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Hand-in-Hand:Kita-Praxisseminare für Kinder und Fachkräfte

Susanne Kern

25.06.2015 Kommentare (0)

Egal ob Experimente, Naturpädagogik, Musikwerkstatt, Lieder und Spiele oder Yoga – in der innovativen Seminarform „Hand-in-Hand“ arbeiten ErzieherInnen mit  erfahrenen ReferentInnen an einem Praxisthema mit den ihnen anvertrauten  Kindern in der eigenen Kita.

 

Es ist Dienstagvormittag, die Erzieherinnen beginnen ihren Arbeitstag, Kinder werden gebracht und die Fortbildungsreferentin Silvia Willwertz richtet den Besprechungsraum für den Theorieteil und die Werkstatt für den Praxisteil, denn heute findet hier eine „Hand-in-Hand Fortbildung“ statt. Pünktlich um 8:30 Uhr sitzen sieben Erzieherinnen am großen Tisch. Sie erfahren nun theoretische Hintergründe zur musikpädagogischen Arbeit und erlernen einfache Lieder aus aller Welt sowie deren rhythmische Begleitung mit elementaren Instrumenten wie beispielsweise Schlegel zum Musizieren auf Stabspielen oder Schrapphölzer für alle Altersgruppen in der Kita.

Zur gleichen Zeit arbeiten die restlichen Teammitglieder mit den Kindern in den Gruppen.

Nach einer kurzen Pause um 9:50 Uhr holt jede Erzieherin ein bis zwei Kinder aus ihrer Gruppe und es folgt eine einstündige Praxisphase in der Werkstatt, in der Erzieherinnen und Kinder mit fachlicher Begleitung Schlegel und Schrapphölzer bauen. Diese intensive Beziehungszeit wird zum besonderen Erlebnis für die einzelnen Kinder und ihre Erzieherinnen, die begeistert gemeinsam Neues lernen:  besonders schüchterne Kinder werden aktiv, unruhige Kinder arbeiten konzentriert, und unbekannte Fähigkeiten werden entdeckt.

bb_seminar_hand_in_hand_Juni 2015

Damit sich kein Kind ausgeschlossen fühlt, musizieren Erzieherinnen und alle Kinder  gemeinsam mit den selbst gebauten Instrumenten und singen die neu gelernten Lieder. Danach folgt eine kurze Reflexionsrunde für die Teilnehmerinnen der Fortbildung.

Nach der Mittagspause tauschen die Teammitglieder: Die Fachkräfte, die morgens an der Fortbildung teilgenommen haben, übernehmen den Gruppendienst und die anderen Erzieherinnen kommen nun zur Fortbildung. Wieder folgen eine Theorieeinheit, das Erlernen der neuen Lieder und die Möglichkeiten zur Liedbegleitung  mit Instrumenten. Dann  wählen auch diese Erzieherinnen Kinder für die Praxisphase zum Instrumentenbau aus. Wir gehen davon aus, dass die Erzieherinnen einschätzen können, welche Kinder dieses Angebot wahrnehmen möchten und wie viele Kinder sie sich jeweils zutrauen. Welche Altersgruppe in Frage kommt ist abhängig vom gewählten Seminarthema. Auch diese Gruppe von Erzieherinnen  findet sich zu einer Reflexionsrunde  zusammen.

Die Kita St. Elisabeth hat nach zwei Tagen über 60 neue elementare Instrumente. Und diese sind alle selbst gebaut und bereits bespielt. Es wurde geschmirgelt, gemalt, poliert und gestaunt – alle Kinder hoch konzentriert, von der kleinsten 2,5jährigen bis zum größten 7jährigen.

Hinter dem Hand-in-Hand Fortbildungskonzept stecken gleich mehrere Ideen und es hat sich gezeigt, dass alle Beteiligten auf verschiedensten Ebenen profitieren können:

Team/Fachkraft

Das gesamte Team kommt auf den gleichen Wissensstand . Die ErzieherInnen arbeiten mit den ReferentInnen innerhalb der „realen“ Rahmenbedingungen der Einrichtung. Bei Bedarf können somit direkt Umsetzungshilfen erarbeitet und bei auftauchenden Problemen Lösungen gesucht werden. In den anschließenden Praxisphasen, können die Fachkräfte ihr neu erworbenes Wissen gleich umsetzen und erleben unmittelbar, wie die Kinder auf die neuen/anderen Angebote reagieren.

Jede teilnehmende Fachkraft hat die Möglichkeit, eine  besonders intensive Bildungs- und Beziehungszeit mit einzelnen Kindern zu erleben. Grundsätzlich kommt es im Kitaalltag immer mal wieder zu Angeboten an dem einzelne Fachkräfte mit einzelnen Kindern oder Kleingruppen intensiver arbeiten. Durch die beiden Arbeitsphasen im Rahmen der Hand-in-Hand-Fortbildung kann eine große Zahl der Kinder erreicht werden.

Einrichtung/Träger

Die Einrichtung/der Träger profitiert dahingehend, dass  für Fortbildungen nicht ganztägig auf Teammitglieder verzichtet werden muss und dass Personalengpässe wie bspw. Erkältungsperioden nicht zwangsläufig die Teilnahme der gesunden Kollegen an Fortbildungen verhindert. Positiv hervorzuheben ist außerdem,

  • dass die Einrichtung keinen Schließtag für die Teamfortbildung benötigt,
  • dass für die Umsetzung im Alltag schon der erste Schritt gemeinsam gegangen wurde,
  • dass daher keine Überzeugungsarbeit mehr geleistet werden muss.

Pädagogische Arbeit und Einbeziehung der Eltern

Darüber hinaus sorgt die Hand-in-Hand-Fortbildung dafür, dass die Fortbildungsinhalte direkt bei den Kindern ankommen. Sie ist ein besonderer Programmpunkt für die Kinder im Kindergartenalltag und durch die gemeinsamen Unterrichtseinheiten werden Fortbildungstage und -inhalte im Alltag transparent.

 Am Ende des Tages sind auch die Eltern herzlich eingeladen in die Abschlussrunde dazu zu kommen. So können sie miterleben, was die ErzieherInnen Neues gelernt haben und mit wieviel Freude die Kinder dieses aufnehmen. Bei der „Musikwerkstatt“ können die Eltern direkt eingeladen werden, mitzusingen und zu musizieren, was ein besonderes Gemeinschaftsgefühl ermöglicht. Da die Konzeption der Musikwerkstatt interkulturell ist, können Eltern unterschiedlichster Herkunft angesprochen werden.  Die Eltern können die Fortbildungsinhalte und deren Wirkung in der Praxis erleben und nehmen die Fortbildung nicht als Störfaktor wahr. In den intensiven Interaktionen zwischen ErzieherIn und Kindern im Laufe der Praxisphasen kann eine tragfähige Beziehung gefördert und gestärkt werden.

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ReferentIn

Auch die Referenten profitieren in diesem Fortbildungsformat. Durch den direkten Praxisbezug könnensie beobachten, wie die Inhalte durch die ErzieherInnen umgesetzt werden, wo Probleme auftauchen und wie die Kinder auf die Anregungen reagieren. Somit können sie ihre künftigen Fortbildungen mit noch mehr Praxiswissen anreichern.

Fazit

Ich habe dieses Projekt entwickelt und bin  begeistert: Es ist bewegend zu sehen, wie die Erzieherinnen sich im Rahmen der Fortbildung gemeinsam mit den Kindern weiterentwickeln und wie begeistert die Kinder auf die Angebote reagieren.

Das ganze Team ist überzeugt von der Praxistauglichkeit und Effektivität dieser Art der Fortbildung. Rita Kaiser, die Leiterin der Kita, ist sich sicher, dass viele Elemente in den Kita-Alltag integriert und weitere Bauprojekte folgen werden – möglicherweise auch gemeinsam mit den Kita-Eltern zur Stärkung der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft.

Die Autorin:

Susanne Kern,  Diplom Pädagogin mit den Schwerpunkten „Pädagogik der frühen Kindheit“ und „Entwicklungspsychologie“. Praxiserfahrung aus Krippe, Kita, Schülerbetreuung, ambulante Jugendhilfe (Frühe Hilfen), stationäre Jugendhilfe (Mutter-Kind-Heim). Weiterbildungen in Elternberatung und Basiskurs systemisches Coaching.

Beim Berufsbildungsseminar e.V. tätig im Bereich Projektmanagement, Beratung, Planung, Konzeption und Referentin im Bereich Frühpädagogik.

Berufsbildungsseminar e.V.
Rathausplatz 1
76829 Landau
06341 919381

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