Studentin im Hörsaal

Kinder brauchen ZEIT und RAUM für ihre Ent-wicklung Ein Plädoyer zur notwendigen Entschleunigung und Beendigung einer permanenten Verpädagogisierung des Kita-Alltags

09.03.2026 Kommentare (1)

Der Alltag vieler Kinder ist durch Hektik, Stress und Programmangebote gekennzeichnet, bei denen ihnen oftmals kaum Zeit zur Verfügung gestellt wird, in selbstgestaltete, nachhaltige Selbstbildungsprozesse hineinfinden zu können. Demgegenüber brauchen Kinder – gerade im Kindergartenalter – Zeit und Raum, um sich selbst, ihre eigenen Ressourcen und die Welt um sie herum wahrzunehmen, aus eigenem Interesse zu entdecken und auf diese Weise eine selbstgesteuerte Beziehung zu sich und ihrem Umfeld herzustellen.  

Schon seit vielen Jahren beklagen Kindheitsforscher, ganzheitlich orientierte Kinderärzte sowie zeitorientierte und wachsame elementarpädagogische Fachkräfte den Umstand, dass Kindern immer weniger Zeit und Raum zur Verfügung gestellt wird, um eigenen Interessen in Ruhe nachgehen zu können, eigene Vorhaben ungestört umzusetzen oder auch Zeiten zu genießen, ohne etwas Großartiges im Sinne einer bewegungsaktiven Handlung zu unternehmen. Das betrifft sowohl viele Kinder in ihrem Elternhaus als auch in zunehmendem Maße in von ihnen besuchten Kindertageseinrichtungen. Ein Blick in eine Reihe von Kindertageseinrichtungen macht dies deutlich, indem es festgelegte (starre) Tagesablaufstrukturenfest verankerte Wochentagaktivitäten und ausgefüllte Tagespläne gibt, die den Aufenthalt der Kinder nach vorgegeben Strukturmerkmalen takten. 

Gerade Kindheit ist kurz und nicht nachholbar. Wir dürfen sie nicht überspringen. Das ist doch wie bei Bäumen: Die, die zu schnell wachsen, haben später weiches Holz. Was stabil sein soll, braucht Zeit.

(Kirsten Boie)

Die Gründe für den „Raub von Kinderzeiten“ sind vielfältig. Sicherlich haben sich einerseits die Lebensbedingungen und –umstände vieler Eltern und der elementarpädagogischen Fachkräfte – nicht zuletzt durch eigene biographische Erfahrungen in einer zunehmend immer stärker technisierten und sich im Wandel befindlichen Welt – verändert und beschleunigt. Andererseits hat die überaus starke und rasante Aufwertung des Begriffs der >frühkindlichen Bildung< mit all’ ihren vielen Förderfacetten ebenfalls dazu beigetragen, dass sich in der Gestaltung der Elementarpädagogik Vieles, ja Grundlegendes verändert hat. Und das nicht nur zum Vorteil/ Wohl von Kindern. Gleichzeitig wurde bzw. wird dadurch allerdings der >eigene ENTWICKLUNGSZEITRAUM KINDHEIT< zunehmend, ja teilweise vollkommen funktionalisiert, so dass das Zeitempfinden und der Raum für Selbstbildungsprozesse bei Kindern verkümmert, weil außengesteuerte Zeitrhythmen und bildungsgeplante Angebote den Alltag der Kinder bestimmen.

Zeit ist nicht die Schnellstraße zwischen Wiege und Grab, sondern unser Parkplatz in der Sonne.

(Phil Bosmans

Viele „auffällige Verhaltensweisen“ bei Kindern wie beispielsweise Hyperaktivität, Impulsivität, dissoziales Verhalten, emotionaler Rückzug, geringe Konzentrationsfertigkeit, fehlende Belastbarkeit, soziale Isolation, Lern- und Kommunikationsstörungen, Angst- und Zwangstörungen wie auch psychosomatische Erkrankungen sind häufig eine Folge aus den drei großen entwicklungshinderlichen Bedingungsfeldern im Alltagsleben von Kindern: Kinderzeiten sind zerrissen, Kinderwelten werden zerteilt und Kinderräume sind immer stärker eingeschränkt! 

Darin sind sich viele (inter)national tätige und seit vielen Jahren forschende Erziehungswissenschaftler/innen und Entwicklungspsycholog/innen aufgrund einer systemischen Betrachtung heutiger Kindheiten, kindeigener Ausdrucksformen und vorgegebener Entwicklungsbedingungen einig (vgl.: Klaus Fröhlich-Gildhoff/ Gerald Hüther/ Rüdiger Kißgen/ Niels Birbaumer/ Harald Engler/ Karsten Brensing/ Tobias Hauser/ Manfred Spitz/ Karl Heinz Brisch/ Benjamin Hilbig et al). Kurzum auf den Punkt gebracht bedeutet dies: (a) Erwachsene – sowohl Eltern als auch Fachkräfte im Kita-Bereich - bieten Kindern immer häufiger Räume an, die in ihrer Gestaltung lediglich auf eine ganz bestimmte Funktionalität ausgerichtet sind, (b) Kindern werden Tätigkeiten von Erwachsenen – mit festen Erwartungsvorstellungen verbunden – vorgegeben, die Kinder möglichst zu erfüllen haben und dabei wird das Ganze in vorher festgelegten Zeiteinheiten eingebettet, in denen sich das Kind dem vorgesetzten Angebot zuzuwenden hat. (c) Erfahrungsräume werden arrangiert, künstliche Situationen, die mit dem Alltagserleben des Kindes teilweise oder gar nichts zu tun haben, hergestellt (= Konfrontation mit einer Wirklichkeit aus II. Hand), um Leistungen des Kindes mit zuvor erfassten Lernzielen für eine Zukunftskompetenz in eine Übereinstimmung zu bringen.

> Kinder und Uhren dürfen nicht ständig aufgezogen werden, man muss sie auch gehen lassen. <

(Jean Paul) 

Schon im Jahre 1990 erschien in der Zeitschrift PSYCHOLOGIE HEUTE ein Artikel von Helga Zeiher unter dem Titel „Kindheit: organisiert und isoliert“ (Heft 2/1990), „DIE ZEIT“ berichtete vom „Ende der Kindheit“ (19.04.2000, Nr. 17) und in der Zeitung „Die Woche“ lautete die Überschrift eines lesenswerten Beitrags „Kaputte Kindheit“ (03.01.1997, Nr. 2). Schon vor über 3 Jahrzehnten hätten sich demnach Eltern, pädagogische Fachkräfte und (sozial)politische Mandatsträger die Frage nach dem „Recht des Kindes auf den heutigen Tag“ (Janusz Korczak) stellen und für Veränderungen sorgen müssen. Der bekannte österreichische Lehrer und Schriftsteller Ernst Ferstl hat offensichtlich leider Recht, wenn er meint: >Wir brauchen viele Jahre bis wir verstehen, wie kostbar Augenblicke sein können<. (Ferstl, Kurz und fündig. Gedanken mit Tiefgang, 1995) 

Nicht vorüber. Was vorüber ist, ist nicht vorüber. Es wächst weiter in Deinen Zellen. Ein Baum aus Tränen oder vergangenem Glück.

(Rose Ausländer) 

Anstatt sich den tatsächlichen Entstehungsbedingungen des erwartungswidrigen Verhaltens bei Kindern zuzuwenden, diese fachkompetent und differenziert zu identifizieren und nachhaltige, entwicklungsförderliche Bedingungen in Gang zu setzen, werden Kinder im Sinne eines medizinischen Modells klassifiziert und mit Begriffsetikettierungen bewertet, um sie als >veränderungswürdig< zu betrachten und in Maßnahmen zu bringen, die bei ihnen eine Verhaltensänderung bewirken soll. Strukturelle, externe, institutionsbedingte, personale Ursachen werden dabei häufig ausgeblendet, so dass das Kind als >Symptomträger< in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt wird.

Jedes Kind hat das Recht zu lernen, zu spielen, zu lachen, zu träumen, zu lieben, anderer Ansicht zu sein, vorwärts zu kommen und sich zu verwirklichen.

(Hall-Dennis Report)

Prof. Dr. Klaus-Peter Brinkhoff hat das Thema „Kindheiten in der heutigen Zeit“ in seinem Beitrag „Kindsein ist kein Kinderspiel“ (in Mansel, J, 1996, S. 25-59) mit zutreffenden Begriffen sehr deutlich auf den Punkt gebracht, wenn er unter anderem von einer abgefederten „Airbag-Kindheit“, einer gnadenlosen „Konsum-Kindheit“, einer beherrschenden „Medien-Kindheit“, einer mit allen Weltereignissen konfrontierten „Erste-Reihe-Kindheit“, einer früh angelegten „Karriere-Kindheit“, einer funktionsgestalteten „Insel-Kindheit“, einer künstlich angebotenen „Entsinnlichten Kindheit“, einer durch den Verlust der Kindheit geprägten „Gefährdete Kindheit“ und schließlich einer „Ungewissen Kindheit“ spricht. In allem ist ein roter Faden zu erkennen, der sich durch diese Begriffs-Kindheiten zieht: Kindern fehlt ihre Zeit, um mit Ruhe und in unstrukturierten Räumen eigene Erfahrungen zu sammeln, unbelastet von Erwachsenenproblemen und nicht mit fremdbestimmenden Vorgabestrukturen überfrachtet. 

Zeitreise: Nimm ein Kind an die Hand und lass dich von ihm führen. Betrachte die Steine, die es aufhebt und höre zu, was es dir erzählt. Zur Belohnung zeigt es dir eine Welt, die du längst vergessen hast.

(unbekannter Verfasser)

Kinder benötigen ihr eigenes, für sie selbst noch nicht vollständig und umfassend begreif- und erfassbares Zeitmaß (Jean Piaget), in/ nach dem sie ihre Wahrnehmungen und Beobachtungen nach subjektiven Bedürfnissen ausrichten und fokussieren dürfen, um sich mit ihrer selbstmotivierten Konzentration und intrinsisch gelenkter Aufmerksamkeit ihrem eigenen Attraktivitätsobjekt handelnd zuwenden können. Überall dort, wo solche Wahrnehmungsprozesse im Kind unterbrochen oder gar unterbunden werden, bleibt im Kind eine unfertige, unbearbeitete Situation vorhanden und sorgt im weiteren Verlauf für halbherzige oder nicht vorhandene Aufmerksamkeit auf das neue Wahrnehmungsobjekt. Neurowissenschaftler:innen (z.B. Gerald Hüther/ Gerhard Roth/ Manfred Spitzer/ Wolf Singer/ Christian Haass/ Martin Dichgans) stellen bei Kindern eine zunehmende Anhäufung von Stresshormonen (= biochemische Botenstoffe) durch besondere Belastungen fest, indem bei eher kurzzeitigen Belastungserlebnissen so genannte Katecholamine (Adrenalin + Noradrenalin) und bei dauerhaften Belastungen so genannte Glukokortikoide in der Nebenniere gebildet und freigesetzt werden. Über die weitere Vermittlung des Corticotropin-releasing Hormons wird Adrenocorticotropinfreigesetzt, das wiederum die Synthese und Ausschüttung des Glukokortikoids Cortisol aus der Nebennierenrinde stimuliert. So entsteht im Kind der folgende Gefühlsimpuls: Flucht oder Kampf, Desinteresse bzw. Abwendung vom Angebot oder Auflehnung/ aggressive Abneigung gegen das, was das Kind um sich herum erlebt. ZEIT und RAUM würde eine solche verfahrene Situation erst gar nicht aufkommen oder sich zuspitzen lassen.

Wenn wir bei einem Kind etwas ändern wollen, sollten wir zunächst prüfen, ob es sich nicht um etwas handelt, das wir an uns selbst andern müssen. 

(Carl Gustav Jung)

Fragen, die daher im Sinne einer tatsächlichen KINDORIENTIERUNG immer dringlicher im Sinne einer zeitgebenden Entwicklungsunterstützung angezeigt sind und in den Vordergrund gerückt werden müssen, lauten wie folgt: 

  • Was braucht das Kind an Unterstützung im Hinblick auf seine Interessen und Bedürfnisse? 
  • Welche aktive Begleitung braucht das Kind, um seine subjektiv ausgerichtete Neugierde ausdrücken und handelnd ausprobieren zu können? 
  • Womit kann dem Kind geholfen werden, um seine innewohnenden Ressortkompetenzen zu entdecken und diese handlungsaktiv in Erfahrung zu bringen? 

Lernen heißt:  Alte Erfahrungen neu durchdenken. 

(Willy Möbius)

Um aus einer entwicklungsfeindlichen Beschleunigungspädagogik herauszufinden und zu einer entschleunigen Entwicklungsbegleitung der Kinder zu gelangen bedarf es daher vor allem folgender Umkehrschritte:

1.)   Entsprechend der UN-Charta „Rechte des Kindes“ ist das Wohl des Kindes vorrangig vor allen anderen Gesichtspunkten zu berücksichtigen (Art. 3;1), einschließlich des Rechts auf Ruhe und Freizeit, Spiel und … Ruhe (Art. 31;1) 

2.)   Insofern darf auch das Thema >Partizipation< weder als ein zusätzlicher, funktional gestalteter Programmpunkt in die Bildungslandschaft verstanden werden. Stattdessen muss Partizipation von Anfang an in die Alltagspädagogik als permanenter Bestandteil einer demokratischen Pädagogikintegriert werden;

3.)   Die Pädagogik muss erkennen, dass Kinder die Lehrmeister für alle pädagogischen Fachkräfte sowie die Ausgestaltung der Pädagogik und damit nicht Lehrprogramme der Ausgangspunkt für Lernprozessesind.

4.)   Die Grundlagen für eine kindorientierte und zugleich professionell gestaltete Elementarpädagogik sind aus den Erkenntnissen entwicklungspsychologischer Gesetzmäßigkeiten, der Bindungs- und Bildungsforschung abzuleiten und müssen damit modernistische Tendenzen professionell auf ihre pädagogische Berechtigung hin überprüfen und bei fachlichen Defiziten in ihre Schranken verweisen.

5.)   Es muss endlich zur Kenntnis genommen werden, dass Kindheiten ein eigener Entwicklungszeitraummit eigenen Merkmalen ist und besondere Erfordernisse notwendig macht.

6.)   Die Elementarpädagogik muss sich wieder als eigenständige Fachdisziplin verstehen und aus der Einverleibung durch die Schulpädagogik lösen.

7.)   „Bildung“ muss als ein Prozess der Selbstbildung des Kindes verstanden werden – das erfordert eine völlige Ablösung von teilisolierten und nicht nachhaltigen Förderprogrammen.

8.)   Wenn sich die elementarpädagogischen Fachkräfte als aktive Entwicklungsbegleiter/innen des Kindes verstehen, erübrigt sich auch das Wort „Förderung“, das eine „Bildung aus II. Hand“ (Prof. Dr. Gert Schäfer) immer wieder auf’s Neue aktualisiert und das Kind weiterhin in Beschlag nehmen würde. Der Begriff „Förderung“ sollte durch den Begriff „Entwicklungsbegleitung“ ersetzt werden; dann würde auch die Berufsbezeichnung >Erzieher:in< durch >Entwicklungsbegleiter:in< ersetzt werden können.

9.)           Solange Konzeptionen Aussagen enthalten, die ‚kindorientierte Entwicklungsbedürfnisse als Ausgangspunkt der pädagogischen Alltagsgestaltung beschreiben und diese in der Praxis nur bruchstückhaft zu entdecken oder gar nicht wiederzufinden sind, werden diese zu unverbindlichen Konzepten degradiert und besitzen infolge dessen keine Aussagekraft. Damit bleiben sie inhaltsleere Worthülsen. Sollte das der Fall sein, besteht die Aufgabe für die Fachkräfte darin, die formulierte Theorie zur Praxis werden zu lassen.   

10.)       Solange sich elementarpädagogische Fachkräfte nicht deutlich von fachlich unberechtigten Träger-/ Fachberater:innenerwartungen oder überzogenen, unberechtigten Elternwünschen abgrenzen, solange wird die Einrichtung kein professionelles Profil besitzen können und kindliche Enwicklungsbedürfnisse außer Acht lassen . 

11.)       Solange die Elementarpädagogik es nicht schafft, die pädagogische Wertigkeit vom Kinde aus zu betrachten und zu gestalten, solange bleiben bedeutsame psycho-soziale Grundbedürfnisse von Kindern unbeachtet und werden in nachhaltigen Folgen zum Ausdruck kommen. 

12.)       Solange alltagsferne, inhaltlich voneinander abgetrennte Themenangebote den Kindern vorgesetzt und untrennbar vernetzte Sinnzusammenhänge voneinander isoliert werden, so dass nahezu alles auf eine strikte Didaktisierung der Pädagogik hinausläuft oder sogar noch aufgestockt wird, solange werden spannende und beziehungsförderliche Bindungserfahrungen und (Selbst)Bildungsprozesse (auf beiden Seiten!) einer funktionalen Kognitionserziehung geopfert – mit nachhaltigen entwicklungshinderlichen Auswirkungen auf das Kind. 

13.)       Solange Freude, eine innere Zufriedenheit, ein tiefes Glücksempfinden und eine wache Neugierde nicht als a-prioriertes Ziele der Elementarpädagogik im uneingeschränkten Vordergrund stehen, solange entfernen sich Kinder und Erwachsene immer weiter voneinander. Psychiater sprechen hier vom >Lernziel Neurose<, weil ein lebensbejahendes, fröhliches Mit- und Voneinanderlernen nicht mehr im Mittelpunkt der Pädagogik stehen. 

14.)       Solange in Kindertageseinrichtungen ein funktionales, fachlich verkümmertes Bildungsverständnis im olympischen Sinne von ‚früher, schneller, höher, weiter’ die Alltagspädagogik prägt, solange liegt diesem Missverständnis von Bildung eine didaktisierte Vorschulpädagogik zu Grunde und ist vom gesetzlich verankerten ‚eigenen Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag’ (SGB VIII. Bd., 2.Hbb.weit entfernt. 

15.)       Solange die Elementarpädagogik die von wirtschaftlich geprägten InteressensgruppenVerbändenStiftungen entwickelten und teilisolierten ‚Förderprogramme’ unkritisch und ohne Wertigkeitsüberprüfung übernimmt, solange wird es keine Pädagogik vom Kinde aus geben

16.)       Solange Fachschulen/ Fachakademien u.ä. Ausbildungsstätten für Erzieher*innen an inhaltlich starren Ausbildungsplänen, einer funktional orientierten Unterrichtsgestaltung und an rigiden Praxisbeurteilungenihrer Praktikant*innen festhalten, solange ist es den Erzieher:innen in ihrem späteren Beruf auch umso schwerer möglich, sich auf eine kindorientierte, lebendige und damit innovative und auch mal ungeplante Pädagogik einzulassen. 

17.)       Und solange elementarpädagogische Fachkräfte keine Solidarität – selbstverständlich trägerübergreifend – miteinander herstellen und keinen bzw. nur wenig Mut aufbringen, mit ihrem Träger, Fachberater*innen und Eltern bei fachlich unberechtigten Forderungen in ein konstruktives Streitgespräch einzusteigen, solange bleibt die Elementarpädagogik nur ein ‚Anhängsel’ anderer Fachdisziplinen und die gesellschaftlich überaus bedeutsame Gruppe der Kindheitspädagog*innen verspielt damit gleichzeitig die Chance, ihre Professionalität nach außen zu tragen – mit dann vollkommen berechtig erhöhten Gehaltsforderungen.

 

Literaturangaben:

Bergmann, Wolfgang: Lasst eure Kinder in Ruhe! Gegen den Förderwahn in der Erziehung. Kösel Verlag, 2011

Dreiske, Hans-Herbert: Ohne Netz. Gedichte zur Kindheit. Lambertus 1987

Drerup, Johannes et al.: Was ist eine gute Kindheit? Reclam, Philipp Jun. Gmbh, 2024

Juul, Jesper: Es gibt keine unberechenbaren Jugendlichen. Wie wir mit unseren Kindern in Beziehung bleiben. Kösel, 2023

Juul, Jesper: Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage in der Familie, rororo, 2009

Krenz, Armin & Klein, Ferdinand: Bildung durch Bindung. Frühpädagogik – inklusiv und beziehungsorientiert. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2. Aufl. 2013

Krenz, Armin: ELEMENTARPÄDAGOGISCHE GRUNDSÄTZE AUF DEN PUNKT GEBRACHT. 20 PowerPointPräsentationen als Grundlage für Teambesprechungen, Fortbildungs-veranstaltungen, Fachberatungen. BurckhardtHaus Verlag, c/o Körner Medien UG, Freiburg (November) 2022

Krenz, Armin: SPIEL UND SELBSTBILDUNG. Kitas brauchen eine pädagogische Revolution. BURCKHARDTHAUS Verlag (Körner Medien), Freiburg 2024

Krenz, Armin: Berufsbild Erzieher*in. Grundsatzgedanken zum Selbstverständnis eines sehr anspruchsvollen Berufs. BURCKHARDTHAUS Verlag (Körner Medien), Freiburg 2024

Krenz, Armin: Pädagogische Haltung entwickeln und leben. Werte und Professionalität für pädagogische Bachkräfte. 50 Bildkarten für Erzieher*innen und Teams. Don Bosco Verlag, München 2025

Krenz, Armin: MEDIENKOMPETENZ BEGINNT MIT DER SACH- UND SELBSTKOM-

PETENZ BEI DEN ERWACHSENEN und nicht zuvorderst „am“ Kind. BurckhardtHaus,

c/o Körner Medien UG, Freiburg 2025 (Arbeitsheft)

Krenz, Armin: Merkmale einer guten Kita-Pädagogik. Das Praxisbuch zur Qualität in der frühen Bildung. Was in Kitas oftmals vergessen, zurückgestellt oder außer Acht gelassen wird. BurckhardtHaus, c/o Körner Medien UG, Freiburg 2025/2026

Krenz, Armin: Ganzheitliche Pädagogik verstehen und leben. Wie Kinder durch Beziehung, Sinneserfahrung und Selbstbildung nachhaltig wachsen – ein Leitfaden für pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern. BurckhardtHaus, c/o Körner Medien UG, Freiburg 2025/2026

Krenz, Armin: Kinderseelen verstehen. Verhaltensauffälligkeiten und ihre Hintergründe.

Kösel-Verlag, München 6. Aufl. 2019.

Lee, Jeffrey: Abenteuer für eine echte Kindheit. Die Anleitung. Kabel by Piper, 2004

Mansel, J. [Hrsg.], Glückliche Kindheit — Schwierige Zeit? Leske & Budrich, Opladen

1996

Maywald, Jörg: Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern. Verlag Herder, 2019

Postman, Neil: Das Verschwinden der Kindheit. Fischer Taschenbuch, 1987

Renz-Polster, Herbert: Die Kindheit ist unantastbar. Beltz Verlag, 2014

Renz-Polster, Herbert: MENSCHENKINDER. Artgerechte Erziehung – was unser Nachwuchs wirklich braucht. Kösel, 4. Aufl. 2016

Renz-Polster, Herbert: Demokratie braucht Erziehung. Warum der Widerstand gegen

autoritäre Strömungen schon in der Kindheit beginnt. Kösel, 2025

Stipsitz, Reinhold & Hutterer, Robert (Hrsg.): Person werden. Verlag Peter Lang, 1988

Von Rosenberg, Florian: Die beschädigte Kindheit: Das Krippensystem in der DDR und seine Folgen. C.H. Beck, 2022

Weber, Andreas mit Emma und Max: Das Quatsch-Matsch-Buch. Das AKTIONSBUCH großstadttauglich & baumhausgeprüft. Kösel, 2013

Weber, Andreas: Nehr Matsch! Kinder brauchen Natur. Ullstein, 2012

 

Autor:

Armin Krenz, Hon.Professor für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik (a.D.),

Prof. h.c. et Dr. h.c. / Wissenschaftsdozent mit (inter)nationalen Lehraufträgen

 

Diese Grundüberlegungen liegen dem Vortrag „Kinder haben ein Recht auf ihre Kindheit – ein Plädoyer für eine kind(heits)orientierte Elementarpädagogik“ zugrunde, der auf der Bildungsmesse DIDACTA in Köln am 10.03.2026 gehalten wurde. Interessierte Personen können die PowerPointPräsentation (mit 27 Folien) beim Autor des o.g. Beitrages gerne kostenlos anfordern: armin.krenz@web.de

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Kommentare (1)

Dr. Erika Butzmann 11 März 2026, 18:55

Lieber Herr Krenz, ich bin Ihnen unendlich dankbar für diesen Artikel, der genau aufzeigt, warum viele Kinder heute hoch unruhig sind, sich nicht mehr einem Spiel vollkommen hingeben können, Zeit und Raum verlieren und sich dabei nicht mehr selbst finden können. Das beginnt mit der Krippenbetreuung für die ganz Kleinen, die noch nicht einmal ein Ichbewusstsein haben und vielfältig leiden. Es geht weiter mit den Programmen zur Partizipation, obwohl die Kinder in ihrem normalen Entwicklungsverlauf deutlich Partizipation nach und nach einfordern; es muss nur darauf gehört werden. Und es geht weiter mit dem massiven Eindringen digitaler Medien in den Kindergärten, damit die Kinder Medienkompetenz erwerben, obwohl sie dafür noch nicht in der Lage sind. Und was die Entwicklung zusätzlich einschränkt, ist die fehlende Zeit und der fehlende Ruhe-Raum für das Zeichnen. Dass die Stifthaltung nicht mehr angeeignet wird dadurch, ist der geringste Fehler. Schlimmer ist das Verkennen, wie sehr Kinderzeichnungen Entwicklungsbegleiter sind. Dieses Wissen fehlt auch in der Fachliteratur; so dass ich hier mit einem Buch aktiv werden muss. Ebenso habe ich 2025 darüber geschrieben, wie sehr die natürlichen Entwicklungsverläufe der Kinder bei den ganzen Bildungsbemühungen von Anfang an missachtet werden. Hoffentlich finden Sie mit Ihrem Artikel Gehör und hoffentlich werden die Leserinnen auch auf die anderen Autoren aufmerksam, die Sie zitieren.
Herzliche Grüße
Erika Butzmann

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