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Ist unsere Kita eine gute Kita?

Clemens Matthias Weegmann

04.11.2012 Kommentare (1)

Dass sich die Qualität von Erziehung, Betreuung, Bildungsmaßnahmen und -systemen beurteilen und verbessern lässt, wird nicht mehr bezweifelt. Unstrittig ist auch, dass alle, die verantwortlich für die Bildungsbiografien von Kindern sind, ein Interesse an validen Daten haben, um gezielt Verbesserungen einleiten zu können. Welche Instrumente sich dafür eignen, das „Wie“ also - darüber gehen die Meinungen auseinander.

Die Bezeichnung „Qualitätsentwicklung und -management“ steht für Messbarkeit, Transparenz, Kundenorientierung und die kontinuierliche Verbesserung von Prozessen. Für Pädagogen klingen diese aus der Ökonomie stammenden Begriffe oft sehr technisch, und sie argumentieren,  ihre Arbeit sei nicht mit der in einer Fabrik vergleichbar. Dies ist grundsätzlich einer der entscheidenden kritischen Punkte im Hinblick auf die „Professionalisierung moderner Dienstleistungsberufe“, denn inzwischen „stellt sich nicht nur die Frage nach den Kosten sondern auch nach der Qualität der erbrachten Leistung“ (vgl. Kronberger Kreis 1998:15f). Es ist also an der Zeit, sich mit anerkannten Qualitätssicherungs-Werkzeugen (wie etwa dem so genannten Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9000f) auseinanderzusetzen.

In welcher Qualität und mit welchem Ergebnis Kindertagesstätten den Bildungsauftrag umsetzen, lässt sich messen, und es ist durchaus vorstellbar, dass Zuschüsse künftig abhängig gemacht werden vom Erreichen definierter Qualitätsstandards.

Qualitätsentwicklung ist Teamentwicklung

Es gibt viele Argumente, die für die Einführung und Verstetigung eines QM-Prozesses sprechen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich die intensive, wertschätzende Auseinandersetzung eines Teams mit den eigenen Aufgaben positiv auf die Motivation auswirkt, die unverzichtbar für die Akzeptanz der geplanten Maßnahmen ist.

Will sich ein Träger oder eine Kita neu ausrichten, sollten im Vorfeld  folgende Fragen geklärt werden:

  • Wie lässt sich pädagogische Ethik mit betriebswirtschaftlichem Denken verbinden?
  • Wie können wir den Lebensweltbezug der Sozialen Arbeit trotz der vermeintlichen Gegensätzlichkeit in eine exzellente „Kunden- und Nutzerorientierung“ integrieren?
  • Wie können wir uns zu einem sozialen Dienstleister entwickeln, dessen Leistungen (= fachlich qualitativ hochwertige Produkte) zu marktfähigen Preisen nachgefragt werden?
  • Woran, wenn nicht an der Qualität, wird sich beim wachsenden Wettbewerb sozialer Institutionen und Träger künftig die öffentliche Förderung orientieren?

Wettbewerbsfähig durch Qualitätsentwicklung

Die Untersuchungen pädagogischer Qualität in Kindertageseinrichtungen (von Tietze u.a.) aus dem Jahr 2005 zeigen, dass Handlungsbedarf besteht. Die zentralen Ergebnisse lauten:

  • Die pädagogische Prozessqualität der untersuchten Kindertageseinrichtungen befindet sich lediglich im Bereich gehobener Mittelmäßigkeit. Es bestehen beträchtliche Unterschiede in der pädagogischen Struktur- und Prozessqualität zwischen Halbtags- und Ganztagskindergartengruppen in Ost und West.
  • Bei viereinhalbjährigen Kindern ist in drei von fünf Entwicklungsfeldern, nämlich beim Sprachentwicklungsstand, bei der Sozialkompetenz und bei der Bewältigung von Alltagssituationen ein eigenständiger(statistisch gesicherter und substanzieller) Effekt der pädagogischen Qualität auf die kindliche Entwicklung offensichtlich.

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse machen die Autoren der Studie konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung und Sicherung pädagogischer Qualität in Tageseinrichtungen für Kinder. Demnach lässt sich die Strukturqualität durch Mindeststandards im Erzieher-Kind-Schlüssel verbessern, die Orientierungsqualität durch ein höheres Ausbildungsniveau und das pädagogische Handeln durch definierte Leitlinien und Konzepte. Zur Verbesserung der Prozessqualität werden unter anderem Fortbildungen und die Implementierung eines Steuerungssystems der Prozessqualität empfohlen (vgl. Tietze u.a. 2005).

Start bei Null – Grundlagen legen

Bei der Konzept-e für Kindertagesstätten gGmbH begünstigte der Zufall die Einführung der Qualitätsentwicklung. Schwangerschafts- und Krankheitsausfälle dezimierten das Personal drastisch. Die Vertretungen zu organisieren war schwierig, weil kein Prozess definiert war und niemand wusste, welche Aufgaben wie erledigt werden müssen. Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen ein starkes Wachstum. Diese Situation bot die Chance, Kriterien und Standards für die wichtigsten Abläufe festzulegen. Modellhaft wurden entsprechende Kernprozesse definiert und dem „Labortest“ unterzogen.

Neue Erzieherinnen wurden in Einzel-Supervisionen mit dem hauseigenen pädagogischen element-i-Konzept vertraut gemacht. Im Team wurde überprüft, wie die Qualität einer konkreten pädagogischen Situation vor dem Hintergrund dieses Konzeptes zu beurteilen ist.  

Die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit führte dazu, dass die definierten Maßnahmen in hohem Maße von allen akzeptiert wurden. Die Motivation des Teams stieg, auch die Kundenzufriedenheit war exzellent. So ging der „Laborversuch“ in die Umsetzung und es wurden für alle 23 Kindertagesstätten Kernprozesse (Abb. 1) definiert, die die Grundlage waren für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (Abb. 2).

Abbildung 1: Kernprozesse
Abbildung 1: Kernprozesse
Abbilung 2: Regelkreis
Abbildung 2: Qualitätsverbesserung durch stetige Wiederholung der Prozessschritte und schrittweises Anheben der Standards

 

Nachprüfbarkeit und Kontrolle entscheiden über den Erfolg des gesamten Prozesses. Die Beteiligung der Mitarbeiter an Entscheidungen und Abläufen, das Hinterfragen des Konzeptes und Anregungen zu Verbesserungen sind ausdrücklich erwünscht und werden eingefordert. Das Team hat weit reichende Entscheidungsbefugnis und die allermeisten Entscheidungen werden im Team getroffen.

Qualitätsentwicklung ist eine Leitungsaufgabe

Qualität entwickelt sich nur dann nachhaltig, wenn

  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Qualitätsentwicklungsprozess beteiligt sind,
  • ihre Meinung gehört und respektiert wird,
  • der Prozess an ihren Wünschen ansetzt,
  • er ihnen deshalb sinnvoll erscheint und
  • sie im Qualitätsentwicklungsprozess ihre Stärken ausleben dürfen (vgl. Kronberger Kreis 1998). 

Nach drei Jahren des Aufbaus waren schließlich die Grundlagen für ein nachhaltiges Qualitätsmanagement bei der Konzept-e gGmbH gelegt.

Autor
Clemens Matthias Weegmann
Leitung QM bei der Konzept-e gGmbH

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Kommentare (1)

  • oppermann:
    15.11.2012 um 17:09 Uhr

    exzellente Darstellung, wir haben nach 0 0/2 Jahren einen Entwurf eines Handbuchs fertiggestellt für 4 Einrichtungen, leider sit dem Träger das Geld ausgegangen, um das Projekt die weiteren 08 Monate durch zu setzen. Es brauch drei Jahre und der Titel stimmt.

    Antworten


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