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Bremen: Größere Elternnachfrage nach U3-Plätzen

18.05.2014 Kommentare (0)

47,9 Prozent der Eltern von Kleinkindern unter drei Jahren in der Stadt Bremen brauchen einen Betreuungsplatz. Das ist das Ergebnis einer Elternbefragung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und der Universität Dortmund, die Sozialsenatorin Anja Stahmann heute (Freitag, 16. Mai 2014) auf der Basis einer Darstellung des Statistischen Landesamtes Bremen vorgestellt hat.

"Mit diesem Wert übertrifft die Elternbefragung unsere zum Kindergartenjahr 2014/15 geplante Versorgungsquote von 45 Prozent2, sagte die Senatorin. "Der aktuelle Ausbau richtet sich nicht nach der Elternbefragung, sondern nach den konkreten Anmeldungen in Krippen, Kindergärten und bei Tagesmüttern." Erfahrungsgemäß entschieden sich nicht alle Eltern mit Betreuungsbedarf für einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz. "Für alle angemeldeten Kinder unterbreiten wir den Eltern ein Angebot", betonte die Senatorin. Das Ressort werte derzeit die Berichte der Träger zu den Kindern aus, die bislang noch unversorgt seien.

"Damit ist der Ausbau aber keineswegs abgeschlossen. Wir müssen weiter erhebliche Anstrengungen unternehmen, damit wir dem Bedarf langfristig gerecht werden." Über den derzeit von Eltern geltend gemachten Bedarf hinaus sei nach den Ergebnissen der Studie sogar eine Nachfrage von über 50 Prozent zu erwarten. "Angesichts steigender Kinderzahlen in dieser Altersgruppe und den sozialpolitische Anforderungen an die Kindertagesbetreuung erfordert das einen enormen finanziellen Kraftakt, den Bremen ohne Unterstützung des Bundes nicht stemmen kann", betonte Senatorin Stahmann.

In konkreten Zahlen bedeutet das: Die Zahl der Kinder unter drei Jahren wird von derzeit 13.771 (Stand: 31. Dezember 2013; Quelle: Einwohnermeldeamt) auf rund 14.400 im Jahr 2016 ansteigen. Bei der mittelfristig angestrebten Versorgungsquote von rund 50 Prozent wären im Lauf der nächsten Jahre dann rechnerisch rund 7200 Plätze nötig, das über 1000 mehr als für das Kindergartenjahr 2014/2015 vorgesehen. Mit diesem Ausbau, der die sozialen Bedarfe abdeckt, die steigenden Bedarfe wegen Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die steigenden Kinderzahlen, würden die laufenden Kosten von derzeit knapp 150 Millionen Euro auf 165 Millionen (nach heutigen Preisen und Einkommen) steigen.

Im Rahmen der Studie hat die Sozialbehörde im Mai 2013 alle erreichbaren Eltern in der Stadtgemeinde Bremen angeschrieben, die mit dem 1. August 2013 den neu eingeführten Rechtsanspruch auf Betreuung von Kindern unter drei Jahren geltend machen konnten. 35,9 Prozent der Angeschriebenen haben den vierseitigen Fragebogen ausgefüllt an den Forscherverbund aus DJI und Technischer Universität Dortmund zurückgeschickt. Die Studie hat die aktuelle Betreuungssituation erhoben und die Wünsche sowie die Bedarfe ermittelt und für eine stadtteilgenaue Prognose gewichtet.

Dabei hat der Forscherverbund aus DJI und Technischer Universität Dortmund auch die Lebensverhältnisse von Eltern in Bremen mit und ohne Kinderbetreuung genauer beleuchtet: "Wir wissen jetzt besser, wie viele Alleinerziehende die Chancen frühkindlicher Bildung noch nicht nutzen, wie groß der Anteil an Erwerbslosen oder Zuwanderern ohne Kleinkindbetreuung ist. Das gibt uns wichtige Hinweise für unsere Ausbaustrategie, weil wir künftig verstärkt um Kinder mit Unterstützungsbedarfen werben wollen", so Anja Stahmann. "Nur so können wir daran arbeiten, soziale Nachteile auszugleichen und Wege aus der Armut zu ebnen."

"Die Beteiligung in den Stadtteilen war allerdings sehr unterschiedlich", betonte Anja Stahmann. Sie reichte von 16,2 Prozent in Gröpelingen bis 69,2 Prozent in Borgfeld. "Das bestätigt, was wir auch aus den Anmeldeverfahren wissen: Die Notwendigkeit von Kinderbetreuung wegen Ausbildung und Berufstätigkeit und die Nachfrage nach frühkindlicher Bildung sind in den Stadtteilen ganz unterschiedlich ausgeprägt. Das spiegelt sehr deutlich die soziale Spaltung unserer Stadt."

Auch die vom DJI errechneten Betreuungsbedarfe verweisen auf erhebliche Unterschiede zwischen den Stadtteilen. Die Spannbreite reicht von 40,1 Prozent in Osterholz bis 55,9 Prozent in der Östlichen Vorstadt. Zwischen diesen Werten liegen die Stadtteile Mitte (55,8 Prozent), Schwachhausen (54,9), Oberneuland (53,1), Neustadt (52,1) mit deutlich überdurchschnittlichen Bedarfsquoten, und die Stadtteile Blumenthal (40,4), Burglesum (40,6), Huchting (40,6) und Vegesack (41,1) mit deutlich unterdurchschnittlichen.

Dabei klaffen der errechnete Betreuungsbedarf und die zum Kindergartenjahr 2014/15 geplante Versorgungsquoten in den Stadtteilen teils spürbar auseinander. In den Stadtteilen Borgfeld, Horn-Lehe, Walle, Mitte, Vegesack, Hemelingen, Woltmershausen, Vahr und Osterholz liegt der Bedarf unter der zum Kindergartenjahr 2014/15 geplanten Versorgungsquote. In den Stadtteilen Östliche Vorstadt, Obervieland, Neustadt, Blumenthal, Burglesum, Findorff, Gröpelingen, Huchting, Schwachhausen und Oberneuland liegt er darüber.

Eine der Ursachen ist, dass der Ausbau in den vergangenen Jahren in Regionen geplant wurde, nicht innerhalb von Stadtteilgrenzen. Grund für dieses Vorgehen war das enorme Tempo des Ausbaus weit über die ursprünglich erwartete Versorgungsquote von 35 Prozent hinaus. "Wir haben Angebote der Träger finanziert, die schnell zu realisieren waren", sagte Anja Stahmann. "Dabei haben wir das Ziel eines wohnortnahen, aber statteilübergreifenden Ausbaus verfolgt." Im Zuge eines mittelfristig angelegten Ausbaukonzeptes werde die Sozialbehörde in den kommenden Jahren nachjustieren, ein Konzept solle noch in diesem Jahr vorgelegt werden. "In diesem Konzept wird nicht nur die steigende Nachfrage in Stadtteilen mit hoher Berufstätigkeit und wachsenden Kinderzahlen berücksichtigt, sondern auch dargelegt, wo die Nachfrage durch neue Angebote gesteigert werden soll, damit mehr Kinder die Chancen der frühkindlichen Bildung nutzen."

Die Notwendigkeit, Eltern für die frühkindliche Bildung zu gewinnen, zeige sich besonders in Stadtteilen, in denen drei Faktoren zusammenkommen: eine niedrige aktuelle Betreuungsquote, wenig artikulierter Betreuungsbedarf sowie geringe Beteiligung an der DJI-Umfrage. Diese Konstellation betreffe in erster Linie die Stadtteile Gröpelingen, Osterholz, Huchting, Hemelingen, Blumenthal und Burglesum. "Das Zusammentreffen dieser drei Faktoren zeigt, dass die Chancen frühkindlicher Bildung im Bewusstsein vieler Familien in diesen Stadtteilen noch nicht angekommen sind. Daran müssen wir arbeiten", sagte die Senatorin und kündigte gezielte Programme an. Gleichzeitig gelte es auch weiterhin, die Rechtsansprüche von Eltern zu erfüllen, die wegen Ausbildung und Beruf Betreuung nachfragen. Das betreffe vor allem die Stadtteile Oberneuland und Schwachhausen, wo Bedarf und Versorgungsquote prozentual am weitesten auseinanderklaffen (Oberneuland: -23,1 Prozent; Schwachhausen: -11,9 Prozent).

"Wir müssen jetzt die Weichen für die Finanzierung des anstehenden Ausbaus in den kommenden Jahren stellen", sagte Anja Stahmann. Neben den erkennbar steigenden Bedarfen sei dabei auch die deutlich steigende Zahl der Kinder unter drei Jahren zu berücksichtigen. "Derzeit geben wir fast 150 Millionen Euro für die Kinderbetreuung in Krippen, Kitas, Horten und in der Tagespflege aus, in den kommenden Jahren werden wir zweistellige Millionenbeträge zusätzlich brauchen. Ohne den Bund können wir das nicht schaffen." Volkswirtschaftler hätten inzwischen errechnet, dass Kosten und Nutzen des Ausbaus in der Kindertagesbetreuung zwischen Bund und Sozialkassen einerseits und Kommunen andererseits höchst ungleich verteilt seien. "Bund und Sozialkassen profitieren, weil Frauen früher in den Beruf zurückkehren, mehr Stunden arbeiten und dem Bund über den erhöhten Konsum auch mehr Umsatzsteuer zuführen. Den Kommunen bleiben vor allem die laufenden Kosten für den Betrieb der Kinderbetreuung", sagte die Senatorin: "So kann das nicht funktionieren." Bei der Jugend- und Familienministerkonferenz kommende Woche in Mainz wolle sie sich daher für eine spürbare Beteiligung des Bundes an den Investitionen und am laufenden Betrieb der Einrichtungen einsetzen: "Das ist mit den anderen Ländern schon besprochen."

Als "bemerkenswert" bezeichnete Anja Stahmann schließlich die bislang wenig beachtete Rolle der Großeltern für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. In 17 Prozent aller Familien sind sie nach den Ergebnissen der DJI-Studie in die Betreuung mit eingebunden, in zwei Dritteln aller Fälle sind sie sogar die alleinige Unterstützung in der Betreuung. Das entspricht einer Betreuungsquote von rund zehn Prozent bezogen auf alle Kinder unter drei Jahren. "Diese enorme Leistung der älteren Generation für die Familien wird in der öffentlichen Diskussion bislang öffentlich nicht angemessen gewürdigt", sagte die Senatorin.

Quelle: bildungsklick.de

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