung zu verankern und ihre Rolle im Bildungssystem zu stärken.
„Frühkindliche Bildung findet nicht nur in Kitas statt“, betont der Landesverband. „Auch in der Kindertagespflege werden Kinder professionell begleitet, sprachlich gefördert und in ihrer sozialen Entwicklung nachhaltig unterstützt.“ Damit Bildungsdefizite wirksam reduziert und gleiche Chancen für alle Kinder geschaffen werden können, müsse die Kindertagespflege in Rheinland-Pfalz endlich konsequent als zweite Bildungssäule anerkannt und ausgebaut werden.
Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
Quelle: Landesverband Kindertagespflege Rheinland-Pfalz e.V.

