ErzieherIn.de
zwei U3 Kinder

Hort – Auslaufmodell oder Zukunftsvision?

Kontaktstellentreffen der Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen (BAGE) in Germerode

Anlässlich ihres halbjährlichen Treffens befassten sich die Vertreter_innen aus den Kontaktstellen der Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen (BAGE) mit dem Thema „Was brauchen große Kinder“, also Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren.

Nach einem fachlichen Input durch Detlef Diskowski, dem ehemaligen Referatsleiter für Kindertagesstätten des Landesministeriums Brandenburg für Bildung, Jugend und Sport und jetzt bei der „Initiative für große Kinder“ engagiert, setzten sich die Teilnehmer_innen mit den Bedürfnissen der großen Kinder und den unterschiedlichen Rahmenbedingungen in der Betreuung dieser Kinder auseinander.

Dabei wurde festgestellt, dass die Phase der Kindheit im Schulalter bis 14 Jahren nicht im pädagogischen Fokus von Politik und Eltern steht, sondern sich dieser allenfalls auf den schulischen Unterricht beschränkt. Zwei Drittel ihrer Zeit verbringen diese Kinder aber außerhalb des Unterrichts.

Die fehlende Beachtung dieses Umstandes führt zu absolut unzulänglicher finanzieller Ausstattung in der Nachmittagsbetreuung. Vielerorts wird aus Kostengründen das pädagogische Modell Hort, welches in den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe fällt, zu Gunsten des flächendeckenden quantitativen Ausbaus des „Sparmodells“ Offene Ganztagesschule und der Angebote von alternativen Trägern von Nachmittags- und Ferienbetreuung abgebaut.

In dieser Form der Betreuung fehlen aber nahezu bundesweit jegliche Standards für Personalschlüssel, Personalqualifikation, Gruppengröße, geeignete Räume und Weiterbildung.

Die angemahnte Zusammenarbeit zwischen Nachmittagsbetreuung und Schule ist vielerorts holprig oder de facto nicht existent. Dabei wäre es ein Zeichen von Qualität der Betreuung, dass der individuelle Bedarf des einzelnen Kindes im Mittelpunkt stünde und ihm Rechnung getragen würde, auch durch einen fachlichen Austausch der es betreuenden bzw. beschulenden Personen.

Aufgrund der fast überall unzureichenden Gegenfinanzierung arbeiten viele Arbeitnehmer bei Trägern von Nachmittagsangeboten in prekären Arbeitsverhältnissen. Dies führt zu hoher und pädagogisch schädlicher Personalfluktuation. Dies alles bedeutet, dass Kindern und erst recht Kindern mit besonderen Bedürfnissen hier keine angemessene Förderung finden können.

Hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist festzustellen, dass die Öffnungszeiten der Nachmittagsbetreuung und auch während der Schulferien nicht annähernd dem Bedarf der Familien entsprechen. Im Schnitt sind auf das Jahr betrachtet 57% der Elternarbeitszeit nicht von den Öffnungszeiten der Nachmittagsbetreuung abgedeckt.

Die BAGE fordert einen Rechtsanspruch für Kinder im Alter bis 14 Jahren auf zeitlich und qualitativ ihrem Bedarf entsprechende Ganztagesbetreuung. Damit einhergehen gesetzlich verankerte und dem Bedürfnis der Kinder entsprechende Standards und Rahmenbedingungen auch in der Schulkindbetreuung und deren Gegenfinanzierung.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen (BAGE) ist die Organisation der Dachverbände von Elterninitiativen, die Kinderbetreuung selbst organisieren. In Deutschland gibt es ca. 7000 Elterninitiativen, in denen mehr als 200.000 Kinder betreut werden. Orte, an denen Eltern und Erzieher_innen selbstbestimmt das Leben mit den Kindern gestalten.

Kontakt: www.bage.de, info@bage.de, Tel.030/700942560 
 
Quelle: Pressemitteilung Berlin, den 4.10.2016 Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen

Ihre Meinung ist gefragt!

Wir freuen uns über Kommentare.

Kommentare (1)

  • Darshana Hedy Dries:
    05.11.2016 um 09:54 Uhr

    Wenn man bedenkt, dass wir die Kinder in Massen verwalten und das niemanden, selbst die Eltern nicht interessiert oder stört, frage ich mich als (Er)Beziehungsmediatorin und Pädag. Fachkraft für Salutogenese und Resilienz, wo soll da der Gedanke der BEDÜRFNIS- und KINDGERECHTEN BETREUUNG aufkommen, geschweige denn, die so dringend und notwendige Umsetzung. Dazu noch für...das bisschen Geld, das wir verdienen, mit der unvermeidbaren Aussicht auf eine Altersarmut!!! Das ist für unsere Zeitqualität "JETZT" und das, was Betreuer(innen) gerne anbieten und mit den Kindern und Jugendlichen viel lieber machen würden, ein trojanisches Pferd und an den Beteiligten vorbei gedacht! Fragt doch mal Kinder und Betreuer nach ihren Bedürfnissen und ihren Wünschen und danach welche Schritte als nächstes notwendig sind um sie umzusetzen.....das wäre zumindest schon mal zeitnah, paritätisch.....und eine verlockendere Zukunftsaussicht für den beruflichen Nachwuchs.

    Antworten


Kommentar schreiben



Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Erlaubte Tags: <strong><em><br>Kommentar hinzufügen:


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.




Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.

ErzieherIn.de wird gefördert von:

Wehrfritz

Seit über 80 Jahren ist Wehrfritz Komplettausstatter für Krippen und Kindergärten. Das Sortiment umfasst innovative Möbel, Raumkonzepte, Außenspielgeräte, ausgewählte Spiel- und Lernmaterialien.
www.wehrfritz.de

Sponsor werden

Stellenmarkt

21.02.2020 Erzieher (w/m/d) für Kindertagesstätte, Berlin
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Berlin
20.02.2020 Pädagogische Fachkraft (w/m/d) für integrative Kita, Leipzig
Outlaw gGmbH
20.02.2020 Stellvertretende Kita-Leitung (w/m/d), Berlin
Kindertagesstätten Nordwest, Eigenbetrieb von Berlin
weitere Stellen

Newsletter für Fachkräfte

Alle zwei Monate kostenlose Infos jetzt abonnieren.

Aktuelle Rezensionen

Buchcover

Lena Nentwig: Berufsorientierung in der Inklusion? Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2018. 329 Seiten. ISBN 978-3-7815-2262-6.
Rezension lesen   Buch bestellen

Buchcover

Institut für den Situationsansatz/ Fachstelle Kinderwelten (Hrsg.): Inklusion in der Fortbildungspraxis. Was mit Kindern GmbH (Berlin) 2018. 160 Seiten. ISBN 978-3-945810-40-8.
Rezension lesen   Buch bestellen

weitere Rezensionen

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Feed Icon RSS-Feed abonnieren
RSS der Kommentare abonnieren

Feed Icon Folgen Sie uns auf Facebook

Nutzen Sie auch die Angebote unseres Herausgebers socialnet: