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mehrere Kinder

Jenseits unseres Horizonts

06.04.2009 Kommentare (0)

In dieser Rubrik wollen wir regelmäßig über Kinder in anderen Erdteilen berichten, deren Situation für uns kaum vorstellbar ist. Auf der einen Seite werden viele dieser Kindheiten von Hunger, Krieg, Vertreibung geprägt. Diesen schrecklichen Schicksalen stehen aber auch Initiativen gegenüber, die den Überlebenswillen und die Kreativität der Kinder dokumentieren. So zum Beispiel mit der Kinderarbeit, die für die Kinder zum einen eine Überlebensnotwendigkeit darstellt, zum anderen aber auch ungeahnte Fähigkeiten zum Vorschein bringt. Wir veröffentlichen hier einen Auszug aus dem ProNats Newsletter (http://www.pronats.de/index.php?id=94):

„Einkommen aus würdiger Arbeit. Initiativen der Afrikanischen Bewegung der Arbeitenden Kinder und Jugendlichen

Seit einigen Jahren entstehen in der Afrikanischen Bewegung der Arbeitenden Kinder und Jugendlichen (AMWCY) Arbeitsprojekte, sogenannte (IGA), mit denen die Kinder in selbstbestimmter Weise lebensnotwendiges Einkommen erwirtschaften. Sie ermöglichen den Kindern und Jugendlichen, sowohl ihren Lebensunterhalt und Ausgaben für den Schulbesuch zu bestreiten, als auch verschiedene Projekte und Aktivitäten der Bewegung durchzuführen. Die Entscheidung, welche IGA von den jeweiligen Grass-Root-Gruppen realisiert wird, entscheiden die lokalen Kinderkomitees der Bewegung. Die Anschubfinanzierung erfolgt entweder aus dem eigenen Privatbudget der Kinder oder aus Spenden.

IGAs können unterschiedlichste Arbeiten umfassen, wie Cateringservice, Landarbeit, Verkauf von Telefonkarten für Mobiltelefone, Herstellung von Seifen, Waschmittel, Klebstoff oder Öl aus örtlich vorhandenen Rohstoffen, Schneiderei, Zucht und Verkauf von Hühnern oder Fischen etc. Die Kinder und Jugendlichen der Bewegung stellen in der Regel Bedarfsgegenstände oder Lebensmittel für die ansässige Bevölkerung her und versuchen sie zu verkaufen. Das ist nicht immer einfach. Um eine Idee rentabel zu machen, muss zunächst eine genaue Marktstudie des lokalen Umfelds gemacht werden. Oftmals ist diese Umgebung bereits von einfachen Ideen überflutet und man ist gezwungen, sich Kapital und Knowhow für komplexere Projekte zu beschaffen. Nicht immer haben die lokalen Assoziationen das Glück, dass ihnen -wie in Cotonou oder Zinvie (zwei Städte in Benin) - der König ihrer Region oder der jeweils ein Feld zur Verfügung stellt, um neben der Hühnerzucht auch ein Feld zu bestellen und somit eine weitere Einkommensquelle zu haben. Um die Unterstützung von lokalen Autoritäten zu finden, muss im Vorfeld versucht werden, durch Kampagnen und Aktionen einen hohen Bekanntheitsgrad zu erreichen. In der Regel ist nämlich aller Anfang schwer. IGAs erfordern - so Suru Boyon, der nationale Delegierte der Nigerianischen Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher - ein hohes Maß an Ernsthaftigkeit gegenüber der Bewegung.Denn IGAs werden neben der eigenen Arbeit meist anWochenenden durchgeführt und falls man nicht das Glück hat, eine IGA auf der Basis von Spenden zu initiieren, muss jedes Mitglied der Bewegung eine kleine Summe eigenen Geldes beisteuern. Das Geld, das die Kinder und Jugendlichen aus den IGAs erwirtschaften, kommt nicht nur demBudget der Kinder zugute, sondern ist zu einem Großteil für die Gemeinschaftskasse der Assoziation bestimmt. Nur ein kleiner, von den Kindern selbst festgelegter Teil des Erwirtschafteten erhält das an der IGA beteiligte Kind als eine Art Aufwandsentschädigung. Fednand Tot in, der Nationale Delegierte der Bewegung in Benin, erklärt dies anhand folgenden Beispiels: In seinem Dorf Sô-Tchanhue unterhalten die Kinder und Jugendlichen der Bewegung einen Catering-Service und verleihen Geschirr, Besteck, Zelte, Stühle u.a. für Begräbnisse, Hochzeiten und andere Feste. Wenn ein Kind oder Jugendlicher durch die Vermittlung eines Kunden beispielsweise 500 CFA eingebracht hat, so steht dem/r Vermittler/in 150 CFA (0,22 #) zu, und die übrigen 350 CFA(0,53 #) gehen in die Gemeinschaftskasse.

Die IGAs sind Ausdruck dafür, dass die Kinder und Jugendlichen die Ziele und Aufgaben der AMWCY tatsächlich ernst nehmen und Teile ihrer Freizeit dafür opfern, um eigenes Geld zu für ihre Projekten und Aktionen zu erwirtschaften und ihre Rechte publik zumachen. So nutzen sie das Geld beispielsweise für Treffen mit den Eltern von Kindern in ihren Dörfern, um mit ihnen über die richtige Erziehung der Kinder zu sprechen und um den Eltern klar zumachen, dass sie ihren Kindern zuhören und ihre Kinder ernst nehmen müssen. Auch verwenden sie das Geld, um Feste zu feiern, auf denen sie auf die Bewegung aufmerksam machen und neue Mitglieder gewinnen. Insofern sind die IGAs das Herz der Bewegung und zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen nicht warten, bis jemand kommt, um ihnen zu helfen, sondern dass sie versuchen, sich selber zu helfen.“

Ebenfalls aus Afrika erreicht uns die Nachricht über das Elend der Minenopfer. Wir zitieren aus der Unicef-Website (http://www.unicef.de/6484.html):

„Am 4. April war der Internationale Tag der Minenaufklärung.

Jedes dritte Minenopfer ist ein Kind. Eindrücke der Reise der UNICEF-Schirmherrin Eva-Luise Köhler vom 26. bis 30. März 2009

„Früh am Morgen geht es in das Dorf Tamba: Neben der neu aufgeschütteten Straße, die jetzt sogar asphaltiert werden soll, ducken sich kleine Häuser aus Lehmziegeln. Das Leben ist zurückgekehrt in das schwer vom Krieg getroffene Dorf. Die Bewohner waren vor den Kämpfen geflohen. Bei der Rückkehr stellte sich heraus, dass die Umgebung vermint war. Kurz nach Kriegsende sollte der heute 14-jährige Frederico das bitter erfahren: Auf dem Rückweg vom Schwimmen fanden er und seine Freunde einen Gegenstand aus Metall und spielten damit. Die Panzermine explodierte und tötete einen der Jungen. Frederico behielt bis heute Hör- und Sehschäden zurück. Es fällt ihm schwer, in der Schule zu folgen, mit dem einen Auge kann er nichts sehen. Dringend bräuchte er Untersuchungen und Unterstützung, damit er zumindest besser hören könnte.

Noch immer stecken längs der Wege in der Provinz Malanje die Holzstöcke mit roter Markierung als Warnung vor Minenfeldern im Boden. Das Alltagsleben kann nicht warten, bis die Minenräumtrupps mit ihrer Sisyphusarbeit die Minen weggeschafft haben. Dies wird wohl noch Jahrzehnte dauern, wenn überhaupt jemals genügend Geld und Fachleute verfügbar sind. UNICEF hat deshalb in den vergangenen Jahren intensiv die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen unterstützt, die über die Dörfer fahren und Kinder wie Erwachsene über die Minengefahr aufklären. Auch hier zeigt sich das große schauspielerische Talent der jungen Menschen in Angola: Auf dem Dorfplatz von Tamba haben sich schnell Hunderte Kinder und Eltern versammelt, als die Mitarbeiter von „Palancas Negras“ mit einem Sketch nachstellen, was bei einem Minenfund zu tun ist.

Die UNICEF-Schirmherrin Eva Luise Köhler ist besorgt, wie sehr Landminen bis heute die Menschen in Dörfern wie Tamba bedrohen. „Landminen und Blindgänger sorgen auch Jahre nach Kriegsende da für, dass Dorfbewohner und vor allem Kinder grausam verletzt oder getötet werden. Jedes dritte Minenopfer ist ein Kind. Gerade der armen Landbevölkerung rauben die Minen oft die Möglichkeit, nach Ende eines Krieges endlich wieder die Felder zu bestellen“, sagt sie auf dem Rückweg von Tamba. Frederico wird selbst mithelfen, andere Kinder vor den Minen zu warnen. Seine Mutter wünscht sich nichts mehr, als dass er weiter lernen kann und seinen Traum erfüllen kann, vielleicht selbst Lehrer zu werden, oder Arzt.“

Mehr: http://www.unicef.de/6484.html

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